Kategorie
Autor:innen
Jahr

Die «besorgten Bürger» und der Weltfrieden

Die SVP will mehr Soldaten: Wie viele, das bleibt gegen oben offen. Am Montagabend fuhr die personifizierte Militaria der Partei im thurgauischen Egnach zur Offensive gegen die Armeereform 21 auf, die das Heer auf 100'000 Soldaten limitiert.
Von  Harry Rosenbaum

Das in der Luft liegende Motto beim Armee-Podium der SVP im Landgasthof Seelust lautete: Raus aus den Schützengräben und los auf die Armeereform 21 und die rot-grünen Armee-Abschaffer!

Erstes Ziel der Attacke: ein bürgerliches Parlament bei den eidgenössischen Wahlen und anschliessend die Installation eines bürgerlichen Bundesrates. Dafür fochten mit den Argumenten der Ewiggestrigen Div. aD Peter Regli, der 1999 nach der Bellasi-Affäre den Abschied als Schweizer Geheimdienstchef nehmen musste, Oberst Fabian Ochsner (Vizedirektor Rheinmetall Air Defence), Urs Engeli (Verkaufsleiter Mowag), Verena Herzog (NR SVP/TG) und Hermann Hess (NR-Kandidat FDP/TG).

Moderiert wurde das einseitig auf extreme Armee-Befürworter zugeschnittene Podium von Peter Forster, Chefredaktor des «Schweizer Soldat». Er prägte mit Bezug auf die Armeereform 21 den Spruch: «Kampf gegen den Hunderttausend-Fetisch». Neben der Asylpolitik und dem Verhältnis zur EU das dritte Thema der SVP in diesem Wahlherbst.

Achtung: Die Dschihadisten kommen

Um dem Thema, das eigentlich auf die Sicherung der Schweizer Rüstungsindustrie abzielte, gerecht zu werden, müsse vertieft über die aktuelle Sicherheitslage auf der Welt gesprochen werden, sagte Ex-Geheimdienstchef Regli, der während seiner Amtszeit auch mit dem südafrikanischen Apartheidregime zusammenarbeitete.

«Ich bin ein sehr besorgter Bürger mit Blick auf die Sicherheitslage. Russland führt Krieg in der Ukraine und bedroht auch massiv die baltischen Staaten», umriss Regli sein Bild der Weltlage. «Zudem wuchert der Islamische Staat (IS) als Krebsgeschwür und macht immer mehr Metastasen.»

Als «sehr gefährlich» beurteilte der Ruheständler aus dem Bernbiet in diesem Zusammenhang die Dschihadisten, die nach Europa und auch in die Schweiz zurückkehrten. «Was mit den Flüchtlingsströmen an Schläfern kommt, wird uns noch beschäftigen». Überall fahre der Bund die Budgets hoch, nur nicht bei der Armee «Mit 100’000 Soldaten und Soldatinnen ist der Verfassungsauftrag der Schweizer Armee einfach nicht mehr zu erfüllen. Die Reform hat die Armee kaputt gemacht», behauptete der Div. aD. «Jetzt braucht es den Schulterschluss der Bürgerlichen, um diese Armee zu retten!»

Achtung: Rüstungsexporteure sind Moralisten

Die beiden Vertreter der Rüstungslobby, Ochsner und Engeli, bedienten die alte Leier: Ohne Waffenexporte stirbt die Schweizer Rüstungsindustrie. In einem solchen Fall kann sich das Land nicht mehr verteidigen und ist jedem Angreifer schutzlos ausgeliefert. Ochsner mokierte sich vor allem darüber, dass die Banken und Maschinenindustrie ohne die geringste Kritik Geschäfte mit Saudi-Arabien machen können. Wenn aber die Rüstungsindustrie dasselbe tue, heisse es Halt! – das geht nicht.

