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Neues Leben für alte Medien

2503 Sara Spirig Andri Voehringer Sangallensien 033

Bücher, Handschriften, Grafiken oder andere Medien sind ein unverzichtbarer Teil unseres geschichtlichen und kulturellen Gedächtnisses. Ihr Erhalt ist deshalb zentral. Saiten hat zwei Restaurationsateliers besucht, die den Medien der Vadiana neues Leben einhauchen.

Seit der Er­fin­dung des Buch­drucks 1440 kommt Bü­chern ei­ne zen­tra­le Be­deu­tung für das kol­lek­ti­ve Ge­dächt­nis der Mensch­heit zu. Sie die­nen der Be­wah­rung und Ver­mitt­lung von Wis­sen, sie sind Zeit­do­ku­men­te, Spie­gel der Ge­schich­te, ei­ne schier un­er­schöpf­li­che und un­er­setz­ba­re Quel­le der Bil­dung und der In­spi­ra­ti­on. Und Bi­blio­the­ken sind die Tem­pel die­ses kol­lek­ti­ven Ge­dächt­nis­ses. Ih­re Auf­ga­be ist es, Bü­cher zu sam­meln und der Be­völ­ke­rung zur Ver­fü­gung zu stel­len. 

Im Kan­ton St.Gal­len über­nimmt die­se Auf­ga­be auf­grund des ge­setz­li­chen Auf­trags in ers­ter Li­nie die Kan­tons­bi­blio­thek Va­dia­na. Seit ih­rer Grün­dung 1551 – da­mals noch als Stadt­bi­blio­thek – ist ei­ne rie­si­ge Men­ge an Me­di­en zu­sam­men­ge­kom­men: En­de 2024 wa­ren es knapp 840'000, da­von über 730’000 Druck­schrif­ten, al­so vor al­lem Bü­cher, Zei­tun­gen und Zeit­schrif­ten. Die rest­li­chen rund 110’000 sind un­ter an­de­rem hand­schrift­li­che Do­ku­men­te, Gra­fi­ken, Bil­der, Fo­to­gra­fien, au­dio­vi­su­el­le Me­di­en wie Fil­me oder Ton­trä­ger. An­ein­an­der­ge­reiht er­gä­be al­les ei­ne Län­ge von über 15 Ki­lo­me­tern.

Doch Auf­be­wah­rung ist das ei­ne, Kon­ser­vie­rung das an­de­re. Denn Bü­cher sind nicht zeit­los, we­der in­halt­lich noch ma­te­ri­ell. Pa­pier, Per­ga­ment und Le­der sind na­tür­li­che Ma­te­ria­li­en, die end­lich sind. Ei­ne wich­ti­ge Rol­le kommt folg­lich Buch­re­stau­ra­tor:in­nen zu. In­dem sie Bü­cher und an­de­re Schrift­stü­cke re­stau­rie­ren und kon­ser­vie­ren, leis­ten sie ei­nen wich­ti­gen Bei­trag, um Wis­sen über Jahr­hun­der­te zu be­wah­ren und ge­schicht­li­che Do­ku­men­te zu er­hal­ten.

Fle­cken des Kle­be­strei­fens

In der Va­dia­na ist haupt­säch­lich Sa­bi­ne Scher­rer da­für zu­stän­dig, das Le­ben von Bü­chern und an­de­ren Schrift­stü­cken zu ver­län­gern. Sie ist ge­lern­te Hand­buch­bin­de­rin, spä­ter hat sie Wei­ter­bil­dun­gen als Buch­re­stau­ra­to­rin ab­sol­viert. Seit 15 Jah­ren ar­bei­tet sie in der Va­dia­na. Bei ihr in der Buch­bin­de­rei im Erd­ge­schoss des zwi­schen 1905 und 1907 er­stell­te Bi­blio­theks­ge­bäu­des tref­fen lau­fend neue Ex­em­pla­re ein, die es zu re­stau­rie­ren gilt.

