Die bürgerliche Stadtregierung und ihr Demokratieverständnis - Tiefgaragen und neue Erkenntnisse zum Klubhaus.
Ministerpräsident Erdogan plant, einen der letzten grünen Flecken Istanbuls mit einem Einkaufszentrum zu überbauen. Dieses Vorhaben hat einige, laut ihm «Extremisten», dazu veranlasst, im Gezi-Park ein Protestcamp einzurichten. Einkaufszentren sind in Istanbul etwa so modisch wie Tiefgaragen in St.Gallen; etliche mussten in den letzten Jahren wieder schliessen, weil es schlicht zu viele davon gibt. Noch vor dem riesigen Volksaufstand am vergangenen Wochenende, bei dem es nicht mehr nur um diesen konkreten Bau ging, versuchte der «Sultan» die Gegner anzuzählen: «Ihr könnt machen, was ihr wollt, wir haben uns schon entschieden.» Das Einkaufszentrum werde gebaut, schliesslich habe eine Mehrheit seine AKP gewählt. Wem das nicht passe, der solle das gefälligst an der Urne zum Ausdruck bringen.
In den Köpfen von uns Demokratie-geübten (und manchmal verwöhnten) Schweizerinnen und Schweizern rutscht Erdogan damit in die Nähe von Despoten wie Ben Ali, Mubarak und Assad. Allerdings könnte dem zeitungslesenden Stadtbürger noch eine weitere Seelenverwandte Erdogans in den Sinn kommen: Baudirektorin Patrizia Adam.
Sie hat unlängst gegenüber dem «Tagblatt» erklärt, die Parkgarage «Union Plus» solle trotz allem gebaut werden, schliesslich hätten ihre Wähler gewusst, auf welcher Seite sie stehe. Ungesagt blieb, dass dieselben Wähler nicht damit gerechnet haben, dass Frau Adam das Baudepartement kriegt – und eine Mehrheit der Bevölkerung unter dem Marktplatz definitiv keine Parkgarage will. Istanbul zeigt, wie man solche «Missverständnisse» aufklären kann…
Humor zeigt die Stadtregierung auch in der Klubhaus Frage. Etwas überstürzt bietet die Stadt dem Verein Hogar Español ein neues Lokal an, das Restaurant Kreuz in Winkeln. Man habe dieses Objekt dazumal gekauft, um im Quartier ein Restaurant mit Saal zu erhalten. Klar: Davon gibt’s nicht so viele, erschwingliche schon gar nicht. Für die etwas verwirrten Vereinsmitglieder war dies eine bequeme Lösung, die Zukunft ist gesichert. Entgegen «Tagblatt-Online» wäre aber zu päzisieren, dass das Klubhaus damit nicht nach Winkeln gezügelt ist – das Haus bleibt vorderhand, wo es seit 1889 steht: an der Klubhausstrasse 3 hinter dem Bahnhof St.Gallen.
Als die SP vor kurzem anregte, man müsse sich um günstigen Wohnraum kümmern, war die Antwort der Stadtregierung, für diesen Zweck sei man bereits Mitglied in diversen Genossenschaften. Das Klubhaus wird sie dabei nicht gemeint haben, aber dennoch: Die Stadt als Genossenschaftsmitglied mit Vorkaufsrecht hat die Möglichkeit, das letzte günstige Restaurant mit Saal im Zentrum zu kaufen und zu erhalten. Entgegen anderslautenden Behauptungen erklärt der Jurist der IG Klubhaus, dass die dreimonatige Frist, um das Vorkaufsrecht geltend zu machen, ganz klar erst nach dem GV-Entscheid vom 26.März 2013 zu laufen begann. Die Frist läuft demnach noch bis Ende Juni. Nächsten Dienstag tagt das Parlament – höchste Zeit also, die Damen und Herren Stadträte an ihre Verantwortung zu erinnern.
Der letzte günstige Gesellschaftssaal hat nicht nur für Arbeiterinnen und Studenten, sondern für die ganze Bevölkerung einen unersetzlichen Wert. Er liegt zentrumsnah, wird rege genutzt – das Angebot ist mit der benachbarten FHS sogar noch ausbaufähig. Diesen Kulturort mit einem toten Bürogebäude auszutauschen wäre eine Fratze, die dem Angesicht einer Stadt nicht würdig wäre. Vorschläge für eine neue Nutzung gibt es – spanische Küche nicht ausgeschlossen.
Oder darfs heute türkisch sein?
