Kategorie
Autor:innen
Jahr

Alternativliga: Der Ball rollt wieder

Nach der Corona-Zwangspause geht die Alternative Fussballliga St.Gallen in ihre neunte Saison. Diese wird verkürzt im Cup-Modus ausgetragen. Bisherige Werte der Liga bleiben zentral. Spiele ohne Schiedsrichter, das sogenannte «Gentlemen-Offside» sowie Bier und Grill für die Gästeteams.
Von  Urs-Peter Zwingli
Die Rasen wurden diesen Sommer gut durchnässt. Trotzdem oder gerade deswegen: Die Alternative Fussballliga ist wieder am Start.

Als die Schweiz im Frühjahr 2020 stillstand, ging auch bei der Alternativen Liga St.Gallen (AFLSG) nichts mehr. Die achte Saison der Liga, die ausserhalb des klassischen Klubfussballs stattfindet, konnte nicht ausgetragen werden. Seither blieb es still um die AFLSG. Ausser einigen Freundschaftsspielen im Sommer 2020 wurde auf einen Spielbetrieb verzichtet.

Nun erwacht die Liga wieder zum Leben: Die Captains der Teams haben gemeinsam entschieden, die verkürzte Saison 2021 als «Cup de St-Gall» fertigzuspielen. Nach einer bereits ausgetragenen Vorrunde mit fünf Vierergruppen (jeweils der Erste sowie die drei besten Zweiten kommen weiter) starten nun die Cup-Viertelfinals im K.O.-Modus. «Der Cup hat den Vorteil, dass er weniger Spiele braucht als der bisherige Ligabetrieb in grösseren Gruppen mit Hin- und Rückspielen», sagt Roman Rutz, der die AFLSG 2013 mitgegründet hat. «Und natürlich ist das Cup-Format sehr spannend.»

Die Idee zum Cup de St.-Gall sei aber auch aus der Not geboren. Kontaktsportarten wie Fussball waren aufgrund der Coronamassnahmen des Bundes bis im Frühsommer verboten. Und als Fussball wieder möglich war, standen die Ligateams vor der Frage, wie man die arg verkürzte Saison 2021 doch noch zu Ende spielen kann. Das Zeitfenster dafür ist nicht sehr gross: Die meisten AFLSG-Teams spielen auf öffentlichen Rasenplätzen, auf denen die Nutzung von Flutlicht nicht möglich ist. Viele öffentliche Fussballplätze sind zudem ab Spätherbst witterungsbedingt gesperrt.

Die Liga ist ein starkes Kollektiv

«Die Lust auf Fussball war nach der langen Pause bei allen Teams spürbar gross», sagt Rutz. Man habe die Ligaspiele unbedingt in irgendeiner Form austragen wollen. «In einer längeren Diskussion und einem demokratischen Prozess fiel der Entscheid schliesslich für den Cup-Modus.»

Dass die Captains der rund 20 Teams gemeinsam auf die Idee kamen und deren Umsetzung anpackten, ist laut Rutz bezeichnend für die Liga. «Sie ist weitgehend selbstorganisiert. Für verschiedene Aufgaben engagieren sich immer wieder neue Personen.» Zu Beginn der St.Galler Ligazeiten stemmte noch eine kleine Kerngruppe den Spielbetrieb. «Mittlerweile ist das Kollektiv der Alternativen Liga sehr stark und verschiedenste Menschen übernehmen Verantwortung», sagt Rutz.

Er geht davon aus, dass 2022 sofern möglich wieder nach bisherigem Ligamodus samt einer Barrage zum Abschluss gespielt wird. «Wenn es Hin- und Rückspiele und eine Tabelle gibt, ist die Tagesform nicht so entscheidend wie im Cup.»

Weiterhin ohne Schiri und Light-Bier

Der Cup de St-Gall ändert nichts am knappen Reglement der Liga, das auf der AFLSG-Webseite einsehbar ist. Die neun Punkte des Regelwerks lassen den Teams viel Spielraum: Gespielt werden muss mit mindestens sechs Feldspielern, in der Liga wurden aber auch schon einige Spiele im klassischen Elf-gegen-Elf ausgetragen. Auch die Spieldauer ist flexibel, das Minimum sind 60 Minuten inklusive einer Pause. Das Abseits wird «nach Gutdünken» entschieden.

Für regelmässige Diskussionen gesorgt hat in der Vergangenheit Regel Nummer 8: «Ein Schiedsrichter wird nicht benötigt.» Fairness und gegenseitige Rücksichtnahme ist darum zentral. Bereits 2015 sagte ein Ligafunktionär zu Saiten, dass man auch wegen des administrativen Aufwandes darauf verzichte, für jedes Spiel Schiedsrichter zu stellen. Bei einigen als «heiss» betrachteten Partien wurde vorab ein Schiri aufgeboten, Grundsätzlich funktioniere der Betrieb aber gut ohne, auch wenn umkämpfte Spiele eher die Regel als die Ausnahme sind.

