Kategorie
Autor:innen
Jahr

St.Galler Stadtkasse in Nöten: Stadtregierung fordert fairen Finanzausgleich

2024 steht die nächste Überprüfung des Finanzausgleichs im Kanton St.Gallen an. Dafür hat der St.Galler Stadtrat klare Forderungen. Ohne höhere Unterstützungsbeiträge droht die Kantonshauptstadt finanziell abgehängt zu werden.
Von  Reto Voneschen , 
Die Stadt St.Gallen will künftig eine faire Abgeltung ihrer Zentrumslasten (Bild: PD)

Die fünf Mitglieder der St.Galler Stadtregierung treten selten alle gemeinsam vor die Medien. Am Dienstag haben sie es getan. Dies aus einem gewichtigen Anlass: Der Stadtrat wendet sich mit einem Hilferuf an Regierung und Parlament des Kantons St.Gallen. Die Lage der Stadtkasse ist ernst: Die Stadt St.Gallen erhält zwar jährlich aus kantonalen Ausgleichstöpfen gut 34 Millionen Franken für Zusatzlasten. Sie trägt daneben aber jährlich gut 36 Millionen an ungedeckten Zusatzlasten selber. Und das ist nach Meinung der Stadtregierung definitiv zu viel des Guten.

Abgeltungen: Tatsächliche Verhältnisse berücksichtigen

Diesen Spätherbst will der Kanton den Wirksamkeitsbericht 2024 zum Finanzausgleich in die Vernehmlassung geben. Das Papier ist der richtige Zeitpunkt für die Kantonshauptstadt, zusätzliche Finanzwünsche anzumelden. Genau das hat der Stadtrat am Dienstag getan: Unterlegt mit Studien und umfangreichem Zahlenmaterial fordert er einen faireren Finanzausgleich.

Die Steuerzahler:innen der Stadt dürften erwarten, dass die Ausgleichszahlungen des Kantons die tatsächliche Belastung der Stadtkasse durch Zentrums- und Sonderlasten berücksichtigten, hiess es. Die Stadtregierung wünscht sich dafür Anpassungen am kantonalen Finanzausgleichsgesetz. Dabei sind gemäss Stadtpräsidentin Maria Pappa verschiedene Lösungsansätze denkbar. Gespräche mit dem Kanton darüber werden bereits geführt.

Kein höherer Ausgleich trotz neuer Aufgaben

Heute erhält die Stadt aus dem innerkantonalen Finanzausgleich für ihre Zentrumslasten 16,2 sowie aus dem kantonalen Topf zur Abgeltung sozialer Sonderlasten nochmals 17,9 Millionen Franken. Insgesamt sind das gut 34 Millionen Franken – oder knapp die Hälfte dessen, was St.Gallen nach Auffassung des Stadtrats eigentlich zusteht. Die heute nicht abgegoltenen 36 Millionen resultieren aus 12,2 Millionen an Zentrumslasten, 13,8 Millionen aus soziodemografischen Sonderlasten und rund 10 Millionen aus Benachteiligungen im Verteilschlüssel für die ÖV-Kosten (siehe Infotext am Ende des Artikels).

Zu diesen ungedeckten Zentrumslasten kommt für die Stadtkasse, dass der Kanton zwischen 2010 und 2022 diverse Aufgaben an seine Gemeinden überwälzt hat. Daraus resultieren in der Stadt inzwischen Jahr für Jahr überdurchschnittliche Zusatzkosten von 24,7 Millionen Franken. Als mit Abstand grösstes Zentrum im Kanton traf diese Aufgabenverschiebung St.Gallen gerade im sozialen Bereich härter als kleinere politische Gemeinden: So schlägt allein die Umsetzung der Pflegefinanzierung mit jährlich zusätzlichen 13,5 Millionen zu Buche.

Strukturelles Defizit trotz Sparübungen

Die St.Galler Stadtkasse kämpft heute gemäss Stadtpräsidentin Pappa mit einem strukturellen Defizit von rund 30 Millionen Franken pro Jahr. Dies trotz verschiedenen Sparübungen seit 2012. Mit «Fit13plus» beispielsweise wurden ab 2013 rund 16 Millionen Franken eingespart. Das laufende Programm «Fokus25» erbrachte bis Ende 2022 6,2 Millionen Einsparungen und soll ab 2025 nochmals etwa 8,3 Millionen Franken einsparen helfen. Aus eigener Kraft, so ist der Stadtrat überzeugt, kann die Kantonshauptstadt ihre finanziellen Probleme nicht mehr bewältigen. Langfristig gerät so auch ihre Rolle als Motor für die weitere Region und den ganzen Kanton in Gefahr.

