Die St.Galler Künstlerin Andrea Vogel hat sich in Bronze giessen lassen und speit Wasser. Wir haben mit dem Kunst-Klon gesprochen.
Sie stehen an der Ecke Guisanstrasse/Gatterstrasse in St.Gallen mit dem Zweck, den Vorübergehenden Trinkwasser zu spenden. Wie fühlen Sie sich dabei?
Andrea Vogel: Entblösst fühle ich mich durch diese Präsenz nicht, obwohl man alles von mir sieht, sogar die Tränensäcke unter den Augen. Ich stehe ja nicht wirklich hier oben, das wäre zu abstrakt. Das ist nur eine Momentaufnahme von mir, wie ein Foto.
Kleine Jungs gehen in den Wald, stellen sich in eine Reihe und schauen, wer am weitesten pissen kann. Dafür steht Manneken Pis in Brüssel und ist weltberühmt. Glauben Sie, dieser Status wird Ihnen bald auch zuteil, als Wasserspeierin von St.Gallen?
Keine Ahnung, ob ich mal so berühmt werde. Zum Unterschied zu Manneken: Ich pinkle nicht, ich spende durch meinen Mund Wasser. Für mich hat aus dem Körper austretendes Wasser etwas sehr Intimes. Ich spucke es nicht aus, es schiesst als Strahl aus mir heraus. Das ist eine sehr edle Form. Zudem ist das Wasser trinkbar. Figuren, die Wasser spenden, sind uralt und haben eine grosse Tradition in unserer Kultur. Die Leute können mit mir spielen, sie können ein Foto knipsen, wo ich mit drauf bin, sie können Grimassen schneiden und versuchen, dem Wasserstrahl auszuweichen, der durch den Sensor in der Rockfalte ausgelöst wird. Ich bin interaktiv.
Sie tragen Casual Style: Rock, Mantel und Pumps. Halten Sie nichts vom Femen, das heisst vom Zeigen nackter Brüste? Die Nixen am Broderbrunnen tun das auch und sind mehr als hundert Jahre älter als Sie.
Warum sollte ich meinen Körper entblössen, das ist doch nicht spannend. Mir gefällt gerade das Alltägliche an mir als Brunnen. In meinen Performances trete ich meistens in Stöckelschuhen auf. Stöckelschuhe bilden eine Art Sockel. Sie sind die kleinste Form von Bühne, beeinflussen die Haltung des Körpers, geben ihm Spannung.
Warum stehen Sie neben dem Wienerberg bei der Uni?
Der Anlass war Heiner Kreis, der zum 100-Jahre-Jubiläum von Kreis Wasser der Stadt ein Geschenk machen wollte. Ich bekam den Auftrag für die Brunnenfigur und habe mich gleich selbst inszeniert, in Bronze, um stellvertretend als unendliche Performance Wasser geben zu können. Dazu inspiriert hat mich der US-amerikanische Konzeptkünstler Bruce Nauman. Ich kannte seine Fotoarbeit artist as fountain, nicht aber eine weitere Fotoarbeit, wo er in einem Garten, genau in einer Pose Wasser speit wie ich jetzt. Das hat mich verblüfft. Ich habe quasi eine Skizze von Bruce Nauman materialisiert. Heimlich heisst der Brunnen für mich deshalb a kiss for bruce. Bei der Umsetzung hat mir die Kunstgiesserei St.Gallen sehr geholfen. Die Arbeit war nicht einfach. Ich bin ja keine Bildhauerin. Am schwierigsten war das Gesicht, der authentische Ausdruck mit den geöffneten Augen. Da bin ich sehr froh, dass das gelungen ist, denn als Totenmaske mit geschlossenen Augen wollte ich nicht da oben stehen.
(Bild: Hanspeter Schiess)
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