Hand aufs Herz: Fühlen Sie sich als St. Gallerin? Oder sind Sie nicht viel mehr einfach Gasterländer oder Rheintalerin, Wiler oder wie ich Stadt St. Galler? Der Kanton St. Gallen ist nur für die Wenigsten eine Herzensangelegenheit, schliesslich wurde er unseren Vorfahren von einem Franzosen aufgenötigt. Nach einigen Geburtswehen hat sich der Kanton dann aber doch wacker durchs neunzehnte und zwanzigste Jahrhundert geschlagen. Gefestigt ist er dennoch nur halbwegs.
Und jetzt, gut zweihundert Jahre nach seiner Gründung, hat eine sich bürgerlich nennende Kantonsratsmehrheit in einer Art von neoliberalem Fieberwahn begonnen, den Staat soweit krank zu sparen, dass bald nur noch ein magersüchtiges Kantönlein übrigbleibt. Höchste Zeit also, diesem unseligen Treiben ein Ende zu setzen. Eine Idee muss her, die zeigt, dass staatliches Handeln mehr sein kann als Steuern einzutreiben und Polizisten durchs Land zu schicken. Eine Idee, die das Zeug hat, dem schwindsüchtigen Staatswesen neues Leben einzuhauchen.
Etwas ausholen muss ich aber noch. Gerne wird behauptet, der Kanton müsse sich dem nationalen und internationalen Standort-, sprich Steuerwettbewerb stellen, damit es vorwärts geht im Lande. Dabei ist in Vergessenheit geraten, dass ein Staat auch andere Pfeile im Köcher hat, um einer gedeihlichen Entwicklung seiner Volkswirtschaft Vorschub zu leisten. Investitionen ins Bildungswesen beispielsweise sind hervorragend geeignet, um in diesem Sinne Grosses zu wagen. Deshalb: Zügeln wir die Universität St. Gallen von der Stadt aufs Land. Und zwar ins Toggenburg!
Lassen Sie mich erklären, warum wir damit mindestens sieben Fliegen auf einen Streich erschlagen.
1
Die Universität, besser bekannt als HSG, leidet seit langem unter ihrem eigenen Erfolg und kämpft mit Platzproblemen. Hier wird ein Büro dazu gemietet, dort ein zusätzliches Provisorium aufgestellt, allmählich verteilen sich ihre Räumlichkeiten über die ganze Hauptstadt. Wachsen, das heisst noch mehr Studentinnen und Studenten in die Ostschweiz locken, möchte die Unileitung weiterhin, aber leider fehlt der Platz. Dazu kommt der langgehegte Traum eines einheitlichen Campus – nach angelsächsischem Vorbild. Was liegt also näher als ein Umzug?
2
Das Toggenburg bietet sich als Ziel dafür geradezu an. Seit dem Niedergang der Textilindustrie kämpft das Tal mit strukturellen Problemen. Die Gegend gilt als wirtschaftsschwach und die Jungen wandern ab. Vielen gut (und auch weniger gut) gemeinten Projekten ist es bisher nicht gelungen, diesen Trend umzukehren. Seit kurzem steigt auch noch der Druck aus dem Linthgebiet, die in Wattwil ansässige Kantonsschule über den Ricken und damit näher zur Mehrheit ihrer Schülerinnen zu zügeln.
3
Eine Uni neben der Kanti: Das wäre die doppelte Rettung. Die Gebäude passen wunderbar zusammen, siehe Bilder unten, die HSG käme gerade recht, um der gebeutelten Talschaft Schwung zu geben. Bauen wir einen neuen Uni-Campus im Toggenburg, schön zentral in Wattwil!
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Mit genügend Platz und frischer Luft kann sich nun auch die HSG neu erfinden. Als erste und einzige Landuniversität der Schweiz bekommt sie ein neues Alleinstellungsmerkmal, und die nahen Churfirsten lassen sich der ausländischen Studentenschaft blendend verkaufen. Wohnraum und Bodenpreise sind günstig, und wer’s doch lieber städtisch mag: Die Kantonshauptstadt liegt läppische 30 Zugminuten entfernt und Zürich ist auch nicht weit.
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Die Kantonshauptstadt profitiert ihrerseits von dieser Lösung. Als zentralörtlicher Dienstleister spielt die HSG für die Stadtbevölkerung eine untergeordnete Rolle, viele Studierende haben mit der Stadt kaum etwas am Hut. Mit dem Wegzug der Uni wird dafür Wohnraum frei in einem privilegierten Wohnquartier (neue Steuerzahler!), und die Universitätsgebäude können an die Fachhochschule übergeben werden, die trotz Neubau beim Hauptbahnhof ebenfalls schon über Platzmangel klagt.
6
Wenn wir schon beim Geldausgeben sind: Warum führen Uni und Fachhochschule nicht gleich noch ein paar neue Studiengänge ein? Wie wär’s zum Beispiel mit Architektur und Informatik, einer medizinischen oder, aufs Toggenburg massgeschneidert, einer agrarwissenschaftlichen Fakultät? Auch die Ostschweizer Wirtschaft braucht Fachkräfte. Werden diese hier ausgebildet, werden sie sich eher bei uns Arbeit suchen.
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Damit und zuguterletzt zu den Finanzen: Ja, die Sache kostet eine Stange Geld, sicher einen dreistelligen Millionenbetrag. Woher soll der klamme Kanton das Geld nehmen, werden Sie sich fragen? Die Staatskasse ist leer, weil die Kantonsratsmehrheit dies so gewollt hat. Steuern aber können auch wieder angehoben werden, und Schuldenmachen zum Investieren ist keine Todsünde. Die Ausgaben werden sich schon mittelfristig mehr als auszahlen – im Toggenburg, aber auch im Rest des Kanton.
Am Anfang jeder Veränderung steht eine Idee. Der Kanton St.Gallen war einst eine solche Idee, eine Kopfgeburt von Kanton. Mit der HSG im Toggenburg wird diese Idee endlich handfeste Wirklichkeit.
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Eine neue SRF-Serie porträtiert eine elfköpfige WG aus St.Gallen. Endlich wieder mal eine sehenswerte SRF-Produktion, findet Saiten-Autor Andi Giger.
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An den Appenzeller Bachtagen erklärte die Medienwissenschaftlerin Mercedes Bunz, weshalb die künstliche Intelligenz kreativ sein kann – und warum sie dennoch grundlegend anders arbeitet als der Mensch.
Kunstausstellung
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Berlingen hat eine neue Methode der Interessenabwägung entwickelt: eine Analyse des Ortsbilds als Grundlage, um die wertvolle Baukultur zu erhalten und gleichzeitig die Innenentwicklung voranzubringen. Nun steht die Verankerung in der Ortsplanung an.
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Die deutsche Filmemacherin Regina Schilling bringt zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann Jemand, der einmal ich war ins Kino. Der Dokumentarfilm verknüpft grossartige Archivaufnahmen mit fiktionalen Szenen aus dem letzten Lebensjahr der Dichterin zu einem zugänglichen Plot.
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