Kategorie
Autor:innen
Jahr

Güllen und andere Hexenjagden

Zwischen Kleinstadt und Grossmacht: Das Theater St.Gallen präsentiert sein Programm für die Spielzeit 2014/15. Und muss sparen.
Von  Peter Surber

An der Medienkonferenz vom Dienstag wurde zwar wie üblich kein Spielzeitmotto genannt – gäbe es jedoch eins, so könnte es «In der kleinen Stadt» heissen. Jedenfalls im Sprechtheater: Dort programmiert Schauspieldirektor Tim Kramer gleich mehrere Stücke, die sich umstandslos auf St.Gallen beziehen lassen.

Das beginnt mit dem «Besuch der alten Dame», Dürrenmatts untöteliger Hommage an Güllen und das mörderische Klima im Ort, wo jeder jeden kennt und jede noch eine Rechnung offen hat. Es geht weiter mit Arthur Millers «Hexenjagd» – und mit einer vielversprechenden Erstaufführung: «Alpenvorland» des jungen Österreichers Thomas Arzt thematisiert die kleinbürgerlichen Träume der Dreissigjährigen von heute in ländlich-städtischen Gebieten wie hierzulande.

Das Schauspielprogramm hat es auch sonst ungemütlich in sich. Psychohöllen entwirft Ibsen in seinen «Gespenstern» – Abgründe der Finanzkrise reisst Jonas Lüscher in seinem «Frühling der Barbaren» auf. Das Theater St.Gallen bringt den letztjährigen Erfolgsroman dramatisiert auf die grosse Bühne, vor anderen Häusern, die den Stoff auch gern gehabt hätten, wie Kramer hervorhob.

Spitze gegen die HSG

In Lüschers Roman platzt der Traum vom ewig sprudelnden Wohlstand in einer Oase in Tunesien – eine groteske und blutige Apokalypse mit gemeuchelten Kamelen und Menschen, auf deren theatralische Umsetzung man gespannt sein kann. «Frühling der Barbaren» knüpft an Produktionen wie «Top Dogs», Jelineks «Kontrakte des Kaufmanns» oder zuletzt Urs Widmers «Das Ende vom Geld» an: eine ganze Reihe von Stücken, mit denen das St.Galler Theater sich kritisch mit Finanzmarkt und Big Business auseinandersetzt. Das geschehe zwar im Dialog mit der HSG, sagte Kramer – aber mit insgesamt enttäuschend wenig Resonanz bei Professoren und Studierenden vom Rosenberg. Die fänden eher den Weg ins Musical als ins Schauspiel.

Im Musiktheater gibt sich die kleine Stadt und ihr Theater denn auch in der nächsten Spielzeit als Grossmacht. Zu den Musical-Wiederaufnahmen von «Artus», «Moses» und «Anything Goes» kommt 2015 «Flashdance» hinzu. In der Oper setzt Direktor Peter Heilker auf Bestseller wie «Carmen», Donizettis «Lucrezia Borgia» und Mozarts «Entführung aus dem Serail», aber auch auf eine mutige Schweizer Erstaufführung: «Written on Skin» des Engländers George Benjamin.

Die neue Leiterin der Tanzsparte, Beate Vollack, choreographiert in der Lokremise ein Stück nach Meret Oppenheim, «X = Hase», sowie gleich zweimal den Romeo-und-Julia-Stoff: auf der grossen Bühne das Ballett zur Musik von Bizet und als mobile Produktion Eigenchoregraphien der Kompagnie unter dem Titel «R&J».

Pensionen statt Produktionen

Konzert und Theater sind der Sparguillotine des Kantonsrats zwar entkommen, aber kommen indirekt zur Kasse: Die Rückstellungen für die Pensionskasse kosten über vier Jahre 4,1 Millionen Franken, Geld, das bei den Produktionen eingespart werden muss. Die «einschneidende» Folge, laut Direktor Werner Signer: Positionen wie das Silvesterstück oder die Oper für Kinder fallen weg beziehungsweise werden durch Inszenierungen kompensiert, die so konzipiert sind, dass sie auch für junges Publikum attraktiv sein sollen – etwa Zuckmayers «Katharina Knie» in Koproduktion mit dem Cirque de loin.

Das programmatische Bonmot dazu kam von Tim Kramer: «Man soll ja die jungen Leute nicht für blöd verkaufen.»

 

Jetzt mitreden:
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Dein Kommentar wird vor dem Publizieren von der Redaktion geprüft.

Mit 1000 Um­dre­hun­gen durch den All­tags­irr­sinn

Das muss­te ja so kom­men! Es konn­te nicht bei ei­nem blei­ben. Zum Glück! Jetzt gibt es das zwei­te gros­se, schwe­re Psy­cho­buch von Be­ni Bi­schof. Dar­in ver­wir­belt der Künst­ler er­neut Ei­ge­nes, Frem­des, Be­fremd­li­ches, Be­kann­tes, Neu­es, Un­kennt­li­ches mit lo­cke­rer Hand, Hu­mor und Hin­ter­sinn.

Von  Kristin Schmidt
2606 Psychobuch 2

Auf­he­ben, ver­kau­fen oder zer­stö­ren?

Die Son­der­aus­stel­lung «Bau­stel­le Er­in­ne­rung / ‹Hit­ler ent­sor­gen› – Ar­bei­ten am be­las­te­ten Er­be» im Vor­arl­berg Mu­se­um in Bre­genz be­schäf­tigt sich da­mit, wie ein ver­ant­wor­tungs­vol­ler Um­gang mit Ge­gen­stän­den aus der NS-Ver­gan­gen­heit aus­se­hen kann. Aus­ser­dem be­rät das Mu­se­um Pri­vat­per­so­nen, die sol­che Ge­gen­stän­de be­sit­zen.

Von  Sieglinde Wöhrer
S0 A2501 Ausstellung Baustelle Erinnerung Foto Petra Rainer 1

Ge­trennt ge­mein­sam und mit gu­ter Aus­sicht

For­rer Stie­ger Ar­chi­tek­ten ge­lingt mit dem Drei­fach­kin­der­gar­ten und der Ta­ges­be­treu­ung im Hei­lig­kreuz­quar­tier in St.Gal­len die Qua­dra­tur des Krei­ses.

Von  Ursula Badrutt
01 260504 GBO2602 0101 MAX web

Should I Stay or Should I go

Es geht um uns Men­schen und un­ser son­der­ba­res und ver­hee­ren­des Ver­hal­ten. «Hu­mans» heisst die gros­se Ein­zel­aus­stel­lung des Ost­schwei­zer Künst­lers Olaf Breu­ning. Vie­le Ar­bei­ten sind spe­zi­ell für die Schau im Mu­se­um Al­ler­hei­li­gen in Schaff­hau­sen ent­stan­den. 

Von  Ursula Badrutt
2025 06 02 Ausstellungsaufnahmen 14

25 Jah­re Rock am Wei­er

In Wil fand am Wo­chen­en­de das Rock am Wei­er statt. Seit 25 Jah­ren gibt es das Fes­ti­val, und trotz in­zwi­schen grös­se­rer Na­men ist es im­mer noch kos­ten­los. Ein Ver­ein or­ga­ni­siert es nicht-pro­fit­ori­en­tiert und för­dert re­gio­na­le Acts. Un­se­re Au­torin ist an den Ort ih­rer mu­si­ka­li­schen So­zia­li­sa­ti­on zu­rück­ge­kehrt. Ei­ne Re­por­ta­ge. 

Von  Elisa Faes
Rock am weier elisa faes 1

Kolumne: 24/7 Traumacore

Spring Is Co­ming Wi­th A 425mg Pas­si­ons­blu­men-Dra­gée In The Mouth

Von  Mia Nägeli

Ausstellung im Museum Rosenegg

Fri­sches Wis­sen fürs Mu­se­um

Von  Vera Zatti
Uu Kirchenfenster

Kabarett in Herisau

Apo­ka­lyp­se ist auch nicht al­les

Von  Vera Zatti
P1200733 x jpg

«Es geht dar­um, sich sei­ner Pri­vi­le­gi­en be­wusst zu sein»

De­bat­ten um Ma­chis­mus, Deepf­ake-Por­nos, häus­li­che Ge­walt und Fe­mi­zi­de sind bei­na­he all­täg­lich. Was kön­nen Män­ner ge­ra­de tun, wenn sie un­ter Ge­ne­ral­ver­dacht ge­ra­ten? Frau­en­haus­lei­te­rin Kat­ja Häm­mer­li Kel­ler, Flo­rance Hil­de­brand vom fe­mi­nis­ti­schen Streik­kol­lek­tiv Thur­gau und Ma­nu­el Ben­ja­min Leh­mann vom Fo­rum Mann dis­ku­tie­ren Lö­sungs­an­sät­ze.

