Das St.Galler Kultur- und Nachtleben ist durch Lärmklagen bedroht – Beispiele sind Kugl, Grabenhalle, teils auch die Lokremise. Wie lösen Sie dieses Problem nach Ihrer Wahl?
Barbara Frei: Die bunt durchmischte Bevölkerung unserer Stadt hat unterschiedlichste Bedürfnisse, die wir ernst nehmen müssen. Im Dialog mit den Betroffenen sind Lösungen zu finden, welche allen Gruppierungen gerecht werden. Veranstaltungen bis in die Morgenstunden sollen auf einige wenige Wochentage beschränkt werden. Respekt und Rücksicht ist von allen gefordert.
Peter Jans: Es gibt kein Entweder-oder. Wer im Stadtzentrum wohnt, kann nicht die Ruhe erwarten wie im Bauernhaus im Appenzellerland. Die 24-Stunden-Unterhaltungsgesellschaft kann aber auch nicht uneingeschränkte Freiheit in der Produktion akustischer Wellen beanspruchen. Die Lösung liegt wohl irgendwo dazwischen. Vielleicht im Einzelfall, vielleicht auch genereller müssen zeitlich und örtlich abgestimmte Regelungen erarbeitet werden, damit das St.Galler Kultur- und Nachtleben sich ausleben kann, die Anwohnenden aber auch ihr Ruhe- und Schlafbedürfnis stillen können. Zusammensitzen und Bedürfnisse auslegen, dann mit Verstand und Vernunft eine Lösung suchen – das sollte doch möglich sein, oder?
Autobahnanschluss statt urbanes Entwicklungsgebiet auf dem Güterbahnhof-Areal. Wie stellen Sie sich dazu?
Frei: Der Verkehr muss rollen. Lange Staus auf den Strassen schaden der Umwelt und der Lebensqualität. Ich befürworte daher die Entlastung des städtischen Strassennetzes durch den weiteren Ausbau der Autobahn und der Teilspange Süd. Zurzeit werden vom Kanton verschiedene Projekte geprüft. In welchem Gebiet die Ausfahrt der Teilspange Süd zu liegen kommt, ist noch nicht definiert. Ich bevorzuge eine Variante, welche eine weitere räumliche Entwicklung des Güterbahnhofs erlaubt.
Jans: Wer macht denn aus dem Filetstück Gehacktes? Die Denkschule der Kapazitätssteigerer zur Lösung von Verkehrsproblemen kommt natürlich nicht darum herum, irgendwo neue Autobahnanschlüsse zu planen – am einfachsten dort, wo gerade noch Platz frei ist. Dabei hat die Mehrheit der Stadtbevölkerung längst erkannt, dass mehr Strassenverkehr nicht mehr Prosperität und Lebensqualität bedeutet. Das heutige Strassennetz reicht aus, wenn wir nur den Auftrag des Verkehrsreglements kreativ und konsequent umsetzen. Das Güterbahnhofareal ist definitiv zu schade, um für Strassenträume von gestern geopfert zu werden. Es soll für eine ökologisch ausgerichtete Stadtentwicklung erhalten bleiben.
Die Bevölkerung der Stadt St.Gallen hätte nach dem Aus der Geothermie gerne ein neues grosses Pionierprojekt, das ruhig auch etwas kosten darf. Welches?
Frei: Die Bevölkerung der Stadt hat in drei Abstimmungen ihrem Willen, die Energiewende zu vollziehen, Ausdruck verliehen. Nach dem Scheitern des Geothermieprojektes sind die Abklärungen bezüglich der Gasförderung zu forcieren. Mit Gas betriebene Wärme-Kraft-Koppelungsanlagen reduzieren den CO2 – Ausstoss und weisen einen hohen Energie-Effizienzgrad aus. Viele kleinere Projekte im Energiebereich schaffen einen ebenso grossen Mehrwert ohne unkontrollierbare Risiken. Aus meiner Sicht erlaubt die angespannte finanzielle Lage der Stadt kein neues Grossprojekt mit ungewissem Ausgang.
Jans: Es nimmt mich ja wunder, woher Sie das mit dem Wunsch der Bevölkerung nach einem kostenintensiven Pionierprojekt wissen. Aber mal angenommen: Wie wäre es mit der Entwicklung des Gebiets um den Bahnhof St.Fiden zu einem Wohn- und Innovationspark, mit tausend oder mehr Wohnungen und Arbeitsplätzen, verkehrsarm erschlossen mit der Bahn, dafür fast ohne Parkplätze, das Ganze in einer Bauweise mit echten, aber gut strukturierten Hochhäusern und einer neuen grünen Oase im St.Fiden-Park? Wohnen, Arbeiten, Einkaufen in Gehdistanz – verdichtetes Bauen, das Druck wegnimmt vom Stadtrand, den wir als Grünen Ring so lassen wie er ist. Pionierhaft genug?
