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Tanzmarathon nach Plan

Zum dritten Mal geht in der Lokremise das Festival Tanzplan Ost über die Bühne. Zwei Abende mit umfangreichem Programm hinterlassen sowohl gute Eindrücke als auch gemischte Gefühle. Stefan Späti berichtet.
Von  Gastbeitrag

St. Gallen ist in Bewegung. Während in den Gassen der Fest-Bär steppt, lädt TanzPlan Ost zum tänzerischen Marathon. Zum dritten Mal vereint das Festival in der Lokremise eine beachtliche Anzahl Tanzschaffender mit Bezug zur Region. Das Motto lässt Spielraum für Kreation und Interpretation: Neun Stücke an zwei Abenden sollen Grenzen überwinden – zwischenmenschliche, kommunikative und künstlerische. Dabei gibt es einiges zu sehen und zu hören, vom wilden Affentanz über Beziehungsknatsch inklusive Krampf-Kamasutra bis hin zur coolen Folklore. Neben inhaltlicher Vielfalt stösst die qualitative Umsetzung teilweise an Grenzen. Generell vermag das Programm des zweiten Abends tänzerisch mehr zu überzeugen.

King Kong trifft Strawinsky

Zwei Männer mit Affenmasken, eine blondgelockte Filmdiva und eine Regisseurin mit Megafon: das sind die Zutaten für „SAGRA“, das Eröffnungsstück des ersten Abends. Das Progetto Brockenhaus aus dem Tessin mischt überdrehte Pantomime mit einer Prise zappelnder Choreographie und unterlegt das Ganze mit Strawinskys fulminantem „Sacre du Printemps“. Das Ergebnis: Ohren öffnen, Blick senken, nächstes Stück bitte!

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„RUSH“, choreographiert von Jens Biedermann. Bild: Christian Glaus

Das kommt in Form von „RUSH“ des Winterthurer Choreographen Jens Biedermann. Vier Individuen sind gefangen in ihren eigenen Lichträumen, isoliert, bis sie schliesslich in einem fliessenden Quartett zusammen agieren. Dieser zarte Moment bildet den Höhepunkt der Choreographie, die ansonsten von akrobatisch-sportlichen Elementen dominiert wird und teilweise etwas schwerfällig wirkt. Einen Kontrapunkt dazu bildet „Akkumulation – eine Rekonspiration“. Tina Mantel setzt in ihrem Solo auf Wiederholung, Reduktion und Sprache. Inmitten der Bewegungen klärt sie das Publikum über Entstehung und Hintergrund ihrer Choreographie auf. Emotion hat in ihrer Form von Tanz keinen Platz, vielmehr spricht sie Kopf und Verstand an. Eine Darbietung, die an mathematische Formeln erinnert: klar, sauber, konkret – und der trockenen Mathematik zum Trotz auch etwas humorvoll.

Löst der Klang die Bewegung aus oder umgekehrt? In Renate Graziadeis Stück „da-zwischen“ (Bilder ganz oben und am Schluss des Texts) kommen beide Varianten vor. Die Choreographie entstand eigens für die diesjährige Ausgabe von TanzPlan Ost und vereint zehn Tänzerinnen mit zwei Musikern auf der Bühne. Zu einem teils meditativ anmutenden Klangteppich agieren die Frauen in der Gruppe, in kleinen Formationen und solistisch. Auffällig ist hier die Unterschiedlichkeit an tänzerischer Qualität. Damit steht und fällt die Choreographie, sie passt sich dem Niveau der Tänzerinnen an, produziert einzelne starke Momente, vermag es jedoch über weite Strecken nicht, eine eigene Sprache zu entwickeln.

Viel Intimes und eine Durststrecke

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Angela Rabaglio: wind-up birds and polaroid. Bild: Marco Wolff

Ganz anders bei Angela Rabaglio im ersten Stück am zweiten Abend. Ihr selbst choreographiertes und getanztes Solo „wind-up birds and polaroids“ verfügt über ein spezifisches Bewegungsvokabular. Ihr kraftvoller, geerdeter und dynamischer Tanz erinnert an die lauernde, kontrollierte Haltung aus dem Kampfsport, und doch ist der ganze Körper in Bewegung. Auflockerung in die konzentrierte Stimmung bringt „senses make sense“ von Kjersti SandstØ – ein Stück, das sich nicht allzu ernst nimmt. Ein verbissener klassischer Tänzer wird darin „weichgemacht“, er lässt sich von zwei Modernen von seiner starren Form inklusive erstarrtem Bühnenlächeln abbringen und entdeckt die Bewegung in Hüften, Schultern und Knien. Das ergibt ein charmantes Tanzstück mit hochelastischen Bewegungen und einer Tänzerin und zwei Tänzern, denen man gerne zusieht.

