Angesichts der kriegerischen Auseinandersetzungen in Syrien, Irak, Kurdistan, Israel und Palästina, Lybien, Zentralafrika, Sudan, Eritrea, Somalia und der Ukraine fanden sich über 300 Leute am Bahnhof ein, um ihrer Besorgnis, Solidarität und Empörung Ausdruck zu verleihen. Gestern Abend grillierten etwa 50 Leute auf dem Gallusplatz gegen Ausschaffungen, Grenzen und Nationen. So unterschiedlich die beiden Veranstaltungen waren, hat man dennoch das Gefühl, es sei etwas in Bewegung gekommen. Das demokratisch-kurdische Gesellschaftszentrum habe uns aus der Lethargie gerissen, wie Marina Widmer von der politischen Frauengruppe bemerkte.
Politisiert wurde ein Grossteil meiner Generation an den Demonstrationen gegen George W. Bushs Irakkrieg. Ein erstes Mal zutiefst enttäuscht waren wir darauf folgend, einhergehend mit der Feststellung, dass die Welt sich nicht darum scherte und mit Bush in den Krieg zog. Inzwischen ist der Irak aufs Übelste geplagt von Abu Bakr Al-Baghdadis faschistischer Terrormiliz IS, die in viel zu grossen Teilen Iraks und Syriens ein Kalifat ausgerufen hat. Dass diese gestoppt werden muss, ist breiter Konsens. Dass man sich deswegen freuen soll über die Art und Weise des inzwischen beschlossenen westlichen Eingreifens, ist damit aber nicht gegeben.
Dies kam auch zur Sprache: Einzig eine Blauhelmtruppe wäre Menschenrechts-konform. Pazifismus ist nur im Prinzip einfach, in der Realität muss man manchmal ziemlich komplex denken können. So wurden auch entgegen der Empörung über die Zustände in Gaza, welche diesen Sommer in einem äusserst hässlichen Israel-Bashing ausartete, Protestbriefe an Israels Regierung UND die Hamas herumgereicht, die Zivilbevölkerung müsse in Frieden gelassen werden. Angesprochen wurden höchst problematische Waffenlieferungen an Staaten welche die Menschenrechte mit Füssen treten, wie auch die viel zu kleinliche Flüchtlingspolitik.
Wir tragen auch Verantwortung über das, was wir nicht tun, schloss Cenk Akdoganbulut sein Votum. Das ist vielleicht auch die grösste Lehre der Nach-Bush-Ära. Weder Frieden noch Demokratie können von westlich-dominierten Allianzen aufgezwungen werden, was aber nicht heisst, das wir nicht helfen können. In jedem Fall müssen die Probleme mit Leuten vor Ort gelöst werden, und diese also unterstützt werden.
Der Westen hat alle Möglichkeiten, sich ernsthaft nützlich zu machen, sei es durch humanitäre Hilfe vor Ort, sei es die grosszügige Aufnahme von Flüchtlingen, seien es Waffenausfuhrverbote. Alles Andere ist gemein-gefährliche Heuchelei. Passend zum ironischen Umstand, dass wegen dem St.Galler «Genuss-Tag» kein Umzug durch die Stadt bewilligt wurde, schliesst Hans Fässler mit einem Lied über proletarische Pasta: Die Menschen brauchen was zu essen, so brauchts auch keinen Krieg.
Das See-Burgtheater macht aus seiner Piratinnengeschichte Die Legende von Anne Bonny ein akrobatisches Spektakel vom Feinsten. Bei aller Sommertheater-Leichtigkeit hätte man aber doch ein bisschen mehr Emanzipationsgeschichte erwartet.
Zu seinem 20. Geburtstag hat das Kulturfestival am Wochenende Bands aus St.Gallen und der Region zu einem zweitägigen Konzertfest eingeladen. Dieses war so vielfältig wie gelungen – auch wegen der Idee, Covers aus der Gründungszeit des Festivals in die Sets einzubauen.
