Viel hat sich im Ruum42 seit dem letzten Besuch vor zwei Jahren nicht verändert. Das verschworene Hacker-Trüppchen bastelt hier – im Keller der Firma Enzler Carosserie an der Andreasstrasse – nun schon seit 2013 an Soft- und Hardware. Am Samstag luden die Ruum-Betreiber zum Linux Presentation Day. Ziel des Tages ist, das Betriebssystem Linux einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen. «Wir wollen auch den Community-Gedanken, der Linux zugrunde liegt, präsentieren», sagt Paul Jaros, Präsident des Ruum42.
Unabhängigkeit und Transparenz
Linux ist ein freies Betriebssystem. Es kann vom Nutzer verändert, verbessert und weitergegeben werden – im Gegensatz zu sogenannt proprietärer Software wie Windows oder iOS. Voraussetzung dafür ist, dass der Zugang zum Quellcode gegeben ist.
Was für Programmierer und IT-Fans reizvoll klingen mag, erschliesst sich dem üblichen Nutzer von Rechnern nicht umgehend als Vorteil. Warum sollte ein «normaler» User denn überhaupt auf Linux wechseln? «Es ist ein Stück Unabhängigkeit und Transparenz», sagt Jaros. Ausserdem könne mit Linux alte Hardware länger gebraucht werden. So funktionieren alte Laptops mit Linux einwandfrei, während sie mit Windows nicht mehr laufen würden.
Keine grossen Unterschiede
Zugegeben: Das bewegt wohl nur wenige Windows-User zum Umsteigen. Auch Paul Jaros selbst brauchte drei Versuche, den Umstieg zu schaffen. «Nach Windows 98, nach XP und nach Windows 7», erinnert er sich. Am Arbeitsplatz nutzt er weiterhin die Microsoft-Software. Es sei aber auch nicht das Ziel des Linux Presentation Days, dass alle Interessierten gleich umsteigen. Vielmehr sollen auch Menschen einen Einblick in die Software bekommen, die Linux noch nicht, oder kaum kennen. «Die Leute können dann sehen, dass Linux eigentlich gar nicht so anders ist wie andere Betriebssysteme», sagt Jaros.
Zwar sieht Linux nicht immer gleich aus (weil die Benutzer Gestaltungsfreiheiten haben), in 15 Minuten findet sich aber auch der Laie recht einfach zurecht. Der Texteditor heisst zwar nicht Word, sondern LibreOffice Writer, sieht aber verblüffend ähnlich aus.
«Ein Stand würde nicht funktionieren»
Während die Kinder des Ruum42-Präsidenten sich an Minecraft versuchen, die Käseplatten im Eingang fleissig leergeräumt werden und die vorwiegend männliche Klientel bei einem Glas Orangensaft über Kernels und Bootings fachsimpelt, hält Jaros fest: «Ein Stand in der Innenstadt mit ein paar Flyern über Linux würde nicht funktionieren.» Das Thema muss einen interessieren, und es braucht Zeit: Darum sei der Präsentationstag die ideale Plattform, um das Betriebssystem und auch sich selbst zu zeigen. «Wir vom Ruum42 fühlen uns wohl an der Öffentlichkeit.»
Technikfreaks…
…im Gespräch mit Ruum-Präsident Paul Jaros (rechts). (Bilder: Luca Ghiselli)
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