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Von Ausgräbern und Migrantinnen

Das Historische und Völkerkundemuseum St. Gallen rückt mit dem Ausstellungsprogramm 2016 ins Licht, was bis jetzt eher im Dunkeln lag: die Kantonsarchäologie und die italienische Migration in der Ostschweiz.
Von  Harry Rosenbaum

2016 feiert die St. Galler Kantonsarchäologie ihr 50jähriges Bestehen. Dass die Hinterlassenschaften früherer Generationen nicht einfach so im Boden wachsen würden, habe man bald einmal bemerkt, meint Kantonsarchäologe Martin Schindler an der Medienkonferenz des HVM am Mittwoch. Mit dem Einsetzen des Baubooms sei die Zahl archäologischer Grabungen stark angestiegen, sagte Schindler zur wachsenden Bedeutung seiner Disziplin. In der Öffentlichkeit sei das Interesse an der Archäologie gestiegen und die Leute, welche die Ausgrabungen besuchten, fragten jeweils gespannt: «Hend ehr scho öppis gfunde.» Darum auch der Titel der Ausstellung: «Etwas gefunden?»

Besonders spektakulär waren die Ausgrabungen in der Vergangenheit im Kanton St. Gallen nicht, obwohl man schon im 16. Jahrhundert auf einen Münzschatz aus der Römerzeit gestossen war. Im 19. Jahrhundert gab es dann einen Aufschwung, aber richtig Fuss fassen konnte die Kantonsarchäologie erst 1966 mit der Institutionalisierung. Die Ausstellung vom 1. Oktober 2016 bis Mitte 2017 zeigt die Entwicklung der Ausgrabungstätigkeit und präsentiert wichtige Funde.

Bilderreiche «Ricordi»

Um Erinnerung und Wertschätzung oder wie es der italienische Titel der Ausstellung sagt: «Ricordi e Stima» geht es beim Rückblick auf die italienische Einwanderung in die Ostschweiz zwischen 1945 und den 1980er-Jahren. «Die Migration und ihr Anteil am wirtschaftlichen Aufschwung wird vor allem anhand von Fotos gezeigt», sagt Marina Widmer vom Archiv für Frauen-, Geschlechter- und Sozialgeschichte der Ostschweiz. Die italienischen Vereine, welche die Ausstellung vom 5. März 2016 bis 29. Mai 2016 realisieren, haben Gastrecht im HVM. Gezeigt werden Profi- und Privatfotos. Die professionellen Bilder seien perfekt und ästhetisch, die privaten zeigten Einblicke in Familie, Arbeit und Vereinsleben, sagt Widmer.

Die italienischen Migranten hätten sich nicht sonderlich von der einheimischen Bevölkerung unterschieden. Sie seien aber von dieser kaum wahrgenommen worden, deshalb hätten sie eine Parallelgesellschaft gebildet, die stark durch das Vereinsleben geprägt worden sei. «Die Männer haben vor allem auf dem Bau und die Frauen in der Textilindustrie einen grossen Beitrag für die wirtschaftliche Entwicklung der Schweiz und für den Wohlstand im Land geleistet. Darüber wird aber kaum geredet», sagt die Soziologin.

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Verkürzte Weltreise

«Welten sammeln» – ab 12. März ist die neue Dauerausstellung im grossen Völkerkunde-Saal im Parterre des Museums zu sehen. Sie lädt zu einer verkürzten Weltreise ein, mit Stationen in Ozeanien, Amazonien, Altamerika, Afrika und Altägypten. Die ethnografische Sammlung des HVM umfasst heute rund 20’000 Objekte aus unterschiedlichsten Kulturen. Ihre Anfänge reichen bis in die 1860er-Jahre zurück. Den ersten Teil der Sammlung habe ein Lehrer beigesteuert, sagt Museumsleiter Daniel Studer. Die Dauerausstellung werde näher an die St. Galler Geschichte angebunden, vor allen an die Zeit des Stickerei-Booms, sagt Sammlungsleiter Achim Schäfer.

Japan fasziniert Europa

In der Ausstellung «Faszination Farbholzschnitt» vom 18. Juni 2016 bis am 29. Januar 2017 wird dem Einfluss Japans auf die europäische Kunst nachgespürt. Das Land der aufgehenden Sonne beeinflusste in den 1860er-Jahren in Paris mit seinen Farbholzschnitten verschiedene Künstler. Schnell verbreitete sich der «Japonismus» über ganz Europa. Mit den bunten Holzschnitten befasste sich in München auch die St. Galler Künstlerin Martha Cunz. In der Ausstellung des HVM steht ihr Schaffen, mit dem sie internationalen Ruhm erlangte, im Zentrum.

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Holzschnitt von Martha Cunz.

Tibet-Impressionen aus den 1930er-Jahren

1932 bereiste der deutsche Forscher Ernst Lothar Hoffmann in Westtibet buddhistische Klöster und dokumentierte diese zusammen mit seiner Frau. Durch das Buch Hoffmanns «Der Weg der weissen Wolken», das ein Bestseller wurde, ist im Westen massgeblich das Interesse an der Kultur Tibets geweckt worden. Hoffmann stieg zum Lama Angarika Giovinda auf. Die Ausstellung vom 26. November 2016 bis Ende 2017 zeigt Fotos und Zeichnungen aus der Govinda-Stiftung in Wien. Ergänzt wird sie mit Objekten aus der Sammlung Bordier in Gruyères und aus dem Bestand des HVM.

Bilder: Historisches und Völkerkundemuseum St.Gallen

 

Musik

Mehr als Jazz im Kult­bau

Von  Richard Butz
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«Die Wahr­neh­mung nicht be­die­nen, son­dern schär­fen»

Pa­trick Kess­ler er­hält den Aus­ser­rho­der Kul­tur­preis 2026. Der Kon­tra­bas­sist, Klang­künst­ler und Ku­ra­tor aus Gais reist mit al­ten Laut­spre­chern nach Wien und Ha­noi, tritt mit In­sek­ten in ei­nen mu­si­ka­li­schen Dia­log und fin­det sei­ne wich­tigs­ten Lek­tio­nen nicht un­be­dingt an Hoch­schu­len.

Von  Philipp Bürkler
Bassilikum 04

Mo­bi­li­täts­al­li­anz nimmt Fahrt auf

Die Mo­bi­li­täts­al­li­anz Ost­schweiz will Pend­ler:in­nen zum Um­stieg vom Au­to auf Bus, Bahn und Ve­lo be­we­gen. Bei den zehn be­tei­lig­ten Gross­un­ter­neh­men lässt be­reits je­de fünf­te Per­son das Au­to am Mor­gen ste­hen. Nun sol­len 500 wei­te­re Fir­men fol­gen. 

Von  Philipp Bürkler
Mobilitaetsallianz 1 philipp buerkler

Tu­bes, Pipe­lines, Cords

Au­gus­tin Re­be­tez macht kei­ne hal­ben Sa­chen. Sei­ne Kunst ist aus­ufernd und dicht zu­gleich. Er ent­wi­ckelt an­spie­lungs­rei­che Bild­wel­ten – ak­tu­ell in der Kunst­hal­le Ar­bon.

Von  Kristin Schmidt
Augustin Rebetez key visual Kunsthalle Arbon Augustin Rebetez

Zu hoch für Ap­pen­zell

Der Kan­ton Ap­pen­zell In­ner­rho­den plan­te am Lands­ge­mein­de­platz in Ap­pen­zell ein neu­es Ge­bäu­de für die Ge­rich­te, die Bi­blio­thek und die kan­to­na­le Ver­wal­tung. Die eid­ge­nös­si­schen Kom­mis­sio­nen für Na­tur- und Hei­mat­schutz und je­ne für Denk­mal­pfle­ge brach­ten das Pro­jekt je­doch zu Fall.

Von  René Hornung
Verwaltungsgebaeude appenzell pd

Offener Brief an die Bundespolitik

Wir wol­len Rech­te, kei­ne Al­mo­sen

Von  Christoph Keller

In­no­va­ti­on ge­hört zur DNA

Das Fi­gu­ren­thea­ter St.Gal­len wird 70. Was sich ver­än­dert hat, war­um Pup­pen Kin­der wie Er­wach­se­ne fas­zi­nie­ren und wie man auch Ju­gend­li­che er­rei­chen kann: ein Ge­spräch zum Ju­bi­lä­um.

Von  Peter Surber
Hochdruck Crasch Polizei 04665

Mit Sound und Vi­su­als ge­gen den Öko­kol­laps

Die zwei­te Aus­ga­be des au­dio­vi­su­el­len Fes­ti­vals Su­s­ur­rus in der Mü­le­nen­schlucht wid­met sich der «mehr-als-mensch­li­chen» Mit­welt. Mit akus­ti­schen und per­for­ma­ti­ven In­ter­ven­tio­nen er­kun­det das Fes­ti­val neue For­men der Be­zie­hung zwi­schen Mensch und Na­tur. 

Von  Lilli Kim Schreiber
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Un­ter­schied und Wir­kung

In der Aus­stel­lung «Die lei­sen Un­ter­schie­de» im Haus zur Glo­cke in Steck­born be­fas­sen sich fünf Künst­ler:in­nen mit der Wahr­neh­mung von Un­ter­schie­den. 

Von  Vera Zatti
03 Schuetz Chraeje n un Gwaage ss Foto

Kolumne: Heppelers Bestiarium

Cy­borg-Ka­ker­la­ken

Von  Jeremias Heppeler

Fu­rio­ses Klang­ge­wit­ter

Mit dem En­sem­ble TAK aus New York gas­tier­te am Diens­tag ein Neue-Mu­sik-Quin­tett von Welt­rang im St.Gal­ler Kult­bau. Or­ga­ni­siert vom Zy­klus Con­tra­punkt, hät­te der Abend mehr Pu­bli­kum ver­dient. Ein Bubble-Pro­blem?

