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Im Block sprudelt Kunst und Öl

Für drei Wochenenden ist ein baufälliger Wohnblock in Rotmonten zum Kunstblock mutiert. Der «geile Block» beherbergt 37 Mini-Ausstellungen. Bei der Eröffnung war kaum ein Durchkommen.
Von  Peter Surber , 

Hier wohnten einmal Kellenbergers. Vierzig Jahre lang, vom Bau des Blocks in den Siebzigern bis zu seiner Räumung vor sieben Jahren. Karin Bühler hat die Kellenbergers aufgespürt, mit dem Sohn gesprochen und die Erinnerungen auf kleinen Text- und Bildscreens ins einstige Wohnzimmer zurückgebracht, akkurat aufgestellt wie früher die gerahmten Familienfotos. Das Elternschlafzimmer war tabu, der Vater Pfeifenraucher und Jaguarfahrer, die Mutter rastlos im Haushalt tätig, wo es «immer etwas zu wischen gab»: Was man erfährt, ist unspektakulär, aber persönlich und zeitdiagnostisch aufschlussreich.

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Die Ölquelle von Thomas Stüssi.

Das ist auf seine Art auch Frank Kellers Badezimmer. Er hat die noch gut erhaltenen Plättli mit Männer- und Glamour-Bildern aus den Siebzigerjahren vollgeklebt, der Duschkopf dient als Taschenlampe beim Flanieren im leicht muffigen «Bravo»-Milieu von damals – die Frühzeit des Blocks und die Jugendzeit des Künstlers zugleich.

Kunstvoller Schimmel

Heute ist der Block, gleich bei der Endstation des Rotmontenbusses gelegen, ziemlich kaputt. Bevor er abgerissen wird, hat ihn Leila Bock für die Kunst erobern können. Die Spuren des Zerfalls werden zu Fährten für Neues.

Georgette Maag hat den schwarzer Schimmel an den Wänden ihres Kämmerchens gelassen und setzt ihm eine Tapete entgegen, die in der eigenen Haus-Biographie der Künstlerin eine Rolle spielte. Elke Graalfs verstreut die abbröckelnden Deckenstücke gleich über den ganzen Boden – was Kunst und was Haus ist, wird ununterscheidbar.

Den bezauberndsten Umgang mit dem Zerfall hat Susanne Hofer gefunden: Sie lässt in einem verdunkelten Kinderschlafzimmer einen Projektor laufen, dank dem der aufgewirbelte Teppichstaub wie ein Meteoritenschwarm über die Wand saust. Pikant auch Thomas Stüssi: Er pappt zum einen Ausstülpungen an eine Wand, während aus einem Bodenloch unablässig eine schwarze Sauce sprudelt – Erdöl am Rosenberg, vielleicht eine  ironische Alternative zur Geothermie im Sittertobel.

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Leila Bock in der guten Stube des Blocks.

Nachdenken übers Wohnen

37 Künstlerinnen und Künstler hat Leila Bock für eine Intervention in einem der Zimmer des leerstehenden Blocks gewinnen können. Die Ostschweiz dominiert, teils mit renommierten Namen wie Alex Hanimann, Josef Felix Müller, Elisabeth Nembrini, Marlies Pekarek, Teresa Peverelli, Stephan Rohner usw. Daneben sind Gäste aus der Rest-Schweiz und aus Deutschland da. Sie alle haben sich mit Herzblut und gegen minimes Honorar in den Block eingenistet.

Kunst beschäftigt sich hier für einmal mit dem Alltäglichsten der menschlichen Existenz: dem Wohnen. Sie drängt sich vor, wo sie normalerweise nichts zu suchen hat, ins Bad, in die Küche, in die Schlafkammer. Das geht nicht ohne Irritationen ab. So stellt Andrea Vogel ein Bügelbrett in rote Stöckelschuhe und ersetzt das Brett durch einen Spiegel – während das Bügeleisen anzüglich im Schrank versorgt ist. Und Werner Widmer legt mit weissen und braunen Zuckerstücken ein Teppichmuster auf den Küchenboden – betreten erlaubt.

Man kann sich amüsieren und leicht verlieren in den labyrinthisch angelegten, architektonisch noch immer frappierend modernen Wohnungen. Der Block lädt denn auch mit einem reichen Rahmenprogramm zum Wiederkommen ein – an der Eröffnung vom Freitagabend war stellenweise fast kein Durchkommen.