Stadtpräsidentin Maria Pappa
(Bild: PD)

Maria Pappa bemühte an der Medienkonferenz das Beispiel eines Laufwettkampfs. Jede der 75 politischen Gemeinden des Kantons starte mit eigenen Voraussetzungen. Für die Stadt biete die Einnahmenseite gute Chancen auf einen vorderen Platz in der Schlussrangliste. Die Aufwandseite hingegen sei wegen des nicht voll funktionierenden Ausgleichs wie ein schwerer Rucksack, der seit Jahren verhindere, dass die Kantonshauptstadt vom Fleck komme. Für einen fairen Wettbewerb brauche es eine faire Abgeltung der Zentrumslasten sowie einen fairen Verteilschlüssel für ÖV-Kosten.

Startschuss zu einer längeren Debatte

Zuerst einmal müssen es die Wünsche der Stadt jetzt in den Wirksamkeitsbericht zum kantonalen Finanzausgleich schaffen. Das ist die Voraussetzung dafür, dass sich der Kantonsrat damit auseinandersetzen muss. Die politischen Hürden für die Wünsche der Stadt dürften im Kantonsparlament dann allerdings erheblich höher sein als bei Regierung und Verwaltung. Höhere Abgeltungen für St.Gallen (und kleinere regionale Zentren) dürften der Steuersenkungsstrategie des bürgerlich geprägten Kantonsrats widersprechen. Die Anliegen der Kantonshauptstadt geniessen zudem bei bürgerlichen Kantonsrät:innen vom Land erheblich weniger Sympathien als auch schon.

Ob und wie im Kantonsrat Überzeugungsarbeit für die städtischen Anliegen geleistet werden soll, blieb an der Medienkonferenz des Stadtrats offen. Dass solche von Nöten sein wird, war am Dienstag unbestritten. Das Thema der Abgeltungen ist komplex, der Zahlenberg dazu ist umfangreich und als «Kopfrechnen für Fortgeschrittene» sicher auch erklärungsbedürftig. Man wisse um die Bedeutung des Kantonsrats, versicherte denn auch Maria Pappa. Und die Kantonsrät:innen aus der Stadt sollen die Unterlagen zu den Zentrumslasten immerhin automatisch zugestellt erhalten.

Zu hoffen ist, dass die finanziellen Wünsche der Hauptstadt im Kanton eine politische Debatte auslösen werden. Ein wichtiger Faktor fürs Schlussresultat dürfte dabei sein, wie sich die Lobby der Gemeindepräsident:innen positioniert. Zentral wird aber auch sein, ob sich genügend Meinungsführer:innen in den bürgerlichen Kantonsratsfraktionen vom Hilferuf und den Argumenten aus der Stadt überzeugen lassen. Den Start in die Debatte bestreiten unter anderem die Stadtpräsidentin und Donat Kuratli, Stadtparlamentarier, Kantonsrat und Präsident der SVP der Stadt St.Gallen, schon am Mittwochabend in der Sendung «Zur Sache» des Ostschweizer Regionalfernsehens TVO.

 

Zentrumslasten, Sozialkosten und der ÖV-Verteilschlüssel

Die Zusatzlasten der Stadt St.Gallen setzen sich aus drei Komponenten zusammen. Zum einen trägt die Stadt sogenannte Zentrumslasten. Das sind Leistungen etwa im Kultur- und Freizeitangebot, im öV oder bei Sicherheitsaufgaben, von denen die Bevölkerung ausserhalb der Stadt profitiert, ohne dafür eine Abgeltung zu entrichten. 2021 erbrachte St.Gallen gemäss Studie Zentrumslasten von rund 43,8 Millionen Franken. Davon abgezogen werden Standortvorteile und Nutzen, die die Stadt aus diesen Leistungen selber hat. Die Netto-Zentrumslasten lagen 2021 damit bei 28,4 Millionen Franken. Davon abgegolten wurden 16,2, nicht abgegolten wurden folglich 12,2 Millionen. Die aktuelle Studie zu den St.Galler Zentrumslasten ist im Internetauftritt der Stadt einsehbar.