Bregenzer Festspiele
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 3: «Was der Kaiser noch sah», Olaf Breuning – «Humans» und Oriana Bruseghini – Das verlassene Rettungsboot.
Wie setzt Fotografie Mode in Szene? Und wer fotografiert dabei eigentlich wen? Das Textilmuseum St.Gallen gibt mit «Mise en Scène» Einblicke in 120 Jahre Modegeschichte. Es ist die letzte Schau vor dem Museumsumbau.
Seit elf Tagen befindet sich Velat Aydin vor dem Bundesverwaltungsgericht in St.Gallen im Hungerstreik. Im Gespräch mit Saiten erzählt der Kurde, woher er kommt und weshalb politischer Aktivismus so wichtig ist.
Die St.Galler Festspiele sind vorbei. Oper war indoor, draussen im Stadtpark spielte die Endzeitkomödie Planet B. Nähme man die Botschaft des Stücks ernst, müsste die Festspiel-Oper auch künftig ressourcenschonend drinnen bleiben.
Sindujan* lebt schon sein ganzes Leben in der Schweiz. Die Einbürgerung ist fast abgeschlossen, war aber mit hohen Kosten und einem unangenehmen Gespräch verbunden.
Bevor die Kunst Einzug hielt, war das Sittertal industrialisiert. Hier wurde gestickt, gewirkt, gefärbt, mercerisiert – aber auch gestreikt und geliebt.
Kolumne: Stimmrecht
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 2: Kinok-Open-Air, Solarkino, Christa Näher – «Excess», Living Museum, Poolbar Festival, Die Legende von Anne Bonny und SP-Spaziergänge.
In der Kunstkabine bei der St.Leonhard-Brücke in St.Gallen stellen bis September vier Personen mit Beeinträchtigung ihre Kunst aus. Den Anfang macht Sonja Lippuner mit ihrer «Rollstuhlkunst».
Die Kunstgiesserei St.Gallen und die Stiftung Sitterwerk strahlen weit über die Region hinaus. Felix Lehner, Gründer und Leiter der Kunstgiesserei, Geschäftsleitungsmitglied Till Jäckli sowie Patricia Hartmann, Co-Leiterin der Stiftung Sitterwerk, sprechen im Interview über die letzten 40 Jahre, aktuelle Herausforderungen und Zukunftspläne.
Geschlechterspezifische Gewalt ist auch in Appenzell Realität, und doch wird zu wenig darüber geredet. Mit der Diskussionsveranstaltung «werom – schwätze statt schwiige» luden drei junge Appenzellerinnen zum offenen Austausch über Gewalt, Prävention und Zivilcourage.
Heimat – ein vielschichtiger Begriff. Das Kunstmuseum St.Gallen spürt ihm gemeinsam mit der Werksammlung der Schweizerischen Post nach. Zu sehen ist die entstandene Schau «Heimatflimmern» bis Ende Oktober in St.Gallen.
Die St.Galler Festspiele laden, nach der letztjährigen Pause, wieder zum Tanz in die Kathedrale. Choreograf Antonio Ruz und die Tanzkompanie nehmen den Raum mit Respekt in Beschlag – samt dem Klosterplatz.
Der «Landesverräter» war gern am Fluss
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 1: Openair-Kinos, Blablabor – «Guerilla Radio», Michail Pirgelis – «HYLE», «Heimatflimmern», Kulturfestival St.Gallen, Leonce und Lena, Kunstspaziergänge und Musik im «Flöözli» sowie Rundgänge zum Blumenwies und zur Schwammstadt.
Musik im Rorschacherberg
In Konstanz gastiert derzeit die Gruppe As Karuana – ein politischer Frauenchor aus dem Amazonas. Sie zeigt mit ihrer Musik, ihrem Tanz, ihrer Kunst und ihrem Wissen politische Résistance und kämpft für die Rückeroberung ihrer indigenen Kultur.