Kategorie
Autor:innen
Jahr

2027 kommt bestimmt

Die Kantone St.Gallen und Thurgau lehnen einen Expo-Planungskredit ab. Fehlende Leidenschaft und Selbstzufriedenheit haben zum Resultat geführt. Was von der Expo-Idee trotzdem für die Zukunft bleibt.
Von  Kaspar Surber , 

Gut 60 Prozent Nein im Kanton St.Gallen, gut 53 Prozent im Thurgau: Dass die beiden Kantone den Expo-Planungskredit ablehnen, ist keine Überraschung. Das könnte das Resultat bloss sein, wenn man es hätte voraussagen können, und es nun nicht eingetroffen wäre. Doch das war bei dieser Abstimmung nicht möglich. Abgesehen von wenigen Leserbriefen und mässig besuchten Podien gab es keine richtige Debatte.

Die Idee einer Expo lockte offensichtlich niemanden hinter dem Ofen hervor, nicht einmal in der sonst fortschrittlichen Stadt St.Gallen, die auch knapp Nein sagt. Das ist denn wohl auch der Grund für die Ablehnung: Die fehlende Leidenschaft.

Den Befürwortern gelang es nicht, prominente Politikerinnen und Politiker für eine Expo zu mobilisieren, bereits jetzt eine Frau oder einen Herr Expo für das Projekt zu präsentieren. Auch die Anschlüsse in die Kulturszene, die am ehesten die Leidenschaft, die Sprache, die Bilder dafür hätte entwickeln können, fehlten. Das liegt auch an den Kulturschaffenden selbst. Sie merkten erst spät, was für eine Chance die Expo bieten könnte. Das ist denn auch die Folge dieses Nein: Eine verpasste Möglichkeit.

Zufrieden im Abseits

Die St.Galler und Thurgauer Stimmberechtigten sehen offenbar keinen Bedarf, die eigene Identität in einer Landesausstellung neu auszuhandeln. Das von den Gegnerinnen und Gegnern vorgebrachte Argument, eine Expo brauche es in globalisierten Zeiten nicht mehr, mag ein Argument gewesen sein. Weit wichtiger waren in der sparsamen Ostschweiz wohl die zu erwartenden Kosten, auch wenn sich die Investitionen in Zukunft mehrfach ausgezahlt hätten. Darin liegt denn auch das tieferliegende Problem des Neins: die Selbsteinschätzung.

Mit dem Nein gibt sich eine Mehrheit der Stimmbevölkerung, wie das der St.Galler Kantonsrat Session für Session vorexerziert, mit der Situation der Ostschweiz zufrieden. Auch wenn der Landesteil zunehmend abgehängt wird. Wohin sich die Ostschweiz politisch, wirtschaftlich, kulturell entwickeln soll, im Verhältnis zur Schweiz wie im Dreiländereck am Bodensee, wird viel zu selten diskutiert. Man ist offenbar, und das ist niederschmetternd, nicht einmal bereit, die Zukunft mit einem bescheidenen Planungskredit für die Expo auszuloten.

Einmal mehr zeigt sich: Der Ostschweizer, die Ostschweizerin weiss schon im vornherein, dass etwas im nachhinein nicht funktioniert haben wird. Wer je an einem kulturellen Projekt beteiligt war, kennt diese destruktive Skepsis zur Genüge. Wenigstens das Jammern, dass man ständig von der Restschweiz übergangen wird, entbehrt künftig der Grundlage. Es gelingt offenbar nicht einmal, ein Projekt zu formulieren, das vom Bund allenfalls finanziell unterstützt werden könnte.

Dann halt inoffiziell

Die Idee einer Expo ist weg, doch das Jahr 2027 kommt bestimmt. All jene, die an einer Diskussion über die Zukunft der Ostschweiz interessiert sind, könnten sich das Jahr 2027 dennoch zum Horizont nehmen. Welche konkreten Projekte, gerade in der Kultur, aber auch in der Bildung und in der Wirtschaft, könnten bis dann realisiert werden? Wenn es schon keine offizielle Expo gibt, dann hoffentlich eine inoffizielle.

Im Thurgau äussert sich der Präsident der beratenden regierungsrätlichen Kulturkommission, Hansjörg Höhener, enttäuscht über das Ergebnis. «Eine verpasste Chance», sagt er gegenüber thurgaukultur.ch und stellt fest, dass sich von Seiten der Kulturschaffenden im Thurgau niemand im Abstimmungskampf engagiert habe. Jeder koche halt sein eigenes Süppli; da sei der Sport wesentlich besser aufgestellt. Der vollständige Bericht hier.

