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«Literatur ohne Schwellenangst»

Am Wochenende ist Wortlaut-Festival in St.Gallen. Richi Küttel und Joachim Bitter von der Programmkommission sagen, was neu ist, was bleibt und warum es die Literaturtage überhaupt braucht.
Von  Peter Surber , 

Was wird bei Wortlaut anders gegenüber dem letzten Jahr?

Richi Küttel: Wir haben das Programm klarer strukturiert. Am Samstag sind Programmreihen und Orte klar verbunden. Extras wie die literarische Stadtführung oder die Vernissage der neuen Edition Literatur Ostschweiz finden am Sonntag statt. Das Samstagsprogramm ist etwas gestrafft, das Kinder- und Jugendprogramm fällt weg – es hätte den Rahmen gesprengt, zudem gibt es künftig die darauf spezialisierte neue Stadtbibliothek in St.Katharinen, die näher an den jungen Leserinnen und Lesern dran ist als wir.

Joachim Bitter: Was natürlich bleibt, ist der Schwerpunkt mit Neuerscheinungen, die wir im Stadthaus-Saal und im Raum für Literatur vorstellen. Darunter sind die neuen Romane von Simona Ryser, Ruth Schweikert oder Kristof Magnusson. Kontrovers wird sicher die Nicht-Lesung von Urs Mannhart, den wir mit seinem Reportagenband «Bergsteigen im Flachland» eingeladen hatten, lange bevor das Buch wegen einer Plagiatsklage vorläufig gestoppt wurde.

Richi Küttel: Das Open Mic für regionale Autorinnen und Autoren erhält einen eigenen Raum im Splügeneck und damit mehr Präsenz. Neu ist auch das Literaturgespräch «Zwischen Professionalisierung und Spezialisierung», moderiert von Reina Gehrig, der Leiterin der Solothurner Literaturtage. Im Gegenzug kann Wortlaut in Solothurn den ersten Band der neuen Edition Literatur Ostschweiz präsentieren.

wortlaut3Slam und Spoken Word haben viel Gewicht am Wortlaut. Zu viel?

Küttel: Nach meiner Einschätzung nicht – und die neue Plattform spoken-word.ch, die wir am Wortlaut vorstellen können, zeigt gerade, wie lebendig die Szene ist. Wichtige Stimmen im diesjährigen Programm sind Guy Krneta oder Hazel Brugger, der Berliner Ahne oder Sandra Künzi mit der Kontrabassistin Reg Fry. Und zum fixen Programmpunkt dürfte sich der Dialekt-Slam entwickeln.

Wortlaut konzentriert sich stark auf Schweizer Autorinnen und Autoren. Internationaler will man nicht werden?

Bitter: Wir bewegen uns jetzt in einem Dreieck zwischen Zürich, Berlin und Wien und sind momentan damit ausgelastet. Grenzüberschreitend ist Wortlaut eher mit Blick auf die Sparten: mit Comic, Spoken Word und Kabarett neben der traditionelleren Literatur.

Letztes Jahr haben Sie rund 2000 Eintritte gezählt. Genug?

Küttel: Wir haben viele gute Rückmeldungen erhalten. Aber es könnten noch mehr Besucher sein. Wer zweitausend Leute erreichen will, muss ein Programm machen, das viele interessiert – auch wenn wir auf eigentliche Bestseller-Autoren verzichten.

Warum braucht es überhaupt ein Festival wie Wortlaut?

Küttel: «Klassische» Autorenlesungen veranstalten wir mit der Gesellschaft für deutsche Sprache und Literatur (GdSL) ja das ganze Jahr über. Hinzu kommen die Anlässe der Buchhandlungen. Wortlaut will im Gegensatz dazu populärer sein und Literatur möglichst ohne Schwellenangst vermitteln. Wir überlegen uns bei der Planung, wer uns interessiert, wer ein neues Buch hat, aber auch, wer gut auftreten kann. Bühnenpräsenz ist wichtig, wenn man das Publikum erreichen will. Wir wollen die Leute ja zu Literatur verführen.

Könnte man nicht statt populär auch eigenbrötlerischer programmieren? Und sich so von der Konkurrenz unterscheiden. Die ist ja stark, auch in der Region: Gerade fanden in Rapperswil-Jona die Literaturtage statt. Im April gibt es in Singen-Schaffhausen zum sechsten Mal das Festival «Erzählzeit». Und in Winterthur startet im Juni eine neue Literatur- und Spoken-Word-Reihe mit dem Titel «lauschig»…

Küttel: Eigensinnig programmieren kann man, wenn man sich seines Publikums hundertprozentig sicher ist. Wortlaut hat nach unserer Überzeugung seine Form gefunden und auch sein Publikum – aber das braucht auch noch mehr Zeit. Entscheidend ist für mich, dass es uns gelingt, an diesem Wochenende Literatur lebendig zu machen. Und dazu gehört auch Zeit und Raum für Geselligkeit und für Begegnungen.

