, 31. Dezember 2020
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Gute Sätze 2020

Corona Corona…. – war da sonst noch was? Ja, da war noch allerhand sonstiges, Löbliches und Fragliches, Kluges und Nachhallendes. Hier die guten Sätze des Jahres 2020 im Zeitraffer durch die Saiten-Monate.

(Bild: igkultur.at)

Januar 2020

Saiten macht zu Jahrebeginn einen Schwerpunkt zur Lage der Sans-Papiers und zum Projekt einer City Card, Titel: «Alle, die da sind». Inzwischen ist das Thema in Städten wie Bern oder Zürich angekommen, und die Stadt St.Gallen diskutiert zumindest über eine City Card. Ein Postulat von SP und Grünen zur Schaffung einer solchen städtischen Identitätskarte fand beim Stadtrat einige Sympathien, das Parlament erklärte es im September für erheblich.

 

Sans-Papier. Schon nur die Wortkombination klingt befremdlich. Ein Fremdwort aus der Ferne… Sans-Papier ist ein Brandmal, eine Bürde.

Mardoché Morris Kabengele, Angestellter

Migrantinnen und ihre Nachkommen, Sans-Papiers, Asylsuchende, Second(a)s oder People of Color sind bei der Mitgestaltung des öffentlichen Raums eingeschränkt – oder davon ausgeschlossen. Ein Viertel der Schweizer Bevölkerung hat keine Wahl- und Stimmrechte. Die Demokratie weiterzuentwickeln heisst, Machtstrukturen und Institutionen zu überdenken: Es braucht unter anderem mehr Autonomie für Städte und verbindliche Teilhabemöglichkeiten auf Quartierebene. Es braucht aber auch die Aufweichung starrer Grenzen und damit Gestaltungs- und Bewegungsfreiheit für alle Menschen. Es braucht Instrumentarien für eine solidarische Demokratie.

Halua Pinto de Magalhaes, Leitungsmitglied von INES Institut Neue Schweiz

Es ist ein Skandal, dass ein Viertel der Bevölkerung politisch nicht repräsentiert ist.

Rolf Bossart, Publizist

 

Februar 2020

Die Spitalfinanzierung brennt unter den Nägeln der St.Galler Politik. Saiten leuchtet hinter die angeblich tiefroten Zahlen und stellt die «grosse Spitalerzählung» in Frage, wonach Spitalschliessungen die einzig mögliche Lösung seien. Wie man inzwischen weiss, hielt das bürgerlich dominierte Kantonsparlament an den Schliessungsentscheiden fest. Im Toggenburg werden aber noch Unterschriften gegen die Schliessung des Spitals Wattwil gesammelt. Das Februarthema im Rückblick: «Notfall».

 

Im Studium ging es noch ausschliesslich um das medizinische Knowhow. Sobald du im Spital anfängt, wirst du aber darauf getrimmt, auch ökonomisch zu denken.

A.R., Assistenzarzt

Man muss das Angebot verknappen. Wer etwas besser machen will, muss Ressourcen wegnehmen statt hochfahren. Die bestmögliche Versorgung zu bieten und diese bezahlbar zu halten: Das ist unsere Aufgabe, und nicht, aus ökonomischen Gründen das maximale Volumen zu produzieren.

Daniel Germann, Direktor des St.Galler Kantonsspitals

Die Patienten spielen in den Debatten leider eine untergeordnete Rolle. Es gibt vier grosse Player, die alles blockieren können: die Pharmaindustrie, die Versicherer, die Ärzte und die Kantone. Wenn einer sich querstellt, geht nichts. Und es ist immer einer nicht einverstanden, weil er mehr zahlen muss oder Geld verliert.

Anna Sax, Leiterin des Gesundheitsamts des Kantons Schaffhausen

Die Gesundheitskosten explodieren nicht. Wenn etwas explodiert, dann sind es die Prämien. Die Schweiz hat als einziges Land Kopfprämien und ist zudem das einzige Land, in dem Kinder Prämien zahlen müssen. Das ist ein unsoziales Finanzierungsmodell. Was die Kosten betrifft, gibt es sicher auch Sparpotential. Es wird teils zu viel diagnostiziert. Die häufigste Krankheit ist die Diagnose, sagt ein Bonmot. Aber primär ist für mich die unsoziale Finanzierung. Die Kosten können wir uns alleweil noch leisten.