 

Die Ge­walt hat ei­nen Schlüs­sel

Mehr als vier­ein­halb Stun­den dau­er­te Der Pro­zess Pe­li­cot im Thea­ter St.Gal­len. Mi­lo Rau und Ser­va­ne Dè­cle in­sze­nier­ten ei­nen Abend über se­xua­li­sier­te Ge­walt und che­mi­sche Un­ter­wer­fung – und über ei­ne Ge­sell­schaft, die von Män­nern mehr Ver­ant­wor­tung ver­langt.

Von Philipp Bürkler,
DSC02202 Kopie

Men­schen­rech­te sind kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit

Die Men­schen­rech­te ste­hen welt­weit un­ter Druck. Doch wie kon­se­quent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neu­es Buch nimmt die Schwei­zer Men­schen­rechts­po­li­tik kri­tisch un­ter die Lu­pe. An der Buch­vor­stel­lung im Squa­re wur­de über Wi­der­sprü­che, Ver­säum­nis­se und mög­li­che Lö­sun­gen dis­ku­tiert.

Von Marion Loher,
3 F1 A4812 web

Die Po­li­zei woll­te nichts se­hen und nichts hö­ren

In ei­ner Ten­nis­hal­le im tog­gen­bur­gi­schen Un­ter­was­ser tra­fen sich vor zehn Jah­ren 5000 Neo­na­zis zum gröss­ten Rechts­rock-Kon­zert, das je im deutsch­spra­chi­gen Raum statt­ge­fun­den hat. Lin­ke Po­li­ti­ker:in­nen re­agier­ten schnell, doch das Er­geb­nis ist er­nüch­ternd.

Von Hans Stutz,
2610 RIO Saalbild

Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater

Ver­schwun­de­ne Na­men im Fa­mi­li­en­stamm­baum

Von Sieglinde Wöhrer,
Leopoldstadt R anjakoehler 260217 1

Stimmrecht

Im Re­gen tan­zen

Von Liliia Matviiv,

Ern­ten in der Grau­zo­ne

Ern­te­hel­fer:in­nen sind in der Schweiz schlecht ge­schützt. Ih­re Ar­beits­be­din­gun­gen lie­gen oft in Grau­be­rei­chen, Kon­trol­len sind schwie­rig. Ei­ne Ver­än­de­rung wür­de je­doch be­deu­ten, ein gan­zes Sys­tem auf den Kopf zu stel­len.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
2610 Erntehelferei 260044 us 0218 max

Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty

Gran­dio­se Gro­tes­ke

Von Florian Vetsch,

Ein En­de mit Aus­ru­fe­zei­chen

Die St.Gal­ler Re­stau­rants Tos­ca­na und The Pinch mach­ten ver­gan­ge­ne Wo­che über Nacht dicht. 15 Per­so­nen stan­den un­vor­be­rei­tet auf der Stras­se. Das ver­ant­wort­li­che In­ves­to­ren-Duo schliesst nicht zum ers­ten Mal ein Re­stau­rant in der Stadt. Das ab­rup­te En­de wirft Fra­gen auf.

Von Andi Giger,
IMG 5751

Volks­bad­sa­nie­rung: Trau­er­spiel seit über 40 Jah­ren

Die Stadt St.Gal­len muss spa­ren und will das his­to­ri­sche Volks­bad nach der Wie­der­eröff­nung des Hal­len­bads Blu­men­wies schlies­sen. Da­bei ver­spricht die Stadt seit über 40 Jah­ren die Sa­nie­rung.

Von René Hornung,
Volksbad rene hornung 1

Der St.Gal­ler Kul­tur gehts an den Kra­gen

Die St.Gal­ler Re­gie­rung spart ge­gen ih­ren Wil­len wei­te­re 60 Mil­lio­nen Fran­ken ein und rech­net für 2027 mit ei­nem Plus von 55 Mil­lio­nen Fran­ken. Kul­tu­rel­le Ar­beit wird da­bei wei­ter pre­ka­ri­siert – mit ei­ner gros­sen Aus­nah­me.

Von Roman Hertler,
Kanton sparmassnahme

Filminstallation über Vergänglichkeit

Nur Vor­wärts

Von Daria Frick,
Emilija Skarnulyte Time of Arrow 2026 Kunstmuseum St Gallen Lokremise Foto Stefan Altenburger

Win­tis Glücks­fall

Die al­ten Fa­brik­hal­len sind aus Win­ter­thurs Kul­tur­le­ben nicht mehr weg­zu­den­ken. Sie wä­ren aber nichts oh­ne en­ga­gier­te und gut ver­netz­te Men­schen. Sai­ten konn­te auf Ein­la­dung des Kul­tur­ma­ga­zins «Coucou» ei­ni­ge von ih­nen tref­fen. Ein klei­ner Stadt­rund­gang

Von Roman Hertler, Bilder: Daria Frick,
2609 Staetevergleich DSC 6589

Sai­son­start mit pu­rem Wahn­sinn

Das Kon­zert und Thea­ter St.Gal­len zeigt ein­dring­lich auf: Fe­mi­zi­de exis­tie­ren in der Schweiz noch im­mer im un­ge­heu­ren Aus­mass. Die In­sze­nie­rung von Co­rin­na von Rad setzt auf das Gro­tes­ke in Ge­org Büch­ners Woy­zeck und fei­er­te am Sams­tag Pre­mie­re im Gros­sen Haus. Ei­ne Pro­duk­ti­on für «je­der-Mann»!

