Kategorie
Autor:innen
Jahr

Zu wenig Polizei: Keine Pegida-Demo in Frauenfeld

Der Stadtrat von Frauenfeld hat das Gesuch für fünf Pegida-Demos mit internationaler Rednerbesetzung wegen des hohen Gewaltrisikos und der voraussichtlichen Überforderung der Kantonspolizei abgelehnt.
Von  Harry Rosenbaum

Die Kundgebungen (das Bild zeigt eine Pegida-Demo in Bregenz) hätten zwischen Juli und Oktober 2015 jeweils an Samstag- oder Sonntagnachmittagen als Marschveranstaltungen auf einer Innenstadtroute oder als Standmanifestationen auf einem bestimmten Platz in Frauenfeld oder auch in anderen Thurgauer Städten stattfinden sollen. Die Gesuche stellte der stellvertretende Präsident der «Direkt Demokratischen Partei der Schweiz (DPS)», Mike Spielmann. Er bezeichnete sich als Vertreter des „Vereins Pegida Schweiz“ im Dreiländereck.

Geplant waren nach deutschem und österreichischem Vorbild Manifestationen «patriotischer Europäer» gegen die angebliche «Islamisierung des Abendlandes» (davon leitet sich das Kürzel Pegida ab). Neben den drei Schweizer Rechtsaussen-Figuren Ivo Sasek, Yannic Nouffer und Ignaz Bearth hätten die deutschen Pegida-Einpeitscher Lutz Bachmann und Tatjana Festerling sowie ein noch nicht mit Namen genannter Österreicher auftreten sollen. Spielmann teilte den Behörden mit, dass sich bereits 650 Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus dem Dreiländereck angekündigt hätten.

Sicherheit vs. Meinungsfreiheit

Die Frauenfelder Exekutive hatte bereits eine für den 30. Mai 2015 angemeldete Pegida-Demo nicht bewilligt. Damals wurde als Begründung die drohende Verkehrsüberlastung angegeben. Das von Pegida Schweiz leicht modifizierte Kundgebungsmodell wurde jetzt aber ausschliesslich aus Sicherheitsbedenken nicht bewilligt.

In der Begründung heisst es: Die Pegida-Bewegung hat bisher erst im Ausland Kundgebungen durchgeführt. Die Erfahrungen, insbesondere aus Deutschland und Österreich, lassen auf schwer vorhersehbare Kundgebungsverläufe schliessen. Bei allen Kundgebungen wurden Gegenkundgebungen organisiert. An den Kundgebungen in Deutschland und Österreich liessen sich Ausschreitungen und Sachbeschädigungen, auch durch massive Polizeiaufgebote, nicht verhindern. Laut den Organisatoren haben bereits Gastredner von Pegida Deutschland und Österreich zugesagt. Dies unterstreicht die internationale Dimension, die dieser Kundgebung verliehen werden soll. Auch der Charakter als Kundgebung, die kontroverse öffentliche Aufmerksamkeit erhalten möchte, unterstreicht das Potenzial für eine Eskalation aus Sicht des Stadtrates.

Und weiter: Auf Grund der geschilderten Umstände sind keine geeigneten, wirkungsvollen sowie verhältnismässigen polizeilichen Mittel und Massnahmen zur Abwehr der konkreten Gefahr der öffentlichen Sicherheit und Ordnung bzw. zur Gewährleistung der Sicherheit der Kundgebungsteilnehmenden möglich. Eine Risikobeurteilung in Zusammenarbeit mit der Kantonspolizei lässt eindeutig den Schluss zu, dass dies bei den geplanten Kundgebungen der Fall ist. Der Stadtrat wertet angesichts der Umstände den verfassungsmässigen Schutz der Bevölkerung höher als die Meinungs-, Informations- und Versammlungsfreiheit. Aus diesen Gründen fällt die Beurteilung des Stadtrats zu Ungunsten der geplanten Kundgebungsbewilligung aus.

