Cat Power – Rockets
«Take, take as much as you can / ‚cause you know it’s going so fast…», singt Cat Power in Rockets, einem ihrer rohen Frühwerke, und beschreibt so ein grosses Dilemma des Wartens: Der Wartende spürt die Vergänglichkeit des Lebens oft besonders intensiv, kann aber nichts dagegen tun: Die Zeit rinnt ihm so unaufhaltsam durch die Finger. Zudem ganz einfach ein grandioser Song, der mit treibenden Gitarren und der brüchigen Stimme von Cat Power perfekt ist, um ziellos durch eine verregnete und/oder unbekannte Stadt zu laufen.
Fugazi – Waiting Room
Abgesehen davon, dass es sich hier um einen Klassiker des Hardcore-Punk mit einer extrem catchy Bassline handelt, dreht sich auch dieser Song textlich voll und ganz ums Warten: Sänger Ian MacKaye beschreibt die (gesellschaftliche?) Lethargie rund um ihn herum – und ruft in der letzten Strophe unmissverständlich zum Handeln, zur Bewegung auf: «But I don’t sit by idly / I’m planning a big surprise / I’m gonna fight for what I want to be!»
Tocotronic – Drüben auf dem Hügel
Tocotronic haben den schrammligen Schrebergarten, von dem sie in diesem Sehnsuchtssong berichten, längst verlassen – musikalisch stehen die Hamburger heute an einem völlig anderen Ort. Und trotzdem spielt die Band Drüben auf dem Hügel immer wieder mal live. Und wie verdammt simpel und vielleicht sogar kitischig man den Song auch finden mag: Er funktioniert noch immer.
The Smiths – Please Please Please let me get what I want
Nochmals einer mit Kitschverdacht. Aber der schleicht sich beim Thema Warten ja schnell ein. Und in diesem Smiths-Song wartet einer schon sein ganzes Leben, auf was auch immer. Das ist hart und zählt zur obersten Wartestufe.
Teil 2 folgt demnächst auf saiten.ch.
Titelbild: Die Sängerin Chan Marshall – alias Cat Power – singt über das Dilemma des Wartens.
Bücherherbst: Mondläufer von Daniel Badraun
Eine benzinbetriebene Glühbirne? Ein robustes Schnapsglas? Oder ein Katzenhalsband, das die Raubtiere vom Vögelfangen abhalten soll? Im Historischen Museum Thurgau schlummern einige Gegenstände, deren Funktion auf den ersten Blick nicht ganz klar ist. Thomas Götz, Martina Hügi und Stefan Keller mussten diese am Icon Poet herausfinden.
Die St.Galler Rockband The Black Salt veröffentlicht ihr zweites Album. Und verabschiedet sich ein Stückweit von ihren Anfängen.
Die Welt ist in stetem Wandel. Und manche Veränderungen sind irreversibel – Gletscher schmelzen, Tier- und Pflanzenarten sterben aus. Die Ausstellung «Flimmern» widmet sich der Bewusstwerdung dieses Wandels – und dem Schmerz, den er auslöst.
Die Grundlagen, mit denen die Befürworter:innen die dritte Autobanhröhre durch den Rosenberg in St.Gallen und die Teilspange mit dem Anschluss im Güterbahnhofareal fordern, basieren auf fragwürdigen Zahlen. Zu diesem Schluss kommt der Raum- und Verkehrsplaner Thomas Hug-Di Lena.
Die St.Galler Tanzkompanie feierte vergangenen Samstag mit From England with Love Premiere. Das Stück wagt sich abermals aus dem Gleichschritt – mit unmissverständlichen Gesten.
Das Kunsthaus Bregenz zeigt in der neuen Ausstellung Arbeiten der US-amerikanischen Künstlerin Torkwase Dyson. Ausgangspunkt ihrer grossformatigen geometrischen Skulpturen und poetischen Malereien bildet das Leben und die Befreiung Schwarzer Menschen.
Wie stehts heute um die Gleichstellung? Und wie war das früher? Die Pop-up-Ausstellung «Frauenspuren im Hallenbad» in Gossau arbeitet ein Stück Gesellschaftsgeschichte auf. Zeigt, wo es heute noch hakt, und dass es nicht bleiben muss, wie es ist.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Theater
Johanna und Szilamer arbeiten seit vier Jahren als Erntehelfer:innen in Fruthwilen. In ihrer Heimat Rumänien ist die wirtschaftliche Lage angespannt und die körperliche Arbeit auf dem Feld sind sie gewohnt.
Am 29. Oktober entscheidet die SP der Stadt St.Gallen, wen sie in die Ersatzwahl um den Stadtratssitz von Peter Jans schickt. Was ursprünglich wie eine Formalität aussah, hat sich zu einem spannenden Rennen entwickelt. Mit offenem Ausgang.
Jock Kobels zweiter Fall
Musik
Heppelers Bestiarium
Nach einer ganz passablen ersten Halbzeit der Espen sowie Führung durch einen Elfmeter von Görtler vor der Pause, spielen die St. Galler dieses Resultat anschliessend herunter und holen sich die 3 Punkte.
Mehr als viereinhalb Stunden dauerte Der Prozess Pelicot im Theater St.Gallen. Milo Rau und Servane Dècle inszenierten einen Abend über sexualisierte Gewalt und chemische Unterwerfung – und über eine Gesellschaft, die von Männern mehr Verantwortung verlangt.
Die Menschenrechte stehen weltweit unter Druck. Doch wie konsequent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neues Buch nimmt die Schweizer Menschenrechtspolitik kritisch unter die Lupe. An der Buchvorstellung im Square wurde über Widersprüche, Versäumnisse und mögliche Lösungen diskutiert.
In einer Tennishalle im toggenburgischen Unterwasser trafen sich vor zehn Jahren 5000 Neonazis zum grössten Rechtsrock-Konzert, das je im deutschsprachigen Raum stattgefunden hat. Linke Politiker:innen reagierten schnell, doch das Ergebnis ist ernüchternd.
Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater