Kategorie
Autor:innen
Jahr

Open Opera: geschlossen

Nach 16 Produktionen und 22 Jahren ist Schluss: Das St.Galler Musiktheater-Festival Open Opera hört auf. Professionalisierungsdruck und Finanzierungsschwierigkeiten: Das sind die beiden Hauptgründe. Bei der Premiere am 25. Juli 1990 im Innenhof der Kantonsschule am Burggraben in St.Gallen hatte ein Gewitter die «Carmina Burana» von Carl Orff noch in die Aula vertrieben. Die nächsten Vorstellungen […]
Von  Peter Surber

Nach 16 Produktionen und 22 Jahren ist Schluss: Das St.Galler Musiktheater-Festival Open Opera hört auf. Professionalisierungsdruck und Finanzierungsschwierigkeiten: Das sind die beiden Hauptgründe.

Bei der Premiere am 25. Juli 1990 im Innenhof der Kantonsschule am Burggraben in St.Gallen hatte ein Gewitter die «Carmina Burana» von Carl Orff noch in die Aula vertrieben. Die nächsten Vorstellungen gingen dann freiluft über die Bühne. Doch das Wetterrisiko, welches Open Opera sogar im Titel mittrug, wurde den Initianten um Walter Späti und die Musiker Karel Dobr und Niklaus Meyer rasch zuviel – 1992 spielte man Honeggers «Jeanne d’Arc au Bûcher» im Trockenen: in der noch russgeschwärzten Lokremise. Und entdeckte damit einen Spielort, der bekanntlich Furore machen sollte. Das ist bezeichnend für den Pioniergeist der Festivalgründer: neue Spielräume für ein altes Genre – die Oper – zu finden, war von Anfang an Programm. Die alte Kreuzbleiche-Turnhalle, die Curlinghalle im Lerchenfeld, eine Stahlbau-Halle oder die ehemalige offene Kirche St.Leonhard wurden im Lauf der Jahre zur Bühne.

Die Befreiung der Oper

Mit dem Festival sei nun aber auch das Publikum gealtert – selbst mit der groovigen «Ost Side Story» 2004 oder den «Weberischen» 2008 sei es nicht im erhofften Mass gelungen, jüngere Leute anzusprechen, sagt Markus Gugger, der heutige Vereinspräsident. Verändert hat sich dafür das Umfeld: Stand Open Opera 1990 mit dem Anspruch, zeitgenössisches Musiktheater zu machen, noch ziemlich allein in der Freien Szene, so hat sich die Zahl solcher Produktionen inzwischen vervielfacht – und sind umgekehrt auch die Stadttheater, nicht nur in St.Gallen, auf den Geschmack unkonventioneller Formen und Orte gekommen. «Die Oper hat sich befreit aus den früheren starren Formen – und Open Opera hat ihren Teil zu dieser Entwicklung beigetragen», sagt Gugger.

Mehr Anbieter, mehr Konkurrenz – das bedeutet auch: höhere Ansprüche.  Den Professionalisierungsdruck, wie er allenthalben in der Kulturszene herrscht, spürte auch Open Opera. Die letzte Produktion etwa, «Rüdisüli in der Oper» 2011 in der Lokremise, hatte ein Budget von rund 400000 Franken: Dimensionen, die in ehrenamtlicher Arbeit fast nicht mehr zu bewältigen sind.

Zu klein für Grosssponsoren

«Die grösste aller Herausforderungen war und blieb aber jeweils die Finanzierung», steht im Communique vom Donnerstag mittag, mit dem der Verein sein Ende bekanntgibt. «Da gab es manche Zitterpartie mit schlaflosen Nächten.» Die Finanzklemme führte vor zehn Jahren schon einmal beinah zum Ende des Festivals; Kanton und Stadt halfen dann aber, die Schulden von rund 180000 Franken abzutragen, und Open Opera stellte auf Zweijahresrhythmus um. Von der Privatwirtschaft kam zu jenem Zeitpunkt keine entscheidende Hilfe mehr. In den Anfangsjahren sei das Festival eine Neuigkeit gewesen – und damit attraktiv als Werbeplattform, sagt Gugger. Die damalige SBG unterstützte Open Opera substantiell, später war die KB Hauptsponsor, schliesslich die CS – heute trägt letztere jedoch die St.Galler Festspiele mit und hat sich vom Open Opera-Engagement verabschiedet. «Die Wirtschaft will Kundenkontakte, wenn sie Kultur sponsert. Und das konnten wir von Open Opera nicht bieten», sagt Gugger. Professionalisierung, Ökonomisierung, Kommerzialisierung: Da bleiben die kleineren Mitspieler irgendwann auf der Strecke.