Auf der Ar­beits­plat­te in Scher­rers Ate­lier liegt ein Sta­pel Pa­pier­blät­ter aus der gra­fi­schen Samm­lung der Va­dia­na. Dar­auf sind al­te Bil­der, Post­kar­ten oder Zeich­nun­gen auf­ge­klebt, man­che mit Kleis­ter, an­de­re mit Leim, die meis­ten je­doch mit Kle­be­strei­fen, «heu­te ein No-go», wie Scher­rer sagt. Wer schon selbst ein­mal ein Buch da­mit ge­flickt hat, weiss ver­mut­lich aus ei­ge­ner Er­fah­rung, wie die­ses nach ei­ni­gen Jah­ren aus­sieht: der Kle­be­strei­fen löst sich ab und hin­ter­lässt auf dem Pa­pier gel­be Fle­cken.

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Den Kleb­stoff und des­sen Spu­ren zu be­sei­ti­gen ist dif­fi­zi­ler, als man mei­nen könn­te, ganz zu schwei­gen von an­de­ren Re­stau­ra­ti­ons­ar­bei­ten wie der Re­pa­ra­tur zer­fled­der­ter Buch­rü­cken, be­schä­dig­ter Ecken des De­ckels, (aus-)ge­ris­se­ner Sei­ten oder von Tin­ten­frass, doch da­zu spä­ter mehr. Je nach Be­schaf­fen­heit des Pa­piers oder Per­ga­ments so­wie des ver­wen­de­ten Kleb­stoffs muss man an­ders vor­ge­hen, um die Kle­ber­res­te zu ent­fer­nen. Für Scher­rer ist vie­les Rou­ti­ne, doch an­hand ei­nes Ka­ta­logs von et­wa 20 Punk­ten kann sie die bes­te Me­tho­de aus­pro­bie­ren. Wich­tig sei, beim Re­stau­rie­ren nicht mehr ka­putt­zu­ma­chen, als schon ka­putt ist, und je­den Ein­griff so zu er­le­di­gen, dass er re­ver­si­bel ist.

Sün­den aus der Ver­gan­gen­heit

Nach der Re­stau­ra­ti­on kom­men die Bil­der in neue Steck­ta­schen aus kleb­stoff- und säu­re­frei­em Kar­ton mit Ma­gnet-ver­schluss. Die­se wie­der­um wer­den, säu­ber­lich ge­ord­net und ka­ta­lo­gi­siert, in Schach­teln ver­sorgt, die Scher­rer ei­gens an­ge­fer­tigt hat – eben­falls kleb­stoff- und säu­re­frei und an die Mas­se der Schub­la­den im Ma­ga­zin an­ge­passt, um sie mög­lichst platz­spa­rend auf­zu­be­wah­ren. «In die­sen Schach­teln ent­steht mit der Zeit ein Mi­kro­kli­ma, in dem sich die Gra­fi­ken per­fekt auf­be­wah­ren las­sen», sagt Scher­rer. Klar­sicht­hül­len aus Plas­tik wä­ren da­für un­ge­eig­net. Zum ei­nen, weil der Kunst­stoff nach ei­ni­gen Jah­ren brü­chig wird und er­setzt wer­den muss, und zum an­de­ren, weil er Weich­ma­cher ent­hält, die ins Pa­pier ein­drin­gen und nur mit ent­spre­chen­der La­bor­aus­rüs­tung ent­fernt wer­den kön­nen.

Scher­rer führt in den Ne­ben­raum und zeigt auf ei­nen Band ei­ner al­ten Ost­schwei­zer Ta­ges­zei­tung, die die Va­dia­na einst aus dem Ar­chiv der ehe­ma­li­gen St.Gal­ler Dru­cke­rei Zol­li­ko­fer be­kom­men hat: Die Säu­re der De­ckel hat vie­le Sei­ten an­ge­grif­fen und ver­färbt – ein Scha­den, der auf dem dün­nen Zei­tungs­pa­pier kaum oder nur mit enor­mem und un­ver­hält­nis­mäs­si­gem Res­sour­cen­auf­wand zu be­he­ben ist. Jahr­hun­der­te­al­tes Per­ga­ment sei oft bes­ser als das Pa­pier rund 100-jäh­ri­gen Zei­tun­gen oder Bü­chern und des­halb auch ein­fa­cher zu re­stau­rie­ren, sagt Scher­rer. «Mit der In­dus­tria­li­sie­rung ent­stan­den neue Her­stel­lungs­ver­fah­ren für kos­ten­güns­ti­ge­res Pa­pier, das aber von min­de­rer Qua­li­tät war.» So ist es nicht nur die na­tür­li­che Al­te­rung der Ma­te­ria­li­en, wel­che ei­ne Re­stau­ra­ti­on not­wen­dig macht, son­dern viel­fach mensch­li­che Sün­den aus der Ver­gan­gen­heit – fal­sche Ma­te­ria­li­en für die Re­pa­ra­tur oder Kon­ser­vie­rung, fal­sche La­ge­rung und so wei­ter.

