Das Gerangel um die grösste baureife Parzelle in Zentrumsnähe ist nicht neu. Stadtplaner Florian Kessler liess schon vor längerem durchblicken, dass sich mehrere Investoren für das Areal interessieren. Darunter auch grosse Generalunternehmen im Verbund mit Banken.
Damit hier nicht eine der immer gleichen, konventionellen Renditeüberbauung entsteht hat sich im Sommer 2019 die «IG Ruckhalde» zusammengefunden und mit einem bis weit in die Details ausgearbeiteten Konzept gemeldet. Vorgeschlagen wird eine Projektentwicklung, an der sich die Zivilgesellschaft beteiligen kann. Es gehe um «gelebte Nachbarschaften» die bestehende Quartierstrukturen der Umgebung mit berücksichtig.
Die «IG Ruckhalde» will, dass Quartiervereine und der Familiengartenverein früh mit ins Boot genommen werden.
Angedacht ist ein gemeinnütziger, respektive genossenschaftlicher Wohnungsbau. Denn günstige Genossenschaftswohnungen gibt es in St.Gallen bisher vergleichsweise wenige. Genossenschaften verrechnen eine Kostenmiete, denn sie müssen keinem kommerziellen Investor eine Rendite abliefern.
Aus der Stadt Zürich mit ihrem hohen Anteil an Genossenschaftswohnungen weiss man, dass solche Wohnungen bis zu 25 Prozent günstigere Mieten aufweisen. Zudem schlägt die «IG Ruckhalde» eine autofreie Siedlung vor, auch davon gibt es in St.Gallen bisher nur Einzelbeispiele.
«Renditeversagen»
Und nun tritt – unter dem fast gleichen Titel – aus der Ecke der Wirtschaftsförderung und des Hauseigentümerverbandes die «IG Zukunft Ruckhalde» an und behauptet, ohne kommerziellen Investor lasse sich an dieser steilen Hanglage kein Projekt realisieren. Bei einem gemeinnützigen Wohnungsbau komme es hier zu einem «Renditeversagen». Es brauche weder eine Projektentwicklung unter Beteiligung der Zivilgesellschaft noch eine autofreie Siedlung.
Auch die Freihaltung des gesamten ehemaligen Trassees der Appenzellerbahnen geht dieser Gruppe zu weit. Sie verlangt die Ausschreibung des Areals über einen Gesamtleistungswettbewerb und schlägt bereits eine Aufteilung in Baufelder vor. Das Resultat solle dann ein Mix aus herkömmlichen Miet- und hochpreisigen Eigentumswohnungen sowie gemeinnützigem Wohnen sein.
Die Investoren kleiden sich in ein grün-soziales Mäntelchen und schmücken ihr Konzept auch mit den Schlagworten aller modernen Investments. Sie sprechen von Freiräumen, begrünten Fassaden und Terrassen, von urban gardening, einer Kita und Coworking-Räumen. Es sollen «nachhaltige Baumaterialien» eingesetzt werden und «energetische Leuchtturmkonzepte» umgesetzt werden.
Sie reden von «kombinierter Mobilität» und übernehmen die von der ursprünglichen «IG Ruckhalde» lancierte Idee einer zusätzlichen Haltestelle der Appenzellerbahnen im Riethüslitunnel. Die kommerziell ausgerichtete «IG Zukunft Ruckhalde» nimmt dann für sich in Anspruch, den weiteren Prozess der Überbauung zu begleiten. Bis hin zu «einem verbindlichen Verfahren, damit ein Gesamtleistungswettbewerb für das Gesamtareal eingeleitet werden kann».
Rührendes Argument
Bei all den betonten Gemeinsamkeiten mit der ursprünglichen «IG Ruckhalde» bleibt ein schaler Nachgeschmack. Haben die Investoren und der Hauseigentümerverband erst jetzt realisiert, dass sie hier den Zug verpassen? Möchten sie nun noch aufs Trittbrett aufspringen?
Die ursprüngliche «IG Ruckhalde» findet es in einer ersten Stellungnahme zwar richtig, dass sich verschiedene Stimmen zur Zukunft dieses Areals melden. Kein Verständnis aber hat man hier und beim Ostschweizer Regionalverband der Wohnbaugenossenschaften aber für das prognostizierte «Renditeversagen».
«Wirklich rührend», kommentiert der Geschäftsführer des Verbandes, Köbi Konrad. Der Verband und die ursprüngliche «IG Ruckhalde» unterstreichen beide die wichtige Rolle der Stadt. Sie vergibt das Baurecht und sie wird Vorgaben machen.