So bleiben starke Erinnerungen: an die «Höllenmaschine» des St.Galler Komponisten Alfons Karl Zwicker, an «Roi David» in der Olmahalle, an «Faust» mit Puppen, an den aufregenden «Black Rider» in der Leonhardskirche. Und an «Rüdisüli», jenes fabelhafte Vier-Opern-Stück in der Lokremise, das sich nun als Schlusspunkt erweist. Open Opera habe in St.Gallen Wesentliches bewegt, schreibt der Verein mit Recht: «Neue Spielorte wurden entdeckt, neue Inhalte gesetzt, Komponisten und Librettisten erhielten Aufträge, junge Talente fanden den Weg auf die Bühne, und die Oper hat sich vom festen Theater emanzipiert und den Weg zum Publikum, in die Stadt und an neue Spielorte gefunden.»

Jetzt mitreden:
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Dein Kommentar wird vor dem Publizieren von der Redaktion geprüft.

Ausstellung im Museum Rosenegg

Fri­sches Wis­sen fürs Mu­se­um

Von  Vera Zatti
Uu Kirchenfenster

Kabarett in Herisau

Apo­ka­lyp­se ist auch nicht al­les

Von  Vera Zatti
P1200733 x jpg

«Es geht dar­um, sich sei­ner Pri­vi­le­gi­en be­wusst zu sein»

De­bat­ten um Ma­chis­mus, Deepf­ake-Por­nos, häus­li­che Ge­walt und Fe­mi­zi­de sind bei­na­he all­täg­lich. Was kön­nen Män­ner ge­ra­de tun, wenn sie un­ter Ge­ne­ral­ver­dacht ge­ra­ten? Frau­en­haus­lei­te­rin Kat­ja Häm­mer­li Kel­ler, Flo­rance Hil­de­brand vom fe­mi­nis­ti­schen Streik­kol­lek­tiv Thur­gau und Ma­nu­el Ben­ja­min Leh­mann vom Fo­rum Mann dis­ku­tie­ren Lö­sungs­an­sät­ze.

Von  Daria Frick , Bilder:  Lea Le
Bildschirmfoto 2026 06 11 um 12 25 26

Kommentar zur SVP-Chaosinitiative

Aus­län­der:in­nen sind nicht nach­hal­tig

Von  Christoph Keller
Nachhaltigkeitsinitiative

30 Jah­re Ar­chi­tek­tur­ver­mitt­lung

Das AFO, das Ar­chi­tek­tur Fo­rum Ost­schweiz, dis­ku­tiert und ver­mit­telt seit 30 Jah­ren Bau­kul­tur. Am kom­men­den Frei­tag wird das Ju­bi­lä­um ge­fei­ert und die neus­te Ar­ti­kel­se­rie der gu­ten Bau­ten als Buch prä­sen­tiert.

Von  René Hornung
2511 Gutes Bauen 1 Ladina Bischof

Im zwei­ten An­lauf: Kan­tons­rat sagt Ja zu Mi­na­sa 

Mi­na­sa be­kommt al­so doch Geld aus dem Lot­te­rie­fonds: Der Kan­tons­rat hat dem von Sai­ten und Thur­gau­kul­tur.ch auf­ge­bau­ten Pro­jekt, das den gröss­ten Ver­an­stal­tungs­ka­len­der der Ost­schweiz er­mög­licht, die Fi­nan­zie­rung für drei wei­te­re Jah­re ge­si­chert.

Von  David Gadze
Kantonsrat Sommersession 2026 Benjamin Manser St Galler Tagblatt

«Wer hält uns da­von ab, frei zu sein?»

In­na Shev­chen­ko fragt im Do­ku­men­tar­film Girls and Gods, ob die mo­no­the­is­ti­schen Welt­re­li­gio­nen mit Fe­mi­nis­mus ver­ein­bar sind. Auf der Su­che nach Ant­wor­ten be­geg­net sie wi­der­sprüchli­chen Theo­rien und mu­ti­gen Frau­en. Und bleibt nicht nur stil­le Be­ob­ach­te­rin.