«Wir sind Moralisten», strich Ochsner heraus. «Uns geht es nur um Sicherheit und um nichts anderes.» Engeli sagte, dass die Schweizer Rüstungsindustrie, die aktuell zwischen 10’000 und 20’000 Leute beschäftige, den Waffenexport brauche, um in einer Extremsituation in der Lage zu sein, die Waffensysteme der Schweizer Armee warten zu können. Der inländische Auftrag garantiere auch die internationale Wettbewerbsfähigkeit. Diese sei nötig, um für die Schweizer Bewaffnung die nötige Qualität zu sichern.

Achtung: Linke Gutmenschen sind gefährlich

Die gelernte Kindergärtnerin und Sicherheitspolitikerin Herzog erklärte zu ihrem Weltbild: «Es wird immer Krieg geben, darum brauchen wir die Armee und die Rüstungsindustrie. Wer das nicht so sieht, wie die linken Gutmenschen, ist blauäugig und gefährlich.»

Hess weinte dem klaren Volks-Nein zur Gripen-Beschaffung am 18. Mai 2014 noch ein paar Tränen nach: «Unverständlich, dass ein derart sinnvolles Projekt torpediert worden ist. Die Schweizer Armee funktioniert nicht ohne Luftwaffe, sonst fliegen hier bald ausländische Armee herum.» Der freisinnige Thurgauer Unternehmer und Kantonsparlamentarier findet es «abstossend», dass bei der Schweizer Armee anstatt über den Auftrag immer über den Betrag gesprochen werde, den sie kostet.

Was an diesem Abend an Podiumsteilnehmern aufmarschiert ist, lässt vermuten, dass in der Tiefkühltruhe des Landgasthofes Seelust eine Truppe Kalter Krieger und Kriegerinnen aufbewahrt wird, die jeweils vor eidgenössischen Wahlen aufgetaut und als Schock-Nummer vorgeführt wird.

Jetzt mitreden:
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Dein Kommentar wird vor dem Publizieren von der Redaktion geprüft.

Vom Un­glück der Frau, die ihn ge­bo­ren hat

«Das Kind zu­rück­las­sen? Wie kann man so dumm und herz­los sein», schreibt der Schwei­zer Au­tor Lu­kas Bär­fuss über sei­ne Mut­ter, die kei­ne Mut­ter für ihn sein konn­te. In sei­nem neu­en Buch schaut er in die Ver­gan­gen­heit und hat Ver­ständ­nis, nicht für die Mut­ter, aber doch für die­se Frau, die nie Glück und im­mer zu we­nig Geld hat­te.

Von  Sieglinde Wöhrer
Jhqzg1tg 1 1 Stefano de Marchi

Lau­sanne-Ouchy vs. FCSG – St. Gal­len ist end­lich Cup­sie­ger!

Gaal, Gört­ler und Wit­zig schies­sen St. Gal­len zum lang­ersehn­ten Cup­sieg!

Von  SENF Kollektiv
Senf

Bis­se am Bo­den­see­ufer

Die Me­di­ka­men­ten­ver­su­che von Müns­ter­lin­gen als Teil ei­nes Vam­pir-Mu­si­cals? Auf die Idee muss man erst ein­mal kom­men. Die Büh­ne Mam­mern wagt den Ver­such. Ab 29. Mai im Zir­kus­zelt.

Von  Michael Lünstroth
Cast landscape

Zwi­schen Gleis, Ge­gen­wart und Ge­sell­schaft

Die dies­jäh­ri­ge Kul­tur­lands­ge­mein­de fin­det ent­lang der Bahn­li­nie zwi­schen Gos­sau und Was­ser­au­en statt. Es ist ein in­ter­dis­zi­pli­nä­res Ex­pe­ri­m­ent­zwi­schen Kunst, Ge­sell­schaft und Ak­ti­vis­mus. Aus­ser­dem stellt die Kul­tur­lands­ge­mein­de künst­le­risch und or­ga­ni­sa­to­risch die Wei­chen für die Zu­kunft.

Von  Philipp Bürkler
KULA Vorstand Oleksandra Tsapko

Ein Fes­ti­val für Punk­rock

Am Sams­tag fin­det in St.Gal­len erst­mals das Punk­fes­ti­val El Car­tel statt. Es soll da­zu bei­tra­gen, die Sze­ne zu stär­ken. Da­bei fehlt es ge­ra­de in St.Gal­len an Nach­wuchs.

Von  David Gadze
Yellow tales grabepunk

Wy­bora­da: Die fe­mi­nis­ti­sche Bi­blio­thek der Ost­schweiz

Seit 40 Jah­ren macht die Bi­blio­thek Wy­bora­da in St.Gal­len sicht­bar, was lan­ge fehl­te: Li­te­ra­tur von und über Frau­en. Heu­te sind Au­torin­nen und fe­mi­nis­ti­sche The­men zwar stär­ker prä­sent in der Öf­fent­lich­keit, doch die Re­le­vanz der Bi­blio­thek ist nach wie vor gross.

Von  Marion Loher
2605 Wyborada Laura Tura room

Or­ches­trier­ter An­griff ge­gen ex­ter­nen Auf­klä­rungs­un­ter­richt 

Mit ei­ner In­ter­pel­la­ti­on grei­fen SVP und EDU im St.Gal­ler Kan­tons­rat den aus­ser­schu­li­schen Auf­klä­rungs­un­ter­richt an. Und mit Un­ter­stüt­zung des «Leh­rer­netz­werks Schweiz» wol­len El­tern aus Büt­schwil ei­ne Mit­ar­bei­te­rin der Fach­stel­le für Aids- und Se­xu­al­fra­gen vor Ge­richt brin­gen. Da­hin­ter steckt ei­ne or­ches­trier­te Ak­ti­on.

Von  René Hornung
2502 Aufklaerung Badges Inv nr 1300

Brü­cke zwi­schen mu­si­ka­li­scher und sprach­li­cher Tra­di­ti­on

«Die­ci», die ita­lie­ni­sche Zahl für zehn, ist das Mot­to des dies­jäh­ri­gen Hei­den-Fes­ti­vals. Es ver­weist da­bei nicht nur auf das Ju­bi­lä­um, son­dern auch auf ei­ne kul­tur­po­li­ti­sche Hal­tung.

Von  Lilli Kim Schreiber
Heiden Festival Nicoals Senn Tom Rigney USA

Ein Ber­ner in St.Gal­len

Das St.Gal­ler Thea­ter Trou­vail­le ent­deckt den Mu­si­ker und Ju­ris­ten Ma­ni Mat­ter neu. «’S isch ei­nisch ei­ne gsy»– 90 Jah­re Ma­ni Mat­ter ver­bin­det zahl­rei­che Lie­der und li­te­ra­ri­sche Tex­te des Ber­ners zu ei­nem abend­fül­len­den Pro­gramm. Sai­ten hat mit dem Thea­ter­lei­ter Mat­thi­as Flü­cki­ger ge­spro­chen.

Von  Vera Zatti
Mani Matter Pressefoto

Naturmuseum Thurgau

Der Grim­bart zum An­fas­sen

Von  Vera Zatti
Dachs Illustration quer def 1

Ein Kurz­trip durch Schein­wel­ten

Vier Jah­re nach ih­rem De­büt keh­ren Lev Ti­gro­vich mit ei­ner neu­en EP zu­rück. Die­se han­delt von Kon­troll­ver­lust, Il­lu­sio­nen und gros­sen Ge­füh­len – und ent­hält erst­mals ei­nen Song, der nicht auf Rus­sisch ge­sun­gen ist.

Von  David Gadze
Lev Tigrovich Press Photo 4 Lena Frei

FC St. Gal­len vs. FC Thun 1:1 – Kein Sie­ger zwi­schen den bes­ten zwei Teams der Sai­son

Im letz­ten Spiel der Sai­son trifft der FC St.Gal­len auf den neu­en Schwei­zer Meis­ter aus Thun - ei­nen Sie­ger gibt es nicht.