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«Je­des Buch hat sei­ne Ge­schich­te, sei­nen Cha­rak­ter. Das darf es nicht ver­lie­ren.»

Sabine Scherrer, Buchrestauratorin Vadiana

Das Ziel sei nicht, dass ein Buch nach der Re­stau­ra­ti­on wie neu aus­se­he, sagt Scher­rer. Zen­tral sei viel­mehr, sei­nen «Charme» zu er­hal­ten – oder an­ders ge­sagt: nur so viel zu ma­chen, wie un­be­dingt nö­tig. «Je­des Buch hat sei­ne Ge­schich­te, sei­nen Cha­rak­ter. Das darf es nicht ver­lie­ren.» Scher­rer zeigt im Ra­ra-Ma­ga­zin ei­nen Ka­len­der von Le­on­hard Straub, der 1578 die ers­te Dru­cke­rei im Kan­ton St.Gal­len ge­grün­det hat­te. Die­sen Ka­len­der hat sie kürz­lich ge­rei­nigt – «aber nur das Not­wen­digs­te». Bei der Re­stau­ra­ti­on ge­he es al­so nicht dar­um, die Ein­grif­fe an den be­tref­fen­den Stel­len zu ka­schie­ren, et­wa wenn ein Buch­rü­cken mit neu­em Le­der un­ter­legt wird. «Man darf se­hen, was alt ist und was neu.»

Be­such in Hun­zen­schwil

Be­such beim Ate­lier Stre­bel in Hun­zen­schwil, zwi­schen Lenz­burg und Aar­au ge­le­gen. Hier, im ehe­ma­li­gen Bau­ern­haus, wer­den seit 1988 Bü­cher aus der gan­zen Schweiz re­stau­riert – auch aus der Va­dia­na oder der St.Gal­ler Stifts­bi­blio­thek. Seit der Pen­sio­nie­rung von Mar­tin Stre­bel im ver­gan­ge­nen Ok­to­ber führt Dá­vid Pe­tró zu­sam­men mit sei­ner Frau das Ate­lier, das sie­ben Re­stau­ra­tor:in­nen be­schäf­tigt und im Be­reich der Kon­ser­vie­rung und Re­stau­rie­rung von Schrift­stü­cken zu ei­nem der gröss­ten der Schweiz zählt. Der ge­bür­ti­ge Un­gar ist ge­lern­ter Pa­pier­in­ge­nieur und ar­bei­tet seit 15 Jah­ren im Be­trieb.

Das Ate­lier Stre­bel zählt rund 150 Stamm­kund:in­nen, et­wa 15 da­von sind Bi­blio­the­ken. Für die Va­dia­na hat das Ate­lier Stre­bel im ver­gan­ge­nen Jahr fünf Wer­ke re­stau­riert, 2022 und 2023 wa­ren es je­weils drei. Die Druck- oder Hand­schrif­ten, die hier­hin kom­men, brau­chen in der Re­gel ei­nen Re­stau­ra­ti­ons­auf­wand, der die Mög­lich­kei­ten in der Buch­bin­de­rei der Va­dia­na über­steigt. Ge­wis­se ein­fa­che­re Ar­bei­ten, et­wa Rei­ni­gun­gen, er­le­di­gen die Mit­ar­bei­ter:in­nen manch­mal auch bei den Kun­den vor Ort. Man­che ha­ben qua­si ei­nen «Dau­er­auf­trag»: So re­stau­riert das Ate­lier Stre­bel be­reits seit 25 Jah­ren Ur­kun­den des Bi­schöf­li­chen Ar­chivs Chur. «An­ge­fan­gen ha­ben wir ums Jahr 800, jetzt sind wir et­wa bei 1400», sagt Pe­tró.

