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Alle wollen ein Stück vom Kuchen

Unter dem Titel «Geld im Spiel» beschäftigt sich das St.Galler Fussballmagazin Senf mit dem Treibstoff, der auch im Fussball immer wichtiger ist. Aus dem Inhalt stechen Interviews mit dem FCSG-Präsidenten Dölf Früh und dem umstrittenen Schiedsrichter Kurt Röthlisberger heraus.
Von  Urs-Peter Zwingli

Das liebe Geld und der geliebte FCSG führten jahrzehntelang eine belastete Beziehung, momentan aber «plagen uns untypisch für St.Gallen keine Panikattacken», heisst es in der dritten Ausgabe des St.Galler Fussballmagazins Senf. Dieses ist soeben unter dem Titel «Geld im Spiel» erschienen.

Das 89 Seiten starke Heft wurde von einem Fan-Kollektiv  produziert. Wer allerdings die üblichen Groundhopping-Berichte und Fankurven-Fotos erwartet, wird überrascht. Die Senf-Themenliste ist breiter aufgestellt als jede Vierer-Abwehrkette: Von detaillierter Fussball- und Stadtgeschichte über kluge Interviews bis hin zur Satire. Abgerundet wird der Inhalt, der auch Nicht-Fussballfreunde interessieren dürfte, durch schöne Illustrationen mit Textbezug (siehe etwa Titelbild oben).

Von dubiosen Italos…

Senf steht als Akronym für «s’isch eigentli nume Fuessball». Dass das im Profi-Sport längst nicht mehr gilt, ist klar. Dennoch ist auch die Verklärung des Fussballs als Sport des kleinen Mannes falsch, wie gleich im Senf-Eröffnungstext gezeigt wird: In seiner Entstehungszeit war Fussball ein Sport für die Oberschicht. Nur diese hatte genug freie Zeit und Geld, um unbezahlte Tätigkeiten auszuüben, also zu tschutten.

Sowieso scheint im Senf-Team ein (Lokal-)Historiker zu sitzen. Im Text «Aufruhr im Osten» wird mit vielen Namen und Zahlen auf die Vereinsgeschichte seit Anfang der 90er-Jahre zurückgeschaut. Finanzielle Sorgen und Machtspiele gehörten in den letzten 25 Jahren fast permanent dazu und viele wollten ein Stück Macht, Geld oder Prestige vom FCSG-Kuchen.

Bizarrer Höhepunkt ist wohl das Auftreten einer dubiosen Investorengruppe aus Italien, die den FCSG 1998 um ein Haar unter ihre Kontrolle gebracht hätte. Danach rollten einmal mehr die Köpfe der Führungsetage.

Als Beispiele für Fussballvereine, die sich kaufen liessen, unternehmen die Senf-Reporter Reisen zu den Red-Bull-Truppen in Salzburg und Leipzig: Das wären also doch noch die klassischen Groundhopping-Berichte, durchzogen jedoch von scharfen Beobachtungen der Fussballkultur, die sich mehr schlecht als recht mit dem omnipräsenten Energy-Drink-Sponsor arrangiert.

…bis Rettungsschwimmer Dölf Früh

Die Higlights des Magazins sind aber klar die Interviews mit FCSG-Präsident Dölf Früh und dem umstrittenen Schiedsrichter Kurt Röthlisberger. Früh, der den FCSG in den jüngsten Finanzwirren 2010 übernommen hatte, gibt sich im Interview erfrischend direkt, kippt dabei auch mal ins Pathetische: «Einer ist im Wasser und ertrinkt, da springst du in den Fluss, um ihn zu retten.» So erlebte Früh bildlich gesprochen seinen Auf- oder Einstieg zum Präsidenten eines damals kränkelnden Vereins.

Daneben gibt sich Früh – wie auch bei der Heft-Taufe am Donnerstag im Fanlokal – betont volksnah: «Ich verwalte hier nur eine Institution, die der Ostschweiz und der Allgemeinheit gehört», sagt er etwa. Um dann nicht ganz uneigennützig darauf zu pochen, dass der FCSG so wichtig sei wie das Stadttheater. Und damit auch Anrecht auf Subventionen haben sollte. Die Forderung wiederholte Früh in der Diskussion zum Geld-Thema im Fanlokal. Unterstützung erhielt er auf dem Podium von Brühl-Präsident René Hungerbühler: «Unsere Juniorenabteilung leistet zehntausende Stunden unentgeltliche Sozialarbeit. Das sollte dem Staat etwas wert sein.»

Wurst und Bier als Lohn

Zurück zum Heft: Mit dem Namen Röthlisberger verbindet man als durchschnittlich interessierter Sport-Fan fast unweigerlich Mauschelei – und entdeckt im Interview einen kritischen Kenner des vergangenen und aktuellen Fussballs, der auch über die Einsamkeit des Schiedsrichters sinniert. Schön auch, wie er sich an einen Ratschlag des früheren Schiri-Obmann erinnert: «Wenn du an drei Spielen pro Saison das Espenmoos heil verlassen kannst, hast du das Rüstzeug zum Schiedsrichter.» Übrigens: Vor Gericht kamen die Vorwürfe der Spielmanipulation gegen Röthlisberger nie, trotzdem wurde er von der Uefa lebenslang gesperrt.

Daneben wühlt Senf auch im Lokalen und porträtiert die Alternative Liga St.Gallen, die bald in die dritte Saison startet. Hier immerhin spielt das Geld offenbar noch keine Rolle, als Lohn winken einzig Bratwürste und Bier, die jeweils das Gastteam stellt.

 

Senf ist im Fanlokal an der Lämmlisbrunnenstrasse, im FCSG-Fanshop, bei den Heimspielen im Stadion und im Buchhandel bei Comedia, Rösslitor, Manor und Markwalder erhältlich. Die Magazin-Macher betreiben auch einen Blog, wo man Senf online bestellen kann.

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SENF – Das St.Galler Fussballmagazin,  

… sich noch weiter über die rund 90 Seiten starke Drittausgabe informieren möchte, dem sei dieser Saiten-Artikel ans Herz gelegt. Erhältlich ist das nach wie vor werbefreie Magazin für 10 Franken an den …

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