Von Viviane Sonderegger,
7228 dsc00923

Es kratzt, knallt und schep­pert

Viel En­er­gie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neu­en Al­bum Now To Ru­in der Thur­gau­er Band S.G.A.T.V.. Ge­tauft wird am 1. Ok­to­ber im Win­ter­thu­rer Kraft­feld. Sai­ten hat vor­ab rein­ge­hört.

Von Jeremias Heppeler,
1000229093

Bak­te­ri­en und ein Fun­ke Hoff­nung 

Wie kön­nen wir un­se­ren Kon­sum nach­hal­ti­ger ge­stal­ten? In «Next Re­la­ti­ons – Zu­kunft ge­stal­ten» zeigt das Ge­wer­be­mu­se­um Win­ter­thur an­hand von Ar­bei­ten von Stu­die­ren­den mög­li­che An­sät­ze. Ei­ne an­spruchs­vol­le Schau, die Hoff­nung macht.

Von Vera Zatti,
3 gewerbemuseum winterthur next relations leon ehrmann matthis plaga 300dpi a5 1

Mas­ku­li­ni­tät als Spek­trum

Die Aus­stel­lung «Bey­ond the Ma­nos­phe­re. Mas­cu­li­n­i­ties to­day» im Kunst­mu­se­um St.Gal­len un­ter­sucht, wie Männ­lich­keit dar­ge­stellt, ge­prägt und ge­lebt wird. Und zeigt da­bei auch ih­re Wi­der­sprüch­lich­keit.

Von Lilli Kim Schreiber,
Ausstellungsansicht en Foto Sebasti

Tra­gi­ko­mö­die über das Le­ben

Ein Schre­ber­gar­ten wird im neu­en Ro­man Ver­tei­di­gung ei­nes Gar­tens von Chris­ti­na Wal­ker zum Zu­fluchts­ort. Dar­in lässt die Vor­arl­ber­ger Au­torin viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re eben­so auf­blü­hen wie Ap­fel­baum und Jo­han­nis­strauch. 

Von Annette Raschner,
Christina walker foto petra rainer 2026 farbe

Mit­spie­len dür­fen. Aber auch die Spiel­re­geln mit­be­stim­men?

Der Kan­ton St.Gal­len hat Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­de zur jähr­li­chen Kul­tur­kon­fe­renz nach Wil ein­ge­la­den. Spie­le­risch wur­de ver­sucht, die Aus­rich­tung der Kul­tur­för­de­rung zu klä­ren und Mög­lich­kei­ten der neu­en Kul­tur­stra­te­gie zu dis­ku­tie­ren. Doch die zen­tra­le Fra­ge blieb of­fen: Wie stark kann die Kul­tur­sze­ne den In­halt der Stra­te­gie tat­säch­lich mit­be­stim­men?

Von Philipp Bürkler,
IMG 0333
Heftvorschau 10/26
Erntehilfe, Unterwasser, Bücherherbst

Wer als Ern­te­hel­fer:in in der Schweiz ar­bei­tet, tut dies in ei­ner recht­li­chen Grau­zo­ne. Das nützt vor al­lem ei­nem Sys­tem, das we­der die Land­wirt:in­nen noch die Kon­su­ment:in­nen im Al­lein­gang än­dern kön­nen. Aus­ser­dem im Ok­to­ber­heft: zehn Jah­re Un­ter­was­ser, ei­ne Fla­schen­post aus Hal­le (Saa­le), Kunst zum The­ma Männ­lich­keit, Mu­sik von The Black Salt und na­tür­lich der Bü­cher­herbst – mit neu­er Li­te­ra­tur von Ost­schwei­zer Au­tor:in­nen.

Saiten 2610 Cover

Sound­track für den Herbst

Hu­man Hu­man spie­len me­lan­cho­li­schen und fra­gi­len In­die-Pop, der trotz­dem warm und licht­durch­flu­tet ist. Das St.Gal­ler Duo hat jetzt sei­ne ers­te EP ver­öf­fent­licht und tritt am Wo­chen­en­de gleich zwei­mal im Bahn­hof Brug­gen auf – erst­mals mit ei­ner Band.

Von David Gadze,
Humanhuman 2026 calexandrakochdevos lowres 2