Drei Fragen, sechs Antworten

Am 30. November entscheidet sich, wer den Stadtratssitz von Fredy Brunner erben wird: Barbara Frei von der FDP oder Peter Jans von der SP. Saiten hat schon mal einige Fragen gestellt.
Von  Redaktion Saiten

Das St.Galler Kultur- und Nachtleben ist durch Lärmklagen bedroht – Beispiele sind Kugl, Grabenhalle, teils auch die Lokremise. Wie lösen Sie dieses Problem nach Ihrer Wahl?

Barbara Frei: Die bunt durchmischte Bevölkerung unserer Stadt hat unterschiedlichste Bedürfnisse, die wir ernst nehmen müssen. Im Dialog mit den Betroffenen sind Lösungen zu finden, welche allen Gruppierungen gerecht werden. Veranstaltungen bis in die Morgenstunden sollen auf einige wenige Wochentage beschränkt werden. Respekt und Rücksicht ist von allen gefordert.

Peter Jans: Es gibt kein Entweder-oder. Wer im Stadtzentrum wohnt, kann nicht die Ruhe erwarten wie im Bauernhaus im Appenzellerland. Die 24-Stunden-Unterhaltungsgesellschaft kann aber auch nicht uneingeschränkte Freiheit in der Produktion akustischer Wellen beanspruchen. Die Lösung liegt wohl irgendwo dazwischen. Vielleicht im Einzelfall, vielleicht auch genereller müssen zeitlich und örtlich abgestimmte Regelungen erarbeitet werden, damit das St.Galler Kultur- und Nachtleben sich ausleben kann, die Anwohnenden aber auch ihr Ruhe- und Schlafbedürfnis stillen können. Zusammensitzen und Bedürfnisse auslegen, dann mit Verstand und Vernunft eine Lösung suchen – das sollte doch möglich sein, oder?

Autobahnanschluss statt urbanes Entwicklungsgebiet auf dem Güterbahnhof-Areal. Wie stellen Sie sich dazu?

Frei: Der Verkehr muss rollen. Lange Staus auf den Strassen schaden der Umwelt und der Lebensqualität. Ich befürworte daher die Entlastung des städtischen Strassennetzes durch den weiteren Ausbau der Autobahn und der Teilspange Süd. Zurzeit werden vom Kanton verschiedene Projekte geprüft. In welchem Gebiet die Ausfahrt der Teilspange Süd zu liegen kommt, ist noch nicht definiert. Ich bevorzuge eine Variante, welche eine weitere räumliche Entwicklung des Güterbahnhofs erlaubt.

Jans: Wer macht denn aus dem Filetstück Gehacktes? Die Denkschule der Kapazitätssteigerer zur Lösung von Verkehrsproblemen kommt natürlich nicht darum herum, irgendwo neue Autobahnanschlüsse zu planen – am einfachsten dort, wo gerade noch Platz frei ist. Dabei hat die Mehrheit der Stadtbevölkerung längst erkannt, dass mehr Strassenverkehr nicht mehr Prosperität und Lebensqualität bedeutet. Das heutige Strassennetz reicht aus, wenn wir nur den Auftrag des Verkehrsreglements kreativ und konsequent umsetzen. Das Güterbahnhofareal ist definitiv zu schade, um für Strassenträume von gestern geopfert zu werden. Es soll für eine ökologisch ausgerichtete Stadtentwicklung erhalten bleiben.

Die Bevölkerung der Stadt St.Gallen hätte nach dem Aus der Geothermie gerne ein neues grosses Pionierprojekt, das ruhig auch etwas kosten darf. Welches?

Frei: Die Bevölkerung der Stadt hat in drei Abstimmungen ihrem Willen, die Energiewende zu vollziehen, Ausdruck verliehen. Nach dem Scheitern des Geothermieprojektes sind die Abklärungen bezüglich der Gasförderung zu forcieren. Mit Gas betriebene Wärme-Kraft-Koppelungsanlagen reduzieren den CO2 – Ausstoss und weisen einen hohen Energie-Effizienzgrad aus. Viele kleinere Projekte im Energiebereich schaffen einen ebenso grossen Mehrwert ohne unkontrollierbare Risiken. Aus meiner Sicht erlaubt die angespannte finanzielle Lage der Stadt kein neues Grossprojekt mit ungewissem Ausgang.

Jans: Es nimmt mich ja wunder, woher Sie das mit dem Wunsch der Bevölkerung nach einem kostenintensiven Pionierprojekt wissen. Aber mal angenommen: Wie wäre es mit der Entwicklung des Gebiets um den Bahnhof St.Fiden zu einem Wohn- und Innovationspark, mit tausend oder mehr Wohnungen und Arbeitsplätzen, verkehrsarm erschlossen mit der Bahn, dafür fast ohne Parkplätze, das Ganze in einer Bauweise mit echten, aber gut strukturierten Hochhäusern und einer neuen grünen Oase im St.Fiden-Park? Wohnen, Arbeiten, Einkaufen in Gehdistanz – verdichtetes Bauen, das Druck wegnimmt vom Stadtrand, den wir als Grünen Ring so lassen wie er ist. Pionierhaft genug?

 

FreiswBarbara Frei sitzt seit 2005 für die Freisinnigen im Stadtparlament St.Gallen und ist Mitglied der Geschäftsprüfungskommission (GPK). Die 56-Jährige Ärztin hat zwei erwachsene Söhne und lebt in Rotmonten. 2007 hat sie bereits für den Nationalrat kandidiert.

Peter Jans war 18 Jahre lang als Stadtparlamentarier und Kantonsrat tätig. Seit 2012 ist der Rechtsanwalt und ehemalige Primarlehrer Präsident des Kreisgerichts St.Gallen. Der 54-Jährige ist verheiratet und wohnt im Riethüsli.

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