Die deutsche Filmemacherin Regina Schilling bringt zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann Jemand, der einmal ich war ins Kino. Der Dokumentarfilm verknüpft grossartige Archivaufnahmen mit fiktionalen Szenen aus dem letzten Lebensjahr der Dichterin zu einem zugänglichen Plot.
Die SVP macht seit Wochen Stimmung gegen die geplante neue Moschee der albanisch-islamischen Gemeinschaft El-Hidaje in St.Gallen. Anlässlich eines öffentlichen Rundgangs der SP stellten die Verantwortlichen das Projekt vor – und räumten mit vielen Vorurteilen auf.
Jim Dine gehört zu den bedeutendsten zeitgenössischen Künstler:innen. Seit ein paar Jahren erschafft er seine Skulpturen vornehmlich im Sittertal. In die Kunstgiesserei verliebte sich der Pop-Art-Pionier bei seinem ersten Besuch vor fast 20 Jahren.
Alles deutet drauf hin, dass die Uni St.Gallen demnächst in den bisherigen Hauptsitz der Helvetia-Versicherung, geplant vom Basler Architekturbüro Herzog und de Meuron, als zweiten grossen Standort auf dem Rosenberg einziehen kann. Zusätzlich ist ein Holzbau mit Seminarräumen in Planung.
Der FC St.Gallen zeigt sich gegen Sheriff Tiraspol von seiner besten Seite und gewinnt das Spiel nicht nur souverän, sondern auch hoch mit 5:1. Weiter geht's im Playoff gegen den FC Nordsjælland aus Dænemark.
Jubiläum
Durch bunte Galaxien bis in ein Meer aus Katzenstreu. Die Ausstellung «Hinter’m Mond» vom Künstler:innenkollektiv U5 und Monika Stalder im Stellwerk in Heerbrugg lädt zu einer intergalaktischen Reise ein.
Die Ostschweizer Band Drill bringt mit Catharsis eine neue EP raus. Die sechs Songs sind ein wilder Ritt auf schweren Gitarrenriffs, bei dem Metalcore auch mal auf Hyperpop trifft.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 7: Rathausoper Konstanz, Charles Uzors The Great Wall. A Labyrinth, Clanx-Festival und Rundgänge zu Wiboradas Schwestern.
Gegen dieses Luzern müsste der FC St.Gallen eigentlich drei Punkte einfahren. Zum Schluss muss er aber froh sein, dass es immerhin einer wird. Der Ausgleich gelingt erst weit in der Nachspielzeit per Penalty. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Herbert Rauch (1929–2012) war Briefträger und Künstler. In den Schwarz-Weiss-Fotografien des Rankweilers erscheinen Objekte wie Steine und Federn als abstrakte, grafische Gebilde. Nun ist ein Fotoband zu seinem Spätwerk erschienen, und im Schauraum René Dalpra in Altach sind seine Arbeiten ausgestellt.
Eine Bundesrätin, mehrere Nationalrät:innen und die Politrapper der Stunde: Alle kommen sie aus der Kleinstadt Wil. Eine Erkundung vor den Lokalwahlen.
Eines der vielen Gebäude des Sitterwerks, die vor genau 100 Jahren erbaute Schwarzfärberei, beherbergt heute die Kunstbibliothek und die Materialmusterschränke. Eine Aufstockung soll künftig mehr Platz schaffen.
Noch bis in den Herbst hinein und auch in den zwei folgenden Sommern bleibt die Voliere im Stadtpark eine Buvette. Ab 2029 wird sie zur «Maison des œufs», zum didaktischen Hühnerhof. Die eingereichten Ideen sahen noch ganz andere Nutzungen vor.
Der Streit ums St.Galler Verbot von Tempo 30 auf Hauptverkehrsachsen geht in die nächste Runde: Das Referendumskomitee hat die notwendigen Unterschriften gegen eine Änderung des kantonalen Strassenverkehrsgesetzes eingereicht. Damit wird das Stimmvolk über die Frage entscheiden.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 6: «Wegwarte 002», Sur le Lac, Winterthurer Musikfestwochen und Schlossfestspiele Werdenberg.
Der FCSG kriegt beim Auswärtsspiel in Lissabon die Grenzen deutlich aufgezeigt. Sie verlieren das Spiel 0:5. Damit geht's für den FCSG jetzt gegen Sheriff Tiraspol in der Conference League weiter. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Notizen zu Christopher Nolans The Odyssey
Anja Braun lebte bereits 18 Jahre in der Schweiz, als sie sich gemeinsam mit ihrer Familie entschied, sich einzubürgern. Es war ein logischer Schritt. Das Verfahren war es nicht immer.