Anna Sax

 

März 2020

Für die März-Ausgabe verlegt sich die Saiten-Redaktion vorübergehend nach Lichtensteig. Ein Ort im Aufbruch: Das bestätigt sich in Gesprächen mit dem Stadtpräsidenten, dem Ortshistoriker, mit den Leuten vom «Macher»-Space oder vom Rathaus für Kultur. «Z.B. Lichtensteig»: Porträt einer leisen Erfolgsgeschichte.

 

Manchmal, so denk ich mir das, spüre ich das Herz dieses Orts schlagen. Lichtensteig. Der Marktflecken. Dieser Ort an der Kreuzung zwischen Wasserfluh und Ricken besitzt eine DNA, die seit Jahrhunderten besondere Menschen anzieht.

Zora Debrunner, Fachfrau Betreuung und Bloggerin

Klar kann man jammern, über die Spitalschliessung, den Bergbahnen-Streit, die Abwanderung und die grossen Arbeitsplatzverluste –, aber der Tiefpunkt wurde überwunden und jetzt ist es wieder Zeit für eine selbstbewusstere Haltung.

Mathias Müller, Stadtpräsident

Etwa 40 Prozent im Toggenburg wählen SVP, weil sie am Bestehenden und Bekannten festhalten wollen. Trotzdem muss man differenzieren: Es gibt nicht DEN Toggenburger oder DIE Toggenburgerin.

Mathias Müller

Ich frage mich, ob Entwicklung das Mass aller Dinge ist – oder ob das Zukunftspotential des Tals nicht vielleicht gerade im Verzicht auf Entwicklung liegen könnte, liegen sollte, liegen müsste. Meine Toggenburg-Vision wäre, ein Gleichgewicht zu finden zwischen Landschaft und Urbanisierung.

Jost Kirchgraber, Historiker

 

April 2020

Keine Frage, was im Aprilheft das Thema sein würde. Der Lockdown, Mitte März beschlossen, wirft alle anderen Themen und den ganzen Kulturbetrieb aus dem Gleis und auch aus dem Heft. Saiten geht viral.

 

18.03..2020, 21:45: woher kommt dieses Virus? Tiere, Labor, fiel es vom Himmel?

17.03.2020, 21:20: Knoblauch stärkt das Immunsystem. Zudem hält es fast automatisch auch die Menschen auf Distanz.

17.03.2020, 17:25: Irgendwie habe ich das Gefühl, dass uns das absichtlich verschwiegen wird.

11.03.2020, 10:12: Ich bin mal gespannt, ob bei der nächsten Grippewelle auch so ein Theater gemacht wird.

24.02.2020, 10:12: Die Schweiz und die Grenzen schliessen? Wird nicht passieren. Zuviele wirtschaftliche Interessen. Das ist wichtiger als Menschenleben. Begreift das endlich!

Kommentare in den Sozialen Medien

Unsere Luxus-Gesellschaft macht gerade die Erfahrung durch, dass es mit Sicherheit und Wohlstand und unbegrenzten Wahl- und Entfaltungsmöglichkeiten vielleicht doch nicht soweit her ist, wie es die letzten prosperierenden Jahrzehnte glauben machten. Die Folgen dieser kollektiven Kränkung sind noch nicht abzusehen.

Peter Surber, Saitenredaktor

Begegnung ist der Kern der Kultur. Wenn sie in Frage gestellt ist, dann ist die Kulturarbeit ihres tieferen Sinns beraubt.

Claudia Rüegsegger, Theaterschaffende

Wenn Menschen Realitäten und Verschwörungen nicht mehr unterscheiden können und sich mit Klopapier gegen den Weltuntergang wappnen, ist es vielleicht an der Zeit, wieder einmal wahrhaftig ins Reich der Fantasie abzutauchen. Zum Beispiel mit Michael Ende.

Roman Hertler, Saitenredaktor

Corona ist ein Menschheitsproblem. Jetzt muss wieder im Grossen auf Solidarität als Ziel gegen den Egoismus gesetzt werden. Solidarität muss als politisches Ziel formuliert werden.

Paul Rechsteiner, Ständerat

Es ist ein temporärer Schock. Das Ziel muss sein, dass die Quellen des Wohlstands nicht kaputtgehen.

Stefan Legge, Ökonom Universität St.Gallen.

02.03.2020, 09:56: Ich verabschiede mich für das restliche Jahr und ziehe auf meine Alphütte. Ich bin vor-erkrankt und auch nicht mehr der Jüngste.

 

Mai 2020

Im Mai stellt Saiten die Generationenfrage: Wie haben es die Alten mit den Jungen und umgekehrt, wie sehen die Jungen ihre eigenen Altersgenoss*innen, was hiesse eine «enkeltaugliche Welt» und überhaupt: Zu welcher Generation zählst du dich? «Chill, Boomer» heisst eine von vielen Antworten…

 

Ich spreche niemandem seine Lebenserfahrung ab. Aber es stört mich, dass es keine Möglichkeit gibt, ein Gespräch auf Augenhöhe zu führen. Man muss mir nicht zustimmen, aber was ich von einer erwachsenen Person erwarte, ist: einfach zuhören, ohne die eigene Meinung oder vielleicht sogar Reue auf mich zu projizieren.

Aglaja Bohm, 1999

Ich mag die Jungen. Da ist so viel Energie, so viel Phantasie, so viel Offenheit. Mag sein, ich bin blauäugig – glaube ich aber nicht.

Markus Studhalter, 1943

Ich mag vor allem die alten Leute, die viel zu erzählen haben. Am liebsten lasse ich mir Geschichten erzählen; das gibt mir ein Gefühl von Beständigkeit, Leben und Nostalgie.

Tanita Bürge, 1999

Auch wir Alten sind in erster Linie Menschen und erst in zweiter Linie alt.

Ursula Popp, 1951

Ja, mensch. Ich bin 20 und verdammt zufrieden. Besser wird’s nicht.

Maya Oehlen, 1999

Der Begriff «Überalterung» ist ein Unwort. Wer hat denn hier das Recht zu definieren, wie viele Alte und wie viele Junge es in einer Gesellschaft geben soll?

Pasqualina Perrig-Chiello, 1952

Die Corona-Krise trifft vor allem Menschen in prekären Lebenssituationen, unabhängig vom Alter. Wir stehen nicht vor einem Generationenproblem, sondern vor einem der Klassen.

Stefan Paulus, 1978

Mit Corona wird Sterben wieder Schicksal. Das fällt leichter mit einer Perspektive über mich hinaus. Bin ich mir selbst das einzig Wertvolle, kann ich schlecht sterben, da mit mir ja alles verschwindet, woran mir liegt. Sehe ich mich jedoch mittendrin, als kleinen Akteur im grossen Welttheater, kann ich getrost mal verschwinden.

Ludwig Hasler, 1944

 

Juni 2020

Corona-Schwerpunkt Nummer zwei: Im Juni begibt sich Saiten ins «Lockdown-Loch». Wie hat die Pandemie die «kleinen Leute» getroffen, die Freischaffenden, Teilzeitangestellten, die Sans-Papiers, Suchtkranken, die Beizerinnen und den Sanitäter? Und hat sie auch ihre guten Seiten?

 

Ich will nicht zurück. Unsere Gesellschaft funktioniert so sehr nach den Massstäben: grösser, stärker, schneller. Wachstum ist gut, aber wenn man sich an der Natur orientiert, ist da auch immer Wachstum und Rückgang. Nur leider wird alles, was nicht wächst, negativ gewertet in diesem wirtschaftlichen System. Dabei bräuchten auch wir Menschen diese Erholung.

Sabine Bertin, Wirtin im Rössli Mogelsberg

Bitte nicht falsch verstehen, aber von mir aus könnte der Lockdown ewig anhalten.

M, 49, ehemaliger Suchtkranker

Wieviel Engagement für wie wenig Lohn die allermeisten Kulturschaffenden  investieren, das können sich die meisten Leute gar nicht vorstellen. Aber wenn Kulturschaffende aufs Geld schauen würden, dann gäbe es keine Kultur.

Willi Häne, Musiker

 

Juli/August 2020

Im Sommer lässt es Saiten krabbeln und wimmeln und berichtet von dem, was da kreucht und fleucht – und was dem Menschen nicht nur zahlenmässig, sondern auch biologisch in vieler Hinsicht überlegen ist. Das Insektenheft trägt den Titel «Kribblig».

 

Denkt man sich den Menschen weg, so würde sich für die Natur alles zum Guten wenden. Eine Welt ohne Insekten hingegen ist unvorstellbar.

Hannes Geisser, Direktor des Naturmuseums Thurgau

Die Bauern stehen unter enormem Druck, sollten einerseits naturnah, andrerseits möglichst uniform, zu jeder Jahreszeit erhältlich und billig produzieren. Für dieses Dilemma sind nicht die Bauern verantwortlich, sondern wir als Gessellschaft.

Emanuel Hörler, Bienenforscher

Ökosysteme sind anstrengend, bedrohlich, eine Zumutung. Aber sie können helfen, einen klügeren Umgang mit der Welt zu finden.

Bettina Dyttrich, Journalistin

Milliarden von Millarden Insekten und Vögel starten ab jedem Ort aus dem Stand und landen punktgenau dort, wo sie wollen. Sie bewegen sich genauso souverän im Schwarm wie im Soloflug, bei Tag und Nacht, über kürzeste wie längste Strecken, kommen mit üppigen Beschleunigungen und Turbulenzen klar und beherrschen einen bunten Strauss faszinierender Energiespartricks, von denen wir wohl erst einen kleinen Teil verstehen.

Andreas Reinhard, Bionik-Forscher

 

September 2020

Im September macht Saiten Wahlpropaganda. Stadtrat samt Stadtpräsidium und das Parlament sind in der Hauptstadt neu zu wählen. Zu Wort kommen die drei Kandidierenden für das Stadtpräsidium, zur Sprache kommen grundsätzliche Fragen zur Stadtentwicklung. «Yalla, Zentrumsstadt!»

 

Wir brauchen den Autobahnanschluss, wir brauchen die dritte Röhre.

Mathias Gabathuler, Stadtpräsidiums-Kandidat

Städte müssen allgemein grüner werden. Das kann unglaubliche Qualitäten ins Stadtleben bringen.

Markus Buschor, Stadtpräsidiums-Kandidat

Die Motivation, die CO2-Ziele zu erreichen, ist sehr gross.

Maria Pappa, Stadtpräsidiums-Kandidatin

Wir können nun einmal kein Zollibolli-Gebäude für einen zweistelligen Millionenbetrag kaufen und günstigen Wohnraum draus machen.

Markus Buschor

Ich will eine 100’000er-Stadt, aber dafür müssen neue Arbeitsplätze und Wohnräume geschaffen werden. Es muss brummen.

Mathias Gabathuler

Eine Stadt kann nicht still sein, sonst muss man in die Natur oder in den Wald, und auch dort ist es nicht still.

Maria Pappa

Kulturpolitik ist auch Wirtschaftspolitik.

Mathias Gabathuler

Vielleicht entdeckt man in St.Gallen auch das Mäzenatentum wie in anderen Städten. Darauf können wir leider noch zu wenig zählen.

Markus Buschor

Das Investitionsvolumen in den nächsten Jahren ist zu hoch und die Stadt hat momentan zu wenig Eigenkapital.

Maria Pappa

2006 war mit Thomas Scheitlin ein erfahrener Finanzverwalter gewählt worden, aber auch ein klarer Vertreter von Gewerbe und Wirtschaft, der an die Rezepte aus dem Parteibuch von PwC&Co glaubte. Wenn man ihn liess, setzte er sich in den vergangenen 14 Jahren damit durch. Sein Anteil an Stillstand und Rückschritt ist nicht klein, sollte aber auch nicht überbewertet werden.

Andreas Kneubühler in seiner Bilanz über die Ära Scheitlin

 

Oktober 2020

Im kühlen Oktober schreckt Saiten mit einem heissen Titelbild die Öffentlichkeit. Es zeigt und verbirgt zugleich, worum es gehen soll: um die Schwestern Sex und Erotik. «Rrrrrrrrrr…».

 

Monogamie hat es doch gar nie wirklich gegeben.

Claude Bühler, Fotografin

Heute ist die serielle Monogamie das grosse Ding. Auch die Akzeptanz für offene oder polyamouröse Beziehungen ist gestiegen, habe ich den Eindruck. Oder ist das nur in meiner Bubble der Fall?

David Nägeli, Musiker

Spass im Bett wird so unterschätzt. Pornos sind immer so unfassbar ernst.

Morena Barra, Filmermacherin

Es betrifft alle Geschlechter, nicht nur Männer und Frauen, weil ja alle enorm unter stereotypisierten Zuschreibungen und Darstellungen leiden, sobald es um Sex geht.

B* vom Berthas*-Kollektiv

Ich bin überzeugt davon, dass, wenn wir es nicht schaffen, uns in Liebesbeziehungen auf gleicher Ebene zu begegnen, wir es auch nicht schaffen, in grösseren gesellschaftlichen Strukturen anderen auf gleicher Ebene zu begegnen.

David Nägeli

Das Schreiben ist eine Waffe im Kampf gegen männliche Machtstrukturen und natürlich auch Spielzeug, denn es soll ja Spass machen. Erotische Texte sind im prüden deutschsprachigen Raum also nicht nur literarisch unterbewertet, sie sind auch ein unterschätztes Werkzeug zur Emanzipation.

Jessica Jurassica, Autorin

Nachtrag: Liegt die Erotik nicht meist zwischen den Dingen?

Laura Vogt, Autorin

Das Schöne an Fantasien ist ja gerade, dass sie ungelebt bleiben dürfen. Möglich ist da auch das, was in der realen Welt verwerflich, unmoralisch oder gar strafbar ist.

Simone Dudle, Sexualtherapeutin

 

November 2020

Die Novemberausgabe von Saiten, in Kooperation mit dem Verein tipiti entstanden, erinnerte an den oft dornenreichen Lebensweg von Kindern und Jugendlichen, die ohne eigenes familiäres «warmes Nest» aufwachsen. Reportagen aus dem Lern- und Begegnungszentrum St.Gallen, aus einer Ankunftsfamilie in Trogen oder einer Pflegefamilie in Oberuzwil boten Einblick.

 

Heute ist das Bewusstsein für soziale Gerechtigkeit wesentlich ausgeprägter als damals. Das gibt mir Hoffnung, dass sich junge Leute finden, die das tipiti weiterführen.

Rolf Widmer, tipiti-Gründer

Ich weiss nicht, was die Jugendlichen sehen, wenn sie zum ersten Mal aus ihrem Fenster schauen. Wahrscheinlich sind sie nur froh, dass kein Krieg herrscht.

Silvio Staub, Türmlihus Trogen

Es ist beschämend, wie hierzulande über die Aufnahme von einer Handvoll Geflüchteter nach dem Brand in Moria diskutiert wird.

Annette Wirth, Türmlihus Trogen

Die neue Sprache zu lernen war hart, aber mit der Zeit lief es immer besser. Ich verstehe schon viel, aber ich muss einfach noch mehr reden, reden, reden – auch Schweizerdeutsch.

Tahere Alimardani, Geflüchtete aus Afghanistan

Politisch wäre mein Anliegen, dass mit geflüchteten Jugendlichen gleich verfahren wird wie mit den einheimischen. Die UMA brauchen ein Nest, einen Ort zum Ankommen, um von dort aus in die Selbstständigkeit zu kommen.

Tschösi Olibet, Pflegevater

 

Dezember 2020

Im Dezember öffnete Saiten einen Adventskalender der resistenten Art mit 24 Immuntipps: Kurzgeschichten, Selbsterfahrungen, Appelle, Wutausbrüche, Tiefgang und Smalltalk, Rezepte und Rezeptverweigerungen. «24 x Immunium® Akut» hat – hoffentlich – hier und dort zur Gesundung beigetragen.

 

Wälder immunisieren, sie bringen auch medizinische und seelische Regenerationsprozesse voran.

Florian Vetsch, Autor und Gymnasiallehrer

Meine Antwort auf die Frage, was uns als Gesellschaft stärken könnte, ist ganz einfach: Wir müssen dringend das Bürgerrecht ausweiten.

Kaspar Surber, Journalist

Ja genau, ihr systemrelevanten Mindestlöhnerinnen, Pflegefachleute, Heimlieferinnen und Detailhandelsfachangestellte, die ihr so fleissig schuftet, um das Land auf den Beinen zu halten: Wenn ihr schon nicht streiken könnt, so legt wenigstens eine halbe Stunde pro Tag die Arbeit nieder!

Corinne Riedener, Saitenredaktorin

Mit einem Green New Deal haben wir die Chance, gestärkt aus der Pandemie heraus zu gehen.

Franziska Ryser, Nationalrätin

Eine Gesellschaft von lebendig Gebliebenen – ja das wünsch’ ich mir und heisse mich mitzuwirken. Statt einer Mumie eine Mumin zu werden. Nicht unempfänglich, sondern antastbar. Nicht abwehrend, sondern gewahrend.

Christine Fischer, Schriftstellerin

 

Und ausserdem:

Hier muss ich rückwärts runter. Sonst falle ich aus dem Rollstuhl.

Christoph Keller bei seiner «Stadtberollung» mit Stadträtin Maria Pappa, im Septemberheft (Bild: Hannes Thalmann)

Charles Pfahlbauer trauert in der Eukalyptusgrotte um den sensiblen Knödelbaron, der unkaputtbar das Idiotental durchwanderte und unkorrumpiert gegangen ist. Starquick war immer sein liebster Unterwassermotor und Atemluftgenerator der Schweizer Musikgeschichte und wird es immer bleiben. R.I.P. Olifr M GUZ.

Charles Pfahlbauer im Februarheft zum Tod des Aeronauten-Gründers Oliver Guz Maurmann

Der Schock der Stickereikrise ist hundert Jahre her. Warum also nicht wieder einmal etwas Grosses wagen? Stadtentwicklung heute folgt zwar anderen Kriterien als damals, aber belebte Institutionen im Stadtzentrum waren damals und sind heute noch entscheidend.

René Hornung im Märzheft zur neuen Stadtstrategie: «Was St.Gallen braucht: ein City-Hallenbad und ein City-Theaterhaus»

Es ist, wie immer bei Stahlberger, ein Lied ohne Ende, es fehlt wie so oft die letzte Strophe, das Leben hat keine Antworten, nur offene Rechnungen.

Peter Surber über das neue Programm von Manuel Stahlberger «Eigener Schatten»

Und genau das wollen wir doch für das Nachtleben nach der Coronakrise: Herzblut. Leidenschaft. Uns wieder umarmen, Abende, die ganz unschuldig und ohne Erwartungen beginnen und dann im grossen Chaos, im tiefsinnigen Gespräch an der Bar oder auf irgendeinem Sofa enden.

René Rödiger in seinem Plädoyer für eine nachhaltigere Clubkultur im Sommerheft

Heimatliteratur und Ficktexte als gäbs kein mañana.

Jessica Jurassica im Interview zu ihrem Buch «Die verbotenste Frucht im Bundeshaus» im Septemberheft

Die Lokremise kann, so wie ihr Auftrag formuliert ist, das Problem der mangelnden Kulturräume in der Stadt St.Gallen nicht lösen. Insofern fehlt das Haus für die Freien tatsächlich.

Mirjam Hadorn, Geschäftsführerin der Lokremise, zum 10-Jahr-Jubiläum im Septemberheft

Die Elitedroge ist definitiv zur Volksdroge geworden. Heute wollen und können sich breitere sozioökonomische Schichten gutes Kokain leisten.

Regine Rust, Leiterin der Stiftung Suchthilfe, über die «Koksstadt» St.Gallen im Oktoberheft

Wir wollen spielen und uns nicht verstecken. Die Kultur muss sichtbar bleiben.

Jacques Erlanger, Kulturveranstalter, im Novemberheft

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