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Ständeräte wecken Kulturhoffnungen

Die Stiftsbibliothek hofft auf Fördergelder vom Bund – und nicht nur sie allein. Damit geht es jetzt einen Schritt vorwärts: Die Ständerats-Kommission beantragt in der Kulturbotschaft 2016 - 2020 eine Budget-Erhöhung.
Von  Peter Surber

Das Kind heisst etwas sperrig: «Unterstützung der Museen, Sammlungen und Netzwerke Dritter». Dahinter steckt aber Handfestes. Die Eidgenossenschaft leistet Beiträge an Institutionen, die als national bedeutend gelten und zur «Bewahrung des kulturellen Erbes» beitragen. Bis heute gehören dazu 13 Institute, vom Verkehrshaus oder dem Technorama über Tanzarchiv und Architekturmuseum bis zum Ballenberg. Die Liste ist historisch gewachsen, die Ostschweiz geht bisher leer aus.

Kloster- und Schriftgeschichte

Das soll sich ändern. Eine erste Initiative haben letztes Jahr die drei Ständeräte Paul Rechsteiner, Karin Keller-Sutter (SG) und Ivo Bischofberger (AI) gemeinsam mit der Stiftsbibliothek unternommen. Ihr bereits weit gediehenes Projekt hat zum Ziel, die Stiftsbibliothek zum «schweizerischen Kompetenzzentrum für Kloster- und Schriftgeschichte» auszubauen. Im Boot sind neben St.Gallen die Bibliothekare von 14 anderen Schweizer Klöstern – Ziel wäre ein jährlicher Beitrag des Bundes von 250’000 Franken.

stibi2Argumentiert wird zum einen mit der Ausstrahlung der Stiftsbibliothek als «bestbesuchtes Museum der Ostschweiz» mit 120’000 Besuchern jährlich, andrerseits mit dem Knowhow von Stiftsbibliothek und Stiftsarchiv. Die Kloster- und Schriftgeschichte sei «ein grundlegendes Element der politischen und kulturellen Entwicklung der Schweiz» – jetzt gehe es darum, den «verantwortungsvollen Umgang mit dem klösterlichen Erbe in einer Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs» zu stärken. Und das könne der Katholische Konfessionsteil allein nicht leisten.

Kommission erhöht das Tempo

Die Chancen, dass das Ostschweizer Anliegen in Bern Gehör findet, sind zumindest seit letzten Donnerstag gestiegen – da behandelte die zuständige Ständeratskommission die Kulturbotschaft für die Jahre 2016 – 2020. Der Entwurf von Bundesrat Alain Berset sah vor, an den bisherigen 13 Institutionen vorläufig festzuhalten, sie aber zu evaluieren und ab 2020 weitere oder andere Häuser mitzufinanzieren. Die Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur WBK des Ständerats erhöht jetzt den Druck: Sie beantragt, den Betrag um 3 Millionen Franken aufzustocken und die Förderung der Museen schon vor Ablauf der Fünfjahresperiode auszuweiten: ab 2017, mit Wirkung ab 2018.

Dafür hat sich namentlich der Innerrhoder Ständerat Ivo Bischofberger in der WBK stark gemacht. Sein St.Galler Kollege Paul Rechsteiner schätzt auf Anfrage die Erfolgschancen im Stöckli als günstig ein. «Das Projekt ist unterwegs und in Bern angekommen», sagt er. «Unverständlicherweise» sei die Stiftsbibliothek bisher nicht auf dem Radar der Bundesförderung gewesen, eine Folge der «typisch ostschweizerischen Bescheidenheit». Dabei gebe es von der Bedeutung her hierzulande schlicht nichts Vergleichbares.

Textilmuseum…

Parallel dazu gibt es Bemühungen, das St.Galler Textilmuseum in die nationale Förderpolitik einzubringen als Kompetenzzentrum für die Textilgeschichte und deren Einfluss auf die schweizerische Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Tobias Forster, Präsident des Trägervereins, argumentiert damit, dass das Museum nicht nur die Ostschweizer, sondern die Schweizer Textilgeschichte repräsentiere – und diese wiederum sei fundamental für das Verständnis der Schweizerischen Industriegeschichte überhaupt. «Fast alles, ausser der Uhrenindustrie, ist aus der Textilindustrie hervorgegangen, von der Basler Chemie bis zur UBS und bis zum Erscheinungsbild ganzer Regionen», sagt Forster. Entsprechendes Gewicht müsste das St.Galler Museum als «textiles Gedächtnis» der Schweiz haben. Dazu bräuchte es aber zusätzlich zu den heutigen Beiträgen von Kanton und Stadt St.Gallen sowie der IHK «namhafte» Mittel – insbesondere für die Aufarbeitung der «Sammlung mit Weltgeltung».

… und Volksmusik-Zentrum

Ambitionen auf Bundes-Unterstützung hat auch das Roothuus in Gonten, Zentrum für Appenzeller und Toggenburger Volksmusik. Vor rund zehn Jahren gegründet, wird es heute von einer Stiftung und von den Kantonen AI, AR und SG, dem Bezirk Gonten und der AGG betrieben. Leiterin Barbara Betschart hofft, wie sie auf Anfrage sagt, auf die Kulturbotschaft als ein grundsätzliches «Statement» von Bundesrat und Parlament für die Kultur. Generell werde Kultur, und Volkskultur im besonderen, als eine Selbstverständlichkeit betrachtet – und komme bei Sparübungen oft als erste unter die Räder. Beiträge vom Bund wären sehr wichtig und könnten insbesondere den Aufbau von Datenbanken und die Forschung fördern.

Roland Inauen, Innerrhoder Landammann und Präsident des Stiftungsrats, ergänzt: Gonten arbeite dafür mit dem Haus der Volksmusik, mit der Klangwelt Toggenburg und anderen Institutionen zusammen und sehe sich als «regionales Zentrum mit nationaler Ausstrahlung». «Volkskultur ist per se regional – sonst ist es keine Volkskultur», sagt er. Das habe das Bundesamt für Kultur auch verstanden.

«Wichtig für die Wirtschaft»

Die Aufstockung des Betrags war in der Ständerats-Kommission umstritten. Und Sparanträge wird es mit Sicherheit auch in den Parlamentsberatungen geben. Die Kommission allerdings betonte, ein bemerkenswerter Satz: Kultur sei wichtig «für den Zusammenhalt und die Wirtschaft des Landes». Sie müsse deshalb «trotz der derzeitigen schwierigen Finanzlage» gefördert werden. Sie stellte sich daher hinter den Gesamtbetrag von 1,12 Milliarden Franken für die kommenden fünf Jahre – eine Minderheit der Kommission fordert vom Bundesrat hingegen Kürzungsvorschläge über rund 65 Millionen Franken.

Käme die Kürzungsvariante durch, würden sich die Ostschweizer Hoffnungen wohl zerschlagen. Am 12. März kommt die Kulturbotschaft als Erstrat in den Ständerat. Noch sind die Aussichten gut.

 

Die Kulturbotschaft ist Thema beim Besuch von Bundesrat Alain Berset in der Ostschweiz: Am Montag 30. März referiert und diskutiert er mit Ostschweizer Fachleuten in der St.Galler Lokremise unter dem Titel «Kultur?? Kultur!! Die nationale Kulturpolitik und die Ostschweiz». Saiten organisiert den Anlass mit – weitere Infos dazu im Märzheft.

 

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