Von  Peter Surber
Contrapunkt 1 martin fluege

Ne­an­der­tha­ler:in, ge­hüllt in Pink 

Das St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um öff­net in der neu­en Aus­stel­lung «Ste­reo­ty­pes: Ne­an­der­tha­le­rin» den Blick auf die­se Stein­zeit­men­schen. Die Schau mit viel Pink ver­knüpft ge­schickt Spiel mit Wis­sen­schaft und Ver­gan­gen­heit mit Ge­gen­wart.

Von  Vera Zatti
Stereotypes Kulturmuseum 2026 1

Neue Sai­son un­ter be­son­de­ren Vor­zei­chen

Das Thea­ter an der Gren­ze in Kreuz­lin­gen star­tet heu­te in die neue Spiel­zeit. Kürz­lich ver­starb die prä­gen­de Co-Prä­si­den­tin An­na Rink. Aus­ser­dem fällt der bis­he­ri­ge Spiel­ort im Kul­tur­zen­trum Kult-X bis En­de 2027 weg. Wie der Ver­ein die­se Hür­den meis­tert, er­zäh­len Prä­si­den­tin Vro­ni El­len­br­oek und Klaus Okraf­ka aus der Pro­gramm­lei­tung im In­ter­view.

Von  Judith Schuck
Theater an der Grenze Klaus Ofraka und Vroni Ellenbroek

FC St.Gal­len vs. FC Si­on – St. Gal­len un­ter­liegt Si­on mit 0:3

St. Gal­len star­te­te gut in die Par­tie, agier­te aber oft­mals zu um­ständ­lich ge­gen tief ver­tei­di­gen­de Sit­te­ner und blieb letzt­lich glück­los. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Dampf auf dem Kes­sel

Auf sei­nem neu­en So­lo­al­bum the­ma­ti­siert Ma­nu­el Stahl­ber­ger die Über­hit­zung. Die kli­ma­ti­sche, die ge­sell­schaft­li­che, die po­li­ti­sche. Ge­mein­sam mit Bit-Tu­ner hat der St.Gal­ler Mu­si­ker da­für ei­nen düs­te­ren, elek­tro­ni­schen Sound ge­fun­den.

Von  David Gadze
Manuel stahlberger bit tuner heiss pd

Von War­te­häus­chen und ehe­ma­li­gen Te­le­fon­ka­bi­nen

An Klein­bau­ten ge­hen wir oft acht­los vor­bei: Bus­war­te­häus­chen, öf­fent­li­che WCs, nicht mehr ge­brauch­te Te­le­fon­ka­bi­nen oder Feu­er­wehr- und Stras­sen­wär­ter­ma­ga­zi­ne. Ak­tu­ell gibt es da­zu ei­ne Aus­stel­lung im 1. Stock des Rat­hau­ses St.Gal­len.

Von  René Hornung
2 Tramhaeuschen Schibenertor

«Wie ein Vor­film des­sen, was auf uns zu­kom­men könn­te»

Bis 2050 will die Stadt St.Gal­len kli­ma­neu­tral sein. Ka­rin Hun­ger­büh­ler und To­bi­as Fi­scher-Künz­ler von der Dienst­stel­le Um­welt und En­er­gie be­ant­wor­ten Fra­gen zur be­vor­ste­hen­den Kli­ma­wo­che und zum Kli­ma­schutz in der Stadt.

Von  Reto Voneschen , Bilder:  Sara Spirig
2609 Redeplatz Karin Tobias 01

Metz­ger, En­gel, Him­mel und Tan­te Bergs Ro­sen­ge­büsch

Ani­ta Zim­mer­mann ali­as Lei­la Bock prägt die St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne seit Jahr­zehn­ten – als Künst­le­rin, als Ver­mitt­le­rin, als Er­mög­li­che­rin. Sie hat Wi­der­stän­de über­wun­den und an­de­re Künst­ler:in­nen im­mer wie­der her­aus­ge­for­dert. Ei­ne Wür­di­gung

Von  Angela Kuratli , Bilder:  Ladina Bischof
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«Nicht neu er­fin­den, was funk­tio­niert»

Die St.Gal­ler Mu­se­ums­nacht fin­det in die­sem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Ju­bi­lä­um blickt Ver­eins­prä­si­den­tin Bar­ba­ra Af­fol­ter zu­rück und nach vor­ne. Sie sagt, was die Mu­se­ums­nacht bis heu­te aus­macht und wo­hin sie sich ent­wi­ckeln soll.

Von  Marion Loher
Museumsnacht Kunstmuseum pd

Le­bens­be­ja­hen­de Wer­ke im Kunst­zeug­haus

Die Aus­stel­lung «Vol­ler Le­ben» des Ver­eins IG Hal­le Rap­pers­wil wirft Schlag­lich­ter auf künst­le­ri­sche Schaf­fens­pro­zes­se und ih­re Ver­bin­dun­gen zur Na­tur.

Von  Lilli Kim Schreiber
Regula Syz 2