Auch vie­le po­li­ti­sche Ge­mein­den oder Kirch­ge­mein­den schi­cken Schrift­stü­cke hier­hin – Ge­mein­de­rats­pro­to­kol­le, Ster­be- und Tauf­bü­cher. Ei­nen Gross­teil der Auf­trä­ge ma­chen Hand­schrif­ten aus, sagt Pe­tró. Da es sich in der Re­gel um Ein­zel­ex­em­pla­re hand­le, ha­be man oft gar kei­ne an­de­re Wahl, als sie re­stau­rie­ren zu las­sen – ein ge­druck­tes Buch las­se sich eher durch ein an­de­res Ex­em­plar er­set­zen. 

Teu­re Ar­beit für kost­ba­re Wer­ke 

Das kann ganz schön ins Geld ge­hen. Durch­schnitt­lich dau­ert die Re­stau­ra­ti­on ei­nes Werks 25 Ar­beits­stun­den, Kos­ten­punkt: mehr als 3000 Fran­ken. Es kann aber noch viel teu­rer wer­den: Pe­tró zeigt ein Tauf-, Ehe- und To­ten­buch aus den Jah­ren 1759 bis 1822 ei­ner Ge­mein­de aus dem Ent­le­buch. Der Le­der­ein­band ist durch­ge­scheu­ert, der Buch­rü­cken völ­lig zer­fled­dert, ein gros­ser Teil der Sei­ten so her­aus­ge­ris­sen, dass ein schma­ler Strei­fen im Bund ver­blie­ben ist, der Buch­schnitt (die drei of­fe­nen Sei­ten des Buch­blocks) rund­her­um vol­ler Ris­se. Das Buch muss in sei­ne Ein­zel­tei­le zer­legt, prak­tisch je­de Sei­te re­stau­riert und mit dem da­zu­ge­hö­ri­gen weg­ge­ris­se­nen Strei­fen ver­bun­den, die Heft­bün­de er­neu­ert und der Le­der­ein­band re­pa­riert wer­den. Ge­schätz­ter Re­stau­ra­ti­ons­auf­wand: 130 Stun­den – oder rund 16’000 Fran­ken.

(Bild: David Gadze)

(Bild: David Gadze)

Die ver­wen­de­ten Ma­te­ria­li­en sind eben­falls teu­er: Ja­pan­pa­pier, das nur 3,7 Gramm pro Qua­drat­me­ter wiegt, aber dank der lan­gen Fa­sern sehr reiss­fest ist, kos­tet pro A2-Bo­gen rund 40 Fran­ken, Per­ga­ment be­zieht das Ate­lier Stre­bel von der Fir­ma Wil­liam Cow­ley, die auch die bri­ti­sche Re­gie­rung und das Kö­nigs­haus be­lie­fert. Das bri­ti­sche Par­la­ment schreibt bis heu­te je­den neu­en Ge­set­zes­text auf Per­ga­ment nie­der.

Ei­ne Ge­fahr für Bü­cher sei Schim­mel, sagt Pe­tró. «Wenn das Kli­ma nicht stimmt, kann er sich rasch ver­brei­ten und auf an­de­re Bü­cher über­ge­hen.» In der Werk­statt zeigt er spä­ter ein al­tes Buch der Stadt Neu­en­burg: Es war vom Schim­mel so morsch, dass man dar­in gar nicht blät­tern konn­te – es zer­fiel rich­tig­ge­hend in den Hän­den. Jetzt ist das Buch wie­der re­stau­riert, doch wo frü­her der Schim­mel war, sind jetzt weis­se Fle­cken.

