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Neues aus den Randgebieten des Fussballs

Es gibt Fussballbücher über Fans bestimmter Klubs, es gibt solche, die sich mit Taktik oder der Kommerzialisierung beschäftigen. Die besten sind diejenigen, die die Randgebiete der Fussballwelt erkunden.
Von  Andreas Kneubühler , 

VIELE_GRUESSE_AUS_DEM_STADION_coverInzwischen sind es viele, die regelmässig über Fussball schreiben. Sie haben eine Kolumne in der «WoZ», in einer Tageszeitung, schreiben für Magazine wie «Zwölf» oder betreiben einen eigenen Blog.

Unter ihnen ist Pascal Claude der Reiseschriftsteller.

In seinen Geschichten kommen Sätze wie folgender vor:

«Im ostslowakischen Presov habe ich bei einem Zweitligaspiel einmal einen Mann gesehen, der zwar keine Finken, sondern ganz normale Halbschuhe trug, dafür aber sein Velo dabeihatte.»

Kein Wunder kommt in seinem soeben erschienen Band «Viele Grüsse aus dem Stadion – Neues aus den Randgebieten des Fussballs» mit 60 Fussballgeschichten mehrmals der österreichische Autor Karl-Markus Gauss vor, Verfasser von irgendwie altmodischen Reisereportagen, vorzugsweise aus Osteuropa.

Pascal Claude, Jahrgang 1970, Wohnort Zürich, war einst Wirt der Flachpass-Bar im alten Letzigrund, ist Sammler von Fussballschallplatten (45football.com), engagierte sich gegen Pauschalurteile über Fans (Fansicht), schrieb seine Fussball-Kolumnen zuerst für die «WoZ» und dann weiter im Internet. Bis er 2013 scheinbar endgültig damit aufhörte – nur um vor ein paar Wochen fast unbemerkt wieder damit anzufangen.

Dazwischen machte er nicht etwa Pause, sondern schrieb weiter und zwar vorerst für die Schublade. Diese Sammlung von Pausengeschichten hat nun die «WoZ» als Buch herausgegeben. Daniel Kehl – bekannt als Autor der «Hutter & Mock»-Kolumnen – schreibt im Vorwort:

«Das alles hat zwar mit Fussball zu tun, aber es geht weit darüber hinaus. Hier erzählt einer von Menschen und von der überraschenden Vielfalt des Lebens.»

Claude ist ein Fussball-Liebhaber, kein Fan eines Klubs. Ihn interessiert diese emotional aufgeladene Welt als feinsinniger Beobachter auf der Nebentribüne, vor dem Imbissstand oder auf dem Weg zum Stadion. Alles weit weg von Champions-League. Was er beschreibt ist manchmal trostlos, manchmal skurril, manchmal gibt es herzerwärmende Begegnungen. Immer hat es Bier, immer hat es Würste. In Mechelen Blutwurst.

Einmal reist Claude mit dem Rail-Jet der ÖBB für ein Derby nach Linz (das dritte der Saison). Vor dem Stadion gibt es Leberkäs mit Pfeffer im Semmel, irgendwann auch noch Käsekrainer, vor dem Anpfiff läuft Attwenger. Nach dem Match trifft er einen Waliser, der in Sardinien arbeitet und von dort extra für das Spiel nach Österreich geflogen ist. Für das dritte Derby der Saison. Nach Linz.

In einer anderen Kolumne erzählt Pascal Claude, wie er von Huttwil durchs Emmental bis nach Bern wandert. Dort spielen die Young Boys gegen Tottenham. Über den Match schreibt er nur einen Satz. Der ist etwas verschachtelt, dafür schön und wahr:

«Die oft gestellte Sinnfrage im Zusammenhang mit für Fussball aufgewendeter Zeit beantwortet Moreno Costanzo mit seinem Pass auf Hochstrasser.»

Die vielleicht besten Kolumnen sind diejenigen, in denen Pascal Claude unterwegs ist. In Italien. Im Osten (von Zürich aus gesehen). Immer wieder in Belgien.

Dass es im Buch auch um Politik geht, ist selbstverständlich. Einen der abgedruckten Texte, eine Recherche zu den falschen Zahlen über Schäden in Fanzügen, müsste man wahrscheinlich alle zwei Wochen veröffentlichen. Damit sich die Aufklärung endlich durchsetzt.

 

Pascal Claude: «Viele Grüsse aus dem Stadion – Neues aus den Randgebieten des Fussballs», Woz-Verlag, erhältlich unter anderem in der Buchhandlung Comedia.
Auf dem Bild sind einige von Claudes Stadionpostkarten-Edition, erhältlich auf knappdaneben.net.

