Der Abstimmungssonntag hat es nicht nur national, sondern auch kommunal in sich. Und nicht nur in Rorschacherberg, das einen umstrittenen Seeufer-Steg für 5,5 Millionen Franken plant, sondern auch im ausserrhodischen Rehetobel steht ein kontroverses Zukunftsprojekt zur Debatte.
Am Schluss hat das Altersheim und frühere Bürgerheim «Ob dem Holz» in Rehetobel nur noch Probleme gemacht. Die Institution – gelegen an bester Aussichtslage – war schon länger unternutzt und zuletzt sorgte ein Pflegeskandal für Schlagzeilen, bis hin zum «Blick». Das Heim wurde vor einem Jahr geschlossen. Die Liegenschaft, im Besitz der Gemeinde, soll nun verkauft oder im Baurecht vergeben werden. Weil das Thema mit dieser Vergangenheit heikel ist, will sich der Gemeinderat in der Bevölkerung abstützen, mit Konsultativabstimmung, Volksdiskussion und einer Schlussabstimmung im November.
Neubau für die Rehaklinik…
Da sind einerseits die Baupläne des Arztes Andreas Bänziger, seines Zeichens Chairman der «Sports Medicine Excellence AG» mit Sitz in Rehetobel, daneben aber auch noch Aston-Martin-Verkäufer in St. Gallen. Dieser will auf dem Hügel mit Säntisblick eine «Sportsclinic Switzerland» erstellen. Sein Projekt sieht einen Neubau vor; die Klinik soll der Gemeinde 40 bis 50 neue Arbeitsplätze bringen und kaum Mehrverkehr, denn: «Unsere Gäste kommen nicht selber mit dem Auto; das sind alles Leute, die nach einer Operation hier in die Reha kommen und gebracht werden», wie Bänziger an einer Infoveranstaltung vor der Rehetobler Bevölkerung Ende Mai betonte. Zudem komme das Projekt u.a. dank einem Café und Spielplatz auch der Bevölkerung zugute, schreiben Bänziger und Co-Initiant Florian Kamelger, ebenfalls ein Mediziner, im Abstimmungsedikt.
…oder Neustart ohne Abbruch?
Einen Gegenentwurf zu diesem Plan bietet das Projekt «Neustart», das eine achtköpfige Gruppe Einheimischer rund um den Biologen und Insektenliebhaber Emanuel Hörler lanciert hat. Bei ihnen soll das Gebäude erhalten bleiben und sanft renoviert werden, um dann als Wohnhaus mit Restaurant, Sitzungszimmer und Gästebetten genutzt zu werden. Hörler will dazu eine breit abgestützte Genossenschaft auf die Beine stellen und hält fest: «Unser Projekt darf durchaus auch den Charakter eines Experimentes haben.»
Das betont Hörler denn auch, wenn er auf die noch offene Finanzierung angesprochen wird. In den Abstimmungsunterlagen heben die «Neustart»-Initianten hervor, dass erst so eine breite Diskussion über das Haus und die Dorfentwicklung in Gang kommen könnte: Ein Ja zu ihrem Vorschlag ermögliche «den Start eines partizipativen, demokratischen Prozesses mit dem Thema: Was ist die beste Lösung für das Haus Ob dem Holz?»
An der Infoveranstaltung Ende Mai, wo rund 130 Personen teilnahmen, zeigte sich bald, dass die Meinungen zu den zwei Projekten mindestens so weit auseinander liegen wie die Projekte selber. Der Fahrplan sieht nun vor, dass die Rehetoblerinnen am kommenden Sonntag, 14. Juni, in einer Konsultativabstimmung erstmals darüber abstimmen, welches der zwei Projekte ihnen am Herzen liegt, bevor sie dann im November das definitive Bauprojekt bewilligen. Zusätzlich findet zurzeit die im Ausserrhodischen verbreitete «Volksdiskussion» statt – eine breit angelegte Vernehmlassung.
Ob es denn bei so viel Diskussion nicht auch noch die Möglichkeit gebe, beide Projekte abzulehnen und die Planung «zurück auf Feld eins» zu schicken, wurde Rehetobels Gemeindepräsident Ueli Graf an der Infoveranstaltung gefragt. «Im Prinzip ja», antwortete er nach kurzem Zögern.
Felix Mätzler hat im Auftrag der Gemeinde Rehetobel die Informationsveranstaltung von Ende Mai moderiert.
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