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Gute Sätze 2018 (I): Freie Räume, freies Leben

Schon wieder vergessen? Hier sind die besten oder jedenfalls manche guten Sätze aus dem Saiten-Jahrgang 2018. Teil I: freie Räume, leere und andere, in der Stadt und in den Köpfen.
Von  Redaktion Saiten
Die Zeichnungen zum Titelthema «Waldkinder» im Märzheft 2018 sind von den Waldkindern.

Das Konsulat hat Vorzeigecharakter, und ich hoffe, dass es weitere Zwischennutzungsprojekte inspiriert. Diese stehen und fallen natürlich auch mit Privatpersonen oder Institutionen, die gewillt sind, geeignete Liegenschaften zur Verfügung zu stellen.

 

Das Hotel Ekkehard ist seit Jahren am Zerfallen, die Leonhardskirche wird äusserst spärlich genutzt, die Häuser an der Frongartenstrasse 6 bis 8 standen eine gefühlte Ewigkeit leer, bis sie vor kurzem abgerissen wurden, und in St.Fiden müsste man auch nicht warten, bis die Bagger vorfahren.

Corinne Riedener im Januarheft «Improvisorium»

 

Bürokratie und Überregulierung machen es einem hier nicht leicht, freie Ladenlokale umzunutzen, für immer oder auch nur spontan und für eine befristete Zeit.

Pino Stinelli im Januarheft «Improvisorium»

 

Im Wald funktioniert, was in geschlossenen Räumen manchmal schwierig ist: das soziale Zusammenspiel. Sich aufgehoben fühlen, ankommen, einer Sache nachgehen können, inspiriert sein, aber auch einfach mal nichts müssen.

Eva Helg, pädagogische Leiterin der Waldkinder St.Gallen, im Märzheft «Im Wald»

 

Es ist wichtig, dass sich die Leute heutzutage der totalen Kontrolle, der Reglementierung und dem Repressionskalkül nicht beugen und sich weiterhin Räume aneignen. Es wäre eine Niederlage im Kampf für ein freieres Leben. Besetzungen sollen aufmüpfig sein, die Leute aufrütteln, provozieren, polarisieren, anregen, überraschen und auf Probleme aufmerksam machen. Zum Beispiel auf die Ignoranz von Bauherren, die ihrer Renovations-, Abriss- und Bauwut freien Lauf lassen – ungeachtet des Bedürfnisses einer Mehrheit der Stadtbevölkerung nach bezahlbarem, lebenswertem Wohnraum.

Aus dem Berner Open Doors Squattermagazin, im Januarheft «Improvisorium»

 

Das ständige Lamento über die fehlenden Parkplätze vor dem Laden langweilt mich. Ich wäre froh, würde man auch von gewerblicher Seite endlich einmal die hohen Mieten thematisieren und nicht nur immer die Parkplatzsituation und den zunehmenden Onlinehandel für alles verantwortlich machen.

Dani Fels im Januarheft «Improvisorium»

 

Ich freue mich also, dass für jeden Lippenstiftladen und jeden Kettenimbiss, man könnte auch sagen jeden Verschönerungs- und Verpflegungsautomaten mit bedauernswertem Personal, dass also für all die Marionnauds, Kikos, Chickerias & Yoojis baldmöglichst je zehn Zottelbärte und Hutzelpunks die Wartehallen und sonstigen Bahn- und Bushäuschen einnehmen. Auf dass flottes Underground-Schickeria-Leben das Bahnhofareal flutet. Und ich verspreche jedem Häschmernoenstutz-Gesellen, der mich anspricht, dass ich ihm den Wunsch liebend gern und doppelt erfülle. Von mir aus kann auch mal ein Feuerchen sein, zum Würste braten, aber ohne Hühner und Lippenstifte. Was du ausstrahlst, ziehst du an.

Charles Pfahlbauer jr. im Februarheft «Theater»

 

Jetzt kommt wieder ein Provisoriumsbau auf St.Gallen zu. Das Theater braucht ihn während zwei Spielzeiten als Ersatzbau während der Theaterrenovation. Wir schlagen ins Blaue hinaus vor: Das Provisorium könnte man, statt es nach zwei Jahren wieder abzubrechen, weiter brauchen als provisorisches «Haus der Freien». Mit sinnvollen Anpassungen. Und an einem Standort, der noch zu finden wäre. Utopisch? Illusorisch? Superprovisorisch? Oder provisorisch eine Diskussion wert?