Al­les, war ori­gi­nal ist, bleibt er­hal­ten

Auch beim Ate­lier Stre­bel gilt die De­vi­se: Al­les, was ori­gi­nal ist, bleibt er­hal­ten, neue Ma­te­ria­li­en die­nen bloss als Er­gän­zung der be­stehen­den, nicht als de­ren Er­satz. «Wir stel­len nicht Fäl­schun­gen her», sagt Pe­tró. Mit an­de­ren Wor­ten: Der Text ei­ner be­schä­dig­ten Hand­schrift wird nicht nach­ge­schrie­ben, neu­es Le­der für den Ein­band wird zwar in der ur­sprüng­li­chen Far­be ein­ge­färbt, aber nicht die Prä­gung oder Ver­gol­dung re­pro­du­ziert, auch nicht das Sie­gel­bild bei Sie­geln von Ur­kun­den, bei de­nen die feh­len­den Tei­le aus Bie­nen­wachs er­setzt wer­den. Ris­se an Sei­ten­rän­dern, die beim Blät­tern wei­ter reis­sen könn­ten, wer­den mit Pa­pier­brei, Ja­pan­pa­pier oder Per­ga­ment re­pa­riert, In­sek­ten­frass­lö­cher in den Sei­ten hin­ge­gen nicht. Als Kleb­stoff kommt häu­fig Wei­zen­stär­ke­kleis­ter, Ge­la­ti­ne oder Hau­sen­bla­sen­leim zur An­wen­dung, al­so na­tür­li­che Stof­fe, die sich spä­ter wie­der mü­he­los ab­lö­sen las­sen, falls ir­gend­wann ei­ne neue, bes­se­re Re­stau­ra­ti­ons­tech­nik ent­deckt wird, sagt Pe­tró. Zu die­sem Zweck wird je­de Re­stau­ra­ti­on de­tail­liert do­ku­men­tiert, sämt­li­che Ar­beits­schrit­te und ver­wen­de­ten Ma­te­ria­li­en in­klu­si­ve Her­stel­lern sind ex­akt fest­ge­hal­ten, da­zu gibt es Bil­der vom Ur­sprungs­und End­zu­stand.

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 «Wir stel­len nicht Fäl­schun­gen her.»

Dávid Petró, Geschäftsführer Atelier Strebel

Der ein­zi­ge Scha­den, den auch die Re­stau­ra­tor:in­nen des Ate­liers Stre­bel nicht be­he­ben be­zie­hungs­wei­se stop­pen kön­nen, ist Kup­ferfrass, al­so Grün­span, das frü­her ein weit ver­brei­te­tes Grün­pig­ment war – et­wa auf Land­kar­ten, aber auch in Hand­schrif­ten – und das Pa­pier mit der Zeit zer­setzt. Tin­ten­frass – ein ähn­li­ches Phä­no­men, das oft bei No­ten­blät­tern auf­tritt – lässt sich hin­ge­gen che­misch be­han­deln und stop­pen.

Re­stau­ra­ti­ons­be­darf nach Prio­ri­tä­ten

Doch wel­che Bü­cher kom­men über­haupt in die Re­stau­ra­ti­on? Beim Rund­gang durch das Ma­ga­zin der Va­dia­na könn­te man ge­fühlt in je­dem Re­gal ein al­tes Ex­em­plar fin­den, das ei­ne Auf­fri­schung nö­tig hat. Die Va­dia­na füh­re zwei Lis­ten, sagt Mi­cha­el Zwi­cker, Mit­ar­bei­ter his­to­ri­sche Be­stän­de und Samm­lun­gen. Zum ei­nen ha­be Mar­tin Stre­bel 2014 ei­ne Scha­dens­auf­nah­me der Ra­ra-Be­stän­de, vor al­lem der Al­ten Dru­cke (al­so mit Druck­da­tum vor 1800) ge­macht und die Ob­jek­te in drei Prio­ri­tä­ten un­ter­teilt (sehr schlech­ter Zu­stand, kurz­fris­ti­ger Ein­griff nö­tig; schlech­ter Zu­stand, gros­se Schä­den, Ein­griff nö­tig; klei­ne­re Schä­den, noch weit­ge­hend sta­bil, lang­fris­ti­ger Ein­griff sinn­voll). «Zum an­de­ren be­geg­nen uns auch bei der täg­li­chen Ar­beit Do­ku­men­te mit Schä­den, die wir dann in ei­ner Lis­te auf­füh­ren.»

