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Zeigen, was wir gelernt haben

Die Anschläge von Paris machen nicht nur betroffen, sondern auch wütend. Elina Grünert, 18, hat ihrem Ärger in einem offenen Brief Luft gemacht.
Von  Gastbeitrag , 

Die Welt ist im Umbruch. Die Flüchtlingsströme reissen nicht ab, sie werden stärker, wie auch der Konflikt in Teilen Nordafrikas. Bis jetzt war uns das eigentlich egal. Es tut einem Leid, aber es ist viel zu weit weg. «Die dort unten mit dem Islam, die sind sowieso etwas anderes», denken viele. Doch seit einiger Zeit spüren nun auch die Menschen im Elfenbeinpalast «Westliches Europa» die Folgen des Terrors in Nordafrika. Menschen flüchten, und es werden mehr. Die ankommenden Flüchtlinge stärken das Bewusstsein für die realen Konflikte im Nahen Osten.

Anfang Jahr erfolgte der Anschlag auf die Redaktion der Satirezeitschrift «Charlie Hebdo». Er löste eine riesige Solidaritätswelle mit dem Kampfspruch «Je suis Charlie» aus. Es wurde aber auch kritisch diskutiert, wie weit Satire gehen darf. Ist es erlaubt eine Figur zu karikieren, die für Millionen Menschen mehr als heilig ist? Eine einhellige Antwort wurde auf diese Frage nicht gefunden, aber eines war allen klar: Aufgrund einer Zeichnung darf nicht getötet werden. Eigentlich darf sowieso nicht getötet werden, aber das ist ein anderes Thema.

Jetzt, fast ein Jahr später, erfolgte ein weiterer Anschlag in Paris. An mehreren Schauplätzen schossen Menschen wahllos auf andere Menschen und jagten sich danach feige in die Luft. Die Opfer waren weder christliche Fundamentalisten noch Karikaturisten. Sie waren einfach normale Menschen, Leute wie du und ich. Während die IS Freudentänze macht, hält die westliche Welt den Atem an.

«Den Atem anhalten», das hört man oft. Aber in diesen Tagen gibt es keine treffendere Wortwendung, denn man fühlt sich ohnmächtig. Paris ist vier Stunden entfernt von Zürich. Vier Stunden. Paris ist nicht irgendeine syrische Stadt. Sie liegt sozusagen direkt neben uns. Das macht ohnmächtig.

Ich ändere mein Profilbild auf Whats-App zum Friedenszeichen mit dem Eiffelturm, den Status ändere ich zu «Paix – سلام»; Salam, das arabische Wort für Frieden. Ich fühle mich kein Stück besser. Solidarität bekunden, ja, aber was nützt das? Welche Probleme werden damit gelöst? Genau, keine. Die einschlägigen Medien betrauern die Opfer, fordern zur Solidarität auf – und auf der nächsten Seite diskutieren sie das neue Album von Justin Bieber.

Die Gefühle, die ein solches Attentat hinterlassen, sind primär Ohnmacht, Trauer, Unverständnis. Doch irgendwann dominiert die Wut. Die internationale Gemeinschaft hat auf ganzer Linie versagt. Das Traurige dabei ist, dass das nicht einfach eine ahnungslose 18-Jährige wie ich sagt, sondern eben auch unzählige Experten, die sich ihr Leben lang mit Krieg und Frieden beschäftigen.

Die grossen Staaten der Welt sind unfähig eine Kooperation einzugehen und so den Islamistischen Staat zu bremsen. Der Nordafrikaexperte und Journalist Alfred Hackensberger sprach vor etwa einem halben Jahr bei einer Lesung in St.Gallen über die Situation rund um den IS. Dabei sagte er, dass dieser schon längst hätte gestoppt werden können, würde man es richtig machen. So etwas im Jahr 2015, in der fortschrittlichen Moderne, zu hören, macht mich wütend und enttäuscht. Die Regierungen bekunden nach den Anschlägen ihr Mitleid und bieten Hilfe an. Aber ändert sich nachher auch wirklich was?

Im Gegensatz zu den Armeen der USA, von China oder Russland umfasst der IS nicht viele Männer. Er hat auch keine Öffentlichkeit im Hintergrund, welche die Organisation unterstützt. Auch die meisten Staaten haben sich gegen die Brutalität der Terrororganisation ausgesprochen. Und trotzdem hat sie immer genügend Waffen, um Menschen wie du und ich zu töten. Ist man heute tatsächlich nicht imstande, Waffenlieferungen an solche Gruppierungen zu verhindern?

