Gut 60 Prozent Nein im Kanton St.Gallen, gut 53 Prozent im Thurgau: Dass die beiden Kantone den Expo-Planungskredit ablehnen, ist keine Überraschung. Das könnte das Resultat bloss sein, wenn man es hätte voraussagen können, und es nun nicht eingetroffen wäre. Doch das war bei dieser Abstimmung nicht möglich. Abgesehen von wenigen Leserbriefen und mässig besuchten Podien gab es keine richtige Debatte.
Die Idee einer Expo lockte offensichtlich niemanden hinter dem Ofen hervor, nicht einmal in der sonst fortschrittlichen Stadt St.Gallen, die auch knapp Nein sagt. Das ist denn wohl auch der Grund für die Ablehnung: Die fehlende Leidenschaft.
Den Befürwortern gelang es nicht, prominente Politikerinnen und Politiker für eine Expo zu mobilisieren, bereits jetzt eine Frau oder einen Herr Expo für das Projekt zu präsentieren. Auch die Anschlüsse in die Kulturszene, die am ehesten die Leidenschaft, die Sprache, die Bilder dafür hätte entwickeln können, fehlten. Das liegt auch an den Kulturschaffenden selbst. Sie merkten erst spät, was für eine Chance die Expo bieten könnte. Das ist denn auch die Folge dieses Nein: Eine verpasste Möglichkeit.
Zufrieden im Abseits
Die St.Galler und Thurgauer Stimmberechtigten sehen offenbar keinen Bedarf, die eigene Identität in einer Landesausstellung neu auszuhandeln. Das von den Gegnerinnen und Gegnern vorgebrachte Argument, eine Expo brauche es in globalisierten Zeiten nicht mehr, mag ein Argument gewesen sein. Weit wichtiger waren in der sparsamen Ostschweiz wohl die zu erwartenden Kosten, auch wenn sich die Investitionen in Zukunft mehrfach ausgezahlt hätten. Darin liegt denn auch das tieferliegende Problem des Neins: die Selbsteinschätzung.
Mit dem Nein gibt sich eine Mehrheit der Stimmbevölkerung, wie das der St.Galler Kantonsrat Session für Session vorexerziert, mit der Situation der Ostschweiz zufrieden. Auch wenn der Landesteil zunehmend abgehängt wird. Wohin sich die Ostschweiz politisch, wirtschaftlich, kulturell entwickeln soll, im Verhältnis zur Schweiz wie im Dreiländereck am Bodensee, wird viel zu selten diskutiert. Man ist offenbar, und das ist niederschmetternd, nicht einmal bereit, die Zukunft mit einem bescheidenen Planungskredit für die Expo auszuloten.
Einmal mehr zeigt sich: Der Ostschweizer, die Ostschweizerin weiss schon im vornherein, dass etwas im nachhinein nicht funktioniert haben wird. Wer je an einem kulturellen Projekt beteiligt war, kennt diese destruktive Skepsis zur Genüge. Wenigstens das Jammern, dass man ständig von der Restschweiz übergangen wird, entbehrt künftig der Grundlage. Es gelingt offenbar nicht einmal, ein Projekt zu formulieren, das vom Bund allenfalls finanziell unterstützt werden könnte.
Dann halt inoffiziell
Die Idee einer Expo ist weg, doch das Jahr 2027 kommt bestimmt. All jene, die an einer Diskussion über die Zukunft der Ostschweiz interessiert sind, könnten sich das Jahr 2027 dennoch zum Horizont nehmen. Welche konkreten Projekte, gerade in der Kultur, aber auch in der Bildung und in der Wirtschaft, könnten bis dann realisiert werden? Wenn es schon keine offizielle Expo gibt, dann hoffentlich eine inoffizielle.
Im Thurgau äussert sich der Präsident der beratenden regierungsrätlichen Kulturkommission, Hansjörg Höhener, enttäuscht über das Ergebnis. «Eine verpasste Chance», sagt er gegenüber thurgaukultur.ch und stellt fest, dass sich von Seiten der Kulturschaffenden im Thurgau niemand im Abstimmungskampf engagiert habe. Jeder koche halt sein eigenes Süppli; da sei der Sport wesentlich besser aufgestellt. Der vollständige Bericht hier.
Mehr als viereinhalb Stunden dauerte Der Prozess Pelicot im Theater St.Gallen. Milo Rau und Servane Dècle inszenierten einen Abend über sexualisierte Gewalt und chemische Unterwerfung – und über eine Gesellschaft, die von Männern mehr Verantwortung verlangt.
Die Menschenrechte stehen weltweit unter Druck. Doch wie konsequent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neues Buch nimmt die Schweizer Menschenrechtspolitik kritisch unter die Lupe. An der Buchvorstellung im Square wurde über Widersprüche, Versäumnisse und mögliche Lösungen diskutiert.
In einer Tennishalle im toggenburgischen Unterwasser trafen sich vor zehn Jahren 5000 Neonazis zum grössten Rechtsrock-Konzert, das je im deutschsprachigen Raum stattgefunden hat. Linke Politiker:innen reagierten schnell, doch das Ergebnis ist ernüchternd.
Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater
Stimmrecht
Erntehelfer:innen sind in der Schweiz schlecht geschützt. Ihre Arbeitsbedingungen liegen oft in Graubereichen, Kontrollen sind schwierig. Eine Veränderung würde jedoch bedeuten, ein ganzes System auf den Kopf zu stellen.
Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty
Die St.Galler Restaurants Toscana und The Pinch machten vergangene Woche über Nacht dicht. 15 Personen standen unvorbereitet auf der Strasse. Das verantwortliche Investoren-Duo schliesst nicht zum ersten Mal ein Restaurant in der Stadt. Das abrupte Ende wirft Fragen auf.
Die Stadt St.Gallen muss sparen und will das historische Volksbad nach der Wiedereröffnung des Hallenbads Blumenwies schliessen. Dabei verspricht die Stadt seit über 40 Jahren die Sanierung.
Die St.Galler Regierung spart gegen ihren Willen weitere 60 Millionen Franken ein und rechnet für 2027 mit einem Plus von 55 Millionen Franken. Kulturelle Arbeit wird dabei weiter prekarisiert – mit einer grossen Ausnahme.
Filminstallation über Vergänglichkeit
Die alten Fabrikhallen sind aus Winterthurs Kulturleben nicht mehr wegzudenken. Sie wären aber nichts ohne engagierte und gut vernetzte Menschen. Saiten konnte auf Einladung des Kulturmagazins «Coucou» einige von ihnen treffen. Ein kleiner Stadtrundgang
Das Konzert und Theater St.Gallen zeigt eindringlich auf: Femizide existieren in der Schweiz noch immer im ungeheuren Ausmass. Die Inszenierung von Corinna von Rad setzt auf das Groteske in Georg Büchners Woyzeck und feierte am Samstag Premiere im Grossen Haus. Eine Produktion für «jeder-Mann»!
Viel Energie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neuen Album Now To Ruin der Thurgauer Band S.G.A.T.V.. Getauft wird am 1. Oktober im Winterthurer Kraftfeld. Saiten hat vorab reingehört.
Wie können wir unseren Konsum nachhaltiger gestalten? In «Next Relations – Zukunft gestalten» zeigt das Gewerbemuseum Winterthur anhand von Arbeiten von Studierenden mögliche Ansätze. Eine anspruchsvolle Schau, die Hoffnung macht.
Die Ausstellung «Beyond the Manosphere. Masculinities today» im Kunstmuseum St.Gallen untersucht, wie Männlichkeit dargestellt, geprägt und gelebt wird. Und zeigt dabei auch ihre Widersprüchlichkeit.
Ein Schrebergarten wird im neuen Roman Verteidigung eines Gartens von Christina Walker zum Zufluchtsort. Darin lässt die Vorarlberger Autorin vielschichtige Charaktere ebenso aufblühen wie Apfelbaum und Johannisstrauch.
Der Kanton St.Gallen hat Kunst- und Kulturschaffende zur jährlichen Kulturkonferenz nach Wil eingeladen. Spielerisch wurde versucht, die Ausrichtung der Kulturförderung zu klären und Möglichkeiten der neuen Kulturstrategie zu diskutieren. Doch die zentrale Frage blieb offen: Wie stark kann die Kulturszene den Inhalt der Strategie tatsächlich mitbestimmen?
Wer als Erntehelfer:in in der Schweiz arbeitet, tut dies in einer rechtlichen Grauzone. Das nützt vor allem einem System, das weder die Landwirt:innen noch die Konsument:innen im Alleingang ändern können. Ausserdem im Oktoberheft: zehn Jahre Unterwasser, eine Flaschenpost aus Halle (Saale), Kunst zum Thema Männlichkeit, Musik von The Black Salt und natürlich der Bücherherbst – mit neuer Literatur von Ostschweizer Autor:innen.
Human Human spielen melancholischen und fragilen Indie-Pop, der trotzdem warm und lichtdurchflutet ist. Das St.Galler Duo hat jetzt seine erste EP veröffentlicht und tritt am Wochenende gleich zweimal im Bahnhof Bruggen auf – erstmals mit einer Band.