Das schönste Stück? Fraglos die goldene Sau aus einem Theaterfundus.
Das skurrilste Ding? Vermutlich der Bärentisch vom Alpenhof, Glasplatte aufliegend auf den vier Tatzen des rücklings am Boden liegenden Bären, Herkunft unerfindlich.
Das glanzvollste? Die Vitrine mit exotischen Riesenschmetterlingen, die es aus nicht mehr rekonstruierbaren Gründen ins Hotel Ekkehard verschlagen hatte – und die jetzt an der Saiten-Gant einen Ehrenplatz unter den «Kultur-Trouvaillen aus zwanzig Jahren» einnimmt.
Das kostbarste Stück? Schwer zu sagen. Eine Sache von Geschmack, Neigungen, Verfallenheiten, Affekten.
Für Freunde des Obskuren könnte es das Fotoporträt von H.R.Giger in jungen Jahren sein – aufgenommen von einem unbekannten Fotografen, aufgefunden in einem St.Galler Treppenhaus, wo das Bild 23 Jahre lang mehr oder weniger unbeachtet an einer Wand hing.
Anhänger von Kunstreliquien dürfte auch die andere legendäre Fotografie magisch anziehen: Joseph Beuys, abgelichtet 1985 bei seinem Auftritt im Rorschacher Stadthofsaal. Fotograf Markus Steiger hat damals mit dem Bild Furore gemacht, insbesondere nach Beuys’ Tod nur ein Jahr später war die Aufnahme mit dem herzhaft lachenden Künstler gefragt.
Kunst – oder vielmehr: Kunstbetrieb – zum Dritten: das Plakat für die erstmals «Heimspiel» betitelte Schau der Ostschweizer Kunstschaffenden im Jahr 2004 in Kunstmuseum, Kunsthalle und Exex. Brigitte Kemmann, damals eine der treibenden Kräfte hinter der zuvor gefährdeten Schau, liess dazu ein Plakat gestalten von Kabeljau. Die Grafiker weilten gerade in Buenos Aires. Prächtiger, gradliniger Rot-Schwarz-Druck – bloss gab es dafür keine Ausfuhrbewilligung. In der Not schaltete sich das kantonale Amt für Kultur ein, vermittelte via die Schweizer Botschaft in Buenos Aires, und schliesslich schaffte es das Plakat als «Regierungsauftrag» deklariert rechtzeitig noch zur Ausstellung.
Nicht zu vergessen: die Original-Filmrollenbüchsen samt Filmrolle und Festivalpass von den Winterthurer Kurzfilmtagen. Die schwarze Ordonnanzkiste vom Alpenhof. Der blaublütige ungarische Hampelmann aus der 2010er Produktion «Die Gräfin von Chicago» der Operette Sirnach. Lika Nüsslis Originale. Wolfi Steigers kunstgeschichtlich brisante «Mind Map» zu einem Saiten-Essay. Und so weiter.
Versteigert werden die aus verschiedensten Ecken gestifteten Stücke am Samstag um 18 Uhr im Leonhardspark; der Ertrag dient zur Mitfinanzierung des Saitenfests, den Hammer schwingt Gabriela Baumann vom Saiten-Kollektiv.
Das ganze Fest-Programm: saiten.ch.
Bereits 1971 eröffnete Ursula Krinzinger ihre erste Galerie in Bregenz. Bis heute prägt sie die Kunstszene weit über die Bodenseeregion hinaus. Nun befasst sich die Bregenzer Sommerausstellung im Palais Thurn und Taxis mit der Galeristin.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 5: Emil Brunner – «Berg Kind Welt», Rapid Openair und Kulturufer.
Der Spagat zwischen europäischen Nächten und biederem Superleague Alltag ist oft schwer. So auch heute. Eine Leistungssteigerung und die richtigen Wechsel in der zweiten Halbzeit reichen aber für die ersten drei Punkte der Saison.
