Als erstes sticht eine alte Haubitze ins Auge, die überzogen mit einem blau verspiegelten Glasornament im Treppenaufgang steht. Passt zum alten Zeughaus. Es ist eine Arbeit des Iraners Mehdi Nabavi aus 2013. Oben angekommen, wird der Blick frei auf den Rest der 1000 Quadratmeter grossen Fläche im Kunst(Zeug)Haus in Rapperswil, wo derzeit 16 Künstlerinnen und Künstler, grösstenteils aus dem arabischen und dem iranischen Raum, ihre Werke zeigen. «There Are Too Many Walls But Not Enough Bridges» heisst die Ausstellung.
Es ist ein kurzes Gastspiel. Initiiert wurde es von der Oryx-Foundation in Luzern, deren zentrales Anliegen die «aktive Förderung des freundschaftlichen Austauschs zwischen Ost und West» ist. In den vergangenen fünf Jahren hat die gemeinnützige Stiftung rund 25 Kunstschaffende aus dem arabischen und iranischen Raum nach Luzern eingeladen, wo sie während zwei bis drei Monaten als Artists in Residence an ihren Projekten arbeiten konnten. Gleichzeitig ermöglichte sie europäischen Künstlerinnen und Künstlern Reisen in den Nahen und Mittleren Osten.
Mehr oder weniger explizit politische Kunst
Mitten im Raum steht die überdimensionale rote Klobürste namens El Hillal wel Negma (Halbmond und Stern) von Ahmed Badry aus Kairo. Könnte man als Aufforderung verstehen, der dampfenden Kacke im Nahen und Mittleren Osten endlich beizukommen. Oder auch nicht. Gleich daneben stehen vier farbverspritzte Satellitenschüsseln von Talal Al Zeid aus Saudi Arabien. Sie stehen für den täglichen Kampf um die Erhaltung virtueller Kommunikationswege in Syrien, im Irak oder in Saudi Arabien.
El Hillal wel Negma, Ahmed Badry, 2011
Kritik am Staat oder an der Gesellschaft ist in vielen Werken zu finden. Bei Baktash Sarang etwa ist sie sehr explizit. Auf kleinen Gemälden verarbeitet der Iraner grosse Themen wie Gewalt, Kriegspropaganda oder die Unterdrückung der Frau. Dagegen wirken die Bilder von Mohamed Al Mazrouei aus den Vereinigten Arabischen Emiraten fast schon harmlos. Seine Bilder zeugen von einer sinnlichen Körperlichkeit und Erotik, die auch in seiner Heimat nur allzu oft unter dicken Schleiern versteckt werden muss.
Alltag in Kairo: Schlange stehen
Mina Nasr begegnet den kulturellen Eigenheiten seines Landes eher humoristisch: Er lässt lebensgrosse Figuren Schlange stehen – Alltag in Kairo, wie er sagt. Und in der Politik: «Auch wenn die Revolution bereits fünf jahre zurück liegt, Ägypter stehen immer noch Schlange. Die gleiche Schlange der antiken Ägypter, wartend, dass sich etwas ändern möge im Hier und Jezt, um sich dann der Zukunft hinzugeben.»
Verglichen mit den Arbeiten aus dem arabischen Raum gleicht Bruno Müller-Meyers 36-teilige Bildserie Von Luzern nach Mekka fast schon einer Postkaten-Idylle – wären da nicht auch Gebäude und Orte darunter, die seit dieser Reise dem Krieg zum Opfer gefallen sind.
Auffällig ist, dass die Künstlerinnen eher abstrakte bzw. formale Ansätze gewählt haben. Da ist zum Beispiel Layla Jumas wundervolle Arbeit aus Kaugummis, die sich in der Makroaufnahme zu gedrungenen Körpern verschlingen. Oder Lulwah Al Homoud, die 99 verschiedene Namen für Allah in eine streng geometrische Form bringt. Und es gibt die Grossformate von Samira Hodaei: Die junge Iranerin verbindet die Ornamentik des arabischen Raums mit moderner Pixelästhetik und erschafft so wundersame, fast impressionistisch anmutende Texturbilder.
Lulwah Al Homoud
Mehdi Nabavi
Mohamed Al Mazrouei
Baktash Sarang
Layla Juma
There Are Too Many Walls But Not Enough Bridges: bis Sonntag, 16. August im Kunst(Zeug)Haus Rapperswil. Infos und Begleitprogramm: kunstzeughaus.ch
Dieses Wochenende eröffnet die offene Werkstatt Meter den neuen Standort an der Burgstrasse. Und im November zügelt Offcut nach St.Fiden. Das ist der Anfang vom Ende der Gemeinschaft «Ulmen5» – zumindest in ihrer bisherigen Form. Denn 2027 könnte es zur teilweisen Wiedervereinigung kommen.
Eine neue SRF-Serie porträtiert eine elfköpfige WG aus St.Gallen. Endlich wieder mal eine sehenswerte SRF-Produktion, findet Saiten-Autor Andi Giger.
St. Gallen schlägt sich am Ende auch selbst und muss den Traum von Europa begraben. Entscheidend war er Platzverweise gegen Mihailo Stevanovic vor der Pause.
Drei Kulturmagazine tun sich zusammen, vergleichen ihre Städte und die Herausforderungen, denen die Kultur gegenübersteht. Saiten hat die Kolleg:innen vom «Coucou» in Winterthur besucht und das «Null41» war in St.Gallen zu Besuch. Ausserdem im Septemberheft: lauter Jubiläen – von Anita Zimmermann über das Figurentheater bis zur Museumsnacht –, ein Pfarrer auf braunen Abwegen, eine Flaschenpost aus Afghanistan und ein Interview zum Hitzesommer und dem Klimawandel.
An seiner ersten Pressekonferenz als Leiter der St.Galler Kellerbühne schildert Hüseyin Cirpici seine Eindrücke der Stadt und verrät, was das Publikum unter seiner Regie erwartet.
Der St.Galler Komponist Charles Uzor hat eine Art politisches Oratorium geschrieben. Am Sonntag wurde es in der Kirche Trogen aufgeführt: The Great Wall. A Labyrinth mit dem grandiosen New Yorker Vokalensemble Ekmeles.
An den Appenzeller Bachtagen erklärte die Medienwissenschaftlerin Mercedes Bunz, weshalb die künstliche Intelligenz kreativ sein kann – und warum sie dennoch grundlegend anders arbeitet als der Mensch.
Kunstausstellung
Gesellschaftskritik, Wirbelsäulen und Gelenke, die keine sind. Im Rahmen einer Zwischennutzung zeigen vier Kunstschaffende noch bis zum 29. August ihre Arbeiten im Kubik-Areal in St. Gallen.
Die Kultur hat keine Lobby? Am Stadtkulturgespräch vom Donnerstagabend im Talhof war sie da: Vertreter:innen von acht Berufsverbänden stellten sich vor. Brennendstes Thema waren einmal mehr die Honorare.
Im Kunst Kontor Rorschach lud der Künstler Felix Stöckle zu einem Dinner, einer Ausstellung, einem Happening – zwischen Fine Dining, Keramik, popkulturellen Referenzen und der alten Idee eines geteilten Tisches.
Nach zehn Jahren in der Schweiz wollte sich Samira Rahim mit ihrer Familie einbürgern lassen. Die zahlreichen bürokratischen Hindernisse und die hohen Kosten brachten die Familie zeitweise fast dazu, aufzugeben.
Berlingen hat eine neue Methode der Interessenabwägung entwickelt: eine Analyse des Ortsbilds als Grundlage, um die wertvolle Baukultur zu erhalten und gleichzeitig die Innenentwicklung voranzubringen. Nun steht die Verankerung in der Ortsplanung an.
SP-Mann Peter Jans tritt Ende Juni 2027 aus der St.Galler Stadtregierung zurück. In seiner Partei startet die Suche nach einer Nachfolge mit einem klaren Favoriten. Bei den Bürgerlichen sind Schmiede für eine grosse Allianz gefragt.
Im Botanischen Garten St.Gallen geht es ab nächsten Samstag wundersam zu und her: Künstler:innen aus verschiedenen Sparten laden zum szenischen Rundgang unter dem Titel In der Dämmerung wächst ein Flüstern. Ein Probenbesuch.
Der Dramatiker Andreas Sauter liest am 27. August im Literaturhaus Thurgau aus seinem unfertigen Manuskript Einbruch der Wildnis. Im Zentrum des Werks steht die Frage, was es für einen gesellschaftlichen Wandel braucht.
Die deutsche Filmemacherin Regina Schilling bringt zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann Jemand, der einmal ich war ins Kino. Der Dokumentarfilm verknüpft grossartige Archivaufnahmen mit fiktionalen Szenen aus dem letzten Lebensjahr der Dichterin zu einem zugänglichen Plot.
Die SVP macht seit Wochen Stimmung gegen die geplante neue Moschee der albanisch-islamischen Gemeinschaft El-Hidaje in St.Gallen. Anlässlich eines öffentlichen Rundgangs der SP stellten die Verantwortlichen das Projekt vor – und räumten mit vielen Vorurteilen auf.
Jim Dine gehört zu den bedeutendsten zeitgenössischen Künstler:innen. Seit ein paar Jahren erschafft er seine Skulpturen vornehmlich im Sittertal. In die Kunstgiesserei verliebte sich der Pop-Art-Pionier bei seinem ersten Besuch vor fast 20 Jahren.
Alles deutet drauf hin, dass die Uni St.Gallen demnächst in den bisherigen Hauptsitz der Helvetia-Versicherung, geplant vom Basler Architekturbüro Herzog und de Meuron, als zweiten grossen Standort auf dem Rosenberg einziehen kann. Zusätzlich ist ein Holzbau mit Seminarräumen in Planung.