«Der politische Wind hat gedreht», erinnert die «IG Ruckhalde» die Investoren und den Hauseigentümerverband. Der genossenschaftliche Wohnungsbau spiele heute eine wichtigere Rolle. Und dass ein solches Projekt gelingen könne, zeigten verschiedene Beispiele in der ganzen Schweiz. Auch in St.Gallen lasse sich eine grosse gemeinnützige Siedlung mit gegen 400 Wohnungen erfolgreich realisieren.
Klar ist für die Initianten auch, dass autofreie Siedlungen keine Utopie mehr sind und es ohne Tiefgaragen geht, denn die verursachen nur hohe Kosten. Kurz: Es dürfe nicht sein, dass auf dem Ruckhaldenhang ein weiteres ödes Neubauquartier entstehe.
Human Human spielen melancholischen und fragilen Indie-Pop, der trotzdem warm und lichtdurchflutet ist. Das St.Galler Duo hat jetzt seine erste EP veröffentlicht und tritt am Wochenende gleich zweimal im Bahnhof Bruggen auf – erstmals mit einer Band.
Kommentar zur Beratung der Inklusionsinitiative im Nationalrat
1976 lässt sich Gerd Zikeli in der evangelischen Kirchgemeinde St.Gallen-Straubenzell zum Pfarrer wählen. Drei Jahre später wird er als gut vernetzter Holocaust-Leugner und Vorstandsmitglieder der ersten Neonazigruppe der Schweiz enttarnt. Heute beobachtet er Laufenten.
Bildhauer Peter Kamm haut keine Steine mehr im Atelier. Trotzdem entstehen neue Skulpturen, die aktuell in Steckborn zu sehen sind. Wie geht das?
In vielen Ausserrhoder Dörfern klapperten früher Webstühle und später Stickmaschinen. Inzwischen sind sie alle verstummt. Der Film Das Ende einer Ära porträtiert die Sticker Walter Sonderegger Senior und Junior aus Rehetobel und setzt der Branche ein Denkmal.
Der Schweizer Filmemacher Kaspar Kasics überlässt in seinem neuen Film Das unendliche Jetzt Menschen, die mit Demenz leben, die Bühne. Ein Experiment mit einem aussergewöhnlichen Storytelling, auf das es sich einzulassen lohnt.
Die Schweizer Rocklegenden Krokodil haben kürzlich ihr neues Album Beyond The Eye veröffentlicht. Ur-Krokodil Düde Dürst schwärmt von der Energie der 2019 wiederbelebten Band – und hat noch lange nicht genug. Am Freitag spielen sie in der Grabenhalle.
24/7 Traumacore
Kunst in Oberuzwil
Musik
Patrick Kessler erhält den Ausserrhoder Kulturpreis 2026. Der Kontrabassist, Klangkünstler und Kurator aus Gais reist mit alten Lautsprechern nach Wien und Hanoi, tritt mit Insekten in einen musikalischen Dialog und findet seine wichtigsten Lektionen nicht unbedingt an Hochschulen.
Die Mobilitätsallianz Ostschweiz will Pendler:innen zum Umstieg vom Auto auf Bus, Bahn und Velo bewegen. Bei den zehn beteiligten Grossunternehmen lässt bereits jede fünfte Person das Auto am Morgen stehen. Nun sollen 500 weitere Firmen folgen.
Augustin Rebetez macht keine halben Sachen. Seine Kunst ist ausufernd und dicht zugleich. Er entwickelt anspielungsreiche Bildwelten – aktuell in der Kunsthalle Arbon.
Der Kanton Appenzell Innerrhoden plante am Landsgemeindeplatz in Appenzell ein neues Gebäude für die Gerichte, die Bibliothek und die kantonale Verwaltung. Die eidgenössischen Kommissionen für Natur- und Heimatschutz und jene für Denkmalpflege brachten das Projekt jedoch zu Fall.
Offener Brief an die Bundespolitik
Das Figurentheater St.Gallen wird 70. Was sich verändert hat, warum Puppen Kinder wie Erwachsene faszinieren und wie man auch Jugendliche erreichen kann: ein Gespräch zum Jubiläum.
Die zweite Ausgabe des audiovisuellen Festivals Susurrus in der Mülenenschlucht widmet sich der «mehr-als-menschlichen» Mitwelt. Mit akustischen und performativen Interventionen erkundet das Festival neue Formen der Beziehung zwischen Mensch und Natur.
In der Ausstellung «Die leisen Unterschiede» im Haus zur Glocke in Steckborn befassen sich fünf Künstler:innen mit der Wahrnehmung von Unterschieden.
Kolumne: Heppelers Bestiarium