D Appezeller Isebahne hend Charakter, glob mers no. Jedi macht en ääges Zögli, ali chönnd zor Not devo.
So hat der Mundartpoet Julius Ammann 1922 gedichtet, und Generationen von Appenzeller Schulkindern sind mit seinen «Isebahn»-Versen aufgewachsen.
Durchmesserlinie und Tunnel
Fast hundert Jahre später ist es vorbei mit dem «äägenen» Charakter der Bahnen: Die Durchmesserlinie wird gebaut, die Linien nach Trogen und nach Appenzell (früher «Trogenerbahn» und «Gaiserbahn» genannt) erhalten eine durchgehende Verbindung im St.Galler Hauptbahnhof, mit gemeinsamem Rollmaterial und mit Ruckhalden-Tunnel statt Zahnradstrecke hoch ins Riethüsli. Schluss mit der Herrlichkeit, die Julius Ammann damals so beschrieben hat:
S Gääserbähnli nennt der Stecke zwüschet d Bää ond lod rüüche ond macht Böge, määnscht, chäämscht nomme lebtig hää.
Modern war hingegen damals schon die Strassenbahn nach Trogen (von deren «schönen, bequemen und hellen Wagen» auch Hermann Hesse in seinen «Reisebildern» schwärmt): Sie liess nicht «rüüche», sondern fuhr elektrisch:
S Trogenerbähnli lauft wie gschleffe. Z Vögelinsegg stohd s schief ond chromm, aber s hebt si met em Tröhtli am elekterische Strom.
Die Literatur wird einmal mehr von der Wirklichkeit überholt – was man allerdings nicht wirklich bedauert, denn das Ziel ist, wie an der Medienorientierung der Appenzeller Bahnen vom Montag morgen betont wurde, eine zukunftstaugliche Agglomerationsbahn.
Das Grossprojekt ist vor Wochenfrist vom Bundesamt für Verkehr definitiv bewilligt worden; von den Kosten von insgesamt 90 Millionen Franken trägt die Eidgenossenschaft 45 Prozent, den Rest teilen sich Appenzell Ausserrhoden, St.Gallen und Innerrhoden. Baubeginn ist im Frühling 2016, 2018 soll die neue Linie eröffnet werden – und dann auch anders heissen: Statt Durchmesserlinie wird der Name S-Bahn Appenzellerland propagiert. Die Fahrzeiten Teufen-Spisertor oder Speicher-Riethüsli verkürzen sich um rund zehn Minuten. «Öseri Bahn» rechnet im gesamten Appenzellerland künftig mit jährlich 5 Millionen Fahrgästen.
Nicht im Baubetrag inbegriffen sind die zwölf neuen Tango-Züge (Visualisierung oben) von Stadler Rail für 95 Millionen Franken, die neu auch ein Erstklass-Abteil haben werden.
Und der Autobahn-Anschluss?
Noch vor dem Baubeginn im nächsten Frühling wird die Debatte um einen anderen Tunnel akut: die Pläne für einen zusätzlichen Autobahnanschluss mit unterirdischem Kreisel und Autotunnel vom St.Galler Güterbahnhof ins Riethüsli. Am 28. Februar kommt in der Stadt St.Gallen die Güterbahnhof-Initiative der SP zur Abstimmung, die den Verzicht auf den Autobahn-Ausbau fordert.
Die künftige S21 mit durchgehendem Viertelstundentakt liefert ein kräftiges Argument für ein Ja zur Initiative. Denn wenn die Züge ab 2018 durchgehend «wie gschleffe» laufen und noch eleganter Anschluss ans SBB-Bahnnetz haben, fallen für die zahlreichen Appenzeller Autopendler ein paar Ausreden weg. Begleitend bräuchte es allerdings Park-and-Ride-Angebote in den Dörfern entlang der S-Bahn. Damit steht es vielerorts noch nicht zum Besten. Gerade hat Trogen angekündigt, seine (wenigen) bisher kostenlosen P+R-Parkplätze aufzuheben.
Dennoch: Mit der neuen «Isebahn» wird der Umstieg auf den öV ein Stück attraktiver.
Mehr zur Durchmesserlinie hier.
«Das Kind zurücklassen? Wie kann man so dumm und herzlos sein», schreibt der Schweizer Autor Lukas Bärfuss über seine Mutter, die keine Mutter für ihn sein konnte. In seinem neuen Buch schaut er in die Vergangenheit und hat Verständnis, nicht für die Mutter, aber doch für diese Frau, die nie Glück und immer zu wenig Geld hatte.