«Kunst gedeiht nur, wenn man die Arbeiten zeigen kann», sagte Leila Bock an der Eröffnungsrede. Und: «Eigentlich wünschte ich mir noch immer eine Jahressausstellung hier in der Stadt. Diese müsste eigentlich genau so aussehen.»

 

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Geiler Block: 19. bis 21. Juni, 26. bis 28. Juni, Programm hier.

Bilder: Katalin Deér

Kunstausstellung

Mut­ter­schaft in Öl ge­fasst

Von Vera Zatti,
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Die Meis­te­rin der Bei­läu­fig­keit

Ei­gent­lich woll­te Zsuz­san­na Gah­se kei­ne Bü­cher mehr schrei­ben. Nun hat sie mit An­ge­rich­tet ihr Werk doch noch ein­mal er­wei­tert. Ih­re Spra­che dar­in bleibt neu­gie­rig, hu­mor­voll und spie­le­risch. Und wirkt fast wie ein Kom­men­tar zum ei­ge­nen li­te­ra­ri­schen Schaf­fen.

Von Michael Lünstroth,
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Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel

Ana­ly­se des müt­ter­li­chen Wahn­sinns

Von Veronika Fischer,

Zwi­schen Ruhm und Knast

Ja­kob Stutz, Volks­schrift­stel­ler und Re­form­päd­ago­ge mit «zwie­späl­ti­gem» Cha­rak­ter: Ihn lässt Ex-Kel­ler­büh­nen­lei­ter Mat­thi­as Pe­ter 150 Jah­re nach sei­nem Tod noch ein­mal auf­le­ben – un­ter an­de­rem in Tro­gen, wo Stutz im Ge­fäng­nis sass.

Von Peter Surber,
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Das Mit­tel­mass fei­ern

Auf sei­nem neu­en Al­bum Th­ree Chords and a Shaking Hand be­singt der Rhein­ta­ler Sin­ger-Song­wri­ter Mo Klé die ge­gen­wär­ti­ge De­bat­ten­kul­tur, Re­gen­stür­me und Selbst­ak­zep­tanz. Die Al­bum­tau­fe fin­det am 7. No­vem­ber im st.gal­li­schen Bahn­hof Brug­gen statt.

Von Vera Zatti,
Artist Picture Mo Kle 2 Credits Johannes Gruber

FC St.Gal­len vs. Ser­vet­te 2:1 - Nicht bril­liert, aber ge­won­nen

Bouk­hal­fa und Gört­ler brin­gen die Es­pen in Füh­rung, wel­che das Team dann über die Zeit bringt.

Von SENF Kollektiv,
Senf

«Wir le­ben in ei­ner ver­blö­de­ten Mei­nungs­welt!»

Alex­an­der Vel­ja­nov ist die un­ver­wech­sel­ba­re Stim­me der Dark-Wa­ve-Band Dei­ne La­kai­en. Mit sei­nem neu­en So­lo­al­bum gas­tiert er am 9. No­vem­ber in Frau­en­feld. Ein Ge­spräch über Schub­la­den, Lü­ge, Wahr­heit und die Fra­ge, was Mu­sik mit un­se­rem Mensch­sein zu tun hat. 

Von Michael Lünstroth,
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Zumthor plant in Wildhaus

Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur fürs Tog­gen­burg

Von René Hornung,
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Die SP setzt auf Pe­ter Oli­bet

Ein Wahl­gang ge­nüg­te: Die SP der Stadt St.Gal­len schickt Pe­ter Oli­bet ins Ren­nen um die Nach­fol­ge von Stadt­rat Pe­ter Jans. Er er­hielt 109 von 182 Stim­men. In der Fra­ge­run­de ging es um Spar­po­li­tik, be­zahl­ba­re Woh­nun­gen und die Fra­ge, wie viel Op­po­si­ti­on ein künf­ti­ges Re­gie­rungs­mit­glied noch ma­chen kann.

Von Philipp Bürkler,
Nomination Peter Olibet 10
Heftvorschau 11/26
Postkolonial, Kulturgelder, Universum

Wäh­rend Zü­rich und Genf ge­raub­te Ben­in-Bron­zen zu­rück­ge­ben, la­viert das Kul­tur­mu­se­um St.Gal­len. Der­weil un­ter­sucht der Thur­gau sei­ne eth­no­gra­fi­sche Samm­lung und schliess Re­sti­tu­tio­nen nicht aus. Aus­ser­dem im No­vem­ber­heft: Der so­li­da­ri­sche Pro­test der St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne ge­gen die Spar­plä­ne des Kan­tons, die neue Aus­stel­lung zum Zehn­jäh­ri­gen im Na­tur­mu­se­um St.Gal­len, das ers­te elek­tro­ni­sche So­lo­al­bum von Ka­fi-D und vie­les mehr.