Von  Daria Frick , Bilder:  Lea Le
Bildschirmfoto 2026 06 11 um 12 25 26

Kommentar zur SVP-Chaosinitiative

Aus­län­der:in­nen sind nicht nach­hal­tig

Von  Christoph Keller
Nachhaltigkeitsinitiative

30 Jah­re Ar­chi­tek­tur­ver­mitt­lung

Das AFO, das Ar­chi­tek­tur Fo­rum Ost­schweiz, dis­ku­tiert und ver­mit­telt seit 30 Jah­ren Bau­kul­tur. Am kom­men­den Frei­tag wird das Ju­bi­lä­um ge­fei­ert und die neus­te Ar­ti­kel­se­rie der gu­ten Bau­ten als Buch prä­sen­tiert.

Von  René Hornung
2511 Gutes Bauen 1 Ladina Bischof

Im zwei­ten An­lauf: Kan­tons­rat sagt Ja zu Mi­na­sa 

Mi­na­sa be­kommt al­so doch Geld aus dem Lot­te­rie­fonds: Der Kan­tons­rat hat dem von Sai­ten und Thur­gau­kul­tur.ch auf­ge­bau­ten Pro­jekt, das den gröss­ten Ver­an­stal­tungs­ka­len­der der Ost­schweiz er­mög­licht, die Fi­nan­zie­rung für drei wei­te­re Jah­re ge­si­chert.

Von  David Gadze
Kantonsrat Sommersession 2026 Benjamin Manser St Galler Tagblatt

«Wer hält uns da­von ab, frei zu sein?»

In­na Shev­chen­ko fragt im Do­ku­men­tar­film Girls and Gods, ob die mo­no­the­is­ti­schen Welt­re­li­gio­nen mit Fe­mi­nis­mus ver­ein­bar sind. Auf der Su­che nach Ant­wor­ten be­geg­net sie wi­der­sprüchli­chen Theo­rien und mu­ti­gen Frau­en. Und bleibt nicht nur stil­le Be­ob­ach­te­rin.

Von  Daria Frick
Bildschirmfoto 2026 06 10 um 15 01 03

In eigener Sache

Ein Be­kennt­nis zu Mi­na­sa 

Von  Marc Jenny

Abstimmungskommentar zur SVP-Chaosinitiative

Über­frem­dungs­ge­heul im Dau­er­loop

Von  Daria Frick

Theateraufführung

Des Nachts im Wal­de

Von  Vera Zatti
VLT Sujet WEB Sommenacht2

Kolumne: Heppelers Bestiarium

Hor­ror un­ter dem Mi­kro­skop

Von  Jeremias Heppeler

Vie­le Spu­ren und ein Tat­ort

Ein paar Fe­dern, ein an­ge­knab­ber­ter Tan­nen­zap­fen, ein Stück Plas­tik: Tie­re und Men­schen hin­ter­las­sen Spu­ren. Die­sen wid­met das Na­tur­mu­se­um St.Gal­len sei­ne ak­tu­el­le Son­der­aus­stel­lung «Spu­ren – Fähr­ten, Frass und Fe­dern».

Von  Vera Zatti
1 Intro Dachs 20260515 NM SPUREN  Urs Bucher

Wor­an soll man noch glau­ben?

In ei­ner neu­en Aus­stel­lung wagt sich das Kunst­mu­se­um Thur­gau in der Kar­tau­se It­tin­gen an ei­ne Neu­ver­mes­sung des Ver­hält­nis­ses von Kunst und Re­li­gi­on.

Von  Michael Lünstroth
O0 A5990 02

St.Gal­len plant Kon­sum­raum für Sucht­kran­ke

Hin­ter dem St.Gal­ler Haupt­bahn­hof soll ein Kon­sum­raum für Men­schen mit schwe­ren Sucht­er­kran­kun­gen ent­ste­hen. Die­se Wo­che ha­ben die Stadt und die Stif­tung Sucht­hil­fe An­woh­ner:in­nen ein­ge­la­den, um ei­nen ers­ten Dia­log zu star­ten. 

Von  Philipp Bürkler
Liegeschaft Lagerstrasse 2 4