Dann wird es intim: Im Stück „paarweise“ scheinen Andrea María Méndez Torres und Sebastian Gibas erst ineinander kriechen zu wollen, um sich ganz plötzlich wie zwei wilde Stiere zu bekämpfen. Kraftvoll und mit viel Körpereinsatz steigern sich die beiden in ihrer Aggression, bis sie sich schliesslich beruhigen und über die eigene Sturheit amüsieren können. Der letzte Blick ins Publikum scheint zu sagen: „Kennt ihr doch alle auch!“

Ebenfalls eine Beziehungskiste thematisiert „Ich liebe dich aber du hinderst mich“ von Anja Reinhardt und Yuri Bongers. Was soll man dazu sagen? Durststrecke! Eine Mischung aus Paar- und Gruppentherapie unter Einbezug des Publikums und angestrengter Kopulation in allen möglichen Varianten. Die ganze Sache hat mit Tanz wenig zu tun und wird gespickt mit hilflosen Life- und Audiokommentaren („Bisch du mir nöööch?“). Danach fühlt man sich selbst bereit für eine Therapie, da hilft auch das leise Augenzwinkern nicht mehr.

Das letzte Stück macht’s wieder wett: In „JINX 103“ kommen mit József Trefeli und Gábor Varga zwei coole Jungs auf die Bühne, äusserlich sehr gegensätzlich, jedoch im Zusammenspiel der Bewegung symbiotisch. Sie kreieren Rhythmus mit Händen und Füssen, spielerisch, lebendig und authentisch. Ein Gute-Laune-Stück mit sympathischen Tänzern und ein schöner Abschluss von zwei intensiven Tanzabenden.

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Zehn Tänzerinnen, im Hintergrund Soundtüftler Strotter Inst: Szene aus „da-zwischen“. Bild:Jonas Baumann

TanzPlan Ost: weitere Aufführungen heute und morgen in der Lokremise St.Gallen, am 22./23. August im Tanzraum Herisau, am 31. Oktober/1. November im Phönix-Theater Steckborn . Infos zum Programm hier. Der Bericht auf art-tv hier.

Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

Von  Lilli Kim Schreiber
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Das Schö­ne an der Pro­vinz

St.Gal­len und Lu­zern ha­ben mehr ge­mein­sam, als man zu­nächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Sai­ten-Re­dak­ti­on in St.Gal­len un­ter­wegs.

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Auf der Su­che nach (Un)Ru­he

Von St.Gal­len bis nach Süd­afri­ka. Ein Ost­schwei­zer Ehe­paar reist im Land­ro­ver De­fen­der um die Welt. Ih­re Er­leb­nis­se hal­ten die Bau­mel­ers mit ei­ner Ka­me­ra fest. Nun er­scheint ihr Film Im­mer wei­ter in Ost­schwei­zer Ki­nos – ei­ne ehr­li­che Do­ku­men­ta­ti­on, der ei­ne Ein­ord­nung gut ge­tan hät­te.

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«Open House St.Gallen»

Of­fe­ne Tü­ren – tie­fe Ein­bli­cke

Von  Daria Frick
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Museum Herisau

Zeit­rei­se zu den An­fän­gen der Schul­bil­dung

Von  Redaktion Saiten
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Ein Rück­blick auf die ver­ges­se­ne Künst­le­rin Mag­gy Mau­ritz

Das Küefer-Mar­tis-Hu­us in Rug­gell wid­met sich in ei­ner Re­tro­spek­ti­ve der Wie­der­ent­de­ckung ei­ner völ­lig über­se­he­nen Künst­le­rin: Mag­gy Mau­ritz war ei­ne Pio­nie­rin der Graf­fi­ti­kunst und des Lett­ris­mus.

Von  Sieglinde Wöhrer
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Der lan­ge Weg nach Hau­se – ein Stol­per­stein für Ja­kob Lütschg

Ja­kob Lütschg kehr­te nie nach Bal­gach zu­rück. 82 Jah­re nach sei­nem Tod im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Bu­chen­wald kehrt we­nigs­tens sein Na­me heim. Der ers­te Stol­per­stein im St. Gal­ler Rhein­tal er­in­nert an ein Le­ben, das bei­na­he ver­ges­sen ging.

Von  Shqipton Rexhaj
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Musik am See

Pia­no­klän­ge für al­le

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FC St.Gal­len vs. FC Thun 3:4 – Es wird heu­te nicht mehr bes­ser

Tor­reich, span­nend und doch ent­täu­schend - nur ei­ne Vier­tel­stun­de gu­ter Fuss­ball reicht halt nicht zum Punkt ge­gen Thun. 

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Fast ein gan­zes Le­ben spä­ter 

Nach Jahr­zehn­ten tref­fen sich Eva und Franz wie­der. Bei­de im fort­ge­schrit­te­nen Al­ter. Viel ist pas­siert und doch ist da noch Zu­nei­gung. Schwind­lig heisst der neue Ro­man der Ost­schwei­zer Au­torin Chris­ti­ne Fi­scher, in dem viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re auf fei­nes Sprach­ge­fühl tref­fen. 

