Saiten: Das Kunstmuseum und das Historische Museum sind in der Thurgauer Kulturlandschaft zwei grosse Baustellen. Insgesamt soll aber die Stellung aller kantonalen Museen als Erlebnis-, Bildungs- und Erfahrungsorte gestärkt werden. Wie soll das konkret vor sich gehen?
Martha Monstein: Ein Schwerpunkt in den kommenden Jahren ist die Entwicklung einer Museumsstrategie mit den entsprechenden Massnahmen zur Umsetzung der Strategie. Wir stehen ganz am Anfang dieses Prozesses, der sich über längere Zeit hinziehen wird. Wichtigstes Ziel ist die Stärkung der Museumslandschaft im Hinblick auf die wachsenden Herausforderungen, denen sich die Museen stellen müssen.
Der Thurgau hat sechs kantonale Museen und eine hohe Dichte an regionalen Sammlungen und regionalen Museen. Mit einer gesamtkantonalen Strategie wollen wir dies vermehrt sichtbar machen. Wirksame Massnahmen könnten zum Beispiel verstärkte Kooperationen zwischen kantonalen und auch privaten beziehungsweise lokalen Museen sein, etwa die Entwicklung einer Dachmarke. Es sind Bestrebungen im Gange, die Aktivitäten der einzelnen Museen zu koordinieren. Das braucht Zeit und erfordert auch Professionalität.
Seit dem Bundesgerichtsentscheid vom April 2015 sind die Sanierung und die Erweiterung des Kunstmuseums Thurgau gestoppt worden. Geplant sind jetzt ein neues Projekt und eine neue Projektorganisation am bisherigen Standort. Die Planung für ein Historisches Museums im Kornhaus Romanshorn ist gescheitert. Der Kanton prüft nun andere Standorte. Wie ist der aktuelle Stand auf diesen Museumsbaustellen?
Martha Monstein (Bild: kulturamt.tg.ch)
Die Diskussionen über die baulichen Projekte der beiden Museen sind schon lange im Gange und waren leider bisher nicht erfolgreich. Nun geht es darum, herauszufinden, welche Lösungen Sinn machen und was man mit den Museen überhaupt erreichen will. Man wird sich auch überlegen müssen, wie Abstimmungen über Museumsvorlagen gewonnen werden können. Im kommenden Herbst will die Kantonsregierung entscheiden, wie es weitergehen soll beim Kunstmuseum und beim Historischen Museum.
Bei der Kulturvermittlung soll die Kooperation im Bodenseeraum und in der Ostschweiz verstärkt werden. Stösst dieses Vorhaben auf Gegeninteresse bei den Kulturanbietern in der Region, und sind schon entsprechende Projekte aufgegleist?
Die Ämter für Kultur der Kantone AR, SG und TG haben bereits erfolgreich gemeinsam das Kooperationsprojekt «kklick – Kulturvermittlung Ostschweiz» aufgebaut. Die Internet-Plattform kklick.ch bietet insbesondere Lehrpersonen eine zentrale Anlauf- und Auskunftstelle rund um den Bereich der Kulturvermittlung. Mit unserem Schwerpunkt in der Kulturvermittlung wollen wir das Angebot ausbauen und einzelnen Institutionen ermöglichen, unter Beizug professioneller Vermittlungspersonen die Kulturvermittlung auszubauen. Ein weiteres Beispiel für die interkantonale Zusammenarbeit sind die Schultheatertage, die im März zum zweiten Mal stattgefunden haben.
Der Kanton Thurgau will die Regionalträgerschaften der Kulturförderung und Kulturpflege stärken und den niederschwelligen Zugang zu Kunst und Kultur fördern. Wie muss man sich das vorstellen?
Im Thurgau gibt es viele Gemeinden, die sich zu regionalen Kulturpools zusammengeschlossen haben. Ziel dieser Pools ist es, auf regionaler Ebene das kulturelle Leben zu fördern und den Bedürfnissen einer Region gerecht zu werden. Der Kanton unterstützt diese Bestrebungen, indem er die Beiträge an die Gemeinden verdoppelt. Da noch nicht in allen Regionen Kulturpools existieren, wollen wir unterstützend wirken, so dass die Lücken im Kanton geschlossen werden können.
Bei der Kulturpflege stehen neben dem Schwerpunkt der Museumsstrategie die regionalen Museen im Fokus. Der Kanton will sie den Möglichkeiten entsprechend unterstützen und beraten. Die Museen erhalten projektbezogene Beiträge aus dem Lotteriefonds, damit sie sich zum Beispiel in der Kulturvermittlung weiterentwickeln können.
Wir hoffen, mit unseren Bemühungen in der Kulturförderung, der Kulturpflege und der Kulturvermittlung einen wichtigen Beitrag zur Lebensqualität im Kanton zu leisten, denn der Reichtum einer Gesellschaft ist die Vielfalt ihres kulturellen Lebens und die Teilhabe möglichst vieler daran.
Das Historische Museum Thurgau (Bilder: pd)
Vorwurf der Filzokratie an die Kulturstiftung
Kulturförderung im Thurgau löst nicht nur eitel Freude aus. Die unabhängige Kulturstiftung des Kantons Thurgau, mit der die Regierung eng zusammenarbeitet, trifft aus Kreisen der SVP der Vorwurf der Filzokratie. In einer Interpellation von Kantonsrat Urs Martin, die von der Regierung noch nicht beantwortet ist, heisst es, dass die Stiftung in den Jahren 2010 bis 2014 über eine halbe Million Franken an Stiftungsräte oder an ihnen nahestehende Kulturorganisationen bezahlt habe. Neben der staatlichen Kulturförderung obliegt es der Stiftung, die seit 25 Jahren aktiv ist, zeitgenössisches Kulturschaffen mit Geldern aus dem Lotteriefonds zu unterstützen.
Laut den Satzungen der Stiftung müssen dem neunköpfigen Stiftungsrat je drei Kulturschaffende, Kulturvermittler und Vertreter des öffentlichen Lebens angehören. So kommt es vor, dass eben auch die Kulturschaffenden im Stiftungsrat gelegentlich Fördergelder für konkrete Projekte erhalten.
SVP-Politiker Martin passt das nicht. Darum verlangt er in seiner Interpellation, dass in den Stiftungsrat künftig nur noch Mitglieder gewählt werden, die sowohl kulturell kompetent als auch bereit sind, während ihrer Mandatszeit für sich und für ihnen nahestehende Kulturorganisationen auf Förderbeiträge der Stiftung zu verzichten.
Gerade so gut könnte Martin fordern, dass seine unternehmerisch tätigen SVP-Kollegen im Kantonsparlament Staatsaufträge ausschlügen.
Ausstellung in Herisau
Nach 22 Jahren gibt Matthias Peter die Leitung der St.Galler Kellerbühne ab. Vom Raum ist er nach wie vor begeistert. Aber dem Kabarett ging es auch schon besser, erzählt er im Gespräch.
Die Thurgauer Künstlerin Micha Stuhlmann befasst sich in ihrem neuen Projekt mit dem Dasein im Moment. Am 7. Juni findet dazu ein Workshop in St.Gallen statt und am 26. Juni zeigt sie mit ihrem Ensemble die finale Performance in Kreuzlingen.
Die Tonhalle Wil wurde 1876 eröffnet. Seither bereichert sie praktisch ununterbrochen das kulturelle Leben der Äbtestadt. An den kommenden zwei Wochenenden wird gefeiert.
Jonas Ulrich taucht mit seinem ersten Spielfilm in die Black-Metal-Welt ab. Wolves ist eine bildstarke Geschichte über Einsamkeit und das Dazugehören, voller Gegensätze und mit etwas holprigen Dialogen.