Oberstes Ziel der Liga ist der Spass am Fussball. Das macht auch Punkt 7 des Reglements klar: «Tiqui-taca verpönt, Catenaccio im Zweifel, Kick and Rush erwünscht», heisst es dort. Darin steckt ein Teil Ironie, aber auch etwas Wahrheit. Punkt 9 schliesslich besagt: «Als Sponsoren werden nur lokale Brauereien geduldet.» Bislang hat sich zwar noch kein grosser Sponsor für die AFLSG interessiert; dass das Heimteam den Gästen nach dem Spiel Bier – und manchmal auch Grillgut – offeriert, gehört aber zum ungeschriebenen Kodex. «Die alternative Liga St.Gallen bleibt sich und ihren Werten auch im Cupmodus treu», sagt Rutz dazu.

Jetzt mitreden:
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Dein Kommentar wird vor dem Publizieren von der Redaktion geprüft.

Vie­le For­mu­la­re, zwei Ge­sprä­che und ei­ne Power­point-Prä­sen­ta­ti­on

An­ja Wein leb­te be­reits 18 Jah­re in der Schweiz, als sie sich ge­mein­sam mit ih­rer Fa­mi­lie ent­schied, sich ein­zu­bür­gern. Es war ein lo­gi­scher Schritt. Das Ver­fah­ren war es nicht im­mer.

Von  Andi Giger
260722 illustration einbuergerung 2

Neues Buch

Zwi­schen Cha­os und Hoff­nung – La­ra Stolls Gun­ni

Von  Kathrin Reimann
215790

Ein aus­ser­ge­wöhn­li­ches Ge­spür für künst­le­ri­sche Qua­li­tät

Be­reits 1971 er­öff­ne­te Ur­su­la Krin­zin­ger ih­re ers­te Ga­le­rie in Bre­genz. Bis heu­te prägt sie die Kunst­sze­ne weit über die Bo­den­see­re­gi­on hin­aus. Nun be­fasst sich die Bre­gen­zer Som­mer­aus­stel­lung im Pa­lais Thurn und Ta­xis mit der Ga­le­ris­tin.

Von  Sieglinde Wöhrer
Ursula K dez2018 27 A9595

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 5

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 5: Emil Brun­ner – «Berg Kind Welt», Ra­pid Open­air und Kul­tur­ufer. 

Von  Redaktion Saiten
DSC05051 Kopie copy

FC St.Gal­len vs. FC Zü­rich 2:1 – Ers­te drei Punk­te im Tro­cke­nen

Der Spa­gat zwi­schen eu­ro­päi­schen Näch­ten und bie­de­rem Su­per­league All­tag ist oft schwer. So auch heu­te. Ei­ne Leis­tungs­stei­ge­rung und die rich­ti­gen Wech­sel in der zwei­ten Halb­zeit rei­chen aber für die ers­ten drei Punk­te der Sai­son. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Bren­nen­de Wa­den und leuch­ten­de Kat­zen

In leich­ten Pas­tell­tö­nen und dunk­len Öl­far­ben setzt sich der deut­sche Künst­ler Mar­cel Hüpp­auff mit dem Pro­fi­rad­sport aus­ein­an­der. Da­bei tre­ten in sei­ner Schau im Chambre Di­rec­te-Schubi­ger in St.Gal­len nicht nur Men­schen, son­dern auch Kat­zen in die Pe­da­le.

Von  Vera Zatti
IMG 0330

Ein Wer­den­ber­ger Po­lit­star – lau­fend, stri­ckend, stets ge­er­det

Mit Hil­de­gard Fäss­ler (1951–2026) ver­starb kurz vor ih­rem 75. Ge­burts­tag ei­ne der pro­fi­lier­tes­ten Ost­schwei­zer Po­li­ti­ke­rin­nen an den Fol­gen ei­ner schwe­ren Er­kran­kung. Nach­ruf ei­ner lang­jäh­ri­gen Weg­ge­fähr­tin.

Von  Käthi Gut
P8262285

Wo Kunst ent­steht

Ver­steckt im Sit­ter­tal pro­du­ziert die Kunst­gies­se­rei Wer­ke re­nom­mier­ter Künst­ler:in­nen. Da­bei gilt es oft, Neu­es aus­zu­pro­bie­ren und Lö­sun­gen zu fin­den – mit Zu­cker, Wachs und na­tür­lich Me­tall. Sai­ten er­hält ei­nen Ein­blick in das ver­rück­te Schaf­fen am Ran­de St.Gal­lens.

Von  Daria Frick , Bilder:  Andri Vöhringer
260708 Sitterwerk Andri Voehringer 11

FC St.Gal­len vs. Ben­fi­ca 2:1 – St.Gal­len schafft die Sen­sa­ti­on!

Der FC St.Gal­len ge­winnt ge­gen den haus­ho­hen Fa­vo­ri­ten aus Lis­sa­bon mit 2:1. Die gröss­te Sen­sa­ti­on, die die­ses Sta­di­on je ge­se­hen hat. Das Spiel zum Nach­le­sen im SENF-Ti­cker.

