Das Kind heisst etwas sperrig: «Unterstützung der Museen, Sammlungen und Netzwerke Dritter». Dahinter steckt aber Handfestes. Die Eidgenossenschaft leistet Beiträge an Institutionen, die als national bedeutend gelten und zur «Bewahrung des kulturellen Erbes» beitragen. Bis heute gehören dazu 13 Institute, vom Verkehrshaus oder dem Technorama über Tanzarchiv und Architekturmuseum bis zum Ballenberg. Die Liste ist historisch gewachsen, die Ostschweiz geht bisher leer aus.
Kloster- und Schriftgeschichte
Das soll sich ändern. Eine erste Initiative haben letztes Jahr die drei Ständeräte Paul Rechsteiner, Karin Keller-Sutter (SG) und Ivo Bischofberger (AI) gemeinsam mit der Stiftsbibliothek unternommen. Ihr bereits weit gediehenes Projekt hat zum Ziel, die Stiftsbibliothek zum «schweizerischen Kompetenzzentrum für Kloster- und Schriftgeschichte» auszubauen. Im Boot sind neben St.Gallen die Bibliothekare von 14 anderen Schweizer Klöstern – Ziel wäre ein jährlicher Beitrag des Bundes von 250’000 Franken.
Argumentiert wird zum einen mit der Ausstrahlung der Stiftsbibliothek als «bestbesuchtes Museum der Ostschweiz» mit 120’000 Besuchern jährlich, andrerseits mit dem Knowhow von Stiftsbibliothek und Stiftsarchiv. Die Kloster- und Schriftgeschichte sei «ein grundlegendes Element der politischen und kulturellen Entwicklung der Schweiz» – jetzt gehe es darum, den «verantwortungsvollen Umgang mit dem klösterlichen Erbe in einer Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs» zu stärken. Und das könne der Katholische Konfessionsteil allein nicht leisten.
Kommission erhöht das Tempo
Die Chancen, dass das Ostschweizer Anliegen in Bern Gehör findet, sind zumindest seit letzten Donnerstag gestiegen – da behandelte die zuständige Ständeratskommission die Kulturbotschaft für die Jahre 2016 – 2020. Der Entwurf von Bundesrat Alain Berset sah vor, an den bisherigen 13 Institutionen vorläufig festzuhalten, sie aber zu evaluieren und ab 2020 weitere oder andere Häuser mitzufinanzieren. Die Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur WBK des Ständerats erhöht jetzt den Druck: Sie beantragt, den Betrag um 3 Millionen Franken aufzustocken und die Förderung der Museen schon vor Ablauf der Fünfjahresperiode auszuweiten: ab 2017, mit Wirkung ab 2018.
Dafür hat sich namentlich der Innerrhoder Ständerat Ivo Bischofberger in der WBK stark gemacht. Sein St.Galler Kollege Paul Rechsteiner schätzt auf Anfrage die Erfolgschancen im Stöckli als günstig ein. «Das Projekt ist unterwegs und in Bern angekommen», sagt er. «Unverständlicherweise» sei die Stiftsbibliothek bisher nicht auf dem Radar der Bundesförderung gewesen, eine Folge der «typisch ostschweizerischen Bescheidenheit». Dabei gebe es von der Bedeutung her hierzulande schlicht nichts Vergleichbares.
Textilmuseum…
Parallel dazu gibt es Bemühungen, das St.Galler Textilmuseum in die nationale Förderpolitik einzubringen als Kompetenzzentrum für die Textilgeschichte und deren Einfluss auf die schweizerische Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Tobias Forster, Präsident des Trägervereins, argumentiert damit, dass das Museum nicht nur die Ostschweizer, sondern die Schweizer Textilgeschichte repräsentiere – und diese wiederum sei fundamental für das Verständnis der Schweizerischen Industriegeschichte überhaupt. «Fast alles, ausser der Uhrenindustrie, ist aus der Textilindustrie hervorgegangen, von der Basler Chemie bis zur UBS und bis zum Erscheinungsbild ganzer Regionen», sagt Forster. Entsprechendes Gewicht müsste das St.Galler Museum als «textiles Gedächtnis» der Schweiz haben. Dazu bräuchte es aber zusätzlich zu den heutigen Beiträgen von Kanton und Stadt St.Gallen sowie der IHK «namhafte» Mittel – insbesondere für die Aufarbeitung der «Sammlung mit Weltgeltung».
… und Volksmusik-Zentrum
Ambitionen auf Bundes-Unterstützung hat auch das Roothuus in Gonten, Zentrum für Appenzeller und Toggenburger Volksmusik. Vor rund zehn Jahren gegründet, wird es heute von einer Stiftung und von den Kantonen AI, AR und SG, dem Bezirk Gonten und der AGG betrieben. Leiterin Barbara Betschart hofft, wie sie auf Anfrage sagt, auf die Kulturbotschaft als ein grundsätzliches «Statement» von Bundesrat und Parlament für die Kultur. Generell werde Kultur, und Volkskultur im besonderen, als eine Selbstverständlichkeit betrachtet – und komme bei Sparübungen oft als erste unter die Räder. Beiträge vom Bund wären sehr wichtig und könnten insbesondere den Aufbau von Datenbanken und die Forschung fördern.
Roland Inauen, Innerrhoder Landammann und Präsident des Stiftungsrats, ergänzt: Gonten arbeite dafür mit dem Haus der Volksmusik, mit der Klangwelt Toggenburg und anderen Institutionen zusammen und sehe sich als «regionales Zentrum mit nationaler Ausstrahlung». «Volkskultur ist per se regional – sonst ist es keine Volkskultur», sagt er. Das habe das Bundesamt für Kultur auch verstanden.
