Der Stoff ist schwer – das Stück aber packend und gewitzt, als wärs von Profis inszeniert. Wer es verpasst hat, das Tanztheater «Lulu» in der ausverkauften Grabenhalle, hat in Zürich nochmal eine Chance.
Lulu, die männermordende femme fatale, die «Urgestalt des Weibes»: Um die Figur ranken sich Vorurteile, seit jeher. Frank Wedekinds Original-Lulu erregte Anfang des 20. Jahrhunderts öffentliches Ärgernis, es gab Stückverbote und Skandale. Hundert Jahre später ist man andere Skandale gewöhnt, aber der Stoff fasziniert weiterhin. Und funktioniert erfreulicherweise auch ohne simple Rollen-Klischees. Das beweisen Sebastian Ryser (Text) und Dominique Enz (Choreographie) mit ihrem Ensemble «Die Spielbaren» in der Grabenhalle.
Der Trick: aus einer Lulu werden sechs. Fünf Tänzerinnen und Sprecherinnen (Myriam und Juliette Uzor, Franziska Ryser, Lisa Walder und Corinna Haag) vervielfachen die Frauenfigur, setzen die Geschichte in sparsame, präzise Choreographien um, fragen mit Witz und wohltuender Selbstironie nach heutigen Verführungsstrategien, stellen Spielregeln auf wie «Erfülle alle Klischees» – und unterlaufen zugleich alle vordergründigen Männlein-Weiblein-Bilder.
Dazwischen die Haupt-Lulu (Dominique Enz) und ihre Männer, die in schneller Folge der Tod ereilt: Goll (Sebastian Ryser), Schwarz (Maurus Leuthold), Schön (Benjamin Ryser), Alwa (Lorik Visoka) und Lulus Vater Schigolch (Florentin Heuberger). Raffiniert einfache Bühnenwände schaffen ständig neue Räume für ein Beziehungsnetz, das sich immer enger um Lulu selbst zusammenzieht, bis zum Untergang.
Alles nur ein (Rollen)-Spiel? Für die junge Truppe, die sich nach einem Tabori-Stück jetzt zum zweiten Mal an einen grossen Theaterstoff gewagt hat, ist es ein Spiel, das spürbar Vergnügen macht. Und in dem dennoch viel Ernst steckt: der Ernst, seine eigene, selbstbestimmte Rolle im Geschlechter-Spiel zu finden.
Weitere Aufführungen im Dynamo Zürich: 4. und 5. Dezember 2012. Bilder: Moritz Lehner
Neue Eigenproduktion
Tunneleröffnung
Das musste ja so kommen! Es konnte nicht bei einem bleiben. Zum Glück! Jetzt gibt es das zweite grosse, schwere Psychobuch von Beni Bischof. Darin verwirbelt der Künstler erneut Eigenes, Fremdes, Befremdliches, Bekanntes, Neues, Unkenntliches mit lockerer Hand, Humor und Hintersinn.
Die Sonderausstellung «Baustelle Erinnerung / ‹Hitler entsorgen› – Arbeiten am belasteten Erbe» im Vorarlberg Museum in Bregenz beschäftigt sich damit, wie ein verantwortungsvoller Umgang mit Gegenständen aus der NS-Vergangenheit aussehen kann. Ausserdem berät das Museum Privatpersonen, die solche Gegenstände besitzen.
Forrer Stieger Architekten gelingt mit dem Dreifachkindergarten und der Tagesbetreuung im Heiligkreuzquartier in St.Gallen die Quadratur des Kreises.
Es geht um uns Menschen und unser sonderbares und verheerendes Verhalten. «Humans» heisst die grosse Einzelausstellung des Ostschweizer Künstlers Olaf Breuning. Viele Arbeiten sind speziell für die Schau im Museum Allerheiligen in Schaffhausen entstanden.
In Wil fand am Wochenende das Rock am Weier statt. Seit 25 Jahren gibt es das Festival, und trotz inzwischen grösserer Namen ist es immer noch kostenlos. Ein Verein organisiert es nicht-profitorientiert und fördert regionale Acts. Unsere Autorin ist an den Ort ihrer musikalischen Sozialisation zurückgekehrt. Eine Reportage.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Ausstellung im Museum Rosenegg
Kabarett in Herisau
Debatten um Machismus, Deepfake-Pornos, häusliche Gewalt und Femizide sind beinahe alltäglich. Was können Männer gerade tun, wenn sie unter Generalverdacht geraten? Frauenhausleiterin Katja Hämmerli Keller, Florance Hildebrand vom feministischen Streikkollektiv Thurgau und Manuel Benjamin Lehmann vom Forum Mann diskutieren Lösungsansätze.
Kommentar zur SVP-Chaosinitiative
Das AFO, das Architektur Forum Ostschweiz, diskutiert und vermittelt seit 30 Jahren Baukultur. Am kommenden Freitag wird das Jubiläum gefeiert und die neuste Artikelserie der guten Bauten als Buch präsentiert.
Minasa bekommt also doch Geld aus dem Lotteriefonds: Der Kantonsrat hat dem von Saiten und Thurgaukultur.ch aufgebauten Projekt, das den grössten Veranstaltungskalender der Ostschweiz ermöglicht, die Finanzierung für drei weitere Jahre gesichert.
Inna Shevchenko fragt im Dokumentarfilm Girls and Gods, ob die monotheistischen Weltreligionen mit Feminismus vereinbar sind. Auf der Suche nach Antworten begegnet sie widersprüchlichen Theorien und mutigen Frauen. Und bleibt nicht nur stille Beobachterin.
In eigener Sache
Abstimmungskommentar zur SVP-Chaosinitiative
Theateraufführung
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Ein paar Federn, ein angeknabberter Tannenzapfen, ein Stück Plastik: Tiere und Menschen hinterlassen Spuren. Diesen widmet das Naturmuseum St.Gallen seine aktuelle Sonderausstellung «Spuren – Fährten, Frass und Federn».