Der Grundtenor in der Olma-Halle 9 lautete: Heute wissen die Fachleute, dass sie nicht wissen, wie es mit der Geothermie in Zukunft weitergehen soll. Einig ist man sich trotzdem: Es soll weitergehen. Sehr beruhigend ist das zwar nicht, da gegenwärtig unter den erneuerbaren Energien Sonne, Wasser, Wind und Geothermie ein richtiggehendes Wrestling tobt. Ob die eine oder andere Alternative dereinst obsiegt oder alle miteinander untergehen und in der Konsequenz die Energiewende dann doch nicht stattfindet, bleibt offen. Beängstigend sind die Signale aus Deutschland, wo bereits der Ausstieg aus dem Ausstieg diskutiert wird – mit der klaren Option, mit der Atomkraft weiterzumachen wie bisher.
Rückschläge sind der Normalfall
Grosse Projekte seien immer mit Rückschlägen verbunden und man werde auch immer wieder vor die Frage gestellt, wie es weiter gehen soll. Das gab Daniel Büchel, Vizedirektor beim Bundesamt für Energie (BFE), in seinem Referat zur schweizerischen Energie-Strategie 2050 zu bedenken und sprach mit dem St.Galler Geothermie-Projekt vergleichbare Erfahrungen aus der Industriegeschichte an. In der Geothermie stehe man noch ganz am Anfang, weitere Misserfolge bei der Nutzung dieser Energie seien deshalb auch nicht auszuschliessen, fuhr Büchel fort. «Die Schweiz will bis 2050 aus der Atomenergie aussteigen», sagte der Vizedirektor des BFE. «Daran halten wir fest. Die Frage ist aber noch offen, wie wir das schaffen.»
Büchel verwies auf die Strategie des Bundes, die vier wesentliche Punkte beinhaltet: Energieversorgung, technische Sicherheit, Umweltverträglichkeit und Wirtschaftlichkeit. Auch die Tiefengeothermie bleibt trotz des Scheiterns des St.Galler Pilotprojektes im Fokus des schweizerischen Energiekonzeptes. «Der Bund hat die Risikogarantie von 50 auf 60 Prozent erhöht», sagte Büchel. Bei der Nutzung erneuerbarer Energien sei die Forschung von grosser Bedeutung, strich er heraus. Dafür würden sieben Kompetenzzentren geschaffen, nationale Forschungsprogramme aufgegleist und die Zusammenarbeit auf internationaler Ebene gestärkt.
Das Fazit, das Büchel aus dem St.Galler Pilotprojekt zieht: Es ist nicht alles planbar, grosse Visionen und Strategien sind auch immer mit Rückschlägen verbunden, aller Anfang ist schwer. «Wir sind dort angelangt, wo wir sein wollten», erklärte Büchel.
Entschlossene Ratlosigkeit
In der Podiumsdiskussion erklangen dann entschlossene Voten, die aber den Eindruck der Ratlosigkeit in Bezug auf die Energiezukunft nicht überspielen konnten. Claudia Friedl (St.Galler SP-Nationalrätin), Hans Killer (Aargauer SVP-Nationalrat), Ivo Bischofberger (Appenzell-Innerrhoder Ständerat), Daniel Büchel (BFE), Erwin Knapek (Präsident Bundesverband Geothermie Deutschland) und Fredy Brunner (St.Galler FDP-Stadtrat) sind alle Befürworter der Geothermie, jedoch sehr wankelmütig bei deren Beurteilung als künftiger Energieträger, wie nachfolgende Zitate zeigen.
Claudia Friedl: «Wir sind beim Atomausstieg und in der Klimapolitik gefordert. Wir müssen die Effizienz bei der Energiewende steigern. Die Geothermie ist eine der Alternativen. Jedoch gilt hier kritisch zu beachten, dass beim Tiefenbohren Chemikalien eingesetzt werden, die zu Gewässerverschmutzungen führen können.»
Hans Killer: «Es ist wichtig, in die Geothermie zu investieren, jedoch wird es schwierig sein, auch die nötigen Mittel dafür zu finden.»
Ivo Bischofberger: «Die Politik muss jetzt unbedingt Ordnung in die Energiefrage bringen. Punkto Nutzung der Geothermie wissen wir noch sehr wenig über die Beschaffenheit des Untergrundes. Wir müssen uns da wirklich mehr anstrengen.»
Fredy Brunner: «Mir macht der Preisverfall bei der Energie Sorge. Er ist die Folge des grossen Angebotes verschiedener Energieträger. Es tobt momentan ein Streit um die Verteiltöpfe. Da muss man sich schon fragen, macht es überhaupt Sinn, so viel Geld in die Geothermie zu investieren?»
Daniel Büchel: «In der Energieforschung wird viel getan, es werden Akzente gesetzt. Aber wir wissen heute nicht, was alles noch kommt.»
Und Erwin Kanapek: «Die Schweiz hat mehr Wissen in der Tiefenerkundung als Deutschland. In Deutschland ist die Geothermie zur Zeit nicht auf dem Radar. Wichtiger sind Sonnenenergie und Windkraft. Ich denke, Deutschland könnte von der Schweiz lernen.»
Was die Energiezukunft der Schweiz betrifft, äusserte sich Fredy Brunner gegenüber Saiten sehr optimistisch: «Ich bin überzeugt: Wir schaffen die Energiewende bis 2050.» – Wir nehmen das als gutes Omen mit aus dem Geothermie-Kongress in der Olma-Halle.
Bild: geothermie-bodensee.ch
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