Zweites Element der Zusatzlasten sind sogenannte soziodemografische Sonderlasten. Sie fallen an, weil in grossen und grösseren Städten die Sozialkosten im Vergleich zu kleineren Gemeinden überproportional hoch sind. Die hohe Belastung der St.Galler Stadtkasse durch diese Kosten rührt vom hohen Selbstbehalt von 40 Prozent, der nach Meinung des Stadtrats ungenügenden Berücksichtigung gesellschaftlicher Strukturen sowie der absoluten Höhe der Sozialkosten her. Die soziodemografischen Sonderlasten lagen 2021 in der Stadt St.Gallen bei 31,7 Millionen Franken. Davon wurden 17,9 Millionen durch den Kanton abgegolten. 13,8 Millionen musste die Stadt selber tragen.

Das dritte Element der Zusatzlasten ist ein Verteilschlüssel für die ÖV-Kosten, der gemäss Stadtrat die Stadt St.Gallen benachteiligt. Daraus resultiert eine übermässige Pro-Kopf-Belastung. Während Wil pro Kopf für den öV 163, Rapperswil-Jona 148 und Gossau 112 Franken ausgibt, liegt die Belastung der Kantonshauptstadt pro Kopf der Bevölkerung bei 270 Franken. Das bedeutet eine jährliche Mehrbelastung für die Stadtkasse von rund 10 Millionen Franken (wobei ein kleiner Teil davon gemäss Stadtrat Markus Buschor durchs bessere Angebot gerechtfertigt ist). Die überproportionale Stadtsanktgaller Belastung resultiert aus Gewichtungen von Abfahrten und Bevölkerungszahl sowie dem vergleichsweise hohen Verteilschlüssel 50:50 zwischen Kanton und Gemeinden. (vre)

Fah­nen der Ver­gäng­lich­keit

Die Welt ist in ste­tem Wan­del. Und man­che Ver­än­de­run­gen sind ir­rever­si­bel – Glet­scher schmel­zen, Tier- und Pflan­zen­ar­ten ster­ben aus. Die Aus­stel­lung «Flim­mern» wid­met sich der Be­wusst­wer­dung die­ses Wan­dels – und dem Schmerz, den er aus­löst.

Von Judith Schuck,
Flimmern Blossom 0 2 von Hoa Luo Patrik Muchenberger

Du­bio­se Zah­len zum Au­to­bahn­aus­bau

Die Grund­la­gen, mit de­nen die Be­für­wor­ter:in­nen die drit­te Au­to­b­anhröh­re durch den Ro­sen­berg in St.Gal­len und die Teil­span­ge mit dem An­schluss im Gü­ter­bahn­hof­are­al for­dern, ba­sie­ren auf frag­wür­di­gen Zah­len. Zu die­sem Schluss kommt der Raum- und Ver­kehrs­pla­ner Tho­mas Hug-Di Le­na.

Von René Hornung,
Anschluss gueterbahnhof

Grüs­se aus ei­nem kom­pli­zier­ten Land

Die St.Gal­ler Tanz­kom­pa­nie fei­er­te ver­gan­ge­nen Sams­tag mit From Eng­land wi­th Love Pre­mie­re. Das Stück wagt sich aber­mals aus dem Gleich­schritt – mit un­miss­ver­ständ­li­chen Ges­ten.

Von Andi Giger,
From England with Love

Eman­zi­pa­ti­on in geo­me­tri­scher Form

Das Kunst­haus Bre­genz zeigt in der neu­en Aus­stel­lung Ar­bei­ten der US-ame­ri­ka­ni­schen Künst­le­rin Tork­wa­se Dys­on. Aus­gangs­punkt ih­rer gross­for­ma­ti­gen geo­me­tri­schen Skulp­tu­ren und poe­ti­schen Ma­le­rei­en bil­det das Le­ben und die Be­frei­ung Schwar­zer Men­schen.

Von Sieglinde Wöhrer,
Torkwase Dyson EG Y3 A3594 Foto Markus Tretter

Vom Ges­tern in die Zu­kunft tau­chen

Wie stehts heu­te um die Gleich­stel­lung? Und wie war das frü­her? Die Pop-up-Aus­stel­lung «Frau­en­spu­ren im Hal­len­bad» in Gos­sau ar­bei­tet ein Stück Ge­sell­schafts­ge­schich­te auf. Zeigt, wo es heu­te noch hakt, und dass es nicht blei­ben muss, wie es ist.