Mit­spie­len dür­fen. Aber auch die Spiel­re­geln mit­be­stim­men?

Der Kan­ton St.Gal­len hat Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­de zur jähr­li­chen Kul­tur­kon­fe­renz nach Wil ein­ge­la­den. Spie­le­risch wur­de ver­sucht, die Aus­rich­tung der Kul­tur­för­de­rung zu klä­ren und Mög­lich­kei­ten der neu­en Kul­tur­stra­te­gie zu dis­ku­tie­ren. Doch die zen­tra­le Fra­ge blieb of­fen: Wie stark kann die Kul­tur­sze­ne den In­halt der Stra­te­gie tat­säch­lich mit­be­stim­men?

Von Philipp Bürkler,
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Heftvorschau 10/26
Erntehilfe, Unterwasser, Bücherherbst

Wer als Ern­te­hel­fer:in in der Schweiz ar­bei­tet, tut dies in ei­ner recht­li­chen Grau­zo­ne. Das nützt vor al­lem ei­nem Sys­tem, das we­der die Land­wirt:in­nen noch die Kon­su­ment:in­nen im Al­lein­gang än­dern kön­nen. Aus­ser­dem im Ok­to­ber­heft: zehn Jah­re Un­ter­was­ser, ei­ne Fla­schen­post aus Hal­le (Saa­le), Kunst zum The­ma Männ­lich­keit, Mu­sik von The Black Salt und na­tür­lich der Bü­cher­herbst – mit neu­er Li­te­ra­tur von Ost­schwei­zer Au­tor:in­nen.

Saiten 2610 Cover

Sound­track für den Herbst

Hu­man Hu­man spie­len me­lan­cho­li­schen und fra­gi­len In­die-Pop, der trotz­dem warm und licht­durch­flu­tet ist. Das St.Gal­ler Duo hat jetzt sei­ne ers­te EP ver­öf­fent­licht und tritt am Wo­chen­en­de gleich zwei­mal im Bahn­hof Brug­gen auf – erst­mals mit ei­ner Band.

Von David Gadze,
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Kommentar zur Beratung der Inklusionsinitiative im Nationalrat

Men­schen­wür­de, nicht Bud­get­pos­ten

Von Christoph Keller,

Der Neo­na­zipfar­rer

1976 lässt sich Gerd Zi­keli in der evan­ge­li­schen Kirch­ge­mein­de St.Gal­len-Strau­ben­zell zum Pfar­rer wäh­len. Drei Jah­re spä­ter wird er als gut ver­netz­ter Ho­lo­caust-Leug­ner und Vor­stands­mit­glie­der der ers­ten Neo­na­zi­grup­pe der Schweiz ent­tarnt. Heu­te be­ob­ach­tet er Lauf­enten.

Von Roman Hertler,
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Das Glück, bei Pe­ter Kamm Stein zu sein

Bild­hau­er Pe­ter Kamm haut kei­ne Stei­ne mehr im Ate­lier. Trotz­dem ent­ste­hen neue Skulp­tu­ren, die ak­tu­ell in Steck­born zu se­hen sind. Wie geht das?

Von Ursula Badrutt,
Peter Kamm Kunst am Bau Erweiterungsbau Paedagogische Hochschule Kreuzlingen

Die Stick­ma­schi­ne steht still

In vie­len Aus­ser­rho­der Dör­fern klap­per­ten frü­her Web­stüh­le und spä­ter Stick­ma­schi­nen. In­zwi­schen sind sie al­le ver­stummt. Der Film Das En­de ei­ner Ära por­trä­tiert die Sti­cker Wal­ter Son­der­eg­ger Se­ni­or und Ju­ni­or aus Re­he­to­bel und setzt der Bran­che ein Denk­mal.

Von René Hornung,
01 1 Stickerei Dok Walters beide an Maschine von hinten Kopie

Nur das Jetzt zählt

Der Schwei­zer Fil­me­ma­cher Kas­par Ka­sics über­lässt in sei­nem neu­en Film Das un­end­li­che Jetzt Men­schen, die mit De­menz le­ben, die Büh­ne. Ein Ex­pe­ri­ment mit ei­nem aus­ser­ge­wöhn­li­chen Sto­rytel­ling, auf das es sich ein­zu­las­sen lohnt.

