Farbig war St.Gallen am Wochenende, am buntesten ging es aber in der Grabenhalle zu und her. Dort stieg eine Gay-Party, die sich sehen lassen konnte – im Wortsinn.
Abseits von Museumsnacht, Weieren unplugged und anderen Grossanlässen feierte am Samstag in der Grabenhalle eine weniger mainstreamige Community ihre Kultur – so gab es Techno statt subtiler Akkustik und anstelle von teuren Bildern lebendige Kunstwerke zum Anfassen in Form von sechs wundervollen Drag-Queens.
Die «Pink Party», zum zweiten Mal in der Grabenhalle, ist nicht zu vergleichen mit anderen Events, an denen «richtige» Kleidung und Status manchmal mehr zählen als die gute Laune. Die schwul-lesbische-oder-was-auch-immer-Community ist da bekanntlich weniger streng und nimmt gerne alle auf, die ungehemmt mitfeiern, den Rausch des Moments und die Vielfalt des Lebens geniessen wollen. Von Vorteil dabei: Highheels, Federboas auf nackter Haut, Glitter und Leute, die es ordentlich krachen lassen wollen.
«Ich bin sehr zufrieden. Die Party ist wieder einmal legendär», sagt Veranstalter Dieter Sapper im Backstagebereich gegen halb zwei Uhr nachts. Er stammt aus Bregenz, trägt eine silberne Tiara und weisse Rüschen um seine Fesseln. Partys organisiert er seit vier Jahren. Zu seinen Füssen stapeln sich Koffer und Taschen voller Schminkutensilien, Glitterleggins und Schuhe, die so hoch sind, dass sie jeden Wasserrohbruch in der Lachen locker wegstöckeln würden.
Vor dem Spiegel sitzt Monique de la Fressange und richtet ihre Oberweite. Die Star-Drag-Queen mit den unendlich langen Wimpern wurde eigens für diese Party aus Frankfurt herkutschiert und kommt aus dem Schwärmen nicht mehr heraus: «Es ist toll hier und fühlt sich überhaupt nicht nach Arbeit an! Vielmehr wie ein Familienfest.» Sie mache das jetzt seit 14 Jahren und freue sich immer wieder auf die Gegend rund um den Bodensee, sagt sie und schnappt sich einen Prosecco aus dem Kühlschrank.
«Klar ist es einfacher, eine solche Party in einer Grossstadt aufzuziehen», räumt Dieter ein. «Aber wir wollen die Community auch in eher provinziellen Orten wie etwa dem Vorarlbergischen oder eben St.Gallen stärken.» Das habe man in den letzten Jahren geschafft – zusammen mit anderen, beispielsweise der LeSchwu-Partyreihe oder dem Nuts im Linsebühl. Randnotiz: Seit Freitag ist auch die Propeller-Bar in der ehemaligen Augustinersauna beim Bermudadreieck eröffnet, LeSchwu startet ab Oktober wieder.
«Unsere Partys sind natürlich nicht nur für Schwule oder Lesben», sagt Dieter, der tagsüber einen Beauty- und Wellnesssalon führt. «Bei uns tummeln sich ständig Heteros und Unentschlossene. Weil die Atmosphäre offener ist und die Feste ausgelassener.» Ein Blick auf die rund 150 Partygäste bestätigt das: Unter ihnen befindet sich fast die gesamte Slam-Fraktion, die nach der Museumsnacht Action suchte, ebenso einige übriggebliebene Rabiatisten.
Wer glaubt, es gehe hier nur um tanzen, saufen und fummeln, liegt falsch. Vieles dreht sich um Networking, den Zusammenhalt innerhalb der Szene. Und es geht auch um Politik: Für Vladimir Putin, Russlands Rainbow-Hitler (danke Hazel Brugger), haben Dieter und sein Partner Emanuel selbstverständlich nichts übrig. Sie zeigen ihm das, indem sie den russischen Wodka aus ihrem Sortiment gestrichen haben und stattdessen mit Absolute Wodka zusammenarbeiten, der in Schweden beheimatet ist. «Eigentlich halten wir ja nichts von Boykotten. In diesem Fall machen wir aber eine Ausnahme», erklärt Dieter. «Um unseren Brüdern und Schwestern in Russland Mut zuzusprechen, schicken wir ihnen regelmässig E-Mails und Fotos.»
Um die Szene noch mehr zu stärken, planen sie 2014 eine Miss-L-Girl-Wahl für Lesben und den ersten Christopher Street Day (CSD) im Vorarlberg. Zuerst stehe aber noch die Halloweenparty am 31. Oktober in Bregenz an, an der dieses Jahr die Sanktgaller DJane Tanja la Croix auflegen wird – sagen sie und schwirren ab Richtung Tanzfläche.
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