Dieses Attentat ist ein Weckruf an die Menschen auf der ganzen Welt. Sie sollen ihre Regierungen zum Handeln auffordern. Es ist auch eine direkte Warnung an die grossen Staatschefs. Die Anschlagsserie auf Paris eröffnet eine neue Dimension der Grausamkeit. Anstatt in eine ohnmächtige Starre zu verfallen, sollten wir die Chance nutzen und zeigen, dass wir aus früheren Gräueltaten in der Menschheitsgeschichte gelernt haben.

We want and we will live in freedom. Nous voulons et nous allons vivre dans liberté.

Bücherherbst: Mondläufer von Daniel Badraun

Vom Le­ben und Schrei­ben

Von Sieglinde Wöhrer,
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Wenn Mu­se­ums­ob­jek­te ei­nen neu­en Sinn be­kom­men

Ei­ne ben­zin­be­trie­be­ne Glüh­bir­ne? Ein ro­bus­tes Schnaps­glas? Oder ein Kat­zen­hals­band, das die Raub­tie­re vom Vö­gel­fan­gen ab­hal­ten soll? Im His­to­ri­schen Mu­se­um Thur­gau schlum­mern ei­ni­ge Ge­gen­stän­de, de­ren Funk­ti­on auf den ers­ten Blick nicht ganz klar ist. Tho­mas Götz, Mar­ti­na Hü­gi und Ste­fan Kel­ler muss­ten die­se am Icon Po­et her­aus­fin­den.

Von Judith Schuck,
Icon Poet Judith Schuck

Lang­sam­keit als Mo­tor

Die St.Gal­ler Rock­band The Black Salt ver­öf­fent­licht ihr zwei­tes Al­bum. Und ver­ab­schie­det sich ein Stück­weit von ih­ren An­fän­gen.

Von David Gadze,
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Fah­nen der Ver­gäng­lich­keit

Die Welt ist in ste­tem Wan­del. Und man­che Ver­än­de­run­gen sind ir­rever­si­bel – Glet­scher schmel­zen, Tier- und Pflan­zen­ar­ten ster­ben aus. Die Aus­stel­lung «Flim­mern» wid­met sich der Be­wusst­wer­dung die­ses Wan­dels – und dem Schmerz, den er aus­löst.

Von Judith Schuck,
Flimmern Blossom 0 2 von Hoa Luo Patrik Muchenberger

Du­bio­se Zah­len zum Au­to­bahn­aus­bau

Die Grund­la­gen, mit de­nen die Be­für­wor­ter:in­nen die drit­te Au­to­b­anhröh­re durch den Ro­sen­berg in St.Gal­len und die Teil­span­ge mit dem An­schluss im Gü­ter­bahn­hof­are­al for­dern, ba­sie­ren auf frag­wür­di­gen Zah­len. Zu die­sem Schluss kommt der Raum- und Ver­kehrs­pla­ner Tho­mas Hug-Di Le­na.

Von René Hornung,
Anschluss gueterbahnhof

Grüs­se aus ei­nem kom­pli­zier­ten Land

Die St.Gal­ler Tanz­kom­pa­nie fei­er­te ver­gan­ge­nen Sams­tag mit From Eng­land wi­th Love Pre­mie­re. Das Stück wagt sich aber­mals aus dem Gleich­schritt – mit un­miss­ver­ständ­li­chen Ges­ten.

Von Andi Giger,
From England with Love

Eman­zi­pa­ti­on in geo­me­tri­scher Form

Das Kunst­haus Bre­genz zeigt in der neu­en Aus­stel­lung Ar­bei­ten der US-ame­ri­ka­ni­schen Künst­le­rin Tork­wa­se Dys­on. Aus­gangs­punkt ih­rer gross­for­ma­ti­gen geo­me­tri­schen Skulp­tu­ren und poe­ti­schen Ma­le­rei­en bil­det das Le­ben und die Be­frei­ung Schwar­zer Men­schen.

