Nach dem Aus der Bank Wegelin tut Konrad Hummler, was er am liebsten tut: die Welt erklären. Ob jemand dafür auch bezahlt, muss die Zukunft weisen.
Noch immer gibt es an der Museumstrasse 1 in St.Gallen eine Klingel, an der «Wegelin & Co. Privatbankiers» steht. Doch damit ist es vorbei, die Bank Wegelin ist Geschichte. Wie man mit Scheitern reich wird, das zeigt dieser Fall: Nach Schätzungen von «Der Sonntag» hat Konrad Hummler beim Notverkauf seiner Bank an Raiffeisen geschätzte fünfzig Millionen Franken eingestrichen.
Damit lässt sich als Sechzigjähriger ein bequemes Dasein fristen. Doch untätiges Herumsitzen ist nicht nach dem Geschmack des St.Gallers. Er bleibt aktiv, aber nicht mehr als Banker. Schon hat er eine neue Firma namens «M1 AG» gegründet. Deren Geheimnis ist gelüftet: Gegenüber dem Wirtschaftsmagazin «Bilanz» tat Hummler kund, er wolle eine Organisation aufbauen und wieder Anlagekommentare schreiben. So wie früher, als seine zweimonatlichen Exkurse in einer üppigen Auflage von 100’000 Exemplaren und in vier Sprachen erschienen. In gewissen Kreisen galten sie als «Prawda» des Neoliberalismus.
Im Unterschied zu früher wird man die Kommentare aber nicht mehr gratis erhalten, sondern man muss dafür zahlen. Der Preis ist noch nicht festgelegt. Der Markt wird zeigen, wie viele Anhänger für Hummlers kreativen Extremliberalismus zu zahlen bereit sind. Das Geschäft ist einigermassen risikoarm. Der moderne Hang zur Sektiererei füllt so manchem Wortführer ungeachtet der gebotenen Qualität die Taschen. Ausserdem ist die Firma mit einem Aktienkapital von 1 Mio. Franken absturzresistent.
Und Übung im Schreiben hat Konrad Hummler auch. Noch während den grössten Turbulenzen um seine Bank hatte er Zeit genug, in der NZZ philosophische Betrachtungen über den Schlaf anzustellen. Im letzten Februar gab er im «Schweizer Monat» von ex-Tagblatt-Redaktor René Scheu einen Essay unter dem Titel «Gedanken zu den strategischen Chancen der Schweiz in der neuen Welt(un)ordnung» zum Besten. Eine der Essenzen seines Nachdenkens lautet: «Es wird ein verschärfter globaler Wettbewerb um Wettbewerbsfähigkeit stattfinden.» Wer würde dem widersprechen? Leicht fliessen ihm auch Lehrsätze wie folgender aus der Feder: «Wer immer zu lange auf unverdienten Pfründen verharrt, wird untergehen.» Selbsterkenntnis?
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