Kaum zwei Wochen ist es her, da wurde bekannt, dass eine Angestellte der Wiederkehr Getränke AG einen Wichser als Chef hatte. Über Jahre hinweg schaute er im Büro Pornos und onanierte vor seiner Mitarbeiterin. Als diese endlich ihr Schweigen brach, passierte, was nicht selten passiert in solchen Fällen: Sie verlor ihren Job, nicht etwa ihr Vorgesetzter. Erst als der Fall öffentlich Wellen schlug, wurde er entlassen. Und sie halbherzig repositioniert.
Die Wiederkehr AG gehört zur Brauerei Schützengarten. Dort war man natürlich peinlich berührt, aber dazu äussern wollte man sich nur zögerlich, per Medienmitteilung. Klare Kante gegen Sexismus? Fehlanzeige. Stattdessen wurde rumgeeiert. Von #metoo hat die männliche Chefetage offenbar noch nie etwas gehört. Oder – noch schlimmer – sie duldet eine sexistische, missbräuchliche Firmenkultur.
Das Zaudern bei Schüga stösst auch dem Palace sauer auf. Das St.Galler Kulturlokal ist langjährige Kundin und möchte das auch weiterhin bleiben – unter klaren Voraussetzungen: «Als Kundin der Brauerei Schützengarten wünschen, nein, fordern wir von Ihnen ein verbindliches firmeninternes Konzept zur Verhinderung von Sexismus, sexualisierter Gewalt und generell von schadendem Verhalten am Arbeitsplatz», schreibt das Palace am Donnerstag in einem Brief an den Geschäftsleiter von Schützengarten. «Es versteht sich von selbst, dass dieses Konzept auch für alle Tochterunternehmen gelten soll.»
Bis die Schützengarten AG ein verbindliches Konzept vorweise, «das den gesetzlich geforderten Schutz der Angestellten vor sexueller Belästigung gewährleisten kann», setzt das Palace die per Oktober 2022 eingeführte Preiserhöhung von Schützengarten nicht um, heisst es weiter. Stattdessen überweist das Kulturlokal die Differenz zwischen dem alten und neuen Preis dem Frauenhaus St.Gallen.
Ob das vorgewiesene Konzept den Anforderungen genüge, soll gemeinsam mit der Fachstelle für Gleichstellung des Kantons St.Gallen entschieden werden. Schützengarten soll mit dieser Kontakt aufnehmen. «Sollten Sie unser Anliegen eine blöde Idee finden und dem Schutz Ihrer Mitarbeitenden auch weiterhin nicht genug Stellenwert einräumen, behalten wir uns vor, eine Kooperation mit einer neuen Getränkelieferantin zu suchen».
Je nach dem, wie viel in den kommenden Wochen getrunken wird, kommt so einiges an Geld fürs Frauenhaus St.Gallen zusammen. Und dort wird es gebraucht: Seit Anfang Jahr gibt es kaum mehr freie Plätze, die Lage ist akut. «Wir freuen uns auf möglichst viele Nachahmer*innen und geben unseren Berechnungsschlüssel gerne weiter», schreibt denn auch das Palace in seinem Newsletter. Na dann, Prost!
'Man munkelt in einigen Orten zeigt man wieder Haltung'
Gastkommentar von Jacques Michel Conrad
Zum 20. Mal bringt das Kulturfestival internationale Entdeckungen und lokale Lieblingsbands in einen der schönsten Konzertorte St.Gallens. Zum Jubiläum blickt Organisator Lukas Hofstetter zurück – und behauptet sich zugleich in einem Musikgeschäft, das für kleinere Festivals immer schwieriger geworden ist.
Vor 40 Jahren gründete Felix Lehner in Beinwil am See die Kunstgiesserei, die 1994 nach St.Gallen zog. Und vor 20 Jahren entstand ergänzend dazu die Stiftung Sitterwerk, die unter anderem eine weltweit einzigartige Kunstbibliothek führt. Wir tauchen ein in diesen wundersamen Mikrokosmos im Sittertal. Ausserdem in der Juli/August-Doppelnummer: die unverzichtbaren Sommertipps, die Flaschenpost von Anna Stern aus Finnland und das Interview zum 100-Jahr-Jubiläum unserer Hausdruckerei Niedermann.
Florian Fuchs arbeitet an einer antik anmutenden, 2,5 Meter hohen Marmorstatue. Warum interessiert sich ein junger Bildhauer für diese klassische Herangehensweise? Ein Werkstattbesuch in Flawil.
Es war das Jahrzehnt der Kultur: In den 80ern kam die Stadt St.Gallen zu einer Kunsthalle, einem Programmkino, der Frauenbibliothek, der Grabenhalle, genossenschaftlichen Beizen und anderem. Wie das gelang und wer die Fäden zog, zeichnen Ralph Hug und Corinne Schatz im Buch Der grosse Aufbruch nach.
Das Filmdrama Fuori erzählt ein kurzes Kapitel der aussergewöhnlichen Lebensgeschichte italienischen Schriftstellerin, Schauspielerin und Widerstandskämpferin Goliarda Sapienza.
Mit verschreckten Securitys in einer bunten Inszenierung von Angelika Zacek präsentiert das Vorarlberger Landestheater in Bregenz Shakespeares Ein Sommernachtstraum.
Die St.Galler Festspiel-Oper spielt dieses Jahr im Haus statt auf dem Klosterplatz – ein Glücksfall für Verdis Aida, die menschlich und musikalisch in die Tiefe geht. Modestas Pitrenas dirigiert ein letztes Mal, Ben Baur inszeniert bildstark.
Im Werk 2 in Arbon dreht sich derzeit alles um Mythen. «Sehnsucht Mythos. Wie Geschichten unsere Welt gestalten» ist eine ästhetische Ausstellung, die mit ihrem sehr breiten Mythosbegriff arbeitet und vielfältige Geschichten unter einem Dach vereint.
Neue Eigenproduktion
Tunneleröffnung
Das musste ja so kommen! Es konnte nicht bei einem bleiben. Zum Glück! Jetzt gibt es das zweite grosse, schwere Psychobuch von Beni Bischof. Darin verwirbelt der Künstler erneut Eigenes, Fremdes, Befremdliches, Bekanntes, Neues, Unkenntliches mit lockerer Hand, Humor und Hintersinn.
Die Sonderausstellung «Baustelle Erinnerung / ‹Hitler entsorgen› – Arbeiten am belasteten Erbe» im Vorarlberg Museum in Bregenz beschäftigt sich damit, wie ein verantwortungsvoller Umgang mit Gegenständen aus der NS-Vergangenheit aussehen kann. Ausserdem berät das Museum Privatpersonen, die solche Gegenstände besitzen.
Forrer Stieger Architekten gelingt mit dem Dreifachkindergarten und der Tagesbetreuung im Heiligkreuzquartier in St.Gallen die Quadratur des Kreises.
Es geht um uns Menschen und unser sonderbares und verheerendes Verhalten. «Humans» heisst die grosse Einzelausstellung des Ostschweizer Künstlers Olaf Breuning. Viele Arbeiten sind speziell für die Schau im Museum Allerheiligen in Schaffhausen entstanden.
In Wil fand am Wochenende das Rock am Weier statt. Seit 25 Jahren gibt es das Festival, und trotz inzwischen grösserer Namen ist es immer noch kostenlos. Ein Verein organisiert es nicht-profitorientiert und fördert regionale Acts. Unsere Autorin ist an den Ort ihrer musikalischen Sozialisation zurückgekehrt. Eine Reportage.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Ausstellung im Museum Rosenegg
Kabarett in Herisau
Debatten um Machismus, Deepfake-Pornos, häusliche Gewalt und Femizide sind beinahe alltäglich. Was können Männer gerade tun, wenn sie unter Generalverdacht geraten? Frauenhausleiterin Katja Hämmerli Keller, Florance Hildebrand vom feministischen Streikkollektiv Thurgau und Manuel Benjamin Lehmann vom Forum Mann diskutieren Lösungsansätze.