Von Sieglinde Wöhrer,
Torkwase Dyson EG Y3 A3594 Foto Markus Tretter

Vom Ges­tern in die Zu­kunft tau­chen

Wie stehts heu­te um die Gleich­stel­lung? Und wie war das frü­her? Die Pop-up-Aus­stel­lung «Frau­en­spu­ren im Hal­len­bad» in Gos­sau ar­bei­tet ein Stück Ge­sell­schafts­ge­schich­te auf. Zeigt, wo es heu­te noch hakt, und dass es nicht blei­ben muss, wie es ist.

Von Vera Zatti,
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Kolumne: 24/7 Traumacore

Ich bin Bra­ve­he­art (Mel Gib­son ty­pe shit)

Von Mia Nägeli,

Theater

Kein Kom­pli­ment

Von Vera Zatti,
Unreif Presse 05

Von Trans­sil­va­ni­en in den Thur­gau

Jo­han­na und Szi­lamer ar­bei­ten seit vier Jah­ren als Ern­te­hel­fer:in­nen in Fru­thwi­len. In ih­rer Hei­mat Ru­mä­ni­en ist die wirt­schaft­li­che La­ge an­ge­spannt und die kör­per­li­che Ar­beit auf dem Feld sind sie ge­wohnt.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
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Er­satz­wahl in den Stadt­rat: Vor­ent­scheid fällt an SP-No­mi­na­ti­ons­ver­samm­lung

Am 29. Ok­to­ber ent­schei­det die SP der Stadt St.Gal­len, wen sie in die Er­satz­wahl um den Stadt­rats­sitz von Pe­ter Jans schickt. Was ur­sprüng­lich wie ei­ne For­ma­li­tät aus­sah, hat sich zu ei­nem span­nen­den Ren­nen ent­wi­ckelt. Mit of­fe­nem Aus­gang.

Von Reto Voneschen,
2026 Stadtrat Collage farbig

Jock Kobels zweiter Fall

Die Welt ist im­mer He­ris­au

Von Andrej Millius,
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Musik

Der Hai­fisch beisst wie­der zu

Von David Gadze,
Bildschirmfoto 2026 10 14 um 18 07 57

Heppelers Bestiarium

100 Jah­re Ein­sam­keit

Von Jeremias Heppeler,

FC St. Gal­len vs. Lau­sanne-Sport – Die Es­pen er­kämp­fen sich die 3 Punk­te

Nach ei­ner ganz pas­sa­blen ers­ten Halb­zeit der Es­pen so­wie Füh­rung durch ei­nen Elf­me­ter von Gört­ler vor der Pau­se, spie­len die St. Gal­ler die­ses Re­sul­tat an­schlies­send her­un­ter und ho­len sich die 3 Punk­te.

Von SENF Kollektiv,
Senf

Die Ge­walt hat ei­nen Schlüs­sel

Mehr als vier­ein­halb Stun­den dau­er­te Der Pro­zess Pe­li­cot im Thea­ter St.Gal­len. Mi­lo Rau und Ser­va­ne Dè­cle in­sze­nier­ten ei­nen Abend über se­xua­li­sier­te Ge­walt und che­mi­sche Un­ter­wer­fung – und über ei­ne Ge­sell­schaft, die von Män­nern mehr Ver­ant­wor­tung ver­langt.

Von Philipp Bürkler,
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Men­schen­rech­te sind kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit

Die Men­schen­rech­te ste­hen welt­weit un­ter Druck. Doch wie kon­se­quent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neu­es Buch nimmt die Schwei­zer Men­schen­rechts­po­li­tik kri­tisch un­ter die Lu­pe. An der Buch­vor­stel­lung im Squa­re wur­de über Wi­der­sprü­che, Ver­säum­nis­se und mög­li­che Lö­sun­gen dis­ku­tiert.

Von Marion Loher,
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Die Po­li­zei woll­te nichts se­hen und nichts hö­ren

In ei­ner Ten­nis­hal­le im tog­gen­bur­gi­schen Un­ter­was­ser tra­fen sich vor zehn Jah­ren 5000 Neo­na­zis zum gröss­ten Rechts­rock-Kon­zert, das je im deutsch­spra­chi­gen Raum statt­ge­fun­den hat. Lin­ke Po­li­ti­ker:in­nen re­agier­ten schnell, doch das Er­geb­nis ist er­nüch­ternd.

Von Hans Stutz,
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Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater

Ver­schwun­de­ne Na­men im Fa­mi­li­en­stamm­baum

Von Sieglinde Wöhrer,
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