Etwa 150 Bewohnerinnen und Bewohner der St.Galler Stadtquartiere Riethüsli und Tschudiwies kamen am Dienstagabend zur Info-Veranstaltung der AB in die GBS. Die Neuigkeiten versetzten viele in Staunen: Der 700 Meter lange Tunnel an der Ruckhalde soll mit Dynamit durch den Molassefels gesprengt werden. «Es ist nur mit minimalen Erschütterungen zu rechnen, und Schäden an den Gebäuden wird es nicht geben», verspricht Bauleiter Thomas Looser.
Der Plan (Bild: zVg) – Klick zum Vergrössern
Aber eben, es seien halt Sprengungen nötig, ergänzt AB-Direktor Thomas Baumgartner. Zu diesem Zweck würden im Innern des Hanges einzelne Löcher gebohrt, mit Dynamit gefüllt und dann… Bumm!
Zu welchen Zeiten gesprengt werde, wollen Quartierbewohner wissen. «Möglichst früh am Tag», antwortet Looser. Genau will er sich aber nicht festlegen. Der Tunnelvortrieb erfolgt in zwei Schichten, die erste beginnt um fünf Uhr morgens.
Ohne Klo ins Appenzellerland
Wenn im Jahr 2018 die DML betriebsbereit ist, sollen 50 Meter lange Tango-Züge auf der Strecke verkehren. Die AB planen, zwölf dieser Hightech-Schienenfahrzeuge anzuschaffen.
«Werden sie mit WC’s ausgestattet sein?», will eine Quartierbewohnerin wissen. «Nein», sagt der AB-Direktor. «Und warum nicht?» Weil es technisch nicht gehe, meint Baumgartner. In 2.40 Meter breite Bahnwaggons könnten keine Rollstuhl taugliche Toiletten eingebaut werden. Zudem seien solche Einrichtungen in den Zügen sehr teuer, und sie könnten nur auf Kosten von 12 bis 14 Sitzplätzen eingerichtet werden. Auch habe die AB auf der DML keine Infrastruktur, um die WC’s zu entleeren.
Die heutige Bahn: Rank statt Tunnel
Ein Mann aus der Verwaltung des Hochhauses an der Ruhbergstrasse kritisiert heftig die Informationspolitik der AB: Aus der Bau-Info-Tafel an der Oberstrasse werde man nicht schlau. Sie stehe zu weit weg von der Strasse, und wolle man das Kleingeschriebene lesen, müsse man mitten in den Dreck treten. Auch das Baugesuch und das Baumodell könne man nirgends anschauen. Zudem seien nie Visiere auf der Ruckhalde aufgestellt worden, damit man hätte sehen können, wo gebaut würde. Das gehe so nicht.
Keine Visiere, kein Modell
«Doch das geht», meint der AB-Direktor. Im unteren Teil des Hangs werde ja nur ein Einschnitt für den Tunnel gemacht, danach komme ein Deckel drauf. Dafür brauche es keine Visiere, und übrigens gebe es kein Modell zu dem Projekt. «Dann muss man das aber auch der Bauverwaltung der Stadt St.Gallen sagen», meint der Mann vom Hochhaus. «Dort erhält man nämlich die Antwort, dass ein solches Modell existiert.»
Nach dem Info-Abend in der GBS kann davon ausgegangen werden, dass zumindest die verkehrsmässigen Einschränkungen während der Bauzeit und ihre zeitlichen Abläufe unstrittig sind.
Erste Daten sind bekannt; so wird ab dem 7. März die Bus-Endhaltestelle von der Demutstrasse vor die alte Post umplatziert. Wenden müssen die Busse dann auf der Quartierstrasse Im Grund. Damit sie anschliessend ohne grosse Abweichungen vom Fahrplan wieder auf die Teufernerstrasse zurückfinden, wird eine Signalanlage installiert. Dadurch wird es zu Unterbrüchen des Verkehrsflusses aus dem Appenzellerland in die Stadt und umgekehrt kommen. Dieses Regime dauert bis Ende Jahr. Ferner gibt es zeitliche Beschränkungen für den Verkehr auf der Riethüslistrasse, und vom April bis Oktober 2018 verkehren zwischen St.Gallen und Teufen Busse als Bahnersatz.
Schöne neue Bähnliwelt in einer Visualisierung.
Tunnelsucht im Quartier?
Die Stimmung in der Quartierbevölkerung ist seit dem Entscheid, das Südportal des Ruckhaldetunnels von der Teufener- an die Riethüslistrasse zu verlegen, um einiges entspannter geworden. Von dieser Variante, zu welcher sich die AB 2010 durchrangen, werden weniger gravierende Auswirkungen für das Riethüsli erwartet, und vor allem fällt die ursprünglich vorgesehene Umleitung des Individualverkehrs von der Teufenerstrasse auf die Quartierstrasse Im Grund während der Bauzeit weg.
Ist das Riethüsli süchtig geworden nach Tunnelbauten? Man könnte es meinen, nachdem der Quartierverein für die Abstimmung vom kommenden Wochenende über die Güterbahnhof-Initiative die Nein-Parole herausgegeben hat. Denn das ist als ein Ja für den Strassentunnel vom Güterbahnhof bis in die Liebegg zu deuten, falls bei einer Abschmetterung des Volksbegehrens der Autobahnanschluss mit Teilspange für den Appenzeller Verkehr verwirklicht wird.
Noch bis in den Herbst hinein und auch in den zwei folgenden Sommern bleibt die Voliere im Stadtpark eine Buvette. Ab 2029 wird sie zur «Maison des œufs», zum didaktischen Hühnerhof. Die eingereichten Ideen sahen noch ganz andere Nutzungen vor.
Der Streit ums St.Galler Verbot von Tempo 30 auf Hauptverkehrsachsen geht in die nächste Runde: Das Referendumskomitee hat die notwendigen Unterschriften gegen eine Änderung des kantonalen Strassenverkehrsgesetzes eingereicht. Damit wird das Stimmvolk über die Frage entscheiden.
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