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«Wie schön es wäre…»

An den Solothurner Filmtagen wurde am Sonntag das künstlerische Vermächtnis von Peter Liechti gezeigt: «Dedications» zeigt den Regisseur von der Krankheit gezeichnet.
Von  Andreas Kneubühler

«Zögerlich lasse ich etwas Optimismus zu – wie schön es wäre, da draussen noch ein paar Jahre weiterzumachen…», schrieb Peter Liechti wenige Monate vor seinem Tod im April 2014 in sein Spital-Tagebuch.

Hätte, wäre, wenn.

Der Konjunktiv war allgegenwärtig bei der Präsentation von «Dedications», dem letzten Film von Peter Liechti am Sonntag an den Filmtagen in Solothurn.

«Es wäre ihm wichtig gewesen, den Film fertigzustellen», sagte beispielsweise der Moderator der Filmtage bei der Einführung auf der Bühne.

liechtineu1«Ungesichert und offen»

Doch zu «Dedications» gibt es nicht viel mehr als eine Kostprobe, eine Einstimmung auf das, was Liechti geplant hatte: Ein weiteres filmisches Essay, für das er unter anderem Bilder von seinen Spitalaufenthalten, Aufnahmen von Spaziergängen in der Ostschweiz und noch unbearbeitetes Material einer Reise in den Sudan von 1999 verdichten wollte.

Bis zuletzt hatte Liechti daran gearbeitet, hatte gesichtet und mit dem Schnitt begonnen. Dann starb er. «Wir waren noch da, aber ohne Peter Liechti», sagte seine Partnerin Jolanda Gsponer auf der Bühne des Landhauses. «Wir wollten seine Autorenschaft nicht manipulieren.»

Deshalb bleibt das Projekt unvollendet. Selber hatte Liechti nur 15 Minuten einer vorläufigen Fassung fertiggestellt. «Ein möglicher Filmanfang, ein Rohschnitt, ungesichert und offen», beschrieb Jolanda Gsponer das Fragment.

Manchmal beklemmend, selten bitter

Auf der grossen Leinwand im gut gefüllten Landhaussaal war deshalb nur die rund 50-minütige Lesung des Spital-Tagebuchs zu sehen – mit Liechti vor statt wie sonst immer hinter der Kamera. Im Januar 2014 hatte er sich dafür in seinem Atelier von Peter Guyer filmen lassen.

Kahler Schädel, schwarze Brille, Liechti liest ruhig, konzentriert, mit einer von seiner Krankheit gezeichneten Stimme ohne Kraft. Ab und zu der direkte Blick in die Kamera. Zu hören sind Texte mit Beobachtungen und Reflexionen aus dem Spitalbett, manchmal beklemmend, oft vor allem konstatierend selten bitter.

Die kurzen Vorlesesequenzen werden kontrastiert durch Super-8 -Aufnahmen von Ostschweizer Landschaften und der Tonspur von Norbert Möslang. Zu hören ist der Literat Peter Liechti, der immer neben oder mit dem Filmemacher existiert hatte.

VP_1.PDFDreidimensionale Materialsammlung

Die Lesung ist aber nur ein Teil von «Dedications». Dazu gehört weiter eine Installation des Künstlers Yves Netzhammer. In Solothurn wird sie direkt neben dem Landhaus im dritten Stock der Jugendherberge gezeigt. In einem kleinen Saal laufen auf sechs Leinwänden Bilder aus der Materialsammlung für den geplanten Film: Aufnahmen aus dem Spital – Liechti im Krankenhaushemd mit dem Infusionsständer –, Bilder von Antilopen bei der Tränke, eine Super-8-Sequenz einer Seilbahn im Alpstein.

Der dritte Teil von «Dedications» ist vielleicht der überzeugendste Ersatz für den nicht fertiggestellten Film: Ein sorgfältig gemachtes Buch, dem unter anderem die DVD mit dem Filmfragment beigelegt wurde. Es enthält aber vor allem die vollständige Fassung des Spital-Tagebuches sowie zahlreiche Film-Stills aus der Materialsammlung.

«Wie lange noch?»

Hier ein Auszug aus dem bei Scheidegger&Spiess erschienenen Tagebuch:

Heute hat etwas aufgehört, und etwas anderes hat angefangen. Ein schleichendes Aufhören hat angefangen; das Anfangen selbst hat irgendwie aufgehört. Wo es mir vorher wichtig war, immer weiterzumachen, bin ich jetzt darauf aus, die Dinge zu einem Ende zu bringen. Hatte ich mich früher stets neu ausgerichtet, so will ich mich heute nur noch einrichten. Die Spannung ist geblieben, doch die Polung ist völlig verschieden: Früher hiess die Frage: Wann denn? Und heute lautet sie: Wie lange noch?

«Dedications» soll nach Solothurn an weiteren Festivals gezeigt werden und kommt im März nach St.Gallen.

Bilder aus: peterliechti.ch

 

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