Heute abend starten die Filmtage in Solothurn mit «Rosie» von Marcel Gisler, gedreht unter anderem im Sommer in Altstätten. «Rosie» ist der erste Kinoflm Gislers nach 14 Jahren.
Hier zur Einstimmung sein Interview mit «Saiten» aus der Septembernummer:
Marcel Gisler, wie war es, nach so vielen Jahren in Berlin nach Altstätten zurückzukehren und zu drehen?
Marcel Gisler: Wir wurden mit offenen Armen empfangen. Dafür bin ich sehr dankbar. Ein kleines Kalkül steckte natürlich auch dahinter. Da ich in Altstätten geboren bin, hatte ich ein wenig gehofft, dass sie einem der Ihren unter die Arme greifen. Und dazu sind das Rheintal und Altstätten filmisch unberührtes Land. Das erleichtert oft auch viel. Die Menschen sind noch neugierig auf so einen Filmdreh.
Hätte man die Geschichte in irgendeiner Kleinstadt verfilmen können – oder musste es Altstätten sein?
Man hätte irgendwo drehen können. Es ist eine universelle Geschichte. Da der Film jedoch eine biographische Annäherung an meine Mutter ist, die in Altstätten gelebt hat, habe ich mich für den Originalort entschieden. Zudem hatte ich alle Schauplätze beim Schreiben bereits im Kopf, was die Motivsuche sehr vereinfacht hat. Und nicht zu vergessen: die Landschaft ist unheimlich schön und wenig gefilmt. Es war also eine teils pragmatische Entscheidung, teils eine emotionale.
In der Geschichte geht es um einen Schriftsteller aus Berlin, der an den Ort zurückkehrt, an dem er aufgewachsen ist, um seine Mutter zu pflegen – und von der Situation heillos überfordert ist. Das tönt nach viel Autobiografie.
Ich arbeite meistens aus dem Autobiographischen heraus und irgendwann wird es dann Fiktion, da Filmstorys und Filmfiguren eine Eigendynamik entwickeln und sich nicht mehr um die Realität scheren. «Rosie» ist eine Fiktion oder eine Phantasie über meine Familie.
Was war die erste Idee, was stand am Ursprung der Story?
Eine Schnittfolge. Rosie vor dem Spiegel, eine 72-jährige, vom Leben gezeichnete Frau. Alter, Krankheit, Zerfall. Schnitt auf einen jungen Mann in gleicher Einstellungsgrösse: Sehnsucht nach Jugend, Leben, Aufbruch. So ist es nun auch im Film. Oft gibt es am Anfang ein zentrales Bild, um das herum ich dann die Story finde.
«Rosie» wird für das Kino gedreht. Wie vermeidet man eine Fernsehfilm-Ästhetik?
Beim Fernsehfilm gibt es oft keine konkrete Idee und keine Sorgfalt in den Details, weder was Auflösung, Cadrage, Licht, Schauspielführung, Dialogbehandlung etc. angeht. Da man nicht vorbereitet ist, macht man es irgendwie und gibt sich schnell zufrieden. Es fehlt die Zeit für diese Sorgfalt.
Wie war das bei «Rosie»?
Ich musste sehr um die nötige Vorbereitungszeit kämpfen, die ein Kinofilm braucht. Oft fehlt beim Fernsehfilm auch schlicht die Kenntnis, was filmisches Erzählen eigentlich bedeutet, es fehlt die Erfahrung in der Schauspielführung, es fehlt der Wille und der Mut, eigene Wege zu finden und zu gehen.
«Rosie» hat eine lange Vorgeschichte. Ist es nicht nervtötend, dass Filmprojekte oft solch lange Anlaufzeiten haben?
Wenn ich es nervtötend finden würde, hätte ich den falschen Beruf gewählt. Einige Projekte begleiten einen lange, andere kürzer. Die erste Version von Rosie entstand 2001, die zweite 2008, und die dritte wurde nun realisiert. Die Geschichte hat sich dabei stark verändert, – eigentlich wären es drei verschiedene Filme -, und diese Veränderungen spiegeln wohl auch mein Älterwerden und die Verschiebung meiner Interessen und zentralen Fragen. Dass der Film erst jetzt realisiert wurde, hängt vermutlich auch damit zusammen, dass ich vor zehn Jahren noch nicht die nötige Distanz zur eigenen Geschichte oder den Mut hatte, nach Altstätten zu kommen und das durchzuziehen.
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Diese Frage kann ich mit Ja beantworten. Doch weiss niemand, was die Zukunft bringt. Ich bin abhängig von Gremien, die über meine Projekte entscheiden.
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