Von  Daria Frick
Bildschirmfoto 2026 06 10 um 15 01 03

In eigener Sache

Ein Be­kennt­nis zu Mi­na­sa 

Von  Marc Jenny

Abstimmungskommentar zur SVP-Chaosinitiative

Über­frem­dungs­ge­heul im Dau­er­loop

Von  Daria Frick

Theateraufführung

Des Nachts im Wal­de

Von  Vera Zatti
VLT Sujet WEB Sommenacht2

Kolumne: Heppelers Bestiarium

Hor­ror un­ter dem Mi­kro­skop

Von  Jeremias Heppeler

Vie­le Spu­ren und ein Tat­ort

Ein paar Fe­dern, ein an­ge­knab­ber­ter Tan­nen­zap­fen, ein Stück Plas­tik: Tie­re und Men­schen hin­ter­las­sen Spu­ren. Die­sen wid­met das Na­tur­mu­se­um St.Gal­len sei­ne ak­tu­el­le Son­der­aus­stel­lung «Spu­ren – Fähr­ten, Frass und Fe­dern».

Von  Vera Zatti
1 Intro Dachs 20260515 NM SPUREN  Urs Bucher

Wor­an soll man noch glau­ben?

In ei­ner neu­en Aus­stel­lung wagt sich das Kunst­mu­se­um Thur­gau in der Kar­tau­se It­tin­gen an ei­ne Neu­ver­mes­sung des Ver­hält­nis­ses von Kunst und Re­li­gi­on.

Von  Michael Lünstroth
O0 A5990 02

St.Gal­len plant Kon­sum­raum für Sucht­kran­ke

Hin­ter dem St.Gal­ler Haupt­bahn­hof soll ein Kon­sum­raum für Men­schen mit schwe­ren Sucht­er­kran­kun­gen ent­ste­hen. Die­se Wo­che ha­ben die Stadt und die Stif­tung Sucht­hil­fe An­woh­ner:in­nen ein­ge­la­den, um ei­nen ers­ten Dia­log zu star­ten. 

Von  Philipp Bürkler
Liegeschaft Lagerstrasse 2 4

Auf der Ziel­ge­ra­den

Es ist sei­ne letz­te Ses­si­on nach zehn Jah­ren im St.Gal­ler Kan­tons­rat. SP-Kul­tur­po­li­ti­ker Mar­tin Sai­ler setzt künf­tig ganz auf den Zel­tai­ner. Das Geld für den Neu­bau in Wild­haus ist fast zu­sam­men, 2027 soll es los­ge­hen.

Von  Peter Surber
Foto1 Zeltainer

Im di­gi­ta­len Dschun­gel zu Hau­se

Die An­sied­lung des In­ter­net Ar­chi­ve Switz­er­land in St.Gal­len ist Pie­ro Sti­nel­li zu ver­dan­ken. Er kon­tak­tier­te vor zehn Jah­ren die Ver­ant­wort­li­chen von ar­chi­ve.org aus ei­ge­nem An­trieb. In den 90er-Jah­ren war der Mit­grün­der von Va­di­an.net und Klang und Kleid ein In­ter­net­pio­nier.

Von  David Gadze
2606 Internet Archive pino stinelli andri voehringer

Ohm41 stellen wieder aus

Kunst auf der Kip­pe

Von  Daria Frick
Bildschirmfoto 2026 06 03 um 11 14 39

Sehn­sucht nach Frei­heit

Das Thur­gau­er Pop-Phä­no­men Noe­mi Be­za ver­öf­fent­licht An­fang Ju­ni ih­re neue EP. You’ll Find Me The­re ver­eint Coun­try-Vi­bes mit ast­rei­nem Pop – was man ein we­nig ver­misst, sind Ecken und Kan­ten.

Von  Jeremias Heppeler
1 Pressefoto Noemi Beza Youll Find Me There

Kolumne: Stimmrecht im Juni

Back to the Fu­ture

Von  Liliia Matviiv

Ausstellung in Herisau

70 Jah­re und 70 Pup­pen

Von  Vera Zatti
70 Jahre SG Ausstellung