«Da die Stadt St.Gyllen einer bevölkerungsnahen Informationspolitik verpflichtet ist, sind Aufkleber offizielles Publikationsorgan. Gratis abgegeben an Interessierte, sind sie Teil einer kostengünstigen Kommunikationsstrategie, welche die Partizipation und die Interaktionsdichte in hohem Masse fördert».
Nun – wo ist die Stadt St.Gyllen und was ist die Fachstelle für letztinstanzliche Baubewilligungen? Hier eine These: Die erste historische Erwähnung findet sich im Jahr 2007, als das Bahnhofsquartier noch vollständiger war. Dr. Dr. Andrea Wespi lud ein zum Einreichen von Baugesuchen eines zukunftgerichteten Diskurses über die Baukultur in Stadt und Region. Eingegangen sind Projekte wie die Abtragung von Rotmonten für Bodenseeblick in der Stadt, Gondolierebetrieb an der Wildeggstrasse oder Sprengung des gelbgrauen Geschäftshauses neben der Leonhardbrücke zwecks “Eliminierung subjektiv hässlicher Bauten”.
Vom Tagblatt als “politische Aktion” bezeichnet, ist die künstlerische Eigenschaft der Fachstelle doch unschwer zu erkennen, was der politischen Aussage keinen Abspruch tut. Marcel Duchamp hilft bei der Darstellung dieser Erkenntnis: Er erklärt die gängige Kunst in ihrer Funktion, Sichtbares wiederzugeben, als Projektion dreidimensionaler Gegenständlichkeiten auf ein zweidimensionales Endprodukt. Warum also sollte unsere dreidimensionale Welt nicht eine ebensolche Projektion einer weiteren, für unsere Augen nicht sichtbaren Dimension sein? Aufgabe des avantgardistischen Künstlers müsste also sein, auch solche Dimensionen zu berücksichtigen und darzustellen.
Heute ist dies keine besonders exotische Auffassung mehr. Daher kann man getrost davon ausgehen, dass St.Gyllen existiert und bisher vorallem durch Publikationen der Fachstelle sichtbar gemacht wurde. Dass dieser dimensionsübergreifende Austausch notwendig ist, beweisen unter anderem zum Beispiel Kommunikationsstrategien auf der Schnittfläche von Politik und Baubranche. Trotz erfreulicheren Tönen seitens der Regierung (Positionen zu Kugl & Denkmalschutz) bleibt viel Empörendes. Zum Beispiel setzt sich Frau Adam auch weiterhin für eine geistige Tiefgarage Unionplus ein, mit der wenig zufriedenstellenden Begründung, das hätten die St.Galler ja gewusst, als sie in den Stadtrat gewählt wurde. Soviel Interpretationsspielraum liess das Marktplatz-Nein bzw. Analyse desselben aber nicht übrig…
Die Projekteingaben 2007 wurden übrigens allesamt bewilligt und Einprachen waren nicht möglich, weil “Die Fachstelle bereits entschieden hat”. Sowas ist in St.Gallen noch nie vorgekommen…
Publikationen der Fachstelle sind dokumentiert unter www.stadtsg.ch.vu
Theater
Johanna und Szilamer arbeiten seit vier Jahren als Erntehelfer:innen in Fruthwilen. In ihrer Heimat Rumänien ist die wirtschaftliche Lage angespannt und die körperliche Arbeit auf dem Feld sind sie gewohnt.
Am 29. Oktober entscheidet die SP der Stadt St.Gallen, wen sie in die Ersatzwahl um den Stadtratssitz von Peter Jans schickt. Was ursprünglich wie eine Formalität aussah, hat sich zu einem spannenden Rennen entwickelt. Mit offenem Ausgang.
Jock Kobels zweiter Fall
Musik
Heppelers Bestiarium
Nach einer ganz passablen ersten Halbzeit der Espen sowie Führung durch einen Elfmeter von Görtler vor der Pause, spielen die St. Galler dieses Resultat anschliessend herunter und holen sich die 3 Punkte.
Mehr als viereinhalb Stunden dauerte Der Prozess Pelicot im Theater St.Gallen. Milo Rau und Servane Dècle inszenierten einen Abend über sexualisierte Gewalt und chemische Unterwerfung – und über eine Gesellschaft, die von Männern mehr Verantwortung verlangt.
Die Menschenrechte stehen weltweit unter Druck. Doch wie konsequent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neues Buch nimmt die Schweizer Menschenrechtspolitik kritisch unter die Lupe. An der Buchvorstellung im Square wurde über Widersprüche, Versäumnisse und mögliche Lösungen diskutiert.
In einer Tennishalle im toggenburgischen Unterwasser trafen sich vor zehn Jahren 5000 Neonazis zum grössten Rechtsrock-Konzert, das je im deutschsprachigen Raum stattgefunden hat. Linke Politiker:innen reagierten schnell, doch das Ergebnis ist ernüchternd.
Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater
Stimmrecht
Erntehelfer:innen sind in der Schweiz schlecht geschützt. Ihre Arbeitsbedingungen liegen oft in Graubereichen, Kontrollen sind schwierig. Eine Veränderung würde jedoch bedeuten, ein ganzes System auf den Kopf zu stellen.
Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty
Die St.Galler Restaurants Toscana und The Pinch machten vergangene Woche über Nacht dicht. 15 Personen standen unvorbereitet auf der Strasse. Das verantwortliche Investoren-Duo schliesst nicht zum ersten Mal ein Restaurant in der Stadt. Das abrupte Ende wirft Fragen auf.
Die Stadt St.Gallen muss sparen und will das historische Volksbad nach der Wiedereröffnung des Hallenbads Blumenwies schliessen. Dabei verspricht die Stadt seit über 40 Jahren die Sanierung.
Die St.Galler Regierung spart gegen ihren Willen weitere 60 Millionen Franken ein und rechnet für 2027 mit einem Plus von 55 Millionen Franken. Kulturelle Arbeit wird dabei weiter prekarisiert – mit einer grossen Ausnahme.
Filminstallation über Vergänglichkeit
Die alten Fabrikhallen sind aus Winterthurs Kulturleben nicht mehr wegzudenken. Sie wären aber nichts ohne engagierte und gut vernetzte Menschen. Saiten konnte auf Einladung des Kulturmagazins «Coucou» einige von ihnen treffen. Ein kleiner Stadtrundgang
Das Konzert und Theater St.Gallen zeigt eindringlich auf: Femizide existieren in der Schweiz noch immer im ungeheuren Ausmass. Die Inszenierung von Corinna von Rad setzt auf das Groteske in Georg Büchners Woyzeck und feierte am Samstag Premiere im Grossen Haus. Eine Produktion für «jeder-Mann»!