Von  SENF Kollektiv
Senf

Phy­sik und er­schöpf­te Ma­schi­nen

Ca­li­ne Aoun in­ter­es­sie­ren die Mo­men­te der Ver­än­de­rung, die Über­gän­ge und Zu­stän­de. Ih­re Aus­stel­lung in Kunst­mu­se­um und Kunst­hal­le Ap­pen­zell wird zum En­de der sechs­mo­na­ti­gen Lauf­zeit ei­ne an­de­re sein als zu Be­ginn. 

Von  Kristin Schmidt
Kunsthalle Appenzell Caline Aoun 03 High Res RGB

Un­ter­schrift als Re­li­quie

Der 1100. To­des­tag von Wi­bora­da – In­klu­sin, Stadt­hei­li­ge und Pro­jek­ti­ons­flä­che – ist zur­zeit The­ma viel­fäl­ti­ger Ak­ti­vi­tä­ten. Zu den High­lights ge­hört ei­ne mut­mass­li­che Un­ter­schrift, zu be­sich­ti­gen in der Aus­stel­lung im St.Gal­ler Re­gie­rungs­ge­bäu­de.

Von  Peter Müller
Unterschriften2

Gastkommentar

Kul­tur­jour­na­lis­mus – ei­ne kul­tur­po­li­ti­sche Not­wen­dig­keit

Von  Johannes Sieber
Johannes sieber

Schü­ler:in­nen auf den Spu­ren Wi­bora­das

An­na Beck-Wör­ner hat ein Wi­bora­da-Un­ter­richts­heft er­ar­bei­tet. Im Pos­ten­lauf, der durch St.Gal­len führt, kön­nen Schü­ler:in­nen an­hand von Wi­bora­das Le­bens­weg lehr­plan­kon­form The­men wie Ge­mein­schaft, Le­bens­form, Bü­cher oder Iden­ti­tät er­ar­bei­ten.

Von  Kathrin Reimann
2605 Wyborada Laura Tura Crossing

Stras­sen­kunst als Ent­schleu­ni­gung

Am Wo­chen­en­de bringt das Auf­ge­tischt-Fes­ti­val wie­der über 100 Stras­sen­künst­ler:in­nen aus al­ler Welt in die Gas­sen der Stadt St.Gal­len. Wir ha­ben mit Dai­a­na Min­ga­rel­li vom Duo Dai­a­na Lou über die Ei­gen- und Be­son­der­hei­ten des Bus­king ge­spro­chen.

Von  Philipp Bürkler
Daiana Lou

Heavy Psych Sounds Fest

Fes­ti­val der schwe­ren Gi­tar­ren­klän­ge

Von  David Gadze
Weedpecker 25 BW 6 50

Ro­ter Tep­pich und ro­te Li­ni­en

Der pein­li­che bis in­halts­lee­re Auf­tritt des Tech-Fa­schis­ten Cur­tis Yar­vin hat die Be­richt­erstat­tung über das dies­jäh­ri­ge St.Gal­len Sym­po­si­um do­mi­niert. Am Mon­tag ha­ben – vor al­lem geis­tes­wis­sen­schaft­li­che – Ex­po­nent:in­nen der HSG in ei­nem öf­fent­li­chen Ge­spräch ver­sucht, Yar­vins lan­gen Schat­ten zu ver­we­deln.

Von  Roman Hertler
3 F1 A3554 web

Was­ser, Drag und Vir­gi­nia Woolf

Die St.Gal­ler Thea­ter­kom­pa­nie Roh­stoff zeigt am 22. und 23. Mai ihr ak­tu­el­les Thea­ter­stück in der Kel­ler­büh­ne. Wie in ei­nem Rausch er­zählt Or­lan­do* von Ge­schlech­ter­nor­men, Grenz­auf­lö­sun­gen und Ver­wand­lun­gen. 

Von  Vera Zatti
LUX 9420 JPG 1500 by Leni O