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Parkgarage am Union wird nicht bewilligt

Die Baubewilligungsbehörde sagt Nein zur geplanten Parkgarage Schibenertor unter dem Union-Gebäude in St.Gallen. Damit ist – möglicherweise – ein Punkt im St.Galler Verkehrsstreit vom Tisch, allerdings nur einer.
Von  René Hornung

Ein Jahr hat es gedauert vom Einreichen der Einsprachen bis zum Entscheid der Baubewilligungsbehörde. Zwischendurch verschwanden die Visiere neben den mächtigen Platanen zwischen Union-Gebäude und «Seeger» und «News». Was das zu bedeuten hatte, blieb unklar.

Erst jetzt, am Tag vor den Stadtrats- und Parlamentswahlen, liess die Baubewilligunsgbehörde die Katze aus dem Sack: Das Baugesuch der Cityparking AG ist abgelehnt. Der Grund: Die Ein- und Ausfahrten in der Mitte des Oberen Graben, dort wo die 50 Jahre alten Platanen stehen, würden das Gebiet städtebaulich verschandeln.

Mitten im schützenswerten Ortsbild

Gegen das Baugesuch waren mehrere Einsprachen – mit ganz unterschiedlichen Begründungen – eingereicht worden. Das Projekt zu Fall brachte die Nachbarin Franciska Hildebrand, Präsidentin des WWF. Unterstützt vom Heimatschutz und einer Reihe von Anwälten – darunter Gregor Geisser und Reto Schmid – sowie Planern und Architektinnen wurden städtebauliche Argumente ins Spiel gebracht.

Gutgeheissen wurde die Einsprache, weil das schützenswerte Ortsbild in diesem Bereich der Innenstadt besondere Rücksichten verlange, zumal in nächster Umgebung zahlreiche inventarisierte und schützenwerte Bauten stehen. Auch das Union-Gebäude selbst, unter das die Garage hätte gebaut werden sollen, ist zur Aufnahme ins Inventar vorgeschlagen.

Die Platanen in der Strassenmitte sind Teil des grünen Rings und ihrerseits inventarisierte Naturobjekte. Sie hätten gefällt werden müssen, doch Ersatzbepflanzungen würden wegen der unterirdischen Bauten nie mehr diese Höhe erreichen. Komme dazu, dass der ehemalige Stadtgraben eine städtebaulich und archäologisch heikle Zone sei. Die Kantonsarchäologie hatte sich deshalb ihrerseits kritisch zum Bauprojekt geäussert.

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Grafik: St.Galler Tagblatt

Abschottung statt Aufwertung

Nicht zuletzt kritisiert die Baubewilligungsbehörde die massiven Mauern von bis zu zwei Meter Höhe neben den Ein- und Ausfahrten. Sie führten zu einer Abschottung statt zur einer Aufwertung des Aussenraums, wie er sonst in der Innenstadt angestrebt werde. Die Zu- und Wegfahrt lasse sich am geplanten Standort mit den hohen gestalterischen Anforderungen nicht vereinbaren, übernimmt die Behörde die Argumente der Nachbarin, des Heimatschutzes und des WWF.

Die anderen Einsprecher bekamen nur teilweise recht, einzelne blitzten ganz ab. VCS und Pro Natura sowie die Appenzeller Bahnen, die Genossenschaft Wohnen und Arbeiten im Engel, die Zürich Anlagestiftung und drei Private und hatten ebenfalls gegen die Baubewilligung opponiert.

Kein Gehör für Verkehrsargumente

Auf die vom VCS und den Appenzeller Bahnen in den Vordergrund gerückten Argumente, die Garage führe zu einer unhaltbaren Verkehrssituation und zu mehr Umweltbelastung, trat die Behörde nicht ein. Auch die demokratiepolitischen Bedenken wurden nicht gehört. Gerügt wurde, dass dem Projekt bereits eine Konzession – aber noch keine Baubewilligung – erteilt wurde, obwohl die Auswertung der Marktplatzabstimmung von 2011 klar gezeigt hatte, dass die Parkgarage der wichtigste Grund für das Nein war.

Den Einsprachen der teils stadtbekannten Einzelpersonen – darunter Hansueli Stettler und Albert Nufer – wurde die Legitimation abgesprochen, weil sie zu weit weg vom Bauplatz wohnen.

500 Plätze am Unteren Graben

Mit diesem Entscheid ist das Kalkül des VCS aufgegangen: Er hatte zum Kompromiss beim Bau der Grossgarage am Unteren Graben Hand geboten und vor einigen Wochen zusammen mit dem Bauherr Iso Senn verkündet, wenn am Unteren Graben rund 500 Plätze gebaut werden, brauche es die Schibenertor-Garage nicht.

Nun bleibt abzuwarten, ob sich die Bauherrin, die Cityparking AG, mit dem Entscheid zufrieden gibt oder den Fall weiter zieht. Angesichts der Tatsache, dass die Stadt selbst an dieser AG beteiligt ist, bleibt der Lichtblick, dass dieser Streitpunkt der städtischen Verkehrspolitik von der Pendenzenliste verschwindet – einer weniger.

Streitpunkte aber bleiben noch viele: die Initiative, die das Verkehrsreglement zugunsten des Autoverkehrs abändern will, der Autobahnanschluss im Güterbahnhofareal, die Pförtneranlagen…

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