Daniel Locher, 27. August 2014 um 13:03 Uhr Ob die Ablehnung der Stadt als ein Akt der Moralisierung gewertet werden soll, kann diskutiert werden. Für mich steht aber eher die Frage im Mittelpunkt, ob ein öffentliches Plakat nur noch mit Nacktheit auf - in diesem Beispiel - das grosse Schaffen der Künstlerin hingewiesen werden kann. Ich denke, es gibt andere Wege, die jetzt auch eingeschlagen worden sind.
Richy, 25. August 2014 um 18:52 Uhr Ständig werden wir in sämtlichen Medien mit Nacktheit konfrontiert, zumeist mit weiblicher Nacktheit bis hin zum Obszönen. Dass ausgerechnet wieder ein Nacktfoto als Ausstellungstück gewählt wurde, obwohl T. Modotti eine Vielzahl von Fotografien mit Aussagekraft herstellte, kann ich nicht verstehen. Ist unser Blick inzwischen so `geschärft` , dass wir nur noch über derartige Inszenierungen auf die Kunst aufmerksam machen können und somit wie gehabt die nackte Frau als Blickfang herhalten muß. Wer das kritisch betrachtet, wird heute als sexualfeindlich stigmatisiert. Es zeigt sich in dem obigen Artikel über T. Modotti, es geht nur noch um das Aktfoto , Brüste, Schamhaare anstatt um das soziale Engagement der Künstlerin und ihre Aufnahmen von demonstrierenden Landarbeitern, Indiofrauen und Kindern, Szenen aus der modernen Industrie (Gastank, Telegraphendrähte) und ihre eindrucksvollen Kompositionen aus Symbolen der mexikanischen Revolution: Patronengurt, Maiskolben, Sichel und Gitarre.
Meinrad Angehrn, 25. August 2014 um 16:13 Uhr Auf diese Weise erscheint es tatsächlich verkürzt. Ich denke namentlich an den sich steigernden Einfluss der sozialen Medien, die von US-Konzernen betrieben werden, deren Einfluss selbstredend bis hierher reicht und die sich nicht zu schade sind, sogenannt "explizite" Inhalte rigoros zu zensieren. Sollten Sie mit mir einig gehen, dass sexueller Moralismus hierzulande derzeit wieder Aufwind erhält, so haben Sie, maja, vielleicht eine Idee, woher das (abgesehen von der religiösen Ecke) kommen könnte.
maja, 25. August 2014 um 10:52 Uhr Naja, lieber Meinrad Angehrn, den prüden Amis die Schuld dafür geben, dass wir in St.Gallen ein Plakat mit Brüsten und Schamhaar nicht zeigen können, das dünkt mich jetzt doch ein wenig...hmmm...verkürzt? Grüsse aus Las Vegas
Meinrad Angehrn, 24. August 2014 um 17:35 Uhr Ich habe den noch etwas unbestimmten Eindruck, dass seit einiger Zeit ein neuer Wind des sexuellen Moralismus durch die Landen weht. Auf der einen Seite ist im Internet alles Erdenkliche (und nicht Erdenkliche) an Pornographie verfügbar. Auf der andern Seite gibt es moralische Bedenken, wenn in der übrigen Öffentlichkeit wie etwa in der Presse oder in der Politik (oder im Facebook) Sexuelles mit identifizierbaren Personen in Verbindung gebracht wird, was nicht bedeutet, dass dieselbe Presse solcherlei anschliessend nicht mit Gusto ausweidet. Dafür gibt es einen etwas abgeschmackten Begriff: Doppelmoral. Der Vergleich von Indermaur mit den Plakaten des Bundesamtes für Gesundheit zur HIV-Prävention hält aber ohnehin nicht ganz stand, weil es sich in diesem Fall zwar jeweils um die Darstellung eines Akts handelt, die Darstellungen selbst aber meines Erachtens überhaupt keine künstlerischere Akte sind, ganz im Gegensatz zum ursprünglich geplanten Plakat, wie es hier im Artikel besprochen und gezeigt wird. Woher der neuartige Moralismus kommt, ist mir nicht ganz klar, denn er stammt offensichtlich nicht ausschliesslich aus der religiös-fundamentalen Ecke. Meine Vermutung geht dahin, dass das Ganze (wieder einmal) mit der zeitgenössischen Lebensweise in den USA zu tun hat und dortige, ursprünglich puritanisch angehauchte Tabus nach Europa (zurück-)schwappen, vielleicht nicht zuletzt wegen der neuen fünften Gewalt im Gemeinwesen: den sozialen Medien.
samuel zuder, 24. August 2014 um 10:20 Uhr unglaublich ... dass kunst heute mit kommerzieller sexualisierung verwechselt und deshalb aus fadenscheinigen moralischen und pc-gründen aus der öffentlichkeit wegzensiert wird. als sexistischer pornograph war mir weston bisher noch nicht bekannt. wenn ein aktfoto die innere sicherheit oder den sozialen frieden der schweiz zu gefährden vermag, dann stimmt etwas nicht mit den politischen strukturen oder entscheidern und weniger mit dem bild selbst. samuel zuder - fotograf