Der Frauenfelder Stadtpräsident Anders Stockholm begründet die Sicherheitsbedenken mit dem zahlenmässigen Missverhältnis zwischen den zu erwartenden Demonstranten und der Polizei. «Der Kapo TG stehen nur insgesamt 330 Beamte und Beamtinnen zur Verfügung», sagt er auf Anfrage von Saiten. «Das ist eindeutig zu wenig, um mögliche Ausschreitungen unter Kontrolle zu halten.» Ein Aufgebot von Sicherheitskräften aus dem Polizeikonkordat ist nicht ins Auge gefasst worden.

Demo-Verbote sind heikel

Für Reto Müller, der an der Uni Basel Polizei- und Sicherheitsrecht doziert, sind Demo-Verbote aus Sicherheitsgründen heikel. «Die Versammlungsfreiheit hat einen sehr hohen Stellenwert», sagt er. «Sie muss gewährleistet sein. Unabhängig vom Inhalt muss der Staat Versammlungen schützen.» Man hätte in diesem Zusammenhang ein Aufgebot von Sicherheitskräften aus dem Polizeikonkordat sicher prüfen müssen. Aber ebenso auch den Erlass von Auflagen, beispielsweise die Festlegung der Route für die Kundgebung, Einrichtung von Sperrzonen und anderen sicherheitsrelevante Massnahmen.

 

 

 

Jetzt mitreden:
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Dein Kommentar wird vor dem Publizieren von der Redaktion geprüft.

Ausstellung im Museum Rosenegg

Fri­sches Wis­sen fürs Mu­se­um

Von  Vera Zatti
Uu Kirchenfenster

Kabarett in Herisau

Apo­ka­lyp­se ist auch nicht al­les

Von  Vera Zatti
P1200733 x jpg

«Es geht dar­um, sich sei­ner Pri­vi­le­gi­en be­wusst zu sein»

De­bat­ten um Ma­chis­mus, Deepf­ake-Por­nos, häus­li­che Ge­walt und Fe­mi­zi­de sind bei­na­he all­täg­lich. Was kön­nen Män­ner ge­ra­de tun, wenn sie un­ter Ge­ne­ral­ver­dacht ge­ra­ten? Frau­en­haus­lei­te­rin Kat­ja Häm­mer­li Kel­ler, Flo­rance Hil­de­brand vom fe­mi­nis­ti­schen Streik­kol­lek­tiv Thur­gau und Ma­nu­el Ben­ja­min Leh­mann vom Fo­rum Mann dis­ku­tie­ren Lö­sungs­an­sät­ze.

Von  Daria Frick , Bilder:  Lea Le
Bildschirmfoto 2026 06 11 um 12 25 26

Kommentar zur SVP-Chaosinitiative

Aus­län­der:in­nen sind nicht nach­hal­tig

Von  Christoph Keller
Nachhaltigkeitsinitiative

30 Jah­re Ar­chi­tek­tur­ver­mitt­lung

Das AFO, das Ar­chi­tek­tur Fo­rum Ost­schweiz, dis­ku­tiert und ver­mit­telt seit 30 Jah­ren Bau­kul­tur. Am kom­men­den Frei­tag wird das Ju­bi­lä­um ge­fei­ert und die neus­te Ar­ti­kel­se­rie der gu­ten Bau­ten als Buch prä­sen­tiert.

Von  René Hornung
2511 Gutes Bauen 1 Ladina Bischof

Im zwei­ten An­lauf: Kan­tons­rat sagt Ja zu Mi­na­sa 

Mi­na­sa be­kommt al­so doch Geld aus dem Lot­te­rie­fonds: Der Kan­tons­rat hat dem von Sai­ten und Thur­gau­kul­tur.ch auf­ge­bau­ten Pro­jekt, das den gröss­ten Ver­an­stal­tungs­ka­len­der der Ost­schweiz er­mög­licht, die Fi­nan­zie­rung für drei wei­te­re Jah­re ge­si­chert.

Von  David Gadze
Kantonsrat Sommersession 2026 Benjamin Manser St Galler Tagblatt

«Wer hält uns da­von ab, frei zu sein?»

In­na Shev­chen­ko fragt im Do­ku­men­tar­film Girls and Gods, ob die mo­no­the­is­ti­schen Welt­re­li­gio­nen mit Fe­mi­nis­mus ver­ein­bar sind. Auf der Su­che nach Ant­wor­ten be­geg­net sie wi­der­sprüchli­chen Theo­rien und mu­ti­gen Frau­en. Und bleibt nicht nur stil­le Be­ob­ach­te­rin.

Von  Daria Frick
Bildschirmfoto 2026 06 10 um 15 01 03

In eigener Sache

Ein Be­kennt­nis zu Mi­na­sa 

Von  Marc Jenny

Abstimmungskommentar zur SVP-Chaosinitiative

Über­frem­dungs­ge­heul im Dau­er­loop

Von  Daria Frick

Theateraufführung

Des Nachts im Wal­de

Von  Vera Zatti
VLT Sujet WEB Sommenacht2

Kolumne: Heppelers Bestiarium

Hor­ror un­ter dem Mi­kro­skop

Von  Jeremias Heppeler

Vie­le Spu­ren und ein Tat­ort

Ein paar Fe­dern, ein an­ge­knab­ber­ter Tan­nen­zap­fen, ein Stück Plas­tik: Tie­re und Men­schen hin­ter­las­sen Spu­ren. Die­sen wid­met das Na­tur­mu­se­um St.Gal­len sei­ne ak­tu­el­le Son­der­aus­stel­lung «Spu­ren – Fähr­ten, Frass und Fe­dern».

Von  Vera Zatti
1 Intro Dachs 20260515 NM SPUREN  Urs Bucher

Wor­an soll man noch glau­ben?

In ei­ner neu­en Aus­stel­lung wagt sich das Kunst­mu­se­um Thur­gau in der Kar­tau­se It­tin­gen an ei­ne Neu­ver­mes­sung des Ver­hält­nis­ses von Kunst und Re­li­gi­on.

Von  Michael Lünstroth
O0 A5990 02

St.Gal­len plant Kon­sum­raum für Sucht­kran­ke

Hin­ter dem St.Gal­ler Haupt­bahn­hof soll ein Kon­sum­raum für Men­schen mit schwe­ren Sucht­er­kran­kun­gen ent­ste­hen. Die­se Wo­che ha­ben die Stadt und die Stif­tung Sucht­hil­fe An­woh­ner:in­nen ein­ge­la­den, um ei­nen ers­ten Dia­log zu star­ten. 

Von  Philipp Bürkler
Liegeschaft Lagerstrasse 2 4

Auf der Ziel­ge­ra­den

Es ist sei­ne letz­te Ses­si­on nach zehn Jah­ren im St.Gal­ler Kan­tons­rat. SP-Kul­tur­po­li­ti­ker Mar­tin Sai­ler setzt künf­tig ganz auf den Zel­tai­ner. Das Geld für den Neu­bau in Wild­haus ist fast zu­sam­men, 2027 soll es los­ge­hen.

Von  Peter Surber
Foto1 Zeltainer

Im di­gi­ta­len Dschun­gel zu Hau­se

Die An­sied­lung des In­ter­net Ar­chi­ve Switz­er­land in St.Gal­len ist Pie­ro Sti­nel­li zu ver­dan­ken. Er kon­tak­tier­te vor zehn Jah­ren die Ver­ant­wort­li­chen von ar­chi­ve.org aus ei­ge­nem An­trieb. In den 90er-Jah­ren war der Mit­grün­der von Va­di­an.net und Klang und Kleid ein In­ter­net­pio­nier.

Von  David Gadze
2606 Internet Archive pino stinelli andri voehringer

Ohm41 stellen wieder aus

Kunst auf der Kip­pe

Von  Daria Frick
Bildschirmfoto 2026 06 03 um 11 14 39

Sehn­sucht nach Frei­heit

Das Thur­gau­er Pop-Phä­no­men Noe­mi Be­za ver­öf­fent­licht An­fang Ju­ni ih­re neue EP. You’ll Find Me The­re ver­eint Coun­try-Vi­bes mit ast­rei­nem Pop – was man ein we­nig ver­misst, sind Ecken und Kan­ten.

Von  Jeremias Heppeler
1 Pressefoto Noemi Beza Youll Find Me There

Kolumne: Stimmrecht im Juni

Back to the Fu­ture

Von  Liliia Matviiv

Ausstellung in Herisau

70 Jah­re und 70 Pup­pen

Von  Vera Zatti
70 Jahre SG Ausstellung