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Zü­rich und Genf ma­chen vor­wärts, St.Gal­len bremst

Seit ei­ni­gen Jah­ren sind Ben­in-Bron­zen in Schwei­zer Mu­se­en ein heis­ses Ei­sen. Im St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um la­viert man bei der Fra­ge ei­ner mög­li­chen Rück­ga­be zwi­schen Dia­log­be­reit­schaft und Ver­wei­ge­rungs­hal­tung.

Von Richard Butz und Hans Fässler,
Benin bronze kulturmuseum 2026

Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs

Mo­ment­auf­nah­men

Von Veronika Fischer,

Ma­gen­brot bis zu­letzt

Ein Fes­ti­val über den Tod – darf das auch lus­tig sein? «Last Call» lädt am 31. Ok­to­ber in St.Gal­len da­zu ein, über das Ster­ben zu spre­chen. In­ter­view mit Mi­chel­le Mauch­le von der Ge­schäfts­stel­le Pal­lia­ti­ve Ca­re Stadt St.Gal­len.

Von Philipp Bürkler,
Festival zum tod michelle mauchle

Kampf­sport als Safe Space

In St.Gal­len hat am Sams­tag zum ers­ten Mal ein eman­zi­pa­to­risch-an­ti­fa­schis­tisch-que­er­fe­mi­nis­ti­sches Kampf­sport­tur­nier statt­ge­fun­den. Wie das aus­sieht? Schon ziem­lich bru­tal, aber dann auch wie­der herz­lich.

Von Malena Widmer,
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Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller

Zwi­schen Lie­be und Lei­den

Von David Gadze,

Be­stän­dig­keit, die ero­diert 

Seit 35 Jah­ren un­ter­sucht Pa­trick Roh­ner Na­tur­pro­zes­se, ins­be­son­de­re im Zu­sam­men­hang mit Geo­lo­gie, zeich­ne­risch, ma­le­risch und bild­haue­risch. Die Aus­stel­lung «Fal­tun­gen» im Mu­se­um Bickel zeigt noch bis zum 22. No­vem­ber ei­nen Quer­schnitt die­ser kon­ti­nu­ier­li­chen Be­schäf­ti­gung. 

Von Angela Kuratli,
Gu Kas Pa Ro 26 385960 Email Orginal 2

Klimaseniorinnen besuchen Bern

Hit­ze und Dür­re im Bun­des­haus

Von Beatrice Häfliger,
Gruppenfoto

Chil­len am Steinach­strand

Vor dem Karls­tor ein Pick­nick un­ter Bäu­men am Ufer, die Mit­tags­pau­se mit den Füs­sen im Was­ser vor der Kan­tons­schul-Bi­blio­thek oder ein Bier am Bäch­lein zwi­schen der Bar La Bue­na On­da und dem «Bier­hof» – das al­les soll ge­mäss der Mach­bar­keits­stu­die «Al­te Stein­ach» mög­lich wer­den. Am Mon­tag ha­ben sie die Ver­ant­wort­li­chen vor­ge­stellt. 

Von René Hornung,
Alte Steinach Karlstor Zukunft

Hu­mor und Hal­tung

Del­fi­ne, Her­zen und Flag­gen. Die «Il­lo Kon­stanz Vol. 5» zeigt über 60 Ar­bei­ten von in­ter­na­tio­na­len Il­lus­tra­to­ren. Die Schau lässt viel Raum für ei­ge­ne Zu­gän­ge, übt aber auch Kri­tik und zeigt Hal­tung.

Von Vera Zatti,
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«Die­ser Ort braucht ei­ne Per­spek­ti­ve»

Der Ver­ein Lat­tich im Gü­ter­bahn­hof­are­al St.Gal­len fei­ert das 10-Jahr-Ju­bi­lä­um. Noch im­mer kämpft er mit Ein­spra­chen. Der Vor­stand der Grün­dungs­pha­se hat auf­ge­ge­ben. Seit gut ei­nem Jahr bil­den Adel­heid Kar­li und Flo­rim Ša­ba­ni das Co-Prä­si­di­um.

Von Andi Giger, Bilder: Nayla Baumgartner,
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