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Auf der Grund­la­ge der bei­den Lis­ten wer­de ent­schie­den, was re­stau­riert wer­de, sagt Zwi­cker. Da­bei spiel­ten ver­schie­de­ne Über­le­gun­gen mit. So ge­be es Ob­jek­te, die in ei­nem so schlech­ten Zu­stand sei­en, dass sie nur un­ter gröss­ter Sorg­falt an­ge­schaut wer­den könn­ten und die Nut­zung da­her ein­ge­schränkt wer­den müs­se. Um sie wie­der (bes­ser) nutz­bar zu ma­chen oder bei­spiels­wei­se ei­ne Di­gi­ta­li­sie­rung zu er­mög­li­chen, brau­che es re­stau­ra­to­ri­sche Ein­grif­fe. Uni­ka­te wie Hand­schrif­ten, sehr sel­te­ne Ob­jek­te oder sol­che mit St.Gal­ler Be­zug hät­ten Vor­rang, sagt Zwi­cker. Wenn bei­spiels­wei­se ein Buch an­ti­qua­risch noch er­hält­lich sei, sei es oft die güns­ti­ge­re Va­ri­an­te, die­ses ein­fach zu er­set­zen. Da­her kä­men bei­spiels­wei­se neue­re Bü­cher, auch wenn sie wich­tig sei­en, kaum in die Re­stau­ra­ti­on.

Sa­bi­ne Scher­rer und Dá­vid Pe­tró sind sich ei­nig dar­in, dass sich ihr Be­ruf auf­grund des tech­ni­schen Fort­schritts in den kom­men­den Jahr­zehn­ten und Jahr­hun­der­ten ver­än­dern wird. Und die Di­gi­ta­li­sie­rung al­ter Schrif­ten wer­de wohl da­zu füh­ren, dass die Ab­nut­zung der Ori­gi­na­le ge­rin­ger aus­fal­len wer­de, sagt Scher­rer. Aber es wer­de wei­ter­hin Buch­bin­der:in­nen und Re­stau­ra­tor:in­nen brau­chen. «Seit der in­dus­tri­el­len Re­vo­lu­ti­on wer­den die­se Be­ru­fe tot­ge­sagt. Doch bis heu­te geht es nicht oh­ne sie.»

 

Hin­ter den Ku­lis­sen der Va­dia­na – Füh­rung durchs Bi­blio­theks­ge­bäu­de: 3. Ju­ni, 17.15 bis 18.15 Uhr.
Zau­ber des Ori­gi­nals - Ein Rund­gang durch die His­to­ri­schen Be­stän­de der Kan­tons­bi­blio­thek Va­dia­na: 1. April, 17.30 bis 18.30 Uhr, und 5. Ju­ni, 12.15 bis 13.15 Uhr.

bi­bliosg.ch

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Saiten 2606 01 Cover

«Han­deln wi­der bes­se­res Wis­sen ist wie­der po­pu­lär»

Der WWF St.Gal­len wird 50 Jah­re alt. Sein Ge­schäfts­lei­ter Lu­kas In­der­maur zieht bei der Be­ur­tei­lung der ak­tu­el­len Si­tua­ti­on von Na­tur und Um­welt ei­ne durch­zo­ge­ne Bi­lanz.

Von  Reto Voneschen
2605 Redeplatz Lukas Indermaur

Freu­de am Ma­chen

«Urs Frei. A – Z» im Kunst­mu­se­um St. Gal­len ist die ers­te Re­tro­spek­ti­ve zum aus­ser­or­dent­li­chen Schaf­fen von Urs Frei (1958 – 2023). Rund 140 Ar­bei­ten ge­ben Ein­blick in ein Werk, das kaum zu fas­sen ist. Das ge­hört zu sei­ner Qua­li­tät.

Von  Ursula Badrutt
Urs frei online

Ideen für die Zu­kunft

Wie wol­len wir künf­tig le­ben und un­se­re Nah­rungs­mit­tel pro­du­zie­ren? Die Aus­stel­lung «How goes To­mor­row» der Ost­schwei­zer Künst­le­rin Clau­de Büh­ler in der Shed­hal­le in Frau­en­feld sen­si­bi­li­siert für nach­hal­ti­ge Hand­lungs­stra­te­gien. 

Von  Vera Zatti
IMG 9114

Vom Un­glück der Frau, die ihn ge­bo­ren hat

«Das Kind zu­rück­las­sen? Wie kann man so dumm und herz­los sein», schreibt der Schwei­zer Au­tor Lu­kas Bär­fuss über sei­ne Mut­ter, die kei­ne Mut­ter für ihn sein konn­te. In sei­nem neu­en Buch schaut er in die Ver­gan­gen­heit und hat Ver­ständ­nis, nicht für die Mut­ter, aber doch für die­se Frau, die nie Glück und im­mer zu we­nig Geld hat­te.

Von  Sieglinde Wöhrer
Jhqzg1tg 1 1 Stefano de Marchi