Im Sommer, unterwegs nach Bregenz, kann es auch Kunstfreunden passieren, dass es eigentlich zu sonnig und schön ist fürs schöne Kunsthaus. Vielleicht nähert man sich ihm, doch setzt sich erst einmal ins Café davor unter die Sonnenschirme. Wenn nach dem Kaffee auch ein Eis gegessen ist, und es einen noch immer nicht hineinzieht ins KUB, dann ist es definitiv Zeit fürs Erkunden anderer Orte in Bregenz.
Ein solcher könnte der Thurn- und Taxis-Park mit seinem vielfältigem Baumbestand hinter dem gleichnamigen Künstlerpalais sein. Den erreicht, wer die Altstadt bis zuoberst hochgeht. Auf dem Weg dorthin lohnt sich auch ein Abstecher zum barocken Martinsturm mit seinem imposanten Zwiebeldach, in dem einst Getreide aufbewahrt wurde.
Für Flaneurinnen und Flaneure wäre wohl die Seepromenade, die am auf Stelzen stehenden Seepavillon vorbeiführt, ein anderer naheliegender Ort zur Erkundung. Doch wenn das alles zu lieblich tönt, dann empfiehlt sich ein Spaziergang entlang der Seestrasse. Hier befinden sich die sieben grossflächigen Rückseiten von Wartehäuschen – der spannende (Un-)Ort der Plakatausstellungsreihe des KUB (unmittelbar davor kann auch parkiert werden).
Bis zum 25. Juli werden hier die quadratischen Flächen vom kanadischen Künstlerinnen-Duo Feminist Land Art Retreat bespielt. Es hat sich 2010 zusammengetan und bereits für seine erste Arbeit mit dem Medium Plakat gearbeitet. Damals nahmen sie Bezug auf die Werke amerikanischer Land Art-Künstler und speziell auf Robert Smithson: Dieser hat 1970 in einem Salzsee in Utah eine mehrere hundert Meter lange Spirale aus Basalt, Kalkstein und Schlamm geschaffen, die noch heute sichtbar ist.
Feminist Land Art Retreat haben in ihrem Erstlingsplakat 2010 einen fiktiven Ausflug oder Rückzug (Retreat) mit einer auf den Kopf gestellten Luftaufnahme von Spiral Jetty – so der Titel von Smithsons Werk – angekündigt.
Feminist Land Art Retreat: bis 25. Juli, Seestrasse Bregenz kunsthaus-bregenz.at
Die Plakate in Bregenz handeln auch von einem möglichen Retreat: Sie liebäugeln mit Werbung für Wellness-Retreats und brechen die dafür bekannte Bildsprache gleichzeitig dezidiert auf. Statt passiven Frauenrücken und warmen Stimmungslicht-Aufnahmen gibt es jede Menge Schlamm zu sehen sowie ein Modell, das einen mit ernstem, direktem Blick anschaut.
Zu den Treatments 1–7 – so die Bezeichnung der einzelnen Plakate – gehören einige Detailaufnahmen von Körperteilen, in denen Mensch und Natur zu verschmelzen scheinen: Die Haut und somit der menschliche Körper wird zum Medium, auf das Schlamm aufgetragen wird. Durch die natürlichen Erdmaterialien erwecken die bemalten Arme und Beine den Eindruck von Landschaften, was durch das Eingebettetsein der Plakatwände in eine Baumreihe verstärkt wird. Zugleich wirken die Körperteile – abstrahiert durch die dunkelgraue Bemalung – mitunter geradezu skulptural.
Feminist Land Art Retreat, Treatment 2 Installationsansicht Last Resort, KUB Billboards 2016 (Bild: Markus Tretter)
Das Naturmuseum St.Gallen eröffnet Mitte November zum zehnjährigen Bestehen seines Neubaus den Ausstellungsbereich «Mensch und Universum». Zwischen Klimakrise und Sternenhimmel geht es um eine ziemlich grosse Frage: Wo stehen wir eigentlich?
Seit zehn Jahren gibt es die Residency in der Bibliothek Andreas Züst im Alpenhof, diesem so schwer zu fassenden Ort in Innerrhoden. Der runde Geburtstag wird nun mit einem vielfältigen Festival gefeiert.
