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Von Tunnel zu Tunnel

Micha Stuhlmann über ihr Stück «Im Dunkelwasser fischen» und die Theaterarbeit mit Menschen mit und ohne Handicap.
Von  Peter Surber
Hanna Eikelenboom im «Dunkelwasser». (Bilder: ko-koo.com)

Kein Abend ist wie der andere. Wer Im Dunkelwasser fischen schon gesehen hat, bei der Premiere in Weinfelden, in der PH Kreuzlingen oder in Ittingen, wird bei den kommenden Aufführungen wieder Neues erleben. Für Micha Stuhlmann, die künstlerische Leiterin des Projekts, ist dies eine zentrale Qualität ihres Theaters. «Wir sind als Ensemble miteinander auf dem Weg. Es ist eine Form von Austausch, die viel Zeit braucht und deren Verlauf man nicht verordnen kann.» Auch live am Abend passieren Überraschungen – «das muss man aushalten».

Der enge Blick der «Normalos»

Das Ensemble von Dunkelwasser nennt Micha Stuhlmann «eine wilde Mischung»: zehn Personen aus unterschiedlichsten Ecken, teils Menschen mit kognitiver oder psychischer Beeinträchtigung, teils Profis mit Bühnenerfahrung. Sie haben das Stück aus ihren eigenen Biografien heraus erarbeitet, haben Szenen entwickelt und in eine gemeinsame Bühnenerzählung gebracht, und das wichtigste Arbeitsinstrument dabei war: Intuition.

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«Wir ‹Normalos› nehmen in Anspruch, dass unsere Sicht auf die Welt die richtige ist. Aber es gibt andere Gesichtspunkte, die dabei verloren gehen. Die Auseinandersetzung mit dem vermeintlich Vertrauten, mit dem Nicht-Wissen und Nicht-Wissen-Wollen, die Felder, die sich dabei auftun: Das finde ich unglaublich bereichernd», sagt Stuhlmann.

In diesen «weiten Feldern» ist die Thurgauer Theaterfrau seit vielen Jahren unterwegs. Sie hat mehrere Bühnenproduktionen mit wechselnden Ensembles im Thurgau entwickelt, darunter Wo ist Klara oder Nur mit mir allein zum Glück. Bisher stand hinter den Produktionen meist eine Institution, etwa der Bildungsklub Thurgau – Dunkelwasser ist jetzt ihr eigenes «Kind», mit dem Videospezialisten Raphael Zürcher und dem Musiker Marc Jenny als Mitstreiter und mit Hanna Eikelenboom, Urs Ilg, Lilli Stuhlmann, Franziska schramm, Monika Köhler, Tobias Schmidli, Marlies Verhofnik, Johannes Widmer, Kurt Riederer und Gerda Löw.

Im Dunkelwasser fischen:
11. Juni, 19.30 Uhr, Lokremise St.Gallen
,
12. Juni, 19 Uhr, Werkstatt Stadttheater Konstanz,
18. Juni, 19.30 Uhr, Phönix Theater Steckborn
Infos: ko-koo.com

«Inklusion verunsichert viele»

Ihre Rolle als Leiterin und Profi sei es, einen Rahmen zu bieten, in welchem die Mitspieler mit ihren Geschichten, ihrer Eigenwilligkeit, auch ihren zum Teil «schweren Lasten» Platz haben und sich entfalten können. Die Arbeit, im Ensemble und einzeln, sieht sie als gemeinsame Entdeckungsreise. Mit einem einprägsamen Bild umschrieben: «Jeder, ob sogenannt normal oder behindert, bewegt sich in seinem eigenen Tunnelsystem. Unsere Theaterarbeit versucht, Verbindungsgänge zu graben zwischen den verschiedenen Tunnels.»

Menschen mit Handicap selbstverständlich einzubeziehen: Das ist das Thema der Stunde, nicht nur in der Kunst, sondern auch in der Schule. Ein dornenreiches Thema; unsere Zeit sei von Verunsicherungen auf allen möglichen Ebenen geprägt – entsprechend mache Inklusion vielen Leuten Angst. «Aber an alten Ausschlüssen und Norm-Vorstellungen festzuhalten: das ist vorbei», sagt Micha Stuhlmann.

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Dieser Beitrag erschien im Juniheft von Saiten.

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