Barbara Frei sitzt seit 2005 für die Freisinnigen im Stadtparlament St.Gallen und ist Mitglied der Geschäftsprüfungskommission (GPK). Die 56-Jährige Ärztin hat zwei erwachsene Söhne und lebt in Rotmonten. 2007 hat sie bereits für den Nationalrat kandidiert.
Peter Jans war 18 Jahre lang als Stadtparlamentarier und Kantonsrat tätig. Seit 2012 ist der Rechtsanwalt und ehemalige Primarlehrer Präsident des Kreisgerichts St.Gallen. Der 54-Jährige ist verheiratet und wohnt im Riethüsli.
Die Welt ist in stetem Wandel. Und manche Veränderungen sind irreversibel – Gletscher schmelzen, Tier- und Pflanzenarten sterben aus. Die Ausstellung «Flimmern» widmet sich der Bewusstwerdung dieses Wandels – und dem Schmerz, den er auslöst.
Die Grundlagen, mit denen die Befürworter:innen die dritte Autobanhröhre durch den Rosenberg in St.Gallen und die Teilspange mit dem Anschluss im Güterbahnhofareal fordern, basieren auf fragwürdigen Zahlen. Zu diesem Schluss kommt der Raum- und Verkehrsplaner Thomas Hug-Di Lena.
Die St.Galler Tanzkompanie feierte vergangenen Samstag mit From England with Love Premiere. Das Stück wagt sich abermals aus dem Gleichschritt – mit unmissverständlichen Gesten.
Das Kunsthaus Bregenz zeigt in der neuen Ausstellung Arbeiten der US-amerikanischen Künstlerin Torkwase Dyson. Ausgangspunkt ihrer grossformatigen geometrischen Skulpturen und poetischen Malereien bildet das Leben und die Befreiung Schwarzer Menschen.
Wie stehts heute um die Gleichstellung? Und wie war das früher? Die Pop-up-Ausstellung «Frauenspuren im Hallenbad» in Gossau arbeitet ein Stück Gesellschaftsgeschichte auf. Zeigt, wo es heute noch hakt, und dass es nicht bleiben muss, wie es ist.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Theater
Johanna und Szilamer arbeiten seit vier Jahren als Erntehelfer:innen in Fruthwilen. In ihrer Heimat Rumänien ist die wirtschaftliche Lage angespannt und die körperliche Arbeit auf dem Feld sind sie gewohnt.
Am 29. Oktober entscheidet die SP der Stadt St.Gallen, wen sie in die Ersatzwahl um den Stadtratssitz von Peter Jans schickt. Was ursprünglich wie eine Formalität aussah, hat sich zu einem spannenden Rennen entwickelt. Mit offenem Ausgang.
Jock Kobels zweiter Fall
Musik
Heppelers Bestiarium
Nach einer ganz passablen ersten Halbzeit der Espen sowie Führung durch einen Elfmeter von Görtler vor der Pause, spielen die St. Galler dieses Resultat anschliessend herunter und holen sich die 3 Punkte.
Mehr als viereinhalb Stunden dauerte Der Prozess Pelicot im Theater St.Gallen. Milo Rau und Servane Dècle inszenierten einen Abend über sexualisierte Gewalt und chemische Unterwerfung – und über eine Gesellschaft, die von Männern mehr Verantwortung verlangt.
Die Menschenrechte stehen weltweit unter Druck. Doch wie konsequent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neues Buch nimmt die Schweizer Menschenrechtspolitik kritisch unter die Lupe. An der Buchvorstellung im Square wurde über Widersprüche, Versäumnisse und mögliche Lösungen diskutiert.
In einer Tennishalle im toggenburgischen Unterwasser trafen sich vor zehn Jahren 5000 Neonazis zum grössten Rechtsrock-Konzert, das je im deutschsprachigen Raum stattgefunden hat. Linke Politiker:innen reagierten schnell, doch das Ergebnis ist ernüchternd.
Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater
Stimmrecht
Erntehelfer:innen sind in der Schweiz schlecht geschützt. Ihre Arbeitsbedingungen liegen oft in Graubereichen, Kontrollen sind schwierig. Eine Veränderung würde jedoch bedeuten, ein ganzes System auf den Kopf zu stellen.
Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty