Zeitvorsorge ist ein Zeitgutschriften-System zur Betreuung und Unterstützung hilfsbedürftiger älterer Menschen. Fitte Rentner und Rentnerinnen (die Zeitvorsorgenden) leisten im Austausch gegen Zeitgutschriften häusliche Unterstützungsdienste für hilfsbedürftige Betagte (die Leistungsbeziehenden).
Heute leisten rund 44 Zeitvorsorgende (Ende 2014 waren es noch 33) ihren Dienst im freiwilligen Netzwerk. Über 1500 Zeitvorsorge-Stunden insgesamt konnten schon gutgeschrieben werden. – Wir haben mit der Geschäftsführerin der Stiftung Zeitvorsorge, Priska Muggli, gesprochen:
Priska Muggli
Haben Sie mit dieser guten Anfangsbilanz gerechnet?
Priska Muggli: Unmittelbar nach der Vorstellung des St.Galler Zeitvorsorgeprojekts im Juni 2014 haben sich viele gemeldet, die an einem Einsatz als Zeitvorsorgende interessiert waren. Ich rechnete schon mit einer Nachfrage-Überflutung und wusste, dass die Organisation so vieler Einsätze zu einer Herausforderung werden würde. Ich war daher froh, dass die Nachfrage wieder etwas abgenommen hat, weil wir damals erst mit drei Einsatzorganisationen zusammenarbeiteten. Heute sind es bereits neun, dazu ghören unter anderem die Spitex Centrum, die Pro Senectute Regionalstelle St.Gallen, der Rotkreuz-Fahrdienst und auch kirchliche Organisationen. Ziel ist es, in diesem Jahr noch zwei bis drei weitere Einsatzorganisationen zu gewinnen.
Was ist denn die Aufgabe dieser Einsatzorganisationen?
Sie klären die Bedarfslage ab, damit wir wissen, wo die Leute sind, die eine Leistung beziehen wollen und orientieren uns auch über deren individuelle Bedürfnisse. Anhand dieser Abklärungen können wir dann die passenden Zeitvorsorgenden finden. Diese Koordination ist Voraussetzung für unsere Arbeit.
In welchen Lebensbereichen spielen sich diese Einsätze hauptsächlich ab?
Nach unseren bisherigen Erfahrungen vor allem dort, wo die Lebensqualität verbessert werden kann. Das können Gespräche, Spaziergänge, Einkäufe oder auch Kaffeebesuche sein, zu denen sich die Zeitvorsorgenden mit den Leistungsbeziehenden verabreden. Weiter gibt es auch Einsätze, mit denen Angehörige entlastet werden sollen, Ehepartnerinnen oder Ehepartner etwa.
Wo gibt es Schwierigkeiten?
Wir wünschten uns noch mehr Leistungsbeziehende. Offenbar fällt es vielen schwer, Hilfe anzunehmen oder anzufordern. Selbstverständlich können sich Interessierte direkt an uns wenden, es ist aber auch wichtig, dass Sozialdienste, Pfarreien und andere vertrauenswürdige Organisationen auf unser Angebot aufmerksam machen. Interessant ist auch, dass Frauen, die gerne die Gesellschaft eines anderen Menschen hätten, sich dafür mehrheitlich eine Frau suchen. Einzelne befürchten, es könnte in der Nachbarschaft getratscht werden, wenn sie in Gesellschaft eines Mannes wären. Das ist nicht ganz richtig…
Wie ist denn das Geschlechterverhältnis bei den Zeitvorsorgenden?
Wir unterscheiden zwischen dem Status «Interessiert» und «Aktiv»: Interessierte sind Zeitvorsorgende, die noch auf einen Einsatz warten, Aktive leisten bereits Einsätze. Unter den Aktiven gab es Ende 2014 rund 22 Frauen und 11 Männer. Zusammen mit den Interessierten waren es insgesamt 26 Frauen und 19 Männer.
Und wie verhält es sich mit deren Leistungsangeboten?
Bei den Frauen melden sich viele mit einer breiten, sehr flexiblen Angebotspalette. Männer hingegen kommen in der Regel mit klar definierten, spezifischen Angeboten. Sie wollen beispielsweise Schnee schaufeln, handwerkliche oder auch administrative Arbeiten verrichten. – Wobei letzteres derzeit nicht gefragt ist. Dieser Bereich ist aber ohnehin relativ heikel, zudem gibt es bereits Sozialorganisationen, die solche Angebote professionell anbieten.
In welchem Alter sind die Zeitvorsorgenden und Leistungsbeziehenden?
Bei den Zeitvorsorgenden sind die meisten zwischen 60 und 75 Jahre alt, die Leistungsbeziehenden sind 80 oder älter.
Bei der Medienpräsentation im Juni 2014 hiess es, dass in der Vorlauf- und Testphase kontrovers auf das St.Galler Modell reagiert worden sei: Manche kritisierten das Vergüten von sozialem Engagement, auch wenn der «Lohn» nicht finanzieller Natur ist. Gibt es diese Tendenzen nach wie vor?
Ja, und das finde ich gut so. So kann jede Person, die sich freiwillig engagieren möchte, selbst entscheiden, welche Form für sie passt.
Wie wird das Zeitguthaben erfasst?
Unser Erfassunsgssystem beruht auf Ehrlichkeit und Vertrauen: Die Zeitvorsorgenden schreiben auf, wie lange sie im Einsatz waren und lassen sich die Angaben per Unterschrift von den Leistungsbeziehenden bestätigen. Diese Zeit wird dann auf einem Konto gutgeschrieben und kann später bezogen werden.
Weitere Infos: zeitvorsorge.ch
Mehr als viereinhalb Stunden dauerte Der Prozess Pelicot im Theater St.Gallen. Milo Rau und Servane Dècle inszenierten einen Abend über sexualisierte Gewalt und chemische Unterwerfung – und über eine Gesellschaft, die von Männern mehr Verantwortung verlangt.
Die Menschenrechte stehen weltweit unter Druck. Doch wie konsequent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neues Buch nimmt die Schweizer Menschenrechtspolitik kritisch unter die Lupe. An der Buchvorstellung im Square wurde über Widersprüche, Versäumnisse und mögliche Lösungen diskutiert.
In einer Tennishalle im toggenburgischen Unterwasser trafen sich vor zehn Jahren 5000 Neonazis zum grössten Rechtsrock-Konzert, das je im deutschsprachigen Raum stattgefunden hat. Linke Politiker:innen reagierten schnell, doch das Ergebnis ist ernüchternd.
Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater
Stimmrecht
Erntehelfer:innen sind in der Schweiz schlecht geschützt. Ihre Arbeitsbedingungen liegen oft in Graubereichen, Kontrollen sind schwierig. Eine Veränderung würde jedoch bedeuten, ein ganzes System auf den Kopf zu stellen.
Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty
Die St.Galler Restaurants Toscana und The Pinch machten vergangene Woche über Nacht dicht. 15 Personen standen unvorbereitet auf der Strasse. Das verantwortliche Investoren-Duo schliesst nicht zum ersten Mal ein Restaurant in der Stadt. Das abrupte Ende wirft Fragen auf.
Die Stadt St.Gallen muss sparen und will das historische Volksbad nach der Wiedereröffnung des Hallenbads Blumenwies schliessen. Dabei verspricht die Stadt seit über 40 Jahren die Sanierung.
Die St.Galler Regierung spart gegen ihren Willen weitere 60 Millionen Franken ein und rechnet für 2027 mit einem Plus von 55 Millionen Franken. Kulturelle Arbeit wird dabei weiter prekarisiert – mit einer grossen Ausnahme.
Filminstallation über Vergänglichkeit
Die alten Fabrikhallen sind aus Winterthurs Kulturleben nicht mehr wegzudenken. Sie wären aber nichts ohne engagierte und gut vernetzte Menschen. Saiten konnte auf Einladung des Kulturmagazins «Coucou» einige von ihnen treffen. Ein kleiner Stadtrundgang
Das Konzert und Theater St.Gallen zeigt eindringlich auf: Femizide existieren in der Schweiz noch immer im ungeheuren Ausmass. Die Inszenierung von Corinna von Rad setzt auf das Groteske in Georg Büchners Woyzeck und feierte am Samstag Premiere im Grossen Haus. Eine Produktion für «jeder-Mann»!
Viel Energie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neuen Album Now To Ruin der Thurgauer Band S.G.A.T.V.. Getauft wird am 1. Oktober im Winterthurer Kraftfeld. Saiten hat vorab reingehört.
Wie können wir unseren Konsum nachhaltiger gestalten? In «Next Relations – Zukunft gestalten» zeigt das Gewerbemuseum Winterthur anhand von Arbeiten von Studierenden mögliche Ansätze. Eine anspruchsvolle Schau, die Hoffnung macht.
Die Ausstellung «Beyond the Manosphere. Masculinities today» im Kunstmuseum St.Gallen untersucht, wie Männlichkeit dargestellt, geprägt und gelebt wird. Und zeigt dabei auch ihre Widersprüchlichkeit.
Ein Schrebergarten wird im neuen Roman Verteidigung eines Gartens von Christina Walker zum Zufluchtsort. Darin lässt die Vorarlberger Autorin vielschichtige Charaktere ebenso aufblühen wie Apfelbaum und Johannisstrauch.
Der Kanton St.Gallen hat Kunst- und Kulturschaffende zur jährlichen Kulturkonferenz nach Wil eingeladen. Spielerisch wurde versucht, die Ausrichtung der Kulturförderung zu klären und Möglichkeiten der neuen Kulturstrategie zu diskutieren. Doch die zentrale Frage blieb offen: Wie stark kann die Kulturszene den Inhalt der Strategie tatsächlich mitbestimmen?
Wer als Erntehelfer:in in der Schweiz arbeitet, tut dies in einer rechtlichen Grauzone. Das nützt vor allem einem System, das weder die Landwirt:innen noch die Konsument:innen im Alleingang ändern können. Ausserdem im Oktoberheft: zehn Jahre Unterwasser, eine Flaschenpost aus Halle (Saale), Kunst zum Thema Männlichkeit, Musik von The Black Salt und natürlich der Bücherherbst – mit neuer Literatur von Ostschweizer Autor:innen.
Human Human spielen melancholischen und fragilen Indie-Pop, der trotzdem warm und lichtdurchflutet ist. Das St.Galler Duo hat jetzt seine erste EP veröffentlicht und tritt am Wochenende gleich zweimal im Bahnhof Bruggen auf – erstmals mit einer Band.