St.Gallen bewahrt nicht mehr nur 1000-jährige Handschriften. Mit dem Internet Archive Switzerland entsteht hier ein Archiv für Webseiten, künstliche Intelligenz und das digitale Gedächtnis der Zukunft.
Mit Internet Archive Switzerland entsteht in St.Gallen ein Ableger des grössten Archivs für Websiten und Künstliche Intelligenz weltweit. Ausserdem im Juniheft: Männer unter Generalverdacht, das grosse St.Galler 80er-Buch, das Abschiedsinterview mit dem langjährigen Kellerbühnenchef und die Flaschenpost aus Venedig.
Der WWF St.Gallen wird 50 Jahre alt. Sein Geschäftsleiter Lukas Indermaur zieht bei der Beurteilung der aktuellen Situation von Natur und Umwelt eine durchzogene Bilanz.
«Urs Frei. A – Z» im Kunstmuseum St. Gallen ist die erste Retrospektive zum ausserordentlichen Schaffen von Urs Frei (1958 – 2023). Rund 140 Arbeiten geben Einblick in ein Werk, das kaum zu fassen ist. Das gehört zu seiner Qualität.
Wie wollen wir künftig leben und unsere Nahrungsmittel produzieren? Die Ausstellung «How goes Tomorrow» der Ostschweizer Künstlerin Claude Bühler in der Shedhalle in Frauenfeld sensibilisiert für nachhaltige Handlungsstrategien.
«Das Kind zurücklassen? Wie kann man so dumm und herzlos sein», schreibt der Schweizer Autor Lukas Bärfuss über seine Mutter, die keine Mutter für ihn sein konnte. In seinem neuen Buch schaut er in die Vergangenheit und hat Verständnis, nicht für die Mutter, aber doch für diese Frau, die nie Glück und immer zu wenig Geld hatte.
Gaal, Görtler und Witzig schiessen St. Gallen zum langersehnten Cupsieg!
Die Medikamentenversuche von Münsterlingen als Teil eines Vampir-Musicals? Auf die Idee muss man erst einmal kommen. Die Bühne Mammern wagt den Versuch. Ab 29. Mai im Zirkuszelt.
Die diesjährige Kulturlandsgemeinde findet entlang der Bahnlinie zwischen Gossau und Wasserauen statt. Es ist ein interdisziplinäres Experimentzwischen Kunst, Gesellschaft und Aktivismus. Ausserdem stellt die Kulturlandsgemeinde künstlerisch und organisatorisch die Weichen für die Zukunft.
Am Samstag findet in St.Gallen erstmals das Punkfestival El Cartel statt. Es soll dazu beitragen, die Szene zu stärken. Dabei fehlt es gerade in St.Gallen an Nachwuchs.
Seit 40 Jahren macht die Bibliothek Wyborada in St.Gallen sichtbar, was lange fehlte: Literatur von und über Frauen. Heute sind Autorinnen und feministische Themen zwar stärker präsent in der Öffentlichkeit, doch die Relevanz der Bibliothek ist nach wie vor gross.
Mit einer Interpellation greifen SVP und EDU im St.Galler Kantonsrat den ausserschulischen Aufklärungsunterricht an. Und mit Unterstützung des «Lehrernetzwerks Schweiz» wollen Eltern aus Bütschwil eine Mitarbeiterin der Fachstelle für Aids- und Sexualfragen vor Gericht bringen. Dahinter steckt eine orchestrierte Aktion.
«Dieci», die italienische Zahl für zehn, ist das Motto des diesjährigen Heiden-Festivals. Es verweist dabei nicht nur auf das Jubiläum, sondern auch auf eine kulturpolitische Haltung.
Naturmuseum Thurgau
Das St.Galler Theater Trouvaille entdeckt den Musiker und Juristen Mani Matter neu. «’S isch einisch eine gsy»– 90 Jahre Mani Matter verbindet zahlreiche Lieder und literarische Texte des Berners zu einem abendfüllenden Programm. Saiten hat mit dem Theaterleiter Matthias Flückiger gesprochen.