«Wichtig für die Wirtschaft»
Die Aufstockung des Betrags war in der Ständerats-Kommission umstritten. Und Sparanträge wird es mit Sicherheit auch in den Parlamentsberatungen geben. Die Kommission allerdings betonte, ein bemerkenswerter Satz: Kultur sei wichtig «für den Zusammenhalt und die Wirtschaft des Landes». Sie müsse deshalb «trotz der derzeitigen schwierigen Finanzlage» gefördert werden. Sie stellte sich daher hinter den Gesamtbetrag von 1,12 Milliarden Franken für die kommenden fünf Jahre – eine Minderheit der Kommission fordert vom Bundesrat hingegen Kürzungsvorschläge über rund 65 Millionen Franken.
Käme die Kürzungsvariante durch, würden sich die Ostschweizer Hoffnungen wohl zerschlagen. Am 12. März kommt die Kulturbotschaft als Erstrat in den Ständerat. Noch sind die Aussichten gut.
Die Kulturbotschaft ist Thema beim Besuch von Bundesrat Alain Berset in der Ostschweiz: Am Montag 30. März referiert und diskutiert er mit Ostschweizer Fachleuten in der St.Galler Lokremise unter dem Titel «Kultur?? Kultur!! Die nationale Kulturpolitik und die Ostschweiz». Saiten organisiert den Anlass mit – weitere Infos dazu im Märzheft.
Der St.Galler Kunstkiosk wird fünfzehn Jahre alt. Gefeiert wird das mit einer Jubiläumsausstellung im ehemaligen Tiffany Night Club. Die Vernissage ist am 12. September. Saiten hat schon vor der Eröffnung vorbeigeschaut.
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Zum 36-jährigen Bestehen seiner Galerie Macelleria d'arte transformiert Francesco Bonanno ein leerstehendes Gebäude am Roten Platz in St.Gallen in ein buntes Haus voller Kunst. Was als kleines Projekt begann, wuchs zu einem Gemeinschaftswerk von fast 100 Kunstschaffenden.
St.Gallen und Luzern haben mehr gemeinsam, als man zunächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Saiten-Redaktion in St.Gallen unterwegs.
Von St.Gallen bis nach Südafrika. Ein Ostschweizer Ehepaar reist im Landrover Defender um die Welt. Ihre Erlebnisse halten die Baumelers mit einer Kamera fest. Nun erscheint ihr Film Immer weiter in Ostschweizer Kinos – eine ehrliche Dokumentation, der eine Einordnung gut getan hätte.
«Open House St.Gallen»
Museum Herisau
Das Küefer-Martis-Huus in Ruggell widmet sich in einer Retrospektive der Wiederentdeckung einer völlig übersehenen Künstlerin: Maggy Mauritz war eine Pionierin der Graffitikunst und des Lettrismus.
Jakob Lütschg kehrte nie nach Balgach zurück. 82 Jahre nach seinem Tod im Konzentrationslager Buchenwald kehrt wenigstens sein Name heim. Der erste Stolperstein im St. Galler Rheintal erinnert an ein Leben, das beinahe vergessen ging.
Musik am See
Torreich, spannend und doch enttäuschend - nur eine Viertelstunde guter Fussball reicht halt nicht zum Punkt gegen Thun.
Nach Jahrzehnten treffen sich Eva und Franz wieder. Beide im fortgeschrittenen Alter. Viel ist passiert und doch ist da noch Zuneigung. Schwindlig heisst der neue Roman der Ostschweizer Autorin Christine Fischer, in dem vielschichtige Charaktere auf feines Sprachgefühl treffen.
Dieses Wochenende eröffnet die offene Werkstatt Meter den neuen Standort an der Burgstrasse. Und im November zügelt Offcut nach St.Fiden. Das ist der Anfang vom Ende der Gemeinschaft «Ulmen5» – zumindest in ihrer bisherigen Form. Denn 2027 könnte es zur teilweisen Wiedervereinigung kommen.
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St. Gallen schlägt sich am Ende auch selbst und muss den Traum von Europa begraben. Entscheidend war er Platzverweise gegen Mihailo Stevanovic vor der Pause.
Drei Kulturmagazine tun sich zusammen, vergleichen ihre Städte und die Herausforderungen, denen die Kultur gegenübersteht. Saiten hat die Kolleg:innen vom «Coucou» in Winterthur besucht und das «Null41» war in St.Gallen zu Besuch. Ausserdem im Septemberheft: lauter Jubiläen – von Anita Zimmermann über das Figurentheater bis zur Museumsnacht –, ein Pfarrer auf braunen Abwegen, eine Flaschenpost aus Afghanistan und ein Interview zum Hitzesommer und dem Klimawandel.
An seiner ersten Pressekonferenz als Leiter der St.Galler Kellerbühne schildert Hüseyin Cirpici seine Eindrücke der Stadt und verrät, was das Publikum unter seiner Regie erwartet.
Der St.Galler Komponist Charles Uzor hat eine Art politisches Oratorium geschrieben. Am Sonntag wurde es in der Kirche Trogen aufgeführt: The Great Wall. A Labyrinth mit dem grandiosen New Yorker Vokalensemble Ekmeles.
An den Appenzeller Bachtagen erklärte die Medienwissenschaftlerin Mercedes Bunz, weshalb die künstliche Intelligenz kreativ sein kann – und warum sie dennoch grundlegend anders arbeitet als der Mensch.
Kunstausstellung