 

Literaturtage Wortlaut St.Gallen:
Donnerstag, 26. bis Sonntag, 29. März, diverse Orte

 

Ein künst­le­ri­sches Ge­ne­ra­tio­nen­tref­fen

Be­vor die Kunst­hal­le St.Gal­len im De­zem­ber we­gen Um­bau­ar­bei­ten vor­aus­sicht­lich bis April 2027 schliesst, dreht sie noch­mals voll auf. In der Aus­stel­lung «House of Ch­an­ge: Pre-Con­s­truc­tion-Warm-Up-Ga­lo­re» prä­sen­tiert sie im lau­fen­den Mo­nat ein dich­tes, bun­tes Pro­gramm an Kunst und Kul­tur.

Von Larisa Baumann,
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Zwi­schen Kunst und Kör­per 

In der Aus­stel­lung «Smi­le ma­nia­cal­ly we’re ali­ve» ver­bin­det Ja­la Wa­hid schein­bar ge­trenn­te Wel­ten. Sie schlägt dar­in ei­ne Brü­cke zwi­schen Er­in­ne­rung, Emo­ti­on, Wis­sen­schaft und Po­li­tik. 

Von Sieglinde Wöhrer,
Jala Wahid Smile maniacally were alive Sieglinde Woehrer

Ver­ei­nig­te Kul­tur­sze­ne pro­tes­tiert ge­gen den Spar­ham­mer

Die er­neu­ten Spar­vor­schlä­ge der St.Gal­ler Re­gie­rung stos­sen auf brei­te Ab­leh­nung. Die Kul­tur­sze­ne so­li­da­ri­siert sich ge­gen die Ab­bau­plä­ne. Die Kul­tur­lob­by hat sich in Stel­lung ge­bracht. Obs hilft?

Von Roman Hertler,
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Kunstausstellung

Mut­ter­schaft in Öl ge­fasst

Von Vera Zatti,
Cecileund Pina300dpi

Die Meis­te­rin der Bei­läu­fig­keit

Ei­gent­lich woll­te Zsuz­san­na Gah­se kei­ne Bü­cher mehr schrei­ben. Nun hat sie mit An­ge­rich­tet ihr Werk doch noch ein­mal er­wei­tert. Ih­re Spra­che dar­in bleibt neu­gie­rig, hu­mor­voll und spie­le­risch. Und wirkt fast wie ein Kom­men­tar zum ei­ge­nen li­te­ra­ri­schen Schaf­fen.

Von Michael Lünstroth,
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Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel

Ana­ly­se des müt­ter­li­chen Wahn­sinns

Von Veronika Fischer,

Zwi­schen Ruhm und Knast

Ja­kob Stutz, Volks­schrift­stel­ler und Re­form­päd­ago­ge mit «zwie­späl­ti­gem» Cha­rak­ter: Ihn lässt Ex-Kel­ler­büh­nen­lei­ter Mat­thi­as Pe­ter 150 Jah­re nach sei­nem Tod noch ein­mal auf­le­ben – un­ter an­de­rem in Tro­gen, wo Stutz im Ge­fäng­nis sass.

Von Peter Surber,
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Das Mit­tel­mass fei­ern

Auf sei­nem neu­en Al­bum Th­ree Chords and a Shaking Hand be­singt der Rhein­ta­ler Sin­ger-Song­wri­ter Mo Klé die ge­gen­wär­ti­ge De­bat­ten­kul­tur, Re­gen­stür­me und Selbst­ak­zep­tanz. Die Al­bum­tau­fe fin­det am 7. No­vem­ber im st.gal­li­schen Bahn­hof Brug­gen statt.

Von Vera Zatti,
Artist Picture Mo Kle 2 Credits Johannes Gruber

FC St.Gal­len vs. Ser­vet­te 2:1 - Nicht bril­liert, aber ge­won­nen

Bouk­hal­fa und Gört­ler brin­gen die Es­pen in Füh­rung, wel­che das Team dann über die Zeit bringt.

Von SENF Kollektiv,
Senf

«Wir le­ben in ei­ner ver­blö­de­ten Mei­nungs­welt!»