 

Bei den Freien hat man sich in St.Gallen offenbar auf den Usus geeinigt, dass sie sich bis ans Ende ihrer Tage mit Provisorien und Zwischennutzungen zufrieden zu geben haben. Das finde ich schwierig. St.Gallen braucht ein Theater für die Freien, mit einer infrastrukturellen Stabilität und einer klaren inhaltlichen Haltung.

Oliver Kühn, freier Theatermacher, im Februarheft «Theater»

 

In St.Gallen fehlt der Platz für die Freien – Ja. Kein Widerspruch. Aber das ist ein kulturpolitisches Thema. Es wäre anmassend, wenn ich dazu Stellung nehmen würde. Die Politik müsste entscheiden, ob man der freien Szene – was ich begrüssen würde – einen adäquaten Raum geben will.

Theaterdirektor Werner Signer, im Februarheft «Theater»

 

Generell fehlt es an Begegnungsraum und Arbeitsraum – für Kunst, für Musik, für Theater, für freies Schaffen. Zahlbare Ateliers zum Beispiel sind rar in der Stadt, aber wo ist die Bewegung, die sie einfordern würde? Fordern wir das Zeughaus auf der Kreuzbleiche! Es wäre perfekt als Haus, wo Kunstschaffende arbeiten und Gäste aus dem Ausland die heimische Szene anregen könnten.

Lika Nüssli, Künstlerin, im Dezemberheft «Kultur fördern»

 

«Man könnte also überlegen, ob sich im Entwicklungsprozess Bahnhof Nord eine neue urbane Rationalität noch stärker entfalten könnte. Sie wäre eine Rationalität, mit welcher bei Prozessen der Raumkonstitution Fragen nach einer angemessenen Durchmischung von privaten und öffentlichen Räumen ins Zentrum gestellt würden.»

Katharina Graf im Buch Hinter den Gleisen, im Dezemberheft «Kultur fördern»

 

Die heutige Gesellschaft ist sicher nicht zu vergleichen mit jener der 60er-Jahre, aber ich finde sie nach wie vor repressiv. Mir scheint, als wären wir stillgestanden. Man hat den Leuten damals ein paar Zückerchen hingeworfen, damit sie Ruhe geben, aber wenn man heute den Kampf weiter aufnehmen will, fühlen sich alle gleich in ihrer Freiheit eingeschränkt.

 

Ist vielleicht die Kritik der 68er an den zerstörerischen Folgen eines ungezügelten Fortschritts nicht zu trennen von ihrer Angst, dass dieser ohne sie hätte stattfinden können?

Rolf Bossart über Ueli Mäders Buch 68 – Was bleibt? im Maiheft «68 + 50»

 

Also: Bleiben Sie schön unten, den Kopf nah an der Strasse, Street Credibility bleibt so wichtig wie eh und je.

Charles Pfahlbauer jr. im Januarheft «Improvisorium»

«Die Wahr­neh­mung nicht be­die­nen, son­dern schär­fen»

Pa­trick Kess­ler er­hält den Aus­ser­rho­der Kul­tur­preis 2026. Der Kon­tra­bas­sist, Klang­künst­ler und Ku­ra­tor aus Gais reist mit al­ten Laut­spre­chern nach Wien und Ha­noi, tritt mit In­sek­ten in ei­nen mu­si­ka­li­schen Dia­log und fin­det sei­ne wich­tigs­ten Lek­tio­nen nicht un­be­dingt an Hoch­schu­len.

Von  Philipp Bürkler
Bassilikum 04

Mo­bi­li­täts­al­li­anz nimmt Fahrt auf

Die Mo­bi­li­täts­al­li­anz Ost­schweiz will Pend­ler:in­nen zum Um­stieg vom Au­to auf Bus, Bahn und Ve­lo be­we­gen. Bei den zehn be­tei­lig­ten Gross­un­ter­neh­men lässt be­reits je­de fünf­te Per­son das Au­to am Mor­gen ste­hen. Nun sol­len 500 wei­te­re Fir­men fol­gen. 

