Zwischen Cyberspace und Neolithikum – diesen Spagat muss jetzt die Bodenseeregion machen, will sie ihren Pfahlbauern respektive deren Hinterlassenschaften den Status des Unesco-Welterbes nachhaltig sichern. Erst letztes Jahr ist der Region das begehrte Prädikat verliehen worden. Die Regierungen in der Internationalen Bodenseekonferenz (IBK) haben daraufhin einen Kredit von 50’000 Euro für eine Machbarkeitsstudie mit dem Thema «Vermittlung des neuen Unesco-Welterbes Pfahlbauten» beschlossen. Damit beauftragt worden ist die auf Kultur und Bildung spezialisierte strategische Beratungsfirma Actori in München. Die Studie soll bis Herbst 2012 vorliegen und den IBK-Regierungen Entscheidungsgrundlagen für das weitere Vorgehen liefern.
«Die Pfahlbauerkultur soll für heutige Menschen erlebbar gemacht weden», umschreibt Thomas Radke von der Geschäftsstelle IBK die Vermittlungsidee, die hinter dem Unesco-Welterbe steckt. – Ganz einfach ist die Umsetzung der Ansprüche an das Welterbe nicht. Die Pfahlbauer-Relikte sind nämlich weitgehend unter Wasser und vielfach auch im Seegrund versteckt.
Im Vordergrund stehe die touristische Nutzung dieses Welterbes, fährt Radke fort. – Heisst das, dass künftig Unterseeboote das Ufergewässer bei den Fundstellen kreuzen oder eine Art Sealife uns die Pfahlbauer näher bringen soll?
Wohl kaum. Es ist kein frühgeschichtliches Disneyland am Bodensee und am Zürichsee (ein weiteres Siedlungsgebiet der Pfahlbauer) geplant. Und trotzdem wird das Publikumsinteresse gross sein. Pfahlbauer sind heute eine sehr populäre Gruppe im Panoptikum unserer Vorfahren. Das bewies eindrücklich das Vorabendprogramm des Schweizer Fernsehens im Sommer 2007 mit dem während vier Wochen täglich gesendeten Living-Sience-Projekt «Pfahlbauer von Pfyn». Durchschnittlich verfolgten (Angaben des Fernsehens) eine halbe Million Leute die einzelnen Folgen des nachgestellten Pfahlbauer-Familylife.
«Das Kind zurücklassen? Wie kann man so dumm und herzlos sein», schreibt der Schweizer Autor Lukas Bärfuss über seine Mutter, die keine Mutter für ihn sein konnte. In seinem neuen Buch schaut er in die Vergangenheit und hat Verständnis, nicht für die Mutter, aber doch für diese Frau, die nie Glück und immer zu wenig Geld hatte.
Gaal, Görtler und Witzig schiessen St. Gallen zum langersehnten Cupsieg!
Die Medikamentenversuche von Münsterlingen als Teil eines Vampir-Musicals? Auf die Idee muss man erst einmal kommen. Die Bühne Mammern wagt den Versuch. Ab 29. Mai im Zirkuszelt.
Die diesjährige Kulturlandsgemeinde findet entlang der Bahnlinie zwischen Gossau und Wasserauen statt. Es ist ein interdisziplinäres Experimentzwischen Kunst, Gesellschaft und Aktivismus. Ausserdem stellt die Kulturlandsgemeinde künstlerisch und organisatorisch die Weichen für die Zukunft.
Am Samstag findet in St.Gallen erstmals das Punkfestival El Cartel statt. Es soll dazu beitragen, die Szene zu stärken. Dabei fehlt es gerade in St.Gallen an Nachwuchs.
Seit 40 Jahren macht die Bibliothek Wyborada in St.Gallen sichtbar, was lange fehlte: Literatur von und über Frauen. Heute sind Autorinnen und feministische Themen zwar stärker präsent in der Öffentlichkeit, doch die Relevanz der Bibliothek ist nach wie vor gross.
Mit einer Interpellation greifen SVP und EDU im St.Galler Kantonsrat den ausserschulischen Aufklärungsunterricht an. Und mit Unterstützung des «Lehrernetzwerks Schweiz» wollen Eltern aus Bütschwil eine Mitarbeiterin der Fachstelle für Aids- und Sexualfragen vor Gericht bringen. Dahinter steckt eine orchestrierte Aktion.
«Dieci», die italienische Zahl für zehn, ist das Motto des diesjährigen Heiden-Festivals. Es verweist dabei nicht nur auf das Jubiläum, sondern auch auf eine kulturpolitische Haltung.
Das St.Galler Theater Trouvaille entdeckt den Musiker und Juristen Mani Matter neu. «’S isch einisch eine gsy»– 90 Jahre Mani Matter verbindet zahlreiche Lieder und literarische Texte des Berners zu einem abendfüllenden Programm. Saiten hat mit dem Theaterleiter Matthias Flückiger gesprochen.
Naturmuseum Thurgau
Vier Jahre nach ihrem Debüt kehren Lev Tigrovich mit einer neuen EP zurück. Diese handelt von Kontrollverlust, Illusionen und grossen Gefühlen – und enthält erstmals einen Song, der nicht auf Russisch gesungen ist.
Im letzten Spiel der Saison trifft der FC St.Gallen auf den neuen Schweizer Meister aus Thun - einen Sieger gibt es nicht.
Caline Aoun interessieren die Momente der Veränderung, die Übergänge und Zustände. Ihre Ausstellung in Kunstmuseum und Kunsthalle Appenzell wird zum Ende der sechsmonatigen Laufzeit eine andere sein als zu Beginn.
Der 1100. Todestag von Wiborada – Inklusin, Stadtheilige und Projektionsfläche – ist zurzeit Thema vielfältiger Aktivitäten. Zu den Highlights gehört eine mutmassliche Unterschrift, zu besichtigen in der Ausstellung im St.Galler Regierungsgebäude.
Gastkommentar
Anna Beck-Wörner hat ein Wiborada-Unterrichtsheft erarbeitet. Im Postenlauf, der durch St.Gallen führt, können Schüler:innen anhand von Wiboradas Lebensweg lehrplankonform Themen wie Gemeinschaft, Lebensform, Bücher oder Identität erarbeiten.
Am Wochenende bringt das Aufgetischt-Festival wieder über 100 Strassenkünstler:innen aus aller Welt in die Gassen der Stadt St.Gallen. Wir haben mit Daiana Mingarelli vom Duo Daiana Lou über die Eigen- und Besonderheiten des Busking gesprochen.
Heavy Psych Sounds Fest
Der peinliche bis inhaltsleere Auftritt des Tech-Faschisten Curtis Yarvin hat die Berichterstattung über das diesjährige St.Gallen Symposium dominiert. Am Montag haben – vor allem geisteswissenschaftliche – Exponent:innen der HSG in einem öffentlichen Gespräch versucht, Yarvins langen Schatten zu verwedeln.
Die St.Galler Theaterkompanie Rohstoff zeigt am 22. und 23. Mai ihr aktuelles Theaterstück in der Kellerbühne. Wie in einem Rausch erzählt Orlando* von Geschlechternormen, Grenzauflösungen und Verwandlungen.