Von Vera Zatti,
DSC09196

Kolumne: 24/7 Traumacore

Ich bin Bra­ve­he­art (Mel Gib­son ty­pe shit)

Von Mia Nägeli,

Theater

Kein Kom­pli­ment

Von Vera Zatti,
Unreif Presse 05

Von Trans­sil­va­ni­en in den Thur­gau

Jo­han­na und Szi­lamer ar­bei­ten seit vier Jah­ren als Ern­te­hel­fer:in­nen in Fru­thwi­len. In ih­rer Hei­mat Ru­mä­ni­en ist die wirt­schaft­li­che La­ge an­ge­spannt und die kör­per­li­che Ar­beit auf dem Feld sind sie ge­wohnt.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
2610 Erntehelferei 260044 us 0505 max

Er­satz­wahl in den Stadt­rat: Vor­ent­scheid fällt an SP-No­mi­na­ti­ons­ver­samm­lung

Am 29. Ok­to­ber ent­schei­det die SP der Stadt St.Gal­len, wen sie in die Er­satz­wahl um den Stadt­rats­sitz von Pe­ter Jans schickt. Was ur­sprüng­lich wie ei­ne For­ma­li­tät aus­sah, hat sich zu ei­nem span­nen­den Ren­nen ent­wi­ckelt. Mit of­fe­nem Aus­gang.

Von Reto Voneschen,
2026 Stadtrat Collage farbig

Jock Kobels zweiter Fall

Die Welt ist im­mer He­ris­au

Von Andrej Millius,
Bildschirmfoto 2026 10 14 um 18 12 43

Musik

Der Hai­fisch beisst wie­der zu

Von David Gadze,
Bildschirmfoto 2026 10 14 um 18 07 57

Heppelers Bestiarium

100 Jah­re Ein­sam­keit

Von Jeremias Heppeler,

FC St. Gal­len vs. Lau­sanne-Sport – Die Es­pen er­kämp­fen sich die 3 Punk­te

Nach ei­ner ganz pas­sa­blen ers­ten Halb­zeit der Es­pen so­wie Füh­rung durch ei­nen Elf­me­ter von Gört­ler vor der Pau­se, spie­len die St. Gal­ler die­ses Re­sul­tat an­schlies­send her­un­ter und ho­len sich die 3 Punk­te.

Von SENF Kollektiv,
Senf

Die Ge­walt hat ei­nen Schlüs­sel

Mehr als vier­ein­halb Stun­den dau­er­te Der Pro­zess Pe­li­cot im Thea­ter St.Gal­len. Mi­lo Rau und Ser­va­ne Dè­cle in­sze­nier­ten ei­nen Abend über se­xua­li­sier­te Ge­walt und che­mi­sche Un­ter­wer­fung – und über ei­ne Ge­sell­schaft, die von Män­nern mehr Ver­ant­wor­tung ver­langt.

Von Philipp Bürkler,
DSC02202 Kopie

Men­schen­rech­te sind kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit

Die Men­schen­rech­te ste­hen welt­weit un­ter Druck. Doch wie kon­se­quent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neu­es Buch nimmt die Schwei­zer Men­schen­rechts­po­li­tik kri­tisch un­ter die Lu­pe. An der Buch­vor­stel­lung im Squa­re wur­de über Wi­der­sprü­che, Ver­säum­nis­se und mög­li­che Lö­sun­gen dis­ku­tiert.

Von Marion Loher,
3 F1 A4812 web

Die Po­li­zei woll­te nichts se­hen und nichts hö­ren

In ei­ner Ten­nis­hal­le im tog­gen­bur­gi­schen Un­ter­was­ser tra­fen sich vor zehn Jah­ren 5000 Neo­na­zis zum gröss­ten Rechts­rock-Kon­zert, das je im deutsch­spra­chi­gen Raum statt­ge­fun­den hat. Lin­ke Po­li­ti­ker:in­nen re­agier­ten schnell, doch das Er­geb­nis ist er­nüch­ternd.

Von Hans Stutz,
2610 RIO Saalbild

Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater

Ver­schwun­de­ne Na­men im Fa­mi­li­en­stamm­baum

Von Sieglinde Wöhrer,
Leopoldstadt R anjakoehler 260217 1

Stimmrecht

Im Re­gen tan­zen

Von Liliia Matviiv,

Ern­ten in der Grau­zo­ne

Ern­te­hel­fer:in­nen sind in der Schweiz schlecht ge­schützt. Ih­re Ar­beits­be­din­gun­gen lie­gen oft in Grau­be­rei­chen, Kon­trol­len sind schwie­rig. Ei­ne Ver­än­de­rung wür­de je­doch be­deu­ten, ein gan­zes Sys­tem auf den Kopf zu stel­len.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
2610 Erntehelferei 260044 us 0218 max

Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty

Gran­dio­se Gro­tes­ke

Von Florian Vetsch,