Von Vera Zatti,
Still das unendliche jetzt christian sonderegger johanna rensing vinca film distant lights

Das Kro­ko­dil schnappt wie­der zu

Die Schwei­zer Rock­le­gen­den Kro­ko­dil ha­ben kürz­lich ihr neu­es Al­bum Bey­ond The Eye ver­öf­fent­licht. Ur-Kro­ko­dil Dü­de Dürst schwärmt von der En­er­gie der 2019 wie­der­be­leb­ten Band – und hat noch lan­ge nicht ge­nug. Am Frei­tag spie­len sie in der Gra­ben­hal­le.

Von Pius Frey und David Gadze,
Krokodil 2026 pd

24/7 Traumacore

Heat Girl Sum­mer

Von Mia Nägeli,

Kunst in Oberuzwil

Spu­ren der Hei­mat

Von Vera Zatti,
Dieses

Musik

Mehr als Jazz im Kult­bau

Von Richard Butz,
GP Trio MF90302 k

«Die Wahr­neh­mung nicht be­die­nen, son­dern schär­fen»

Pa­trick Kess­ler er­hält den Aus­ser­rho­der Kul­tur­preis 2026. Der Kon­tra­bas­sist, Klang­künst­ler und Ku­ra­tor aus Gais reist mit al­ten Laut­spre­chern nach Wien und Ha­noi, tritt mit In­sek­ten in ei­nen mu­si­ka­li­schen Dia­log und fin­det sei­ne wich­tigs­ten Lek­tio­nen nicht un­be­dingt an Hoch­schu­len.

Von Philipp Bürkler,
Bassilikum 04

Mo­bi­li­täts­al­li­anz nimmt Fahrt auf

Die Mo­bi­li­täts­al­li­anz Ost­schweiz will Pend­ler:in­nen zum Um­stieg vom Au­to auf Bus, Bahn und Ve­lo be­we­gen. Bei den zehn be­tei­lig­ten Gross­un­ter­neh­men lässt be­reits je­de fünf­te Per­son das Au­to am Mor­gen ste­hen. Nun sol­len 500 wei­te­re Fir­men fol­gen. 

Von Philipp Bürkler,
Mobilitaetsallianz 1 philipp buerkler

Tu­bes, Pipe­lines, Cords

Au­gus­tin Re­be­tez macht kei­ne hal­ben Sa­chen. Sei­ne Kunst ist aus­ufernd und dicht zu­gleich. Er ent­wi­ckelt an­spie­lungs­rei­che Bild­wel­ten – ak­tu­ell in der Kunst­hal­le Ar­bon.

Von Kristin Schmidt,
Augustin Rebetez key visual Kunsthalle Arbon Augustin Rebetez

Zu hoch für Ap­pen­zell

Der Kan­ton Ap­pen­zell In­ner­rho­den plan­te am Lands­ge­mein­de­platz in Ap­pen­zell ein neu­es Ge­bäu­de für die Ge­rich­te, die Bi­blio­thek und die kan­to­na­le Ver­wal­tung. Die eid­ge­nös­si­schen Kom­mis­sio­nen für Na­tur- und Hei­mat­schutz und je­ne für Denk­mal­pfle­ge brach­ten das Pro­jekt je­doch zu Fall.

Von René Hornung,
Verwaltungsgebaeude appenzell pd

Offener Brief an die Bundespolitik

Wir wol­len Rech­te, kei­ne Al­mo­sen

Von Christoph Keller,

In­no­va­ti­on ge­hört zur DNA

Das Fi­gu­ren­thea­ter St.Gal­len wird 70. Was sich ver­än­dert hat, war­um Pup­pen Kin­der wie Er­wach­se­ne fas­zi­nie­ren und wie man auch Ju­gend­li­che er­rei­chen kann: ein Ge­spräch zum Ju­bi­lä­um.

Von Peter Surber,
Hochdruck Crasch Polizei 04665

Mit Sound und Vi­su­als ge­gen den Öko­kol­laps

Die zwei­te Aus­ga­be des au­dio­vi­su­el­len Fes­ti­vals Su­s­ur­rus in der Mü­le­nen­schlucht wid­met sich der «mehr-als-mensch­li­chen» Mit­welt. Mit akus­ti­schen und per­for­ma­ti­ven In­ter­ven­tio­nen er­kun­det das Fes­ti­val neue For­men der Be­zie­hung zwi­schen Mensch und Na­tur. 

Von Lilli Kim Schreiber,
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Un­ter­schied und Wir­kung

In der Aus­stel­lung «Die lei­sen Un­ter­schie­de» im Haus zur Glo­cke in Steck­born be­fas­sen sich fünf Künst­ler:in­nen mit der Wahr­neh­mung von Un­ter­schie­den. 

Von Vera Zatti,
03 Schuetz Chraeje n un Gwaage ss Foto