Alex­an­der Vel­ja­nov ist die un­ver­wech­sel­ba­re Stim­me der Dark-Wa­ve-Band Dei­ne La­kai­en. Mit sei­nem neu­en So­lo­al­bum gas­tiert er am 9. No­vem­ber in Frau­en­feld. Ein Ge­spräch über Schub­la­den, Lü­ge, Wahr­heit und die Fra­ge, was Mu­sik mit un­se­rem Mensch­sein zu tun hat. 

Von Michael Lünstroth,
VELJANOV 2018 03

Zumthor plant in Wildhaus

Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur fürs Tog­gen­burg

Von René Hornung,
Steinmodell 2

Die SP setzt auf Pe­ter Oli­bet

Ein Wahl­gang ge­nüg­te: Die SP der Stadt St.Gal­len schickt Pe­ter Oli­bet ins Ren­nen um die Nach­fol­ge von Stadt­rat Pe­ter Jans. Er er­hielt 109 von 182 Stim­men. In der Fra­ge­run­de ging es um Spar­po­li­tik, be­zahl­ba­re Woh­nun­gen und die Fra­ge, wie viel Op­po­si­ti­on ein künf­ti­ges Re­gie­rungs­mit­glied noch ma­chen kann.

Von Philipp Bürkler,
Nomination Peter Olibet 10
Heftvorschau 11/26
Postkolonial, Kulturgelder, Universum

Wäh­rend Zü­rich und Genf ge­raub­te Ben­in-Bron­zen zu­rück­ge­ben, la­viert das Kul­tur­mu­se­um St.Gal­len. Der­weil un­ter­sucht der Thur­gau sei­ne eth­no­gra­fi­sche Samm­lung und schliess Re­sti­tu­tio­nen nicht aus. Aus­ser­dem im No­vem­ber­heft: Der so­li­da­ri­sche Pro­test der St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne ge­gen die Spar­plä­ne des Kan­tons, die neue Aus­stel­lung zum Zehn­jäh­ri­gen im Na­tur­mu­se­um St.Gal­len, das ers­te elek­tro­ni­sche So­lo­al­bum von Ka­fi-D und vie­les mehr.

Saiten 2611 01 Cover

Zü­rich und Genf ma­chen vor­wärts, St.Gal­len bremst

Seit ei­ni­gen Jah­ren sind Ben­in-Bron­zen in Schwei­zer Mu­se­en ein heis­ses Ei­sen. Im St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um la­viert man bei der Fra­ge ei­ner mög­li­chen Rück­ga­be zwi­schen Dia­log­be­reit­schaft und Ver­wei­ge­rungs­hal­tung.

Von Richard Butz und Hans Fässler,
Benin bronze kulturmuseum 2026

Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs

Mo­ment­auf­nah­men

Von Veronika Fischer,

Ma­gen­brot bis zu­letzt

Ein Fes­ti­val über den Tod – darf das auch lus­tig sein? «Last Call» lädt am 31. Ok­to­ber in St.Gal­len da­zu ein, über das Ster­ben zu spre­chen. In­ter­view mit Mi­chel­le Mauch­le von der Ge­schäfts­stel­le Pal­lia­ti­ve Ca­re Stadt St.Gal­len.

Von Philipp Bürkler,
Festival zum tod michelle mauchle

Kampf­sport als Safe Space

In St.Gal­len hat am Sams­tag zum ers­ten Mal ein eman­zi­pa­to­risch-an­ti­fa­schis­tisch-que­er­fe­mi­nis­ti­sches Kampf­sport­tur­nier statt­ge­fun­den. Wie das aus­sieht? Schon ziem­lich bru­tal, aber dann auch wie­der herz­lich.

Von Malena Widmer,
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Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller

Zwi­schen Lie­be und Lei­den

Von David Gadze,

Be­stän­dig­keit, die ero­diert 

Seit 35 Jah­ren un­ter­sucht Pa­trick Roh­ner Na­tur­pro­zes­se, ins­be­son­de­re im Zu­sam­men­hang mit Geo­lo­gie, zeich­ne­risch, ma­le­risch und bild­haue­risch. Die Aus­stel­lung «Fal­tun­gen» im Mu­se­um Bickel zeigt noch bis zum 22. No­vem­ber ei­nen Quer­schnitt die­ser kon­ti­nu­ier­li­chen Be­schäf­ti­gung. 

Von Angela Kuratli,
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Klimaseniorinnen besuchen Bern

Hit­ze und Dür­re im Bun­des­haus

Von Beatrice Häfliger,
Gruppenfoto