Von  Philipp Bürkler
Mobilitaetsallianz 1 philipp buerkler

Tu­bes, Pipe­lines, Cords

Au­gus­tin Re­be­tez macht kei­ne hal­ben Sa­chen. Sei­ne Kunst ist aus­ufernd und dicht zu­gleich. Er ent­wi­ckelt an­spie­lungs­rei­che Bild­wel­ten – ak­tu­ell in der Kunst­hal­le Ar­bon.

Von  Kristin Schmidt
Augustin Rebetez key visual Kunsthalle Arbon Augustin Rebetez

Zu hoch für Ap­pen­zell

Der Kan­ton Ap­pen­zell In­ner­rho­den plan­te am Lands­ge­mein­de­platz in Ap­pen­zell ein neu­es Ge­bäu­de für die Ge­rich­te, die Bi­blio­thek und die kan­to­na­le Ver­wal­tung. Die eid­ge­nös­si­schen Kom­mis­sio­nen für Na­tur- und Hei­mat­schutz und je­ne für Denk­mal­pfle­ge brach­ten das Pro­jekt je­doch zu Fall.

Von  René Hornung
Verwaltungsgebaeude appenzell pd

Offener Brief an die Bundespolitik

Wir wol­len Rech­te, kei­ne Al­mo­sen

Von  Christoph Keller

In­no­va­ti­on ge­hört zur DNA

Das Fi­gu­ren­thea­ter St.Gal­len wird 70. Was sich ver­än­dert hat, war­um Pup­pen Kin­der wie Er­wach­se­ne fas­zi­nie­ren und wie man auch Ju­gend­li­che er­rei­chen kann: ein Ge­spräch zum Ju­bi­lä­um.

Von  Peter Surber
Hochdruck Crasch Polizei 04665

Mit Sound und Vi­su­als ge­gen den Öko­kol­laps

Die zwei­te Aus­ga­be des au­dio­vi­su­el­len Fes­ti­vals Su­s­ur­rus in der Mü­le­nen­schlucht wid­met sich der «mehr-als-mensch­li­chen» Mit­welt. Mit akus­ti­schen und per­for­ma­ti­ven In­ter­ven­tio­nen er­kun­det das Fes­ti­val neue For­men der Be­zie­hung zwi­schen Mensch und Na­tur. 

Von  Lilli Kim Schreiber
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Un­ter­schied und Wir­kung

In der Aus­stel­lung «Die lei­sen Un­ter­schie­de» im Haus zur Glo­cke in Steck­born be­fas­sen sich fünf Künst­ler:in­nen mit der Wahr­neh­mung von Un­ter­schie­den. 

Von  Vera Zatti
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Kolumne: Heppelers Bestiarium

Cy­borg-Ka­ker­la­ken

Von  Jeremias Heppeler

Fu­rio­ses Klang­ge­wit­ter

Mit dem En­sem­ble TAK aus New York gas­tier­te am Diens­tag ein Neue-Mu­sik-Quin­tett von Welt­rang im St.Gal­ler Kult­bau. Or­ga­ni­siert vom Zy­klus Con­tra­punkt, hät­te der Abend mehr Pu­bli­kum ver­dient. Ein Bubble-Pro­blem?

Von  Peter Surber
Contrapunkt 1 martin fluege

Ne­an­der­tha­ler:in, ge­hüllt in Pink 

Das St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um öff­net in der neu­en Aus­stel­lung «Ste­reo­ty­pes: Ne­an­der­tha­le­rin» den Blick auf die­se Stein­zeit­men­schen. Die Schau mit viel Pink ver­knüpft ge­schickt Spiel mit Wis­sen­schaft und Ver­gan­gen­heit mit Ge­gen­wart.

Von  Vera Zatti
Stereotypes Kulturmuseum 2026 1

Neue Sai­son un­ter be­son­de­ren Vor­zei­chen

Das Thea­ter an der Gren­ze in Kreuz­lin­gen star­tet heu­te in die neue Spiel­zeit. Kürz­lich ver­starb die prä­gen­de Co-Prä­si­den­tin An­na Rink. Aus­ser­dem fällt der bis­he­ri­ge Spiel­ort im Kul­tur­zen­trum Kult-X bis En­de 2027 weg. Wie der Ver­ein die­se Hür­den meis­tert, er­zäh­len Prä­si­den­tin Vro­ni El­len­br­oek und Klaus Okraf­ka aus der Pro­gramm­lei­tung im In­ter­view.