Bevor die Kunsthalle St.Gallen im Dezember wegen Umbauarbeiten voraussichtlich bis April 2027 schliesst, dreht sie nochmals voll auf. In der Ausstellung «House of Change: Pre-Construction-Warm-Up-Galore» präsentiert sie im laufenden Monat ein dichtes, buntes Programm an Kunst und Kultur.
In der Ausstellung «Smile maniacally we’re alive» verbindet Jala Wahid scheinbar getrennte Welten. Sie schlägt darin eine Brücke zwischen Erinnerung, Emotion, Wissenschaft und Politik.
Die erneuten Sparvorschläge der St.Galler Regierung stossen auf breite Ablehnung. Die Kulturszene solidarisiert sich gegen die Abbaupläne. Die Kulturlobby hat sich in Stellung gebracht. Obs hilft?
Kunstausstellung
Eigentlich wollte Zsuzsanna Gahse keine Bücher mehr schreiben. Nun hat sie mit Angerichtet ihr Werk doch noch einmal erweitert. Ihre Sprache darin bleibt neugierig, humorvoll und spielerisch. Und wirkt fast wie ein Kommentar zum eigenen literarischen Schaffen.
Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel
Jakob Stutz, Volksschriftsteller und Reformpädagoge mit «zwiespältigem» Charakter: Ihn lässt Ex-Kellerbühnenleiter Matthias Peter 150 Jahre nach seinem Tod noch einmal aufleben – unter anderem in Trogen, wo Stutz im Gefängnis sass.
Auf seinem neuen Album Three Chords and a Shaking Hand besingt der Rheintaler Singer-Songwriter Mo Klé die gegenwärtige Debattenkultur, Regenstürme und Selbstakzeptanz. Die Albumtaufe findet am 7. November im st.gallischen Bahnhof Bruggen statt.
Boukhalfa und Görtler bringen die Espen in Führung, welche das Team dann über die Zeit bringt.
Alexander Veljanov ist die unverwechselbare Stimme der Dark-Wave-Band Deine Lakaien. Mit seinem neuen Soloalbum gastiert er am 9. November in Frauenfeld. Ein Gespräch über Schubladen, Lüge, Wahrheit und die Frage, was Musik mit unserem Menschsein zu tun hat.
Zumthor plant in Wildhaus
Ein Wahlgang genügte: Die SP der Stadt St.Gallen schickt Peter Olibet ins Rennen um die Nachfolge von Stadtrat Peter Jans. Er erhielt 109 von 182 Stimmen. In der Fragerunde ging es um Sparpolitik, bezahlbare Wohnungen und die Frage, wie viel Opposition ein künftiges Regierungsmitglied noch machen kann.
Während Zürich und Genf geraubte Benin-Bronzen zurückgeben, laviert das Kulturmuseum St.Gallen. Derweil untersucht der Thurgau seine ethnografische Sammlung und schliess Restitutionen nicht aus. Ausserdem im Novemberheft: Der solidarische Protest der St.Galler Kulturszene gegen die Sparpläne des Kantons, die neue Ausstellung zum Zehnjährigen im Naturmuseum St.Gallen, das erste elektronische Soloalbum von Kafi-D und vieles mehr.
Seit einigen Jahren sind Benin-Bronzen in Schweizer Museen ein heisses Eisen. Im St.Galler Kulturmuseum laviert man bei der Frage einer möglichen Rückgabe zwischen Dialogbereitschaft und Verweigerungshaltung.
Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs
Ein Festival über den Tod – darf das auch lustig sein? «Last Call» lädt am 31. Oktober in St.Gallen dazu ein, über das Sterben zu sprechen. Interview mit Michelle Mauchle von der Geschäftsstelle Palliative Care Stadt St.Gallen.
In St.Gallen hat am Samstag zum ersten Mal ein emanzipatorisch-antifaschistisch-queerfeministisches Kampfsportturnier stattgefunden. Wie das aussieht? Schon ziemlich brutal, aber dann auch wieder herzlich.
Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller