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Warten auf die Büchermassen

In der St.Galler Hauptpost kommen zwei Bibliotheken zusammen. Und ein altes Gebäude wird neu genutzt. Die Architekten verstecken diese Brüche und Widersprüche nicht, sondern zeigen sie. Ein Rundgang gut einen Monat vor der Eröffnung.
Von  Peter Surber

Die blaue Theke rechts vom Treppenhaus ist das Modernste – hier wird das Publikum Bücher holen und bringen. Der Lift gleich daneben ist uralt und ausser Betrieb, die zwei Stahlpfosten links und rechts erinnern an die Postwagen, die hier früher durchrumpelten. Alt und neu stossen ständig zusammen in der altneuen Hauptpost, die nicht mehr Post ist und Ende Februar Bibliothek wird.

 

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Architekt Peter Hutter erläutert die historische Betondecke im Westtrakt. Bilder: Peer Füglistaller

Bullaugen und Bohrlöcher

Bei einem ersten Medienrundgang am Montag in den umgebauten, aber noch bücher-leeren Räumen zeigt sich: Das Provisorium ist ein Wurf. Die jungen St.Galler Architekten Barao Hutter nähern sich dem, wie Peter Hutter sagt, «hochkarätigen» Bau von Pfleghard und Haefeli aus dem Jahr 1915 so respektvoll wie raffiniert. Die Decken, früheste Stahlbetonkonstruktion, kommen wieder zum Vorschein, teils sogar unverputzt, samt den Bohrlöchern der später daruntergehängten Zwischendecke. Die Fenster sind neu abgedichtet, aber haben noch die ursprünglichen, leicht unregelmässigen Glasscheiben. Die Türen im westlichen Bürotrakt weisen wieder die Bullaugenöffnungen der ehemaligen Postbüros auf. Solche minutiösen Details zeugen von einer Haltung: Perfektionismus auch im Provisorium. Peter Hutters Lehrmeister war nicht umsonst Peter Zumthor.

Die Moderne zieht mit kühlen Bücherregalen ein, die die «Büchermassen» (Hutter) aufnehmen, aber dennoch den Blick quer durch das voluminöse Gebäude nicht ganz verstellen. Rund 100000 Bücher und andere Medien werden in den nächsten Wochen eintreffen, bis die Räume «pumpenvoll» sind, wie Stadtbibliotheks-Leiterin Christa Oberholzer sagt. In der Nordhalle versammelt die Vadiana Belletristik und Sachbücher und Teile des Zentrums für das Buch – in der Südhalle finden die Bestände der ehemaligen Freihand- und heutigen Stadtbibliothek Platz. Die Trennung sei ungefähr entlang der Linie Freizeit/Unterhaltung vs. Studium/Bildung erfolgt, sagt Kantonsbibliothekarin Sonia Abun-Nasr. Für das Publikum wird aber alles gleichermassen zugänglich.

 

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Prunkstück: Das Turmzimmer.

Bücherleitern im Turmzimmer

Ausgebaut wird zudem der «Nonbook»-Sektor zwischen den beiden grossen Sälen sowie die interkulturelle Bibliothek mit Medien in 17 Sprachen. Es gibt Arbeitsplätze den Fenstern entlang, es gibt Gruppenräume, und etwas versteckt hinter dem langen Saal findet sich das Prunkstück der neuen Bibliothek: das Turmzimmer. Hier stehen zwei ovale Tische auf rotem Teppich, hier füllen edelschwarze Regale die Wände, bereit für die Sangallensia und erschlossen durch zwei Bücherleitern. Hier komme atmosphärisch «Fleisch an den Knochen», sagt Hutter, im Kontrast zu den nüchtern-rohen Buchsälen.

 

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Christa Oberholzer, Leiterin der Stadtbibliothek, im künftigen Café St.Gall.

Die Bibliothek als Lernort – aber auch als Begegnungsort: Dafür gibt es das Café St.Gall mit Bartresen, Platz für Veranstaltungen und einem Angebot von über 40 Tageszeitungen und 100 Zeitschriften. An seiner Stelle befand sich ganz in den Anfängen das Bureau der Postdirektion; daran erinnern die leicht angeschlagenen Stuck-Ornamente, die erst beim Umbau wieder zum Vorschein kamen und jetzt in neu-altem Glanz erstrahlen.

Eröffnet wird die Bibliothek Hauptpost am 28. Februar – mehr dazu im Februarheft von Saiten.

 

 

Bilder: Peer Füglistaller

Musik

Mehr als Jazz im Kult­bau

Von  Richard Butz
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«Die Wahr­neh­mung nicht be­die­nen, son­dern schär­fen»

Pa­trick Kess­ler er­hält den Aus­ser­rho­der Kul­tur­preis 2026. Der Kon­tra­bas­sist, Klang­künst­ler und Ku­ra­tor aus Gais reist mit al­ten Laut­spre­chern nach Wien und Ha­noi, tritt mit In­sek­ten in ei­nen mu­si­ka­li­schen Dia­log und fin­det sei­ne wich­tigs­ten Lek­tio­nen nicht un­be­dingt an Hoch­schu­len.

Von  Philipp Bürkler
Bassilikum 04

Mo­bi­li­täts­al­li­anz nimmt Fahrt auf

Die Mo­bi­li­täts­al­li­anz Ost­schweiz will Pend­ler:in­nen zum Um­stieg vom Au­to auf Bus, Bahn und Ve­lo be­we­gen. Bei den zehn be­tei­lig­ten Gross­un­ter­neh­men lässt be­reits je­de fünf­te Per­son das Au­to am Mor­gen ste­hen. Nun sol­len 500 wei­te­re Fir­men fol­gen. 

Von  Philipp Bürkler
Mobilitaetsallianz 1 philipp buerkler

Tu­bes, Pipe­lines, Cords

Au­gus­tin Re­be­tez macht kei­ne hal­ben Sa­chen. Sei­ne Kunst ist aus­ufernd und dicht zu­gleich. Er ent­wi­ckelt an­spie­lungs­rei­che Bild­wel­ten – ak­tu­ell in der Kunst­hal­le Ar­bon.

Von  Kristin Schmidt
Augustin Rebetez key visual Kunsthalle Arbon Augustin Rebetez

Zu hoch für Ap­pen­zell

Der Kan­ton Ap­pen­zell In­ner­rho­den plan­te am Lands­ge­mein­de­platz in Ap­pen­zell ein neu­es Ge­bäu­de für die Ge­rich­te, die Bi­blio­thek und die kan­to­na­le Ver­wal­tung. Die eid­ge­nös­si­schen Kom­mis­sio­nen für Na­tur- und Hei­mat­schutz und je­ne für Denk­mal­pfle­ge brach­ten das Pro­jekt je­doch zu Fall.

Von  René Hornung
Verwaltungsgebaeude appenzell pd

Offener Brief an die Bundespolitik

Wir wol­len Rech­te, kei­ne Al­mo­sen

Von  Christoph Keller

In­no­va­ti­on ge­hört zur DNA

Das Fi­gu­ren­thea­ter St.Gal­len wird 70. Was sich ver­än­dert hat, war­um Pup­pen Kin­der wie Er­wach­se­ne fas­zi­nie­ren und wie man auch Ju­gend­li­che er­rei­chen kann: ein Ge­spräch zum Ju­bi­lä­um.

Von  Peter Surber
Hochdruck Crasch Polizei 04665

Mit Sound und Vi­su­als ge­gen den Öko­kol­laps

Die zwei­te Aus­ga­be des au­dio­vi­su­el­len Fes­ti­vals Su­s­ur­rus in der Mü­le­nen­schlucht wid­met sich der «mehr-als-mensch­li­chen» Mit­welt. Mit akus­ti­schen und per­for­ma­ti­ven In­ter­ven­tio­nen er­kun­det das Fes­ti­val neue For­men der Be­zie­hung zwi­schen Mensch und Na­tur. 

Von  Lilli Kim Schreiber
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Un­ter­schied und Wir­kung

In der Aus­stel­lung «Die lei­sen Un­ter­schie­de» im Haus zur Glo­cke in Steck­born be­fas­sen sich fünf Künst­ler:in­nen mit der Wahr­neh­mung von Un­ter­schie­den. 

Von  Vera Zatti
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Kolumne: Heppelers Bestiarium

Cy­borg-Ka­ker­la­ken

Von  Jeremias Heppeler

Fu­rio­ses Klang­ge­wit­ter

Mit dem En­sem­ble TAK aus New York gas­tier­te am Diens­tag ein Neue-Mu­sik-Quin­tett von Welt­rang im St.Gal­ler Kult­bau. Or­ga­ni­siert vom Zy­klus Con­tra­punkt, hät­te der Abend mehr Pu­bli­kum ver­dient. Ein Bubble-Pro­blem?

Von  Peter Surber
Contrapunkt 1 martin fluege

Ne­an­der­tha­ler:in, ge­hüllt in Pink 

Das St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um öff­net in der neu­en Aus­stel­lung «Ste­reo­ty­pes: Ne­an­der­tha­le­rin» den Blick auf die­se Stein­zeit­men­schen. Die Schau mit viel Pink ver­knüpft ge­schickt Spiel mit Wis­sen­schaft und Ver­gan­gen­heit mit Ge­gen­wart.

