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«Wie gschleffe»: Bund sagt Ja zur Durchmesserlinie

Die Durchmesserlinie samt Ruckhalden-Tunnel der Appenzeller Bahnen ist vom Bund bewilligt. 2018 beginnt die Bahnzukunft und endet die «Isebahn»-Nostalgie definitiv. Schwere Zeiten für die Autopendler...
Von  Peter Surber

D Appezeller Isebahne
hend Charakter, glob mers no.
Jedi macht en ääges Zögli, 
ali chönnd zor Not devo.

So hat der Mundartpoet Julius Ammann 1922 gedichtet, und Generationen von Appenzeller Schulkindern sind mit seinen «Isebahn»-Versen aufgewachsen.

Durchmesserlinie und Tunnel

Fast hundert Jahre später ist es vorbei mit dem «äägenen» Charakter der Bahnen: Die Durchmesserlinie wird gebaut, die Linien nach Trogen und nach Appenzell (früher «Trogenerbahn» und «Gaiserbahn» genannt) erhalten eine durchgehende Verbindung im St.Galler Hauptbahnhof, mit gemeinsamem Rollmaterial und mit Ruckhalden-Tunnel statt Zahnradstrecke hoch ins Riethüsli. Schluss mit der Herrlichkeit, die Julius Ammann damals so beschrieben hat:

S Gääserbähnli 
nennt der Stecke zwüschet d Bää
ond lod rüüche ond macht Böge, 
määnscht, chäämscht nomme lebtig hää.

Modern war hingegen damals schon die Strassenbahn nach Trogen (von deren «schönen, bequemen und hellen Wagen» auch Hermann Hesse in seinen «Reisebildern» schwärmt): Sie liess nicht «rüüche», sondern fuhr elektrisch:

S Trogenerbähnli lauft wie gschleffe. 
Z Vögelinsegg stohd s schief ond chromm, 
aber s hebt si met em Tröhtli
am elekterische Strom.

Die Literatur wird einmal mehr von der Wirklichkeit überholt – was man allerdings nicht wirklich bedauert, denn das Ziel ist, wie an der Medienorientierung der Appenzeller Bahnen vom Montag morgen betont wurde, eine zukunftstaugliche Agglomerationsbahn.

Visualisierung Marktplatz1Das Grossprojekt ist vor Wochenfrist vom Bundesamt für Verkehr definitiv bewilligt worden; von den Kosten von insgesamt 90 Millionen Franken trägt die Eidgenossenschaft 45 Prozent, den Rest teilen sich Appenzell Ausserrhoden, St.Gallen und Innerrhoden. Baubeginn ist im Frühling 2016, 2018 soll die neue Linie eröffnet werden – und dann auch anders heissen: Statt Durchmesserlinie wird der Name S-Bahn Appenzellerland propagiert. Die Fahrzeiten Teufen-Spisertor oder Speicher-Riethüsli verkürzen sich um rund zehn Minuten. «Öseri Bahn» rechnet im gesamten Appenzellerland künftig mit jährlich 5 Millionen Fahrgästen.

Nicht im Baubetrag inbegriffen sind die zwölf neuen Tango-Züge (Visualisierung oben) von Stadler Rail für 95 Millionen Franken, die neu auch ein Erstklass-Abteil haben werden.

Und der Autobahn-Anschluss?

Noch vor dem Baubeginn im nächsten Frühling wird die Debatte um einen anderen Tunnel akut: die Pläne für einen zusätzlichen Autobahnanschluss mit unterirdischem Kreisel und Autotunnel vom St.Galler Güterbahnhof ins Riethüsli. Am 28. Februar kommt in der Stadt St.Gallen die Güterbahnhof-Initiative der SP zur Abstimmung, die den Verzicht auf den Autobahn-Ausbau fordert.

Die künftige S21 mit durchgehendem Viertelstundentakt liefert ein kräftiges Argument für ein Ja zur Initiative. Denn wenn die Züge ab 2018 durchgehend «wie gschleffe» laufen und noch eleganter Anschluss ans SBB-Bahnnetz haben, fallen für die zahlreichen Appenzeller Autopendler ein paar Ausreden weg. Begleitend bräuchte es allerdings Park-and-Ride-Angebote in den Dörfern entlang der S-Bahn. Damit steht es vielerorts noch nicht zum Besten. Gerade hat Trogen angekündigt, seine (wenigen) bisher kostenlosen P+R-Parkplätze aufzuheben.

Dennoch: Mit der neuen «Isebahn» wird der Umstieg auf den öV ein Stück attraktiver.

Mehr zur Durchmesserlinie hier.

 

 

 

 

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