Von  SENF Kollektiv
Senf

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 4

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 4: Cy­prien Gail­lard – «When you ex­pect flu­tes, it whist­les», «Komm Glüückck» und Je­re­my Reeds Buch Du stirbst nur zwei­mal – Ein Syl­via Plath-/Vic­to­ria Lu­cas-Ro­man.

Von  Redaktion Saiten
260708 Sommertipps Emma Kunzs grotte copy

Kolumne: Heppelers Bestiarium

Flip­per im Mi­li­tär­dienst

Von  Jeremias Heppeler

Bad­hüt­te Ror­schach: Re­kon­struk­ti­on bis zum Tür­schar­nier

Die Bau­plä­ne sind ge­zeich­net, das Bau­ge­such liegt zur Vor­prü­fung bei der Stadt – doch noch ist ei­ni­ges rund um den Wie­der­auf­bau der Ror­scha­cher Bad­hüt­te zu klä­ren. Was pas­siert zum Bei­spiel mit all den an­ge­ros­te­ten und teils ver­bo­ge­nen Schar­nie­ren, Schlös­sern und an­de­ren Ei­sen­tei­len, die die Tau­cher aus dem See her­auf­ge­bracht ha­ben?

Von  René Hornung
Badhuette rorschach

«Sie wis­sen, dass ih­nen Ge­fäng­nis oder der Tod droht, wenn sie an Pro­tes­ten teil­neh­men. Und sie tun es trotz­dem.»

Moh­sen Ma­sou­di ist 2022 aus dem Iran in die Schweiz ge­flo­hen. Heu­te lebt er in Stein AR und ist Teil der Exil-Op­po­si­ti­on. Er er­zählt, war­um es die Schlies­sung der ira­ni­schen Bot­schaft braucht und was sich mit den Pro­tes­ten An­fang Jahr ver­än­dert hat.

Von  Matthias Fässler , Bilder:  Sara Spirig
260708 Redeplatz Mohsen Masoudi

Ein Pi­ra­ten­schiff am Bo­den­see­ufer

Das See-Burg­thea­ter macht aus sei­ner Pi­ra­tin­nen­ge­schich­te Die Le­gen­de von An­ne Bon­ny ein akro­ba­ti­sches Spek­ta­kel vom Feins­ten. Bei al­ler Som­mer­thea­ter-Leich­tig­keit hät­te man aber doch ein biss­chen mehr Eman­zi­pa­ti­ons­ge­schich­te er­war­tet.  

Von  Maria Schorpp
Piratencrew Bildnachweis Ilja Mess

Ei­ne ein­ma­li­ge Ge­burts­tags­par­ty

Zu sei­nem 20. Ge­burts­tag hat das Kul­tur­fes­ti­val am Wo­chen­en­de Bands aus St.Gal­len und der Re­gi­on zu ei­nem zwei­tä­gi­gen Kon­zert­fest ein­ge­la­den. Die­ses war so viel­fäl­tig wie ge­lun­gen – auch we­gen der Idee, Co­vers aus der Grün­dungs­zeit des Fes­ti­vals in die Sets ein­zu­bau­en. 

Von  David Gadze
Kulturfestival 20 Jahre Jubilaeum 2026 Kasimir Hoehener

Bregenzer Festspiele

Mehr als die See­büh­ne: Ent­de­ckun­gen an den Bre­gen­zer Fest­spie­len

Von  Nathalie Grand
Pressetag broucek anjakoehler 260236

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 3

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 3: «Was der Kai­ser noch sah», Olaf Breu­ning – «Hu­mans» und Oria­na Bruseghi­ni  – Das ver­las­se­ne Ret­tungs­boot. 

Von  Redaktion Saiten
260708 Sommertipps Colazione Sull Erba Pfister Noemi copy

Von Mo­de und Kör­pern

Wie setzt Fo­to­gra­fie Mo­de in Sze­ne? Und wer fo­to­gra­fiert da­bei ei­gent­lich wen? Das Tex­til­mu­se­um St.Gal­len gibt mit «Mi­se en Scè­ne» Ein­bli­cke in 120 Jah­re Mo­de­ge­schich­te. Es ist die letz­te Schau vor dem Mu­se­umsum­bau. 

Von  Vera Zatti
TMF 22 4 1 V

«Ich ma­che das für al­le, die auf ei­nen Ent­scheid war­ten.»

Seit elf Ta­gen be­fin­det sich Ve­lat Ay­din vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in St.Gal­len im Hun­ger­streik. Im Ge­spräch mit Sai­ten er­zählt der Kur­de, wo­her er kommt und wes­halb po­li­ti­scher Ak­ti­vis­mus so wich­tig ist.

Von  Daria Frick
DSC 6579

Lus­ti­ges Mas­sen­ar­ten­ster­ben

Die St.Gal­ler Fest­spie­le sind vor­bei. Oper war in­door, draus­sen im Stadt­park spiel­te die End­zeit­ko­mö­die Pla­net B. Näh­me man die Bot­schaft des Stücks ernst, müss­te die Fest­spiel-Oper auch künf­tig res­sour­cen­scho­nend drin­nen blei­ben.

Von  Peter Surber
Festspiele planet b tanja dorendorf 1095