Gaal, Görtler und Witzig schiessen St. Gallen zum langersehnten Cupsieg!
Die Medikamentenversuche von Münsterlingen als Teil eines Vampir-Musicals? Auf die Idee muss man erst einmal kommen. Die Bühne Mammern wagt den Versuch. Ab 29. Mai im Zirkuszelt.
Die diesjährige Kulturlandsgemeinde findet entlang der Bahnlinie zwischen Gossau und Wasserauen statt. Es ist ein interdisziplinäres Experimentzwischen Kunst, Gesellschaft und Aktivismus. Ausserdem stellt die Kulturlandsgemeinde künstlerisch und organisatorisch die Weichen für die Zukunft.
Am Samstag findet in St.Gallen erstmals das Punkfestival El Cartel statt. Es soll dazu beitragen, die Szene zu stärken. Dabei fehlt es gerade in St.Gallen an Nachwuchs.
Seit 40 Jahren macht die Bibliothek Wyborada in St.Gallen sichtbar, was lange fehlte: Literatur von und über Frauen. Heute sind Autorinnen und feministische Themen zwar stärker präsent in der Öffentlichkeit, doch die Relevanz der Bibliothek ist nach wie vor gross.
Mit einer Interpellation greifen SVP und EDU im St.Galler Kantonsrat den ausserschulischen Aufklärungsunterricht an. Und mit Unterstützung des «Lehrernetzwerks Schweiz» wollen Eltern aus Bütschwil eine Mitarbeiterin der Fachstelle für Aids- und Sexualfragen vor Gericht bringen. Dahinter steckt eine orchestrierte Aktion.
«Dieci», die italienische Zahl für zehn, ist das Motto des diesjährigen Heiden-Festivals. Es verweist dabei nicht nur auf das Jubiläum, sondern auch auf eine kulturpolitische Haltung.
Das St.Galler Theater Trouvaille entdeckt den Musiker und Juristen Mani Matter neu. «’S isch einisch eine gsy»– 90 Jahre Mani Matter verbindet zahlreiche Lieder und literarische Texte des Berners zu einem abendfüllenden Programm. Saiten hat mit dem Theaterleiter Matthias Flückiger gesprochen.
Naturmuseum Thurgau
Vier Jahre nach ihrem Debüt kehren Lev Tigrovich mit einer neuen EP zurück. Diese handelt von Kontrollverlust, Illusionen und grossen Gefühlen – und enthält erstmals einen Song, der nicht auf Russisch gesungen ist.
Im letzten Spiel der Saison trifft der FC St.Gallen auf den neuen Schweizer Meister aus Thun - einen Sieger gibt es nicht.
Caline Aoun interessieren die Momente der Veränderung, die Übergänge und Zustände. Ihre Ausstellung in Kunstmuseum und Kunsthalle Appenzell wird zum Ende der sechsmonatigen Laufzeit eine andere sein als zu Beginn.
Der 1100. Todestag von Wiborada – Inklusin, Stadtheilige und Projektionsfläche – ist zurzeit Thema vielfältiger Aktivitäten. Zu den Highlights gehört eine mutmassliche Unterschrift, zu besichtigen in der Ausstellung im St.Galler Regierungsgebäude.
Gastkommentar
Anna Beck-Wörner hat ein Wiborada-Unterrichtsheft erarbeitet. Im Postenlauf, der durch St.Gallen führt, können Schüler:innen anhand von Wiboradas Lebensweg lehrplankonform Themen wie Gemeinschaft, Lebensform, Bücher oder Identität erarbeiten.
Am Wochenende bringt das Aufgetischt-Festival wieder über 100 Strassenkünstler:innen aus aller Welt in die Gassen der Stadt St.Gallen. Wir haben mit Daiana Mingarelli vom Duo Daiana Lou über die Eigen- und Besonderheiten des Busking gesprochen.
Heavy Psych Sounds Fest
Der peinliche bis inhaltsleere Auftritt des Tech-Faschisten Curtis Yarvin hat die Berichterstattung über das diesjährige St.Gallen Symposium dominiert. Am Montag haben – vor allem geisteswissenschaftliche – Exponent:innen der HSG in einem öffentlichen Gespräch versucht, Yarvins langen Schatten zu verwedeln.
Die St.Galler Theaterkompanie Rohstoff zeigt am 22. und 23. Mai ihr aktuelles Theaterstück in der Kellerbühne. Wie in einem Rausch erzählt Orlando* von Geschlechternormen, Grenzauflösungen und Verwandlungen.