Von  Judith Schuck
Theater an der Grenze Klaus Ofraka und Vroni Ellenbroek

FC St.Gal­len vs. FC Si­on – St. Gal­len un­ter­liegt Si­on mit 0:3

St. Gal­len star­te­te gut in die Par­tie, agier­te aber oft­mals zu um­ständ­lich ge­gen tief ver­tei­di­gen­de Sit­te­ner und blieb letzt­lich glück­los. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Dampf auf dem Kes­sel

Auf sei­nem neu­en So­lo­al­bum the­ma­ti­siert Ma­nu­el Stahl­ber­ger die Über­hit­zung. Die kli­ma­ti­sche, die ge­sell­schaft­li­che, die po­li­ti­sche. Ge­mein­sam mit Bit-Tu­ner hat der St.Gal­ler Mu­si­ker da­für ei­nen düs­te­ren, elek­tro­ni­schen Sound ge­fun­den.

Von  David Gadze
Manuel stahlberger bit tuner heiss pd

Von War­te­häus­chen und ehe­ma­li­gen Te­le­fon­ka­bi­nen

An Klein­bau­ten ge­hen wir oft acht­los vor­bei: Bus­war­te­häus­chen, öf­fent­li­che WCs, nicht mehr ge­brauch­te Te­le­fon­ka­bi­nen oder Feu­er­wehr- und Stras­sen­wär­ter­ma­ga­zi­ne. Ak­tu­ell gibt es da­zu ei­ne Aus­stel­lung im 1. Stock des Rat­hau­ses St.Gal­len.

Von  René Hornung
2 Tramhaeuschen Schibenertor

«Wie ein Vor­film des­sen, was auf uns zu­kom­men könn­te»

Bis 2050 will die Stadt St.Gal­len kli­ma­neu­tral sein. Ka­rin Hun­ger­büh­ler und To­bi­as Fi­scher-Künz­ler von der Dienst­stel­le Um­welt und En­er­gie be­ant­wor­ten Fra­gen zur be­vor­ste­hen­den Kli­ma­wo­che und zum Kli­ma­schutz in der Stadt.

Von  Reto Voneschen , Bilder:  Sara Spirig
2609 Redeplatz Karin Tobias 01

Metz­ger, En­gel, Him­mel und Tan­te Bergs Ro­sen­ge­büsch

Ani­ta Zim­mer­mann ali­as Lei­la Bock prägt die St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne seit Jahr­zehn­ten – als Künst­le­rin, als Ver­mitt­le­rin, als Er­mög­li­che­rin. Sie hat Wi­der­stän­de über­wun­den und an­de­re Künst­ler:in­nen im­mer wie­der her­aus­ge­for­dert. Ei­ne Wür­di­gung

Von  Angela Kuratli , Bilder:  Ladina Bischof
2609 Anita Zimmermann SAI2602 1308 C WEB

«Nicht neu er­fin­den, was funk­tio­niert»

Die St.Gal­ler Mu­se­ums­nacht fin­det in die­sem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Ju­bi­lä­um blickt Ver­eins­prä­si­den­tin Bar­ba­ra Af­fol­ter zu­rück und nach vor­ne. Sie sagt, was die Mu­se­ums­nacht bis heu­te aus­macht und wo­hin sie sich ent­wi­ckeln soll.

Von  Marion Loher
Museumsnacht Kunstmuseum pd

Le­bens­be­ja­hen­de Wer­ke im Kunst­zeug­haus

Die Aus­stel­lung «Vol­ler Le­ben» des Ver­eins IG Hal­le Rap­pers­wil wirft Schlag­lich­ter auf künst­le­ri­sche Schaf­fens­pro­zes­se und ih­re Ver­bin­dun­gen zur Na­tur.

Von  Lilli Kim Schreiber
Regula Syz 2

Kolumne: Stimmrecht

St.Gal­len in den Au­gen ei­nes Sol­da­ten

Von  Liliia Matviiv