In leichten Pastelltönen und dunklen Ölfarben setzt sich der deutsche Künstler Marcel Hüppauff mit dem Profiradsport auseinander. Dabei treten in seiner Schau im Chambre Directe-Schubiger in St.Gallen nicht nur Menschen, sondern auch Katzen in die Pedale.
Mit Hildegard Fässler (1951–2026) verstarb kurz vor ihrem 75. Geburtstag eine der profiliertesten Ostschweizer Politikerinnen an den Folgen einer schweren Erkrankung. Nachruf einer langjährigen Weggefährtin.
Versteckt im Sittertal produziert die Kunstgiesserei Werke renommierter Künstler:innen. Dabei gilt es oft, Neues auszuprobieren und Lösungen zu finden – mit Zucker, Wachs und natürlich Metall. Saiten erhält einen Einblick in das verrückte Schaffen am Rande St.Gallens.
Der FC St.Gallen gewinnt gegen den haushohen Favoriten aus Lissabon mit 2:1. Die grösste Sensation, die dieses Stadion je gesehen hat. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 4: Cyprien Gaillard – «When you expect flutes, it whistles», «Komm Glüückck» und Jeremy Reeds Buch Du stirbst nur zweimal – Ein Sylvia Plath-/Victoria Lucas-Roman.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Die Baupläne sind gezeichnet, das Baugesuch liegt zur Vorprüfung bei der Stadt – doch noch ist einiges rund um den Wiederaufbau der Rorschacher Badhütte zu klären. Was passiert zum Beispiel mit all den angerosteten und teils verbogenen Scharnieren, Schlössern und anderen Eisenteilen, die die Taucher aus dem See heraufgebracht haben?
Mohsen Masoudi ist 2022 aus dem Iran in die Schweiz geflohen. Heute lebt er in Stein AR und ist Teil der Exil-Opposition. Er erzählt, warum es die Schliessung der iranischen Botschaft braucht und was sich mit den Protesten Anfang Jahr verändert hat.
Das See-Burgtheater macht aus seiner Piratinnengeschichte Die Legende von Anne Bonny ein akrobatisches Spektakel vom Feinsten. Bei aller Sommertheater-Leichtigkeit hätte man aber doch ein bisschen mehr Emanzipationsgeschichte erwartet.
Zu seinem 20. Geburtstag hat das Kulturfestival am Wochenende Bands aus St.Gallen und der Region zu einem zweitägigen Konzertfest eingeladen. Dieses war so vielfältig wie gelungen – auch wegen der Idee, Covers aus der Gründungszeit des Festivals in die Sets einzubauen.
Bregenzer Festspiele
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 3: «Was der Kaiser noch sah», Olaf Breuning – «Humans» und Oriana Bruseghini – Das verlassene Rettungsboot.
Wie setzt Fotografie Mode in Szene? Und wer fotografiert dabei eigentlich wen? Das Textilmuseum St.Gallen gibt mit «Mise en Scène» Einblicke in 120 Jahre Modegeschichte. Es ist die letzte Schau vor dem Museumsumbau.
Seit elf Tagen befindet sich Velat Aydin vor dem Bundesverwaltungsgericht in St.Gallen im Hungerstreik. Im Gespräch mit Saiten erzählt der Kurde, woher er kommt und weshalb politischer Aktivismus so wichtig ist.
Die St.Galler Festspiele sind vorbei. Oper war indoor, draussen im Stadtpark spielte die Endzeitkomödie Planet B. Nähme man die Botschaft des Stücks ernst, müsste die Festspiel-Oper auch künftig ressourcenschonend drinnen bleiben.
Sindujan* lebt schon sein ganzes Leben in der Schweiz. Die Einbürgerung ist fast abgeschlossen, war aber mit hohen Kosten und einem unangenehmen Gespräch verbunden.
Bevor die Kunst Einzug hielt, war das Sittertal industrialisiert. Hier wurde gestickt, gewirkt, gefärbt, mercerisiert – aber auch gestreikt und geliebt.