In der aktuellen Ausgabe schreibt der «Saiten»-Korrespondent aus Schaffhausen, Florian Keller, über den mehr oder weniger neuen Blog «Verfaulte Geschichten». Die beiden Blogbetreiber beklagen in einem Eintrag von gestern, dass Kellers Bericht online nirgends zu lesen sei, hier ist er:
Niemand ist sicher vor Verfaulten GeschichtenSeit etwas mehr als zwei Monaten erfreut einneuer Kultur- und Politblog die SchaffhauserMedienlandschaft. «Verfaulte Geschichten»nennt sich das Projekt, in Anlehnung an einLied der seit zwölf Jahren aufgelösten SchaffhauserBand Böser Bub Eugen. Die Songzeile«was war gewesen und was gibt es noch zu tun»ist dem Blog nach eigenen Angaben Programm.Wenn auch nicht ausdrücklich deklariert, darfdurchaus angenommen werden, dass ebenfallsder Nation-of-Swine-Blog der «Woz»-RedaktorenDaniel Ryser und Carlos Hanimann Modellgestanden hat.Verfaulte Geschichten erscheinen seit demStart praktisch täglich, obwohl nur zwei Autorenmitwirken: Christian Erne und Jürg Odermatt,der eine Lehrer, der andere Autor, beideKulturveranstalter, beide Wortkampfsportler.«Wir sind keine Journalisten und schreibentrotzdem.» Sie betreiben den Blog, weil keineetablierte Publikation den Platz biete, den siebrauchten, um Öffentlichkeit zu schaffen.Verfaulte Geschichten deckt im wesentlichendrei Sparten ab: lokales Kulturschaffen,Politik und Medienkritik. Die Texte fächernsich vom mehrspaltigen Einwurf bis zum in derBloglandschaft fast unzumutbaren 20’000-Zeichen-Interview, häufig sekundiert von AudioundVideo-Trouvaillen. Regionalbezug wirdwo immer möglich hergestellt, und das brauchtRecherche. «Dorfleben» heisst konsequenterweiseeine der Hauptkategorien. Im Verbundmit «Polemik», «Konspiration», «Behauptung»oder «Propaganda» werden Protagonisten deskleinen Paradieses gnadenlos ins Fadenkreuzgenommen. Keiner ist sicher, nicht der Dorftrottel,nicht der Dorfhäuptling und schon garnicht der Dorfblattverleger. Nur wer etwas leistet,kommt ungeschoren davon. Das sind danndie fundierten Beiträge über Schaffhauser Kulturschaffende.Der neue Blog bezieht Stellung und verstecktsich nicht hinter einer Neutralitäts-Fassade, wie das derzeit so beliebt ist. Geradejetzt stehen die Waffennarren im Visier derAutoren. – In bester pazifistischer Traditionihrer Namensgeber Böser Bub Eugen, welchebereits für den GsoA-Sampler von 1992 gegenden Kauf von FA/18-Kampfflugzeugen ihr Lied«Nei Chasper, nei, es git kein Flüger» beigesteuerthaben (unvergessen auch: «Erwin undsein Sturmgewehr sind keine Freunde mehr /Er hats zum Altpapier gebracht / Erwin, dashast du gut gemacht!»). Wer sich für Waffengewaltstark macht, wie aktuell der Präsident derKantonalen Offiziersgesellschaft Harald Jenny,wird zu Recht durch den Kakao gezogen. DerText «Ich bin die NRA – wozu Harald Jennyheimlich headbangt» führt die feine Klinge derpolemischen Rhetorik.Verfaulte Geschichten biedert sich nichtan und das tut wohl in einer kleinen Stadt wieSchaffhausen, wo sonst niemand dem anderenzu stark auf die Füsse tritt. Wer Versöhnungsucht, kassiert den nächsten Schlag unter dieGürtellinie. Die verfaulten Geschichten halten,was sie versprechen. Sie sind polemisch,politisch hochgradig unkorrekt und verletzendscharf. Sensationell!
Ohm41 stellen wieder aus
Das Thurgauer Pop-Phänomen Noemi Beza veröffentlicht Anfang Juni ihre neue EP. You’ll Find Me There vereint Country-Vibes mit astreinem Pop – was man ein wenig vermisst, sind Ecken und Kanten.
Kolumne: Stimmrecht im Juni
Ausstellung in Herisau
Nach 22 Jahren gibt Matthias Peter die Leitung der St.Galler Kellerbühne ab. Vom Raum ist er nach wie vor begeistert. Aber dem Kabarett ging es auch schon besser, erzählt er im Gespräch.
Die Thurgauer Künstlerin Micha Stuhlmann befasst sich in ihrem neuen Projekt mit dem Dasein im Moment. Am 7. Juni findet dazu ein Workshop in St.Gallen statt und am 26. Juni zeigt sie mit ihrem Ensemble die finale Performance in Kreuzlingen.
Die Tonhalle Wil wurde 1876 eröffnet. Seither bereichert sie praktisch ununterbrochen das kulturelle Leben der Äbtestadt. An den kommenden zwei Wochenenden wird gefeiert.
Jonas Ulrich taucht mit seinem ersten Spielfilm in die Black-Metal-Welt ab. Wolves ist eine bildstarke Geschichte über Einsamkeit und das Dazugehören, voller Gegensätze und mit etwas holprigen Dialogen.
St.Gallen bewahrt nicht mehr nur 1000-jährige Handschriften. Mit dem Internet Archive Switzerland entsteht hier ein Archiv für Webseiten, künstliche Intelligenz und das digitale Gedächtnis der Zukunft.
Mit Internet Archive Switzerland entsteht in St.Gallen ein Ableger des grössten Archivs für Websiten und Künstliche Intelligenz weltweit. Ausserdem im Juniheft: Männer unter Generalverdacht, das grosse St.Galler 80er-Buch, das Abschiedsinterview mit dem langjährigen Kellerbühnenchef und die Flaschenpost aus Venedig.
Der WWF St.Gallen wird 50 Jahre alt. Sein Geschäftsleiter Lukas Indermaur zieht bei der Beurteilung der aktuellen Situation von Natur und Umwelt eine durchzogene Bilanz.
«Urs Frei. A – Z» im Kunstmuseum St. Gallen ist die erste Retrospektive zum ausserordentlichen Schaffen von Urs Frei (1958 – 2023). Rund 140 Arbeiten geben Einblick in ein Werk, das kaum zu fassen ist. Das gehört zu seiner Qualität.
Wie wollen wir künftig leben und unsere Nahrungsmittel produzieren? Die Ausstellung «How goes Tomorrow» der Ostschweizer Künstlerin Claude Bühler in der Shedhalle in Frauenfeld sensibilisiert für nachhaltige Handlungsstrategien.
«Das Kind zurücklassen? Wie kann man so dumm und herzlos sein», schreibt der Schweizer Autor Lukas Bärfuss über seine Mutter, die keine Mutter für ihn sein konnte. In seinem neuen Buch schaut er in die Vergangenheit und hat Verständnis, nicht für die Mutter, aber doch für diese Frau, die nie Glück und immer zu wenig Geld hatte.
Gaal, Görtler und Witzig schiessen St. Gallen zum langersehnten Cupsieg!
Die Medikamentenversuche von Münsterlingen als Teil eines Vampir-Musicals? Auf die Idee muss man erst einmal kommen. Die Bühne Mammern wagt den Versuch. Ab 29. Mai im Zirkuszelt.
Die diesjährige Kulturlandsgemeinde findet entlang der Bahnlinie zwischen Gossau und Wasserauen statt. Es ist ein interdisziplinäres Experimentzwischen Kunst, Gesellschaft und Aktivismus. Ausserdem stellt die Kulturlandsgemeinde künstlerisch und organisatorisch die Weichen für die Zukunft.
Am Samstag findet in St.Gallen erstmals das Punkfestival El Cartel statt. Es soll dazu beitragen, die Szene zu stärken. Dabei fehlt es gerade in St.Gallen an Nachwuchs.
Seit 40 Jahren macht die Bibliothek Wyborada in St.Gallen sichtbar, was lange fehlte: Literatur von und über Frauen. Heute sind Autorinnen und feministische Themen zwar stärker präsent in der Öffentlichkeit, doch die Relevanz der Bibliothek ist nach wie vor gross.
Mit einer Interpellation greifen SVP und EDU im St.Galler Kantonsrat den ausserschulischen Aufklärungsunterricht an. Und mit Unterstützung des «Lehrernetzwerks Schweiz» wollen Eltern aus Bütschwil eine Mitarbeiterin der Fachstelle für Aids- und Sexualfragen vor Gericht bringen. Dahinter steckt eine orchestrierte Aktion.