Von  Vera Zatti
Stereotypes Kulturmuseum 2026 1

Neue Sai­son un­ter be­son­de­ren Vor­zei­chen

Das Thea­ter an der Gren­ze in Kreuz­lin­gen star­tet heu­te in die neue Spiel­zeit. Kürz­lich ver­starb die prä­gen­de Co-Prä­si­den­tin An­na Rink. Aus­ser­dem fällt der bis­he­ri­ge Spiel­ort im Kul­tur­zen­trum Kult-X bis En­de 2027 weg. Wie der Ver­ein die­se Hür­den meis­tert, er­zäh­len Prä­si­den­tin Vro­ni El­len­br­oek und Klaus Okraf­ka aus der Pro­gramm­lei­tung im In­ter­view.

Von  Judith Schuck
Theater an der Grenze Klaus Ofraka und Vroni Ellenbroek

FC St.Gal­len vs. FC Si­on – St. Gal­len un­ter­liegt Si­on mit 0:3

St. Gal­len star­te­te gut in die Par­tie, agier­te aber oft­mals zu um­ständ­lich ge­gen tief ver­tei­di­gen­de Sit­te­ner und blieb letzt­lich glück­los. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Dampf auf dem Kes­sel

Auf sei­nem neu­en So­lo­al­bum the­ma­ti­siert Ma­nu­el Stahl­ber­ger die Über­hit­zung. Die kli­ma­ti­sche, die ge­sell­schaft­li­che, die po­li­ti­sche. Ge­mein­sam mit Bit-Tu­ner hat der St.Gal­ler Mu­si­ker da­für ei­nen düs­te­ren, elek­tro­ni­schen Sound ge­fun­den.

Von  David Gadze
Manuel stahlberger bit tuner heiss pd

Von War­te­häus­chen und ehe­ma­li­gen Te­le­fon­ka­bi­nen

An Klein­bau­ten ge­hen wir oft acht­los vor­bei: Bus­war­te­häus­chen, öf­fent­li­che WCs, nicht mehr ge­brauch­te Te­le­fon­ka­bi­nen oder Feu­er­wehr- und Stras­sen­wär­ter­ma­ga­zi­ne. Ak­tu­ell gibt es da­zu ei­ne Aus­stel­lung im 1. Stock des Rat­hau­ses St.Gal­len.

Von  René Hornung
2 Tramhaeuschen Schibenertor

«Wie ein Vor­film des­sen, was auf uns zu­kom­men könn­te»

Bis 2050 will die Stadt St.Gal­len kli­ma­neu­tral sein. Ka­rin Hun­ger­büh­ler und To­bi­as Fi­scher-Künz­ler von der Dienst­stel­le Um­welt und En­er­gie be­ant­wor­ten Fra­gen zur be­vor­ste­hen­den Kli­ma­wo­che und zum Kli­ma­schutz in der Stadt.

Von  Reto Voneschen , Bilder:  Sara Spirig
2609 Redeplatz Karin Tobias 01

Metz­ger, En­gel, Him­mel und Tan­te Bergs Ro­sen­ge­büsch

Ani­ta Zim­mer­mann ali­as Lei­la Bock prägt die St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne seit Jahr­zehn­ten – als Künst­le­rin, als Ver­mitt­le­rin, als Er­mög­li­che­rin. Sie hat Wi­der­stän­de über­wun­den und an­de­re Künst­ler:in­nen im­mer wie­der her­aus­ge­for­dert. Ei­ne Wür­di­gung

Von  Angela Kuratli , Bilder:  Ladina Bischof
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«Nicht neu er­fin­den, was funk­tio­niert»

Die St.Gal­ler Mu­se­ums­nacht fin­det in die­sem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Ju­bi­lä­um blickt Ver­eins­prä­si­den­tin Bar­ba­ra Af­fol­ter zu­rück und nach vor­ne. Sie sagt, was die Mu­se­ums­nacht bis heu­te aus­macht und wo­hin sie sich ent­wi­ckeln soll.

Von  Marion Loher
Museumsnacht Kunstmuseum pd

Le­bens­be­ja­hen­de Wer­ke im Kunst­zeug­haus

Die Aus­stel­lung «Vol­ler Le­ben» des Ver­eins IG Hal­le Rap­pers­wil wirft Schlag­lich­ter auf künst­le­ri­sche Schaf­fens­pro­zes­se und ih­re Ver­bin­dun­gen zur Na­tur.

Von  Lilli Kim Schreiber
Regula Syz 2