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Neu­start für Me­ter und Off­cut

Die­ses Wo­chen­en­de er­öff­net die of­fe­ne Werk­statt Me­ter den neu­en Stand­ort an der Burg­stras­se. Und im No­vem­ber zü­gelt Off­cut nach St.Fi­den. Das ist der An­fang vom En­de der Ge­mein­schaft «Ul­men5» – zu­min­dest in ih­rer bis­he­ri­gen Form. Denn 2027 könn­te es zur teil­wei­sen Wie­der­ver­ei­ni­gung kom­men.

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WG gaf­fen

Ei­ne neue SRF-Se­rie por­trä­tiert ei­ne elf­köp­fi­ge WG aus St.Gal­len. End­lich wie­der mal ei­ne se­hens­wer­te SRF-Pro­duk­ti­on, fin­det Sai­ten-Au­tor An­di Gi­ger.

Von  Andi Giger
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FC St.Gal­len vs. FC Nordsjæl­land 2:3 – St. Gal­len un­ter­liegt Nordsjæl­land

St. Gal­len schlägt sich am En­de auch selbst und muss den Traum von Eu­ro­pa be­gra­ben. Ent­schei­dend war er Platz­ver­wei­se ge­gen Mihai­lo Steva­no­vic vor der Pau­se.

Von  SENF Kollektiv
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Heftvorschau 09/26
Luzern Winti St.Gallen, Neonazipfarrer, A(nita) bis Z(immermann)

Drei Kul­tur­ma­ga­zi­ne tun sich zu­sam­men, ver­glei­chen ih­re Städ­te und die Her­aus­for­de­run­gen, de­nen die Kul­tur ge­gen­über­steht. Sai­ten hat die Kol­leg:in­nen vom «Coucou» in Win­ter­thur be­sucht und das «Null41» war in St.Gal­len zu Be­such. Aus­ser­dem im Sep­tem­ber­heft: lau­ter Ju­bi­lä­en – von Ani­ta Zim­mer­mann über das Fi­gu­ren­thea­ter bis zur Mu­se­ums­nacht –, ein Pfar­rer auf brau­nen Ab­we­gen, ei­ne Fla­schen­post aus Af­gha­ni­stan und ein In­ter­view zum Hit­ze­som­mer und dem Kli­ma­wan­del.

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Mehr Di­ver­si­tät, mehr Durch­mi­schung

An sei­ner ers­ten Pres­se­kon­fe­renz als Lei­ter der St.Gal­ler Kel­ler­büh­ne schil­dert Hü­sey­in Cir­pi­ci sei­ne Ein­drü­cke der Stadt und ver­rät, was das Pu­bli­kum un­ter sei­ner Re­gie er­war­tet.

Von  Daria Frick
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Him­mels­stür­mend und oh­ren­be­frei­end

Der St.Gal­ler Kom­po­nist Charles Uz­or hat ei­ne Art po­li­ti­sches Ora­to­ri­um ge­schrie­ben. Am Sonn­tag wur­de es in der Kir­che Tro­gen auf­ge­führt: The Gre­at Wall. A La­by­rinth mit dem gran­dio­sen New Yor­ker Vo­kal­ensem­ble Ek­me­les.

Von  Peter Surber
Charles Uzor photo Michel Canonica

Ma­schi­nen­in­tel­li­genz trifft den Ton, aber nicht die Mu­sik

An den Ap­pen­zel­ler Bach­ta­gen er­klär­te die Me­di­en­wis­sen­schaft­le­rin Mer­ce­des Bunz, wes­halb die künst­li­che In­tel­li­genz krea­tiv sein kann – und war­um sie den­noch grund­le­gend an­ders ar­bei­tet als der Mensch. 

Von  Philipp Bürkler
Bachtage ki und musik 1

Kunstausstellung

Kunst öff­net Tü­ren

Von  Vera Zatti
Arthur Stobete nah

Weis­ses Va­ku­um und ei­ne ro­te Kra­wat­te

Ge­sell­schafts­kri­tik, Wir­bel­säu­len und Ge­len­ke, die kei­ne sind. Im Rah­men ei­ner Zwi­schen­nut­zung zei­gen vier Kunst­schaf­fen­de noch bis zum 29. Au­gust ih­re Ar­bei­ten im Ku­bik-Are­al in St. Gal­len.

Von  Vera Zatti
Transluzent Saiten 5

Das Kreuz mit den Ga­gen

Die Kul­tur hat kei­ne Lob­by? Am Stadt­kul­tur­ge­spräch vom Don­ners­tag­abend im Tal­hof war sie da: Ver­tre­ter:in­nen von acht Be­rufs­ver­bän­den stell­ten sich vor. Bren­nends­tes The­ma wa­ren ein­mal mehr die Ho­no­ra­re.

Von  Peter Surber
Stadtkultur2