Internetmusik wurde am 31. August 2011 von einem 15-jährigen Buben vor dem MoMA PS1 in New York erfunden. Der Kurator des Events sagte später zu CBS News, bis zum Booking habe er nicht gewusst, ob der auftretende Künstler wirklich ein Teenager sei, so wie er sich auf Twitter präsentiert habe. Gebucht habe er ihn trotzdem. Also stand der Teen-Rapper Glass Popcorn gemeinsam mit dem Pornostar Spicee Cajun auf einer winzigen Bühne vor einer der wichtigsten Institutionen für zeitgenössische Kunst. Er trug eine Ed-Hardy-Brille und einen Fubu-Trainer und rappte drei Minuten lang monoton ins Mikrofon: «I go hard in my Ed Hardy».
Zu dem Zeitpunkt galt die Marke bereits als uncool, weil auf Tumblr ein Foto eines langweiligen Reality-TV-Promis in einem Ed-Hardy-Shirt kursierte. Ich war damals auch uncool und so landeten Ed Hardy und ich zur selben Zeit am selben Ort: in Thurgauer Rockerbars, die «Ölfleck» oder «Musicbar» hiessen. Da war die Musik immer ein bisschen zu laut, um auf sich selbst zu hören, also soff ich und hörte mir Heartbreak-Geschichten von dreimal so alten Barkeeperinnen an, die meistens Ed-Hardy-Shirts trugen, auf denen in glitzernden Fake-Diamanten «Love kills slowly» stand.
Jahre später trugen schwedische Kids rund um Yung Lean den Cloudrap von Glass Popcorn in den Mainstream, wo er bis heute genauso aussieht wie 2011 vor dem MoMA PS1. Ich fand meine neue Nische. Statt in Kneipen hing ich nun in Ateliers von Kunststudent:innen rum, statt Guns N’ Roses lief Bladee und statt auf Schnaps zielte meine Suchtkrankheit auf Pillen. Und all das, was ich in den Rockerkneipen bereits geliebt hatte, fand ich hier wieder: eine Punk- und DIY-Attitüde, ein gemeinschaftliches Gefühl von Gegenkultur – und Ed Hardy.
Statt Barkeeperinnen der Thurgauer Provinz trug nun also die globale Pop-Avantgarde Ed Hardy. Ein inspirierender Aufstieg, besonders für depressive und gemobbte Kids aus der Provinz, wie ich eins war. Die Marke wurde für mich zum Symbol eines sozialen und kulturellen Aufstiegs – und so auch zum Symbol der Heilung.
Jahre später kriegte ich meine Suchtkrankheit in den Griff, und als ich das erste Mal haarscharf an einem Rückfall vorbeischlitterte, kaufte ich mir ein Crop Top von Ed Hardy. Nach einer schweren suizidalen Episode kam ein Strickpullover dazu. Während ich den Text schreibe, hangle ich mich aus einer obsessiven Borderline-Episode heraus. Und als Belohnung fürs Überleben, als Beweis dafür, dass ich es aus dem Provinzkneipen-Alkoholismus herausgeschafft habe, werde ich die Hälfte dieses Kolumnenhonorars für einen Fake-Leder-Minirock von Ed Hardy verballern. I go hard in my Ed Hardy – vielleicht nicht bis in die Pop-Avantgarde, aber immerhin bis zum morgigen Tag. Und das muss reichen.
Mia Nägeli, 1991, arbeitet nach einer Journalismusausbildung und ein paar Jahren bei verschiedenen Medien heute in der Musikbranche in der Kommunikation, als Tontechnikerin und als Musikerin.
Boukhalfa und Görtler bringen die Espen in Führung, welche das Team dann über die Zeit bringt.
Alexander Veljanov ist die unverwechselbare Stimme der Dark-Wave-Band Deine Lakaien. Mit seinem neuen Soloalbum gastiert er am 9. November in Frauenfeld. Ein Gespräch über Schubladen, Lüge, Wahrheit und die Frage, was Musik mit unserem Menschsein zu tun hat.
Zumthor plant in Wildhaus
Ein Wahlgang genügte: Die SP der Stadt St.Gallen schickt Peter Olibet ins Rennen um die Nachfolge von Stadtrat Peter Jans. Er erhielt 109 von 182 Stimmen. In der Fragerunde ging es um Sparpolitik, bezahlbare Wohnungen und die Frage, wie viel Opposition ein künftiges Regierungsmitglied noch machen kann.
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Seit einigen Jahren sind Benin-Bronzen in Schweizer Museen ein heisses Eisen. Im St.Galler Kulturmuseum laviert man bei der Frage einer möglichen Rückgabe zwischen Dialogbereitschaft und Verweigerungshaltung.
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Ein Festival über den Tod – darf das auch lustig sein? «Last Call» lädt am 31. Oktober in St.Gallen dazu ein, über das Sterben zu sprechen. Interview mit Michelle Mauchle von der Geschäftsstelle Palliative Care Stadt St.Gallen.
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Seit 35 Jahren untersucht Patrick Rohner Naturprozesse, insbesondere im Zusammenhang mit Geologie, zeichnerisch, malerisch und bildhauerisch. Die Ausstellung «Faltungen» im Museum Bickel zeigt noch bis zum 22. November einen Querschnitt dieser kontinuierlichen Beschäftigung.
Klimaseniorinnen besuchen Bern
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Der Verein Lattich im Güterbahnhofareal St.Gallen feiert das 10-Jahr-Jubiläum. Noch immer kämpft er mit Einsprachen. Der Vorstand der Gründungsphase hat aufgegeben. Seit gut einem Jahr bilden Adelheid Karli und Florim Šabani das Co-Präsidium.
Nachruf auf Urs Ullmann
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Eine benzinbetriebene Glühbirne? Ein robustes Schnapsglas? Oder ein Katzenhalsband, das die Raubtiere vom Vögelfangen abhalten soll? Im Historischen Museum Thurgau schlummern einige Gegenstände, deren Funktion auf den ersten Blick nicht ganz klar ist. Thomas Götz, Martina Hügi und Stefan Keller mussten diese am Icon Poet herausfinden.
Die St.Galler Rockband The Black Salt veröffentlicht ihr zweites Album. Und verabschiedet sich ein Stückweit von ihren Anfängen.
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