Jetzt, eine Woche vor dem Anlass, steige so langsam die Nervosität. Bestes Indiz: «Fangsch aa s’Wetter z’beobachte», lacht Richi Küttel. Das Idealklima für den literarischen Grossanlass vom 28. bis 30. März wäre: kühl, bedeckt, weder Grill- noch Hudelwetter. Die Aussichten dafür sind nicht schlecht. Und sonst? «Das Wortlaut-Programm ist so gut, dass wir zuversichtlich sind.»
Der Club der Wort-Performer
Ein gewichtiger Teil dieses Programms ist die Bühnenlinie mit Spoken-Word, Slam-Poetry und Hörspiel. «Rinks» heisst der Obertitel, kompletär zur Comic-Reihe «Lechts». Hier, «Rinks» hat die experimentelle, sprachspielerische, Text und Musik verbindende, performative Literatur ihren Platz. Spielort ist der Kraftort des Slam in St.Gallen, die Grabenhalle, am Samstag von 16 bis 22 Uhr.
Bettina Wegenast
In der Reihenfolge ihres Auftritt: Christian Ritter (Bild oben), der deutsche Slammer, liest aus seinem ersten Roman mit dem unsäglichen Titel «Die sanfte Entführung des Potsdamer Strumpfträgers», in welchem kein Geringerer als Günther Jauch entführt wird – was dem Autor die zweifelhafte Ehre eingebracht habe, in der deutschen Yellow Press gefeiert zu werden. Dann: Bettina Wegenast: Die Kinderbuch-Autorin präsentiert «Wolfsein oder nicht sein», eine laut Ankündigung trashige Figurentheaterhörspiel-Lesung, gemeinsam mit einer Figurenspielerin und einer Musikerin. Es folgt der «Bern ist überall»-Autor Gerhard Meister, zusammen mit der Kontrabassistin Anna Trauffer mit dem Programm «Use usem Uterus». Und schliesslich das hiesige Text-Musik-Duo Kaiser-Lenzin: Der Slammer und der Drummer spielen «Integrational», laut Programmheft «eine Show für Schweizer, Deutsche, Ostschweizer, Löwenzähne und andere Randgruppen». Hoffen wir, dass auch Ostschweizerinnen mitgemeint sind.
Genre-überschreitend ist auch das Finale: Toby Hoffmann, Sänger, Sprechdichter oder wie immer man ihn nennen will, produziert in der Stickerei eine nächtliche «Spoken Word & Music Melange».
Das Programm, ist Richi Küttel überzeugt, fülle insofern eine Lücke, als traditionelle Slams in der Hochburg St.Gallen zwar etabliert und geradezu zur Institution geworden sind – Solo-Programme im Spoken-Word-Bereich jedoch seien bei uns unter dem Jahr kaum zu hören, allenfalls ausschnittweise in der «Tatwort»-Reihe. Aber auch im «klassischen» Slam gibt es eine Novität: den Dialekt-Slam. Unter dem Titel «Säg rächt!» baut Küttel zusammen mit Slam!Gallen am Freitagabend in der Grabenhalle einen veritablen Mundart-Turm-zu-Babel: Plattdeutsch, Bayrisch, Schwäbisch, Götznerisch, Schaffhausisch, Innerrhodisch, natürlich Berndeutsch, Wienerisch und St.Galler Dialekt prallen aufeinander.
Auf die Gasse hauen
Nicht zu vergessen: der Gassenhauer des Kulturmagazins Saiten. Bereits zum dritten Mal wettern und schmettern Marcus Schäfer und Diana Dengler vom Theater am Tisch ihre Dialoge aus dem Saiten-Erker auf die nächtliche Schmiedgasse hinunter. Zu erwarten ist nichts weniger als eine gnadenlose Analyse der Lage der Nation nach dem 9. Februar. (Samstag 23 Uhr)
Saiten ist zudem eingeladen worden, die abschliessende Sonntagsmatinee des «Wortlaut»-Festivals zu bestreiten: Fast auf den Tag genau zwanzig Jahre zuvor war die erste Ausgabe des Kulturmagazins erschienen – Gelegenheit, in der als Buchbeiz funktionierenden Stickerei eine Auswahl nach-lesenswerter Texte zu präsentieren. (Sonntag 12 Uhr, ab 10.30 mit Frühstück, für welches eine Anmeldung nötig ist).
Infos und Tickets: wortlautsg.ch
Der FC St.Gallen nützt eine frühe rote Karte gegen Lugano gnadenlos aus und schickt den bisher so souveränen Leader gleich mit 5:0 nach Hause. Ein denkwürdiger Nachmittag zum Nachlesen hier im SENF-Ticker.
Bücherherbst
Das Naturmuseum St.Gallen eröffnet Mitte November zum zehnjährigen Bestehen seines Neubaus den Ausstellungsbereich «Mensch und Universum». Zwischen Klimakrise und Sternenhimmel geht es um eine ziemlich grosse Frage: Wo stehen wir eigentlich?
Seit zehn Jahren gibt es die Residency in der Bibliothek Andreas Züst im Alpenhof, diesem so schwer zu fassenden Ort in Innerrhoden. Der runde Geburtstag wird nun mit einem vielfältigen Festival gefeiert.
Bevor die Kunsthalle St.Gallen im Dezember wegen Umbauarbeiten voraussichtlich bis April 2027 schliesst, dreht sie nochmals voll auf. In der Ausstellung «House of Change: Pre-Construction-Warm-Up-Galore» präsentiert sie im laufenden Monat ein dichtes, buntes Programm an Kunst und Kultur.
In der Ausstellung «Smile maniacally we’re alive» verbindet Jala Wahid scheinbar getrennte Welten. Sie schlägt darin eine Brücke zwischen Erinnerung, Emotion, Wissenschaft und Politik.
Die erneuten Sparvorschläge der St.Galler Regierung stossen auf breite Ablehnung. Die Kulturszene solidarisiert sich gegen die Abbaupläne. Die Kulturlobby hat sich in Stellung gebracht. Obs hilft?
Kunstausstellung
Eigentlich wollte Zsuzsanna Gahse keine Bücher mehr schreiben. Nun hat sie mit Angerichtet ihr Werk doch noch einmal erweitert. Ihre Sprache darin bleibt neugierig, humorvoll und spielerisch. Und wirkt fast wie ein Kommentar zum eigenen literarischen Schaffen.
Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel
Jakob Stutz, Volksschriftsteller und Reformpädagoge mit «zwiespältigem» Charakter: Ihn lässt Ex-Kellerbühnenleiter Matthias Peter 150 Jahre nach seinem Tod noch einmal aufleben – unter anderem in Trogen, wo Stutz im Gefängnis sass.
Auf seinem neuen Album Three Chords and a Shaking Hand besingt der Rheintaler Singer-Songwriter Mo Klé die gegenwärtige Debattenkultur, Regenstürme und Selbstakzeptanz. Die Albumtaufe findet am 7. November im st.gallischen Bahnhof Bruggen statt.
Boukhalfa und Görtler bringen die Espen in Führung, welche das Team dann über die Zeit bringt.
Alexander Veljanov ist die unverwechselbare Stimme der Dark-Wave-Band Deine Lakaien. Mit seinem neuen Soloalbum gastiert er am 9. November in Frauenfeld. Ein Gespräch über Schubladen, Lüge, Wahrheit und die Frage, was Musik mit unserem Menschsein zu tun hat.
Zumthor plant in Wildhaus
Ein Wahlgang genügte: Die SP der Stadt St.Gallen schickt Peter Olibet ins Rennen um die Nachfolge von Stadtrat Peter Jans. Er erhielt 109 von 182 Stimmen. In der Fragerunde ging es um Sparpolitik, bezahlbare Wohnungen und die Frage, wie viel Opposition ein künftiges Regierungsmitglied noch machen kann.
Während Zürich und Genf geraubte Benin-Bronzen zurückgeben, laviert das Kulturmuseum St.Gallen. Derweil untersucht der Thurgau seine ethnografische Sammlung und schliess Restitutionen nicht aus. Ausserdem im Novemberheft: Der solidarische Protest der St.Galler Kulturszene gegen die Sparpläne des Kantons, die neue Ausstellung zum Zehnjährigen im Naturmuseum St.Gallen, das erste elektronische Soloalbum von Kafi-D und vieles mehr.
Seit einigen Jahren sind Benin-Bronzen in Schweizer Museen ein heisses Eisen. Im St.Galler Kulturmuseum laviert man bei der Frage einer möglichen Rückgabe zwischen Dialogbereitschaft und Verweigerungshaltung.
Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs
Ein Festival über den Tod – darf das auch lustig sein? «Last Call» lädt am 31. Oktober in St.Gallen dazu ein, über das Sterben zu sprechen. Interview mit Michelle Mauchle von der Geschäftsstelle Palliative Care Stadt St.Gallen.