An der Medienkonferenz vom Dienstag wurde zwar wie üblich kein Spielzeitmotto genannt – gäbe es jedoch eins, so könnte es «In der kleinen Stadt» heissen. Jedenfalls im Sprechtheater: Dort programmiert Schauspieldirektor Tim Kramer gleich mehrere Stücke, die sich umstandslos auf St.Gallen beziehen lassen.
Das beginnt mit dem «Besuch der alten Dame», Dürrenmatts untöteliger Hommage an Güllen und das mörderische Klima im Ort, wo jeder jeden kennt und jede noch eine Rechnung offen hat. Es geht weiter mit Arthur Millers «Hexenjagd» – und mit einer vielversprechenden Erstaufführung: «Alpenvorland» des jungen Österreichers Thomas Arzt thematisiert die kleinbürgerlichen Träume der Dreissigjährigen von heute in ländlich-städtischen Gebieten wie hierzulande.
Das Schauspielprogramm hat es auch sonst ungemütlich in sich. Psychohöllen entwirft Ibsen in seinen «Gespenstern» – Abgründe der Finanzkrise reisst Jonas Lüscher in seinem «Frühling der Barbaren» auf. Das Theater St.Gallen bringt den letztjährigen Erfolgsroman dramatisiert auf die grosse Bühne, vor anderen Häusern, die den Stoff auch gern gehabt hätten, wie Kramer hervorhob.
Spitze gegen die HSG
In Lüschers Roman platzt der Traum vom ewig sprudelnden Wohlstand in einer Oase in Tunesien – eine groteske und blutige Apokalypse mit gemeuchelten Kamelen und Menschen, auf deren theatralische Umsetzung man gespannt sein kann. «Frühling der Barbaren» knüpft an Produktionen wie «Top Dogs», Jelineks «Kontrakte des Kaufmanns» oder zuletzt Urs Widmers «Das Ende vom Geld» an: eine ganze Reihe von Stücken, mit denen das St.Galler Theater sich kritisch mit Finanzmarkt und Big Business auseinandersetzt. Das geschehe zwar im Dialog mit der HSG, sagte Kramer – aber mit insgesamt enttäuschend wenig Resonanz bei Professoren und Studierenden vom Rosenberg. Die fänden eher den Weg ins Musical als ins Schauspiel.
Im Musiktheater gibt sich die kleine Stadt und ihr Theater denn auch in der nächsten Spielzeit als Grossmacht. Zu den Musical-Wiederaufnahmen von «Artus», «Moses» und «Anything Goes» kommt 2015 «Flashdance» hinzu. In der Oper setzt Direktor Peter Heilker auf Bestseller wie «Carmen», Donizettis «Lucrezia Borgia» und Mozarts «Entführung aus dem Serail», aber auch auf eine mutige Schweizer Erstaufführung: «Written on Skin» des Engländers George Benjamin.
Die neue Leiterin der Tanzsparte, Beate Vollack, choreographiert in der Lokremise ein Stück nach Meret Oppenheim, «X = Hase», sowie gleich zweimal den Romeo-und-Julia-Stoff: auf der grossen Bühne das Ballett zur Musik von Bizet und als mobile Produktion Eigenchoregraphien der Kompagnie unter dem Titel «R&J».
Pensionen statt Produktionen
Konzert und Theater sind der Sparguillotine des Kantonsrats zwar entkommen, aber kommen indirekt zur Kasse: Die Rückstellungen für die Pensionskasse kosten über vier Jahre 4,1 Millionen Franken, Geld, das bei den Produktionen eingespart werden muss. Die «einschneidende» Folge, laut Direktor Werner Signer: Positionen wie das Silvesterstück oder die Oper für Kinder fallen weg beziehungsweise werden durch Inszenierungen kompensiert, die so konzipiert sind, dass sie auch für junges Publikum attraktiv sein sollen – etwa Zuckmayers «Katharina Knie» in Koproduktion mit dem Cirque de loin.
Das programmatische Bonmot dazu kam von Tim Kramer: «Man soll ja die jungen Leute nicht für blöd verkaufen.»
Das musste ja so kommen! Es konnte nicht bei einem bleiben. Zum Glück! Jetzt gibt es das zweite grosse, schwere Psychobuch von Beni Bischof. Darin verwirbelt der Künstler erneut Eigenes, Fremdes, Befremdliches, Bekanntes, Neues, Unkenntliches mit lockerer Hand, Humor und Hintersinn.
Die Sonderausstellung «Baustelle Erinnerung / ‹Hitler entsorgen› – Arbeiten am belasteten Erbe» im Vorarlberg Museum in Bregenz beschäftigt sich damit, wie ein verantwortungsvoller Umgang mit Gegenständen aus der NS-Vergangenheit aussehen kann. Ausserdem berät das Museum Privatpersonen, die solche Gegenstände besitzen.
Forrer Stieger Architekten gelingt mit dem Dreifachkindergarten und der Tagesbetreuung im Heiligkreuzquartier in St.Gallen die Quadratur des Kreises.
Es geht um uns Menschen und unser sonderbares und verheerendes Verhalten. «Humans» heisst die grosse Einzelausstellung des Ostschweizer Künstlers Olaf Breuning. Viele Arbeiten sind speziell für die Schau im Museum Allerheiligen in Schaffhausen entstanden.
In Wil fand am Wochenende das Rock am Weier statt. Seit 25 Jahren gibt es das Festival, und trotz inzwischen grösserer Namen ist es immer noch kostenlos. Ein Verein organisiert es nicht-profitorientiert und fördert regionale Acts. Unsere Autorin ist an den Ort ihrer musikalischen Sozialisation zurückgekehrt. Eine Reportage.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Ausstellung im Museum Rosenegg
Kabarett in Herisau
Debatten um Machismus, Deepfake-Pornos, häusliche Gewalt und Femizide sind beinahe alltäglich. Was können Männer gerade tun, wenn sie unter Generalverdacht geraten? Frauenhausleiterin Katja Hämmerli Keller, Florance Hildebrand vom feministischen Streikkollektiv Thurgau und Manuel Benjamin Lehmann vom Forum Mann diskutieren Lösungsansätze.
Kommentar zur SVP-Chaosinitiative
Das AFO, das Architektur Forum Ostschweiz, diskutiert und vermittelt seit 30 Jahren Baukultur. Am kommenden Freitag wird das Jubiläum gefeiert und die neuste Artikelserie der guten Bauten als Buch präsentiert.
Minasa bekommt also doch Geld aus dem Lotteriefonds: Der Kantonsrat hat dem von Saiten und Thurgaukultur.ch aufgebauten Projekt, das den grössten Veranstaltungskalender der Ostschweiz ermöglicht, die Finanzierung für drei weitere Jahre gesichert.
Inna Shevchenko fragt im Dokumentarfilm Girls and Gods, ob die monotheistischen Weltreligionen mit Feminismus vereinbar sind. Auf der Suche nach Antworten begegnet sie widersprüchlichen Theorien und mutigen Frauen. Und bleibt nicht nur stille Beobachterin.
In eigener Sache
Abstimmungskommentar zur SVP-Chaosinitiative
Theateraufführung
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Ein paar Federn, ein angeknabberter Tannenzapfen, ein Stück Plastik: Tiere und Menschen hinterlassen Spuren. Diesen widmet das Naturmuseum St.Gallen seine aktuelle Sonderausstellung «Spuren – Fährten, Frass und Federn».
In einer neuen Ausstellung wagt sich das Kunstmuseum Thurgau in der Kartause Ittingen an eine Neuvermessung des Verhältnisses von Kunst und Religion.
Hinter dem St.Galler Hauptbahnhof soll ein Konsumraum für Menschen mit schweren Suchterkrankungen entstehen. Diese Woche haben die Stadt und die Stiftung Suchthilfe